Aufarbeitung der Jung Hilax 8293/1938 bei der Waldeisenbahn Muskau

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      Mahlzeit!

      Die Lok kam Mitte Oktober, während ich beim Internationalen Feldbahntreffen in Polen weilte, wieder zurück zur der WEM und es ging langsam weiter mit den Arbeiten.


      Ein Detail ist der kleine Messingknauf für den Werkzeugkastendeckel im Führerhaus. Ich habe ihn vor Jahren an einem alten Schrank gefunden und ersetzt nur die einfache Schraube, die bisher zum Öffnen des Deckels diente.


      Der Knauf ist schon etwas abgegriffen und passt wunderbar zum Zustand der Maschine.


      Des Weiteren wurden die Holzbeilagen für die Pufferträger angeliefert. Es war nicht ganz einfach jemanden zu finden, der in der Lage war diese großen Eichenholzteile anzufertigen. Danke an Martin Braun für die Hilfe!

      Nach längerer Werkstattabstinenz konnte dann der zweite Bolzen für die Pufferplatte gefertigt werden.

      Der Kopfdurchmesser beträgt 60 mm, der Schaft ist 36 mm stark. Das 70er Rund vom Schrottplatz muss daher erstmal runtergeschruppt werden.
      Dieses große Volumen will erstmal zerspant werden ;)


      Für das Bohren des Splintlochs durch Mutter und Bolzen war etwas Kreativität bei der Aufspannung gefragt.


      Nun waren beide Bolzen fertig zum Einbau. Um später eine genaue Zuordnung der Teile zu gewährleisten wurde die Einbaulage mit Schlagbuchstaben markiert.


      Probeweiser Einbau beider Bolzen.

      Im nächsten Schritt geht es an das Bohren der Holzbeilagen für die Pufferträger.


      Gruß Sven
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      Mahlzeit!

      Wie angekündigt ging es nun mit den Holzbeilagen für die Pufferträger weiter.

      Zum Anreißen wurde der Pufferträger als Schablone verwendet und dann diverse Bohrungen und Senkungen eingebracht.


      Auch hier musste teilweise kreativ gearbeitet werden, da meine Werkstatt nur spärlich für die Holzbearbeitung ausgestattet ist.
      Die 82 mm Bohrung für die Pufferstange wurde mit einer Betonbohrkrone gefertigt.


      Nicht sonderlich elegant, doch es funktioniert, wenngleich der Übergang zum "thermischen" Bohren nicht weit war...:D


      Die 3 Durchgangsbohrungen mit 30 mm Durchmesser sind für die je 3 Befestigungsschrauben vorgesehen, die den Pufferträger mit dem Rahmen der Lok verbinden.
      Damit eine sichere Schraubverbindung gewährleistet wird, die nicht ständig nachgezogen werden muss, werden in die Bohrungen Distanzhülsen eingesetzt. Für einen guten Sitz wurde hier nochmal nachgerieben.


      Die Hülsen wurden aus dickwandigem nahtlosem Präzisionsstahlrohr gefertigt und hier auf der Drehmaschine passend abgestochen.
      Aus Vollmaterial zu Bohren und abzulängen hätte mir einfach zu lange gedauert.


      Holzbeilagen und Distanzhülsen.


      Die Hülsen wurden dann eingepresst und die erste Schicht Leinölfirnis auf die Beilagen aufgetragen.


      Die Werkstatt bekam auch wieder Zuwachs, dieser altehrwürdige 55/60er Maulschlüssel wurde beim letzten Schrottplatzbesuch entdeckt und wieder aufgehübscht, für die Montage der Pufferteile fehlte mir bislang ein passender Schlüssel.


      Bei einem Kurzbesuch in Weißwasser wurden an der Lok einige Maße abgenommen, damit Material für die im Winter vorgesehene Aufarbeitung der Bremse bestellt werden kann. Die Bremswelle muss ua. neu gelagert werden, die Flanschlager sind rund 5 mm oval eingelaufen und müssen ausgebuchst werden.

      Der Ausbau der Bremswelle mit den durch Nasenkeile gesichterten Bremswellenhebeln wird eine spannende Herausforderung werden.
      Mehr dazu später.

      Gruß Sven
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      Mahlzeit!

      Mal wieder was kleines zwischendurch:


      Die Aufarbeitung der ersten Waschbolzen wurde in Angriff genommen. Die Gewinde mussten teilweise nachgeschnitten werden. In Ermangelung eines Leitlineals an der Drehmaschine wurde mit einem Handstahl geschnitten.


      Ob es funktioniert wird sich zeigen, wenn die Gewinde im Kessel nachgeschnitten wurden, wofür noch ein Gewindebohrer W35x1/10" Kegel 1:5 beschafft werden muss. Da der Kessel jahrelang offen stand, waren die Gewinde im Kessel auch etwas angerostet. Zusätzliche Dichtmittel sind hier übrigens untersagt, daher muss es rein metallisch dichten.


      Für eine Neufertigung werde ich mir entweder ein Leitlineal bauen oder die Teile anfertigen lassen.
      Der lange Bolzen sitzt übrigens in der Rauchkammerrohrwand und hat einen verlängerten Schaft, damit der Vierkantsteckschlüssel nicht mit
      den Nietköpfen der Rohrwandrundnaht kollidiert.

      Gruß Sven
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      Mahlzeit Michael,

      Dann will ich dich gar nicht lange warten lassen, nun gibt es einen kurzen Bericht zum Stand der Arbeiten an den Puffern.
      Die letzten Vorbereitungen für das Vernieten der Pufferteile laufen, im Anschluss bringe ich sie dann in eine Lokwerkstatt zum Vernieten.


      Die Pufferplatte kam nochmal auf die Bohrmaschine, die Bohrungen waren noch für die Senkköpfe zu senken.


      Die Einzelteile erhielten die erste Grundierung.


      In erster Linie dient das der Vorbeugung von Spaltrost, da die Bereiche nach dem Vernieten nicht mehr zugänglich sind.


      Nach dem Trocknen wurden die zu vernietenden Baugruppen wieder zusammengesetzt und mit einer Reihe Heftschrauben versehen. Die freien Bohrungen werden dann zuerst vernietet.


      Die Teile sind mittlerweile in einer befreundeten Werkstatt angekommen und werden demnächst dort vernietet. Dazu gibt es dann einen neuen Beitrag.

      Gruß Sven
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      Mahlzeit!

      Nachdem der erste Satz Pufferteile nun zum Vernieten gebracht wurde, ging es an die Bearbeitung des zweiten Satzes.


      Diesmal habe ich den Pufferträger vor dem Anreißen für einen besseren Kontrast dünn grundiert.


      Die beiden noch nicht aufgearbeiteten Pufferhülsen mussten zunächst zerlegt werden. Die M36-Mutter mit Schlüsselweite 55 waren vermutlich seit mehr als einem halben Jahrhundert nicht mehr abgeschraubt und verweigerten sich zunächst hartnäckig jeder Drehbewegung. Selbst die Splinte mussten vorher ausgebohrt werden. Da etwas Wärme nie schaden kann, wurde zunächst mit dem Lötbrenner die Mutter angewärmt. Ein Schweißbrenner ist zwar mittlerweile vorhanden, doch fehlenen noch Brenngas- und Sauerstoffflasche.


      Die Muttern ließen sich trotz Anwärmen und Aufsteckrohr nur unter extremer Anstrengung lösen. Wer braucht da noch ein Fitness-Studio?
      Nebenbei bemerkt: mein 3/4" Nusskasten endet bei Schlüsselweite 50 und der lokale Werkzeughändler hatte auch keine 55er Nuss vorrätig, bestellen konnte ich die dann selber auch ;)


      Nach etwa 15 min war die Mutter entfernt, schwergängig bis zum letzten Gewindegang.


      Unter der Druckplatte fand ich die stark korrodierte Evolutfeder.


      Unter Einsatz einer Hydraulikpresse ließ sich die Feder entfernen. Ein beachtlicher Teil von ihr hat sich in den letzten 40 Jahren in Rost umgewandelt. Die Pufferstange lässt sich jedoch
      aufarbeiten.


      Die Feder ist dagegen nicht mehr zu gebrauchen, die einzelnen Windungen sind festgerostet und die Oberflächen stark vernarbt.


      Auch bei der zweiten Pufferhülse war die Mutter festgerostet und ließ sich nur mit viel Mühe entfernen. Die Feder ist etwas besser im Zustand, hatte jedoch andere Abmessungen und ist zudem zu weich. So müssen beide Federn ersetzt werden.

      Die Beschaffung der Federn hat noch etwas Zeit. Vorrangig müssen nun die Hülsen aufgearbeitet und mit dem Pufferträger verbohrt werden, damit auch dieser zum Vernieten gehen kann. Die Bohrbilder der Hülsen sind alle etwas unterschiedlich, hier wird wieder die Vorrichtung zum Aufreiben zum Einsatz kommen, die ich beim ersten Teilesatz angefertigt habe.
      Die Pufferstangen sind zu richten, zu überdrehen und die Gewinde nachzudrehen. Die Stangenköpfe auszuspinden und auszubuchsen, gleiches gilt für die zugehörigen Bohrungen der Pufferhülsen.

      Soweit für heute.

      Gruß Sven
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      Ist schon beeindruckend, was ihr da alles im Detail in Eigenregie entstehen lasst! :ok:
      Irgendwie kommen da bei mir auch wage Erinnerungen an meine Lehrzeit beim VEB Schlamm und Sch... auf, da hatte ich wohl doch einiges verdrängt ... :sing:

      Maschinist schrieb:

      Der Hauptanteil dabei wurde auf der Fräsmaschine erledigt.



      Oha, da hat der Arbeitsschutzbeauftragte wohl gerade seinen Kaffee in der Kantine geholt ... wurde zumindest hier daheeme leicht grinsend von der Chefin angemerkt ... :irre:
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      Mahlzeit!

      Die liebe Nika wird schon Recht haben, heute macht man das wohl so.
      Ich bin wahrscheinlich einfach zu altmodisch und sollte mir wohl auch mal ein neues Lehrbuch zulegen, in meinem steht nämlich von Schutzbrillen nichts drin:




      Handbuch der Dreherei, August Loß, Giebichenstein-Halle a.S., Jubiläumsausgabe 1920


      In der Kantine gab es auch keine Schutzbrillen, dafür aber was zu warmes zu Essen :D
      Und die 55er Nuss, die der Postbote frisch geliefert hatte.


      Die Kochstelle entspricht dann wohl auch nicht mehr den heutigen Bestimmungen? :crazy1:

      @Rainer: Warum gestellt? Späne kann man auch in schwarz-weiß machen :lol:

      Gruß Sven
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      war ja auch mit einem Augenzwinkern gemeint :lol: Klar, die Unfallverhütungsvorschrift soll man(n) nicht außer Acht lassen, schon wegen der "kleinen Teile"
      PS einer sollte Dir mal einen Topf für den warmen "Snack" schenken...
      PPS ich bin ja wie viele andere in Leipzig um die Gute herum geschlichen, bewundernswert Dein Engagement, ihr wieder Leben einzuhauchen. Die Stand-Crew sagt mir, dass sie derzeit nicht "lebt". Gut zu sehen, dass sich dies wohl ändert.
      mit Gruß aus Gernsheim

      Rainer :wink: