Schienenersatzverkehr wegen Personalmangel

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      rekok73 schrieb:

      Hallo,

      genauso, wie von Michael beschrieben, ist es. Zur anderen Fragestellung: Es gibt bei der HSB auch Tf, die nur Triebwagen fahren dürfen. Der allgemeine Werdegang ist: Heizer - Kesselwärter - Triebwagenführer - Dampflokführer. Die Tf-Führerscheine werden aber von (zumindest einigen) EVU im normalspurigen Bereich nicht in Gänze anerkannt, weil zuviele Ausbildungsinhalte fehlen: Signale, PZB usw. usf. Insofern müssen Tf von der HSB, die zum EVU wechseln, wo ich tätig bin, nochmals einen größeren Teil des Crashkurses für Tf-Quereinsteiger absolvieren.

      @99 246: Ob KiN, Fahrgastbetreuer (oder wie auch immer) im normalspurigen Bereich ein Easy-Job ist, möchte ich aus eigener Erfahrung bezweifeln. Tobi hat ja schon Probleme mit Kunden, die ihn am Telefon anschreien. Willkommen in der Welt, wo einem diese Kundschaft von Angesicht zu Angesicht gegenüber steht, mit zur Faust geballten Händen. Einige der Kollegen meiner Einsatzstelle wurden schon tätlich angegriffen. Frauen die Faustschläge in die Magengegend erhalten, Messer, die zur Bedrohung eingesetzt werden usw. usf. Willkommen in der Welt von alkoholisierten Fußballfans, Volksfestbesuchern und einfach grundlos zugedröhnten Zeitgenossen. Zumindest sagen unsere Tf alle: 'Der Job als Fahrgastbetreuer wäre mir bei der heutigen Kundschaft (im geringen aber prägenden Prozentsatz ... meine Anm.) viel zu anstrengend.' Zusätzlich darf man sich mit dem ständig neu erfundenen Tarifwahnsinn auseindersetzen: Vom Lidl-Ticket, Schnupper-Ticket, Currywurst-Ticket zum 'Immer wieder Sonntags'-Ticket (überspitzt ausgedrückt), wobei natürlich jedes Ticket andere tarifliche Bestimmungen hat und dazu jeder Verkehrsverbund andere Regelungen. Diesen Wahnsinn muss man dann vor den Fahrgästen vertreten, notfalls auch durchsetzen. Ob man von diesem Easy-Job täglich tiefenentspannt nach Hause kommt, möchte ich Deiner Bewertung überlassen. Recht hast Du allerdings, dass man vom monatlichen Entgelt durchaus den Lebensunterhalt bestreiten kann.

      Freundlichen Gruß, René
      Sicherlich, die Tarifvielfalt ist mittlerweile Irrsinn hoch 10. Und die "Patienten" an Bord kennt wohl jeder Eisenbahner. Aber letztere sind ja in der Regel vor allem auf bekannten Problemstrecken oder zu Problemzeiten unterwegs. Wenn man also nicht gerade auf so einer Strecke oder zu deren Zeiten Dienst hat, dann läuft das KiN-Dasein schon recht ruhig und easy ab. Und das ist halt doch der überwiegende Teil der Arbeitszeit.

      Ich persönlich wäre wohl auch nicht gerade optimal als Schaffner geeignet. Denn ich hab zwar ne sehr lange Zündschnur, heißt, ich lasse mir lange viel gefallen. Aber wenn die aufgebraucht ist, dann würde ich die Problemfälle mit der groben Kelle anpacken.

      Gruß
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      Hallo,

      dann bin ich wohl viel auf Problemstrecken unterwegs. :frech: Im Ernst, entweder sind die Züge voll mit bis zu 500 Fahrgästen in drei Fahrzeugen und wenn sie dann leerer werden, dann wird die Problemklientel wach. Und das ist schon lange von keinem Wochentag mehr abhängig. Wenn dann bei DB-Netz mal alles läuft und die Fahrzeuge auch nicht spinnen, dann hat man so schöne Schichten mit 4.36 Uhr Dienstbeginn, also spätestens 3 Uhr aus den Federn und 15.19 Uhr Dienstende, also 16.15 Uhr zu Hause. Da fühle ich eine Ruhe in mir, stimmt, denn ich könnte zum Feierabend im Stehen einschlafen. Dies macht man aber nicht nur 1mal, sondern mehrere Tage hintereinander. Im Spätdienst ist sehr beliebt: 12.39 Uhr Dienstbeginn bis 0.13 Uhr Dienstende, dass möglichst dreimal am Stück immer 13 Stunden von Zuhause weg und mitten in der Nacht daheim. Oder gerne genommen: 11-Stunden-Übergänge und und und. Ja, die meiste Zeit hat so ein Zugbegleiter ein total entspanntes Leben. :thumbsup: Genau deshalb kriegen wir in diesem Bereich wohl auch unsere Planstellen immer gerade so voll. Es stimmt: Man muss wirklich Voraussetzungen mitbringen, um in diesem Job überhaupt bestehen zu können. Hat man die, bleibt man meist bei der Stange. Der Rest ... und das ist die Mehrheit ... flüchtet trotz relativ guter Bezahlung schnell wieder (bestimmt, weil es zu easy ist). Eigentlich müsste also doch der Personalchef mit Bewerbungen überhäuft werden. Aber man hört es leider immer: 'Du hast doch nen easy Job!', 'Klar, wir suchen noch. Fang bitte an und unterstütze unser Team.', 'Ähm, warte, ich muss gerade Gründe suchen, warum ausgerechnet ich das nicht machen kann.' :zwink:

      Freundlichen Gruß, René