Zwotental – Adorf: Die Hoffnung stirbt zuletzt

    • Zwotental – Adorf: Die Hoffnung stirbt zuletzt



      Liebe Eisenbahnfreunde,

      wie Ihnen vielleicht bekannt ist, ist der südlichste Streckenabschnitt der Eisenbahnstrecke Chemnitz – Aue – Adorf (CA-Linie) von Zwotental nach Adorf/Vogtl akut davon bedroht, nach der 2012 erfolgten, dortigen Einstellung des regulären Verkehrs nunmehr auch als vorgehaltene Eisenbahninfrastruktur offiziell und endgültig stillgelegt zu werden.

      Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, gibt es jetzt eine Online-Petition, die das Ziel verfolgt, die Stilllegung der Strecke Zwotental – Adorf doch noch zu verhindern. Diese Petition ist ausdrücklich keine Aktion des FHWE e.V., sondern wurde durch die Privatperson Christoph Kopp initiiert. Dennoch sei auf diese Online-Petition hiermit hingewiesen und jeder Eisenbahn- und Heimatfreund, der sich der Eisenbahn im Vogtland verpflichtet fühlt, kann sie bitte gern mit unterzeichnen. Hier geht es zur Petition: weact.campact.de/petitions/erh…cke-adorf-vogtl-zwotental

      Ob und inwiefern eine Unterschriftenliste zum jetzigen Zeitpunkt die Stilllegung der Infrastruktur Zwotental – Adorf noch zu verhindern vermag, darüber ist an dieser Stelle nicht zu spekulieren. Die nüchterne Faktenlage ist die: Bereits seit 2006 wurde das Verkehrsangebot der täglich verkehrenden Triebwagen zwischen Zwotental und Adorf stark reduziert, seit 2010 verkehrten nur noch an Wochenenden und Feiertagen reguläre Züge. Am 8. Dezember 2012 endete hier der reguläre Verkehr der Vogtlandbahn durch Abbestellung seitens des Verkehrsverbundes gänzlich. Seither nutzen nur noch Gelegenheits- und Sonderverkehre das Streckengleis zwischen Zwotental und Adorf. Diese eher seltenen Fahrten bescheren der Betreiberin der Eisenbahninfrastruktur der Strecke Zwotental – Adorf, der DB Netz AG, nur noch sporadische Einnahmen, währenddessen die jährlichen Vorhaltungskosten für die Gleise deutlich höher liegen. Die DB Netz AG hat daher 2014 das Stilllegungsverfahren für diese Strecke beim Eisenbahnbundesamt (EBA) eingeleitet und hatte damit Erfolg: Seit 2016 hält DB Netz einen rechtsgültigen Bescheid des EBA in der Hand, die Stilllegung der Strecke Zwotental – Adorf frühestens im Dezember 2017 und spätestens im Juni 2018 durchführen zu dürfen. Das bedeutet stark vereinfacht und „volksnah“ ausgedrückt: In diesem Zeitraum darf DB Netz die Stilllegung der Strecke nunmehr „einfach so“ durchführen und muss sozusagen „niemanden mehr weiter fragen“.

      DB Netz ist aber nicht verpflichtet, die Stilllegung Zwotental – Adorf tatsächlich durchzuführen: DB Netz muss es nicht, sondern darf es. Würde DB Netz die Strecke nicht zwischen Dezember 2017 und Juni 2018 stilllegen, würde die existierende Stilllegungsgenehmigung verfallen und im Falle eines erneuten Stilllegungsinteresses müsste theoretisch ein neues Stilllegungsverfahren beim EBA beantragt werden mit der gesamten „Tippeltappeltour“ mit der Anhörung und Einbindung von Dritten usw. – ein rein theoretisches Szenario.

      In der Praxis ist also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass DB Netz von seiner seit 2016 vorliegenden Stilllegungsgenehmigung für Zwotental – Adorf Gebrauch machen wird und die Strecke zwischen Dezember dieses Jahres und spätestens Juni 2018 – mutmaßlich gleich im Dezember 2017 – stilllegen wird. Die Strecke Zwotental – Adorf wäre dadurch dann nicht mehr als Eisenbahninfrastruktur in Betrieb und könnte zukünftig auch nicht mehr z.B. von touristisch orientierten Sonderzügen benutzt werden. Um diesen Umstand wissend, fahren bis Dezember 2017 mehrere Eisenbahnvereine nochmals Dampfsonderzüge auf der CA-Linie zwischen Muldenberg, Zwotental und Adorf – unter anderem zu Ostern der Verein Sächsischer Eisenbahnfreunde e.V. aus Schwarzenberg sowie im Juni das Sächsische Eisenbahnmuseum e.V. aus Chemnitz.

      Kann denn dann die Strecke Zwotental – Adorf überhaupt noch gerettet werden? Nun – bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt und zumindest theoretisch ist es bekanntlich nie zu spät. Es hat Rettungen von Institutionen gegeben, die sind nicht „fünf vor Zwölf“, sondern eher „fünf Sekunden vor Zwölf“ gelungen – warum also im Falle Zwotental – Adorf nicht zumindest eine bestehende Initiative – in diesem Falle die o.g. Online-Petition – unterstützen, wenn diese zumindest noch eine Aussicht auf Erfolg haben könnte?

      Rein theoretisch könnte Zwotental – Adorf natürlich über die „politische Schiene“ gerettet werden. So könnte z.B. rein theoretisch der Freistaat Sachsen betriebswirtschaftlich gerechnet nicht rentable, im Gesamtinteresse des Landes politisch jedoch gewollte Eisenbahnstrecken zumindest als vorgehaltene Infrastruktur sichern, indem die öffentliche Hand ein bei der Vorhaltung der Gleisanlagen entstehendes Defizit dem Gleisnetzbetreiber erstattet und sich hierzu vertraglich verpflichtet. Freilich entspricht ein solches, wie gesagt theoretisch mögliches, Vorgehen nicht der tatsächlich stattfindenden sächsischen Landespolitik.

      Im Gegensatz zum Straßennetz: Hier gibt es das Vorgehen, dass millionen- und abermillionenschwere Straßenneu- und -ausbauten insbesondere von Ortsumgehungsstraßen und Autobahnzubringern im ländlichen Raum und nachher der teure und dauerhafte Unterhalt dieser Super-Straßen vorgenommen werden – trotz nachweislich aktuell und aufgrund der negativen demografischen Entwicklung im ländlichen Raume auch zukünftig fehlenden akuten und konkreten Bedarfs, jedoch schlichtweg aufgrund politischer Gewolltheit und im Interesse eines nach einheitlichen Ausbaugrundsätzen überall gleichwertig vorgehaltenen Straßennetzes.

      Analog dazu ist natürlich der Gedanke zu spinnen, ein solch konzeptionelles und im Interesse eines zusammenhängenden Gesamtnetzes stattzufindendes Vorhalten von Verkehrswegen auch im Schienenwegebereich anzuwenden. Wie gesagt findet dies in der aktuellen Politik nicht statt. Währenddessen im Straßenbereich so ziemlich nahezu alles gebaut und ausgebaut wird, was „irgendwie schön“ sein könnte und in den nächsten gefühlten eine Million Jahren auch nur verdachtsweise an Straßen gebraucht werden könnte, regiert im Schienenbereich eine extrem restriktive Politik: Alles, was auch nur den Verdacht erregt, dass es abkömmlich sein könnte, wird aus Sicht sächsischer Politik „besser“ nicht mehr gebraucht – es kostet ja Geld.

      Hier eine Umkehr in diesem politischen Verhalten zu erzeugen, ist wohl die einzige theoretische Möglichkeit, die Strecke Zwotental – Adorf zumindest als auch weiterhin vorzuhaltende Eisenbahninfrastruktur noch zu retten und damit deren auch zukünftige Nutzungsmöglichkeit z.B. für Dampfsonderzüge und anderweitige touristische Fahrten zu bewirken. Auf die Politik Einfluss zu nehmen muss aber nicht zwingend auf Landesebene beginnen, sondern kann und muss durchaus auch erst einmal im Kleineren ansetzen – in diesem Falle auf Landkreisebene. Und so zielt die o.g. Online-Petition darauf ab, den Landrat des Vogtlandkreises dazu zu bewegen, sich dafür politisch stark zu machen, die Strecke Zwotental – Adorf doch noch zu retten. Dies ist sicherlich zumindest kein schlechter Ansatz.

      Deshalb gilt: Insofern auch Sie Interesse an einem Fortbestehen des vogtländischen Eisenbahnstreckennetzes im Allgemeinen sowie der CA-Linie mit ihrem Streckenabschnitt Zwotental – Adorf im Besonderen haben, bitte unterzeichnen auch Sie die Online-Petition von Christoph Kopp für den Streckenerhalt Zwotental – Adorf unter weact.campact.de/petitions/erh…cke-adorf-vogtl-zwotental

      Vielen Dank!

      Holger Drosdeck
      Förderverein Historische
      Westsächsische Eisenbahnen e.V. (FHWE)


      PS: Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass auf eventuelle Rückfragen aus Aufwandsgründen nicht in jedem Einzelfall indivdiduell geantwortet werden kann.
    • Wenn der Plan der DB so durchgezogen wird, werden das wohl wieder die versprochenen blühenden Landschaften mit vielen Unkräutern, Büschen und Bäumchen, unter denen vielleicht noch eine Weile die Gleise dahinrosten bis der Schrotti kommt und in ferner Zukunft sich die Bürgermeister der Anliegergemeinden mit Steuergeldern einen Rad schnell weg bauen lassen.

      Das man damit auch eine Entlastungs- und Ausweichstrecke entsorgt hat, wird man bei DB vielleicht nie mitkriegen oder doch mal bereuen???

      Zu den verbleibenden Kapazitäten der Strecke nach Klingenthal kann man im Vogtlandforum nachlesen...

      VG Gerd
    • Hallo Max,

      mh, was ist "pausenlos"? Mir ist nix aufgefallen, was nennenswert mehr nervt. Wobei ich mich schon an anderen Online-Petitionen beteiligt habe. Aber ob ich nun pro Tag 22 oder 21 Spam-E-Mails bekomme, ist mir offen gestanden egal.

      Das wird mich nicht daran hindern, mich an anderen Online-Petitionen irgendwann wieder einmal zu beteiligen.

      Schreibt mit herzlichen Grüßen

      André
    • Hallo Max,

      man beachte die Schreibweise:

      Compact (rechtsgerichtetes Magazin)

      Campact (NGO)

      Beide Dinge stehen somit in diametral entgegengesetzter Ausrichtung in der zukünftigen Gestaltung unserer Gesellschaft.

      Ansonsten lassen sich derlei 'Newsletter' eigentlich über einen Link abbestellen, welcher meist im Kleingedruckten am Ende solcher Mails zu finden ist.

      Freundlichen Gruß, René
    • Sachstand Strecke Adorf-Zwotental

      Hallo,
      wegen der geplanten Stilllegung der Strecke kam es Mitte April im oberen Vogtland zu einer Zusammenkunft von Interessierten und Endscheidungsträgern.

      Dazu wurde folgende Information heraus gegeben.

      Informationen zur Situation der Strecke Adorf (Vogtl)-Zwotental
      Das westliche Teilstück der ehemaligen Bahnstrecke Chemnitz-Aue-Adorf soll im Dezember diesen Jahres stillgelegt werden.

      Intensive Gespräche zwischen den beteiligten Entscheidungsträgern, der DB Netz, eines interessierten Eisenbahn-Infrastrukturunternehmens, eines möglichen Betreibers, des Verkehrsverbundes sowie den Kommunen haben nun zu einer Konstellation geführt, die eine Stilllegung von Adorf (Vogtl)-Zwotental als eine auch für den Sonderzugverkehr wichtige Verbindungsstrecke abwenden könnte.

      Auf der Strecke soll touristischer Verkehr angeboten werden. Ein entsprechendes Konzept befindet sich in Erstellung. Die Voraussetzungen sind günstig: Die Strecke befindet sich in gutem Zustand und im BW Adorf am Streckenende sind Triebwagen beheimatet, die zukünftig auf der Strecke fahren könnten.

      Es bedarf nun einer Organisation, die Verkehre bestellt, den Zugverkehr organisiert sowie Serviceleistungen an den Fahrtagen und an der Strecke erbringt. Eine solche „Interessengemeinschaft Eisenbahn Adorf-Zwotental“ wird als Verein gegründet werden.

      Dieser Verein wird auf die Unterstützung durch Freunde der Strecke, Befürworter des Eisenbahnverkehrs sowie Nutznießer aus dem touristischen Bereich angewiesen sein.

      Die kurzfristige Gründung eines kompetent und handlungsfähig besetzten Vereins, eben jener „Interessengemeinschaft Eisenbahn Adorf-Zwotental“ ist die notwendige Bedingung zur Rettung der Strecke. Es existiert kein anderer Weg! Wenn Adorf (Vogtl)-Zwotental erhalten bleiben soll, sind wir daher auf Ihre Hilfe angewiesen! Diese kann je nach Wunsch und Möglichkeit individuell durch aktive Mitarbeit, passive Mitgliedschaft, finanzielle Förderung oder auch durch die Vermittlung interessanter Kontakte erfolgen.

      Für jedwede Fragen und Unterstützungsangebote besteht für Sie die Möglichkeit, sich an einen Verantwortlichen der zu gründenden „Interessengemeinschaft Eisenbahn Adorf-Zwotental“ zu wenden.

      Bitte beachten Sie auch unsere Online-Petition unter:
      weact.campact.de/petitions/erh…cke-adorf-vogtl-zwotental

      Herzlichen Dank!

      Bitte wenden Sie sich an:
      Christoph Kopp
      E-Mail: post@christoph-kopp.de

      Adorf (Vogtl.), am 15. und 16. April 2017

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      Und hier der Kommentar dessen, der die Information an mich heran getragen hat.

      Hallo Jörg!
      Die anhängende Datei (Text der Information) gibt den Stand recht getreu wieder.
      Das Protokoll der Sitzung liegt mir vor. Es enthält keine über die anhängende Datei hinausgehenden Fakten, da keine Ergebnisse erzielt worden sind.
      Sollte ein handlungsfähiger Verein entstehen, der arbeitet, Risiken trägt, Verkehre bestellt und zuvörderst eine Konzeption ausarbeitet, hat die Strecke eine Chance als weiterbetriebene Infrastruktur. Ansonsten wird die Strecke stillgelegt.
      Viele Grüße

      Dazu ein Gedanke von mir.
      Vielleicht wäre es gut, wenn Institutionen und Vereine die ein Interesse am Erhalt der Strecke haben,
      weil Sie diese zum Beispiel selbst Nutzen wollen, den Gedanken prüfen, ob Sie dem zu gründenden Verein mit beitreten.

      Der Ansprechpartner ist in jedem Fall Herr Kopp.

      Grüße Jörg