[PL] Ein Blick nach Polen...

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    • [PL] Ein Blick nach Polen...

      Grüße in die Runde,

      Anfang Mai führte mein Reiseweg Richtung Lettland einmal quer durch Polen von Süden nach Nordosten.
      Weil das Wetter nicht so richtig wunschgemäß ausfiel, dauerte die Durchquerung wesentlich kürzer als gedacht und führte dafür operativ bzw. einmal auch gezielt zu Relikten der alten Schmalspurherrlichkeit.

      1988 und zwischen 1999 und 2002 besuchte ich fast alle der damals noch existierenden Strecken im heutigen Polen. Im Regelbetrieb und mit Sonderfahrten dürften dabei über 1000 km Streckenlänge bereist und entdeckt worden sein. Erstaunlich viel davon ist (fast ausschließlich ohne Regelverkehr, meist im Touristenbetrieb an Einzeltagen oder in der Hauptsaison) bis heute erhalten. Einige wenige um die Jahrtausendwende noch betriebene Strecken habe ich nicht mehr mit Zugverkehr angetroffen, eine davon soll hier das Hauptthema sein.

      Ein erstes überraschendes Ziel erschien beim Abbiegen im Städtchen Praszka überraschend im Augenwinkel, wo ein recht frisch "renoviertes" Denkmal für die ehemalige Schmalspurbahn zu sehen war. Px48-1770 und ein Personenwagen des Typs 1AW der Waggonfabrik Świdnica (Schweidnitz) erinnern dort an die bis 1987 betriebene Schmalspurbahn (zuletzt noch nach Wieluń). Eigentlich suchte ich nach Anhaltspunkten für die frühere Lage des Bahnhofs und anschließend dem Streckenverlauf. Die Herrichtung des Denkmals in den letzten Jahren war scheinbar gründlich, bei der Beschriftung speziell des Personenwagens wurde aber gesündigt, was Schrifttype, die Verwendung von Klebezeichen und deren Anordnung angeht. Details zu den Fahrzeugen und deren Herrichtung zeigt folgender Link.

      muzeum.praszka.pl/index.php?id=615


      Am folgenden Tag lag die Strecke der ehemaligen Mławska Kolej Dojazdowa kreuzend auf dem Weg. Diese Strecke habe ich nicht mehr mit Zugverkehr erlebt, lediglich den Bahnhof Mława habe ich mal besichtigt und dort "einen Haufen" Fahrzeuge in unterschiedlichen Zerfallszuständen besichtigt. Ungefähr 10 Loks der PKP-Reihe Lxd2 (Faur L45H) standen dort abgestellt, darunter auch einige Loks der Strecken im Weichselwerder (seit 2003 wird ein Teil des dortigen Netzes mit anderen Fahrzeugen wieder befahren). Für eine Erkundung der langen Strecke habe ich damals keine Zeit aufgewendet. Aber nun bot sich an, mittels eines kleinen Umwegs einen etwa 15 km langen Eindruck vom aktuellen Abbau- bzw. Streckenzustand zu erhalten. Ich peilte ein Auftreffen auf die ehemalige Strecke Mława – Grudusk – Przasnysz – Maków Mazowiecki in der Ortslage Krasne an und fand dort frei liegende Gleise, die nicht überwachsen waren. Wenige Hundert Meter weiter (gemäß Recherche nach meiner Rückkehr auf dem Bahnhof der ehemaligen Strecke nach Ciechanów) fanden sich mehrere Gleise mit abgestellten Fahrzeugen. Davon war ich völlig überrascht. Nach der Besichtigung der Fahrzeuge und einigen Fotos fuhr ich gleisnah bis Przasnysz und stellte eine überwiegend gepflegte Gleisanlage fest. Gepflegt insofern, daß die Strecke nicht von Pflanzen überwuchert und das Profil überwiegend frei von Fremdkörpern gehalten war. Einzelne Sträucher oder herabgefallene Äste stellten Ausnahmen dar. Im Bahnhof Przasnysz standen weitere Fahrzeuge, allerdings z. T. mit erheblichen Vandalismusschäden. Hier schien ein Projekt zur Folgenutzung angefangen worden und gescheitert zu sein. Neben einer als Lxd2-293 bezeichneten Lok in relativ schlechtem Zustand (die Nummer könnte gut stimmen) mit einem Wagen und einer Lyd1 (bzw. WLs 150), der einige Fensterscheiben fehlten, inkl. "Sommerwagen" war auch die Gleisanlage vorhanden. Mangels Zeit gab es hier keinen Aufenthalt.

      Nach meiner Rückkehr versuchte ich zu recherchieren, was es mit dem Gesehenen auf sich hat. Dabei fand ich Folgendes vermeintlich heraus. Es handelt sich hier ausdrücklich nicht um harte Fakten, vielmehr um das, was ich aus Übersetzungen polnischer Beiträge in Foren und Zeitungsausschnitten meine, herausgefunden zu haben.
      Rund um Przasnysz hat ein Versuch zur Einrichtung einer Draisinenstrecke über 22 km stattgefunden. Außerdem gab es auf einem kurzen Abschnitt auch einzelne Fahrten mit Eisenbahnfahrzeugen. Davon gibt es Fotos und teilweise auch Filmchen im www. Um den Jahreswechsel 2016/2017 sei es aber zur Liquidation der bisherigen Gesellschaft gekommen. Außerdem wurde die Basis zur geschützten Unterstellung von Fahrzeugen in Mława nicht von PKP Immobilien übernommen, sondern geräumt (die näheren Umstände darüber haben sich mir wegen nicht ausreichender Kenntnisse der polnischen Sprache nicht sicher erschlossen). Viele (alle?) Fahrzeuge aus Mława wurden wohl nach Krasne überführt und stehen nun im Freien.

      Ein paar Links dazu:
      naszamlawa.pl/wiadomosci/nie-ma-na-stacji-lokomotywy/

      Die vermutlich meisten kompakten Infos sind leider nur bei Facebook zu finden:
      pl-pl.facebook.com/MlawskaKolejDojazdowa


      An den Lokomotiven ist für mich nicht einigermaßen sicher ermittelbar gewesen, um welche konkreten Exemplare es sich handelt.
      Die äußerlich recht gut aussehende Lxd2 ist auf dem Führerstand ziemlich versaut. Es sieht aus wie in einer Getreidemühle oder einem Zementwerk. Daher auch die blinden Scheiben. Im Anschluß mal drei Bilder aus der Hand von Daniel Trescher, bei dem die Bildrechte liegen, verbunden mit Dank für die Möglichkeit der Nutzung in diesem Beitrag.




      Bei dieser einer begonnenen Pflege unterzogenen Px48 könnte es sich um das Exemplar mit der Betriebsnummer 1784 handeln.






      Kennt sich unter den Lesern jemand bezüglich der letzten Entwicklungen an dieser Strecke aus bzw. hat persönliche Kontakte dorthin?
      Um welche Lokomotiven handelt es sich in Krasne?


      Der letzte schmalspurige Reiseinhalt lag im Sonderverkehr des Historischen Museums der Stadt Ełk, an welches die Schmalspurbahn inzwischen angegliedert ist. Es wurde viel investiert, u. a. ist das ganze Gelände des Schmalspurbahnhofs mit Museum und Werkstatt durch einen massiven und sehr hohen Zaun vor Zugang außerhalb der Öffnungszeiten geschützt, inkl. Stacheldraht. Vom 1.-3. Mai 2017 fanden Zugfahrten nach Sypitki statt. Weil es für Mai sehr kalt war, blieben alle Sommerwagen "im Stall" und es wurde ein sehr schöner Zug aus einer grünen Lyd1 (-212) vor 3 grünen 1AW-Wagen eingesetzt. Diese waren auch gut nachgefragt, ich schätze etwa 75 Fahrgäste. Es hat sich für mich gelohnt, dort vorbeizuschauen. Für die Präsentationen im Museum selbst blieb auf dieser Reise keine Zeit.

      Hier noch ein Link dazu:
      kolejka-elk.pl/o-nas/


      Vielen Dank für die Aufmerksamkeit - und vielleicht lassen sich ja noch ein paar Details klären und ergänzen.

      Freundliche Grüße
      217 055
    • Hallo 217 055,

      vielen Dank für Deinen Bericht. Mir war noch gar nicht bekannt, dass sich in Mlawa etwas getan hat - wenn vielleicht auch nicht ganz zum positiven. Das letzte Mal bin ich vor ca 10 Jahren dort vorbeigefahren, damals war auch schon alles abgestellt. Vor Ort trafen wir aber einen Mitarbeiter, er erzählte uns von Plänen den Güterverkehr und Touristenverkehr wieder zu beleben, damals glaube ich noch unter der Führung der SKPL. Sporadisch hatte man dann von einzelnen Aktionen etwas gelesen, aber nichts kontinuierliches. Das man aber nun den Standort Mlawa ganz aufgegeben hat, ist sehr schade. Mit den Fahrzeugen im Freien gebe ich dem ganzen keine Zukunft mehr.

      Hast Du aus Elk noch ein paar Fotos zum Zeigen?

      Ansonsten gern auch ein paar Aufnahmen noch von den älteren Besuchen, Polen ist immer wieder interessant.

      Viele Grüße,
      Tilo
    • Hallo Tilo,

      hab Dank für Deine Reaktion.
      Ja, die Räumung des Bahnhofs Mława halte ich auch für sehr bedenklich, was eine dauerhafte Zukunft angeht. Allerdings ist mir nicht bekannt, ob die dort Tätigen nicht eine Idee haben oder es noch andere Unterstellmöglichkeiten gibt. Die Streckenlänge beträgt ja doch 73 km. Wobei genau das ja eben ein Problem ist - wer solchen Streckenlängen mit schmalen privaten oder kommunalen Mitteln und max. ebenfalls kargen Einnahmen erhalten will, der bohrt ein ganz dickes Brett - oder übernimmt sich.

      Diesen Umstand (die langen Strecken) sehe ich auch als Gefahr für viele andere zur Zeit noch betriebene Bahnen der schmalen Spur in Polen, ob nun in Przeworsk, Jędrzejów, Karczmiska (dort fährt auch schon einige Zeit kein Zug mehr nach Nałęczów, somit gibt es keinen Bahnanschluß mehr), Piaseczno, Rogów oder Gniezno (Aufzählung unvollständig).

      Gern würde ich auch weitere Bilder zeigen. Aber das ist schwierig. Ich fotografiere weiterhin auf Filmen, besitze keinen Scanner und lasse zur Zeit die Filme nicht scannen, da ich keine Angebote mit zufriedenstellender Qualität zu einem akzeptablen Preis finde. Pro Film 30 Euro Folgekosten nach der Belichtung kann und will ich mir nicht leisten. Deshalb habe ich hier auch "nur" die Bilder des Daniel Trescher verwenden können, der zufällig gegen seinen Willen Scans geliefert bekam (und zur Not auch einen Scanner besitzt). Wegen Abwesenheit könnte ich Bilder von der Strecke Ełk - Sypitki nicht vor dem Monatsende Juli nachtragen. Ich werde mich drum bemühen.


      Freundliche Grüße
      217 055
    • Hallo 217 055,

      wenn es zusätzliche Kosten verursacht, dann brauchst Du die Bilder nicht veröffentlichen. Ansonsten würd ich mich freuen :-)


      Einmal habe ich die Strecke im Betrieb erlebt, das muß irgendwann Ende der 90er Jahre gewesen sein. Damals war sie aber schon auf dem absteigenden Ast und auch nicht mehr bis zum Ende befahren. Auf Grund des schlechten Wetters habe ich damals auch nur Schwarz-Weiß fotografiert. Wenn ich Zeit habe, werde ich die Negative mal einscannen und zeigen. :-) Gleiches gilt übrigens auch für Mlawa, da habe ich auch mal Glück gehabt, einen Güterzug zu erwischen - wenn auch ebenfalls bei schlechtem Wetter.

      Viele Grüße,
      Tilo
    • Servus Tilo,

      schlechtes Wetter gibt es eben. Auf schmaler Spur klappt es meistens auch mit den Belichtungszeiten trotz wenig Licht. Insofern würde ich solche Bilder sehr begrüßen. Ich kenne die Schmalspur von Ełk auch nur bei nicht so schönem Wetter, es gab aber wenigstens einige Lichtblicke zwischen und mit den masurischen Fotowolken.

      Die Strecken ab Ełk konnte ich per Foto-Sonderfahrt noch mit Ausnahme des Abschnitts Kalinowo - Turowo befahren. Diesen damals nicht gesehenen Abschnitt habe ich nun im Mai 2017 angesehen. Es ist eine äußerst aufwendige Trassierung, wie auch schon auf einigen Teilen der anderen Streckenabschnitte. Tiefe und lange Einschnitte und ebenso lange und hohe Dämme sind dort vorhanden. Überwiegend durchgehend liegen die Schienen weiter unter dem Gras und Gesträuch, Unterbrechungen habe ich nur im Fall von Straßenerneuerungen gesehen.


      Grüße
      217 055
    • Situation der Nadwiślańska Kolejka Wąskotorowa

      Hallo,


      bei den Ausführungen zur Nadwiślańska Kolejka Wąskotorowa vermisse ich einen Hinweis auf die zwischen der Wojewodschaft Lublin und dem Kreis Opole Lubelskie geschlossene Vereinbarung zur Modernisierung dieser Schmalspurbahn. Ziel ist die Wiederherstellungder Befahrbarkeit des Abschnitts Karzmiska - Nałęczów. Die Arbeiten sollen mit EU-Mitteln gefördert und in den Jahren 2018 –2020 ausgeführt werden. Auf der Homepage dieser Bahn wurde eine diesbezügliche Information am 05.06 2017 veröffentlicht.

      Gruß


      Fahrkartensammler
    • Hallo Fahrkartensammler,

      ich finde es gut, daß Du die Information über die vorgesehene Investition im Kreis Opole Lubelskie in die Strecke nach Nałęczów hier anbringst.


      Durch die Wortwahl mit dem "vermissen" fühle ich aber leichte Kritik an meinen Ausführungen. Die ist selbstverständlich zulässig, aber aus meiner Sicht nicht zu Recht angebracht. Wenn ich das gewußt hätte, hätte ich es selbstverständlich nicht unterschlagen. Ich habe gestern fast zeitgleich zu Deinem Beitrag genau diese Info selber gefunden - und mich sehr darüber gefreut. Hoffen wir also auf die Umsetzung der Planungen und ein langfristig erfolgreiches Konzept.



      Gruß

      217 055
    • 2 Bilder zur Ełcka Kolej Wąskotorowa (ehem. Lycker Kleinbahnen)

      Hallo allerseits,

      für den Teil Ełk bin ich heute in der Lage, 2 Fotos nachreichen zu können.
      Diese stammen wieder von Daniel Trescher, bei dem alle Rechte daran liegen und der mir erlaubt hat, seine Bilder hier zu zeigen.

      Am 3. Mai 2017 erreicht die Lyd1-212 mit ihren 3 Wagen sogleich die Station Kałęczyny. Zur wirklichen Authenzität des Zuges fehlt natürlich ein Gepäckwagen. Auch waren gegen Ende des Regelbetriebs in Ełk die dortigen Lyd1 (und auch einige Wagen) eher beige lackiert mit rotem Ziersteifen. Trotzdem habe ich mich über diesen Zug sehr gefreut. Der Lokführer fuhr eigentlich immer ohne Licht, jedoch bei Sichtung von Fotografen wurde das sofort nach Erkennen geändert, was für die Bilder bei dem schwachen Licht sehr wichtig war. Dafür noch virtuell vielen Dank.






      Wenig später strebt der Zug hinter dem ehemaligen Abzweigbahnhof Laski Małe gen Sypitki.






      Einen schönen Abend wünscht

      217 055