Hochwasser im oberen Wernigerode-Hasserode am 26.07.2017 (9 Bilder)

    • Hochwasser im oberen Wernigerode-Hasserode am 26.07.2017 (9 Bilder)

      Hallo,

      nach einem Termin in Thale bin ich mit meiner Tochter mal nach Hasserode gefahren, um zu schauen, was das aktuelle Hochwasser in unserer Heimatstadt so angerichtet hat. Zuerst steuerten wir den Bahnhof Hasserode an, wo die 199 874 abgestellt ist.



      Dann fuhren wir auf der Bielsteinchaussee in Richtung WERBAT (am Bahnhof Steinerne Renne). Hinter dem ersten Bahnübergang war die Straße gesperrt, also wurde das Auto abgestellt. Die Straße wurde hier von einem Bach gequert und so blieb nur der Bahnkörper, um trockenen Fußes weiterzukommen. Der Verkehr war sowieso eingestellt.



      Ein Blick zurück zeigt, dass das Einfahrvorsignal des Bahnhofs Hasserode aufgrund eines Stellwerksausfalls erloschen ist.



      Ich achtete darauf, dass meine Tochter neben dem Gleis auf dem Kabelkanal läuft, um ihr gar nicht erst falsche Angewohnheiten beizubringen. So erreichten den Bahnübergang mit der Straße Steinerne Renne an der WERBAT.



      Wie man unschwer erkennen kann, ist die parallel zur Bahnstrecke verlaufende Bielsteinchaussee nicht passierbar.



      Hier ist auch der Bahnkörper in Mitleidenschaft gezogen...



      ... während sich die Holtemme in ihrem Bett zum reißenden Strom entwickelt hat.



      Dann ging die Watwanderung auf der Straße weiter zur Bogenkehre. Die Straße mussten wir uns mit einem Wasserlauf teilen. Dieser neue Nebenlauf der Holtemme überquert auch das Streckengleis in der Bogenkehre.



      Den Abschluss bildet ein Bild von der Brücke über die Holtemme im Verlauf der Bogenkehre.



      Nun ging es auf gleichem Weg zurück zum Auto, um nach Hause zu fahren. Die Bilder entstanden mit der Kamera des Handys, da wir von Thale kommend keine andere Kamera dabei hatten.

      Freundlichen Gruß, René
    • Danke René,

      die ersten Eindrücke sehen ja nicht sehr optimistisch aus. Ich hoffe, daß wenigstens alle wegfahrbaren Sachen in Sicherheit gebracht sind. Die abgebildeten Schäden an Gleisanlagen werden wohl bedauerlicherweise nicht die einzigen Schäden sein.

      Aber zunächst wünsche ich allen Anwohnern im Katastrophengebiet, daß die Regenfälle nun endlich aufgehört haben, damit sich die Schäden nicht noch weiter potenzieren.

      Wenn du in Thale warst, wie sieht die Situation im Bodetal und Selketal aus? Ich befürchte, daß diese Region ebenso betroffen sind.

      Nach Aufnahme der Schäden hoffe ich, daß neben der Straßeninfrastruktur auch die Schienenwege wieder rasch instand gesetzt werden.

      Gruß aus Debrecen
    • Habe gerade im Bw Wernigerode kurz mit einem Lokführer gesprochen. Im Bereich des Brockens sind über 200l/m² Niederschlag gefallen und irgendwie bahnt sich ja das Wasser den Weg nach unten. Aber auch in Gernrode soll es Schäden an der Strecke geben.

      Da kann man nur hoffen, daß baldigst wieder ein Normalzustand eintritt, wenngleich es vielen Urlaubern zeitbedingt nicht helfen wird. Aber das ist in dem Zusammenhang nur Nebensache, wenngleich sich ein jeder auf schöne Bilder und Erlebnisse mit der HSB gefreut hat. Aber man denke auch an die Menschen, denen das Wasser buchstäblich knietief in die Häuser eingedrungen ist.

      Viele Grüße, Hornhausen
    • Jürgen schrieb:

      Und warum sollte das Wasser in Wernigerode in die tiefergelegene Altstadt abgeleitet werden?

      Viele Grüße aus
      Wernigerode
      Web de schrieb:

      19:07 Uhr: Hält die Talsperre von Wernigerode?
      Wegen der starken Regenfälle ist die Zillierbachtalsperre oberhalb von Wernigerode im Harz randvoll - ob sie überläuft, ist aber unklar.
      Der Zulauf nehme nicht mehr zu, und so sei unklar, ob und wenn ja wann die Talsperre überlaufe, sagte Andreas Rudolf, Leiter Planung und Bau des Talsperrenbetriebs Sachsen-Anhalt am frühen Mittwochabend in Blankenburg. "Man kann es nicht abschätzen."

      Wenn ich diese obige Meldung lese und das Foto von rekok73 sehe denke ich mir als Gast von Wernigerode, daß da gewisse Gefahren bestanden haben. Von Ableiten kann allerdings keine Rede sein. Ich habe einmal vor ein paar Jahren die Auswirkungen eines Talsperrenbruches in Polen auf deutscher Seite gesehen. Da steht Wasser in Massen, wo früher nie welches hingekommen ist.

      Viele Grüße, Hornhausen
    • Hallo,

      von einem Bruch des Staudammes der Zillierbachtalsperre war nie die Rede. Ein Überlaufen der Talsperre beschreibt eine Maßnahme zur Hochwasserentlastung. Hierfür gibt es an Talsperren verschiedene technische Möglichkeiten. In jedem Fall wird das Wasser durch den Talsperrenbetreiber auch dann noch (halbwegs) kontrolliert abgeleitet und durchfließt am Fuße der Talsperre noch ein sogenanntes Tosbecken, welches die Funktion besitzt, die Bewegungsenergie des Wassers weitestgehend umzuwandeln. Dem Wasser wird die hohe Geschwindigkeit genommen.

      Genauso wurde diese eventuelle Maßnahme seitens des Betreibers der Zilliertbachtalsperre auch kommuniziert. Soziale Netzwerke und einige Medien haben natürlich wieder dramatisiert und teils News verbreitet, dass Wernigerode in einem förmlichen Tsunami absaufen würde. Wer den Zillierbach am Nachmittag am Westerntor gesehen hat, weiß, dass er schon viel Wasser führte. Ein (halbwegs) kontrolliertes Überlaufen der Talsperre hätte die Wasserlast erhöht und es wäre möglich gewesen, dass auch Wasser in die Altstadt abgeflossen wäre. Aus diesem Grund hatte die Stadt am Markt als Vorsichtsmaßnahme die Sandsäcke ausgelegt. Gestern Früh war von den Sandsäcken schon nichts mehr zu sehen.

      Wie man sieht, die sogenannten "Nachrichten" die heute in sozialen Netzwerken in Windeseile geteilt werden und leider auch von einigen Journalisten aufgegriffen werden (selbst bei den öffentlich-rechtlichen Medien sind Tendenzen zum Sensationsjournalismus erkennbar), um die Einschaltquoten zu sichern, dienen dazu, die Menschen zu verunsichern ... und die Emotionen schlagen immer höhere Wellen (aber nicht die des Zillierbaches).

      Es ist eben ein Phänomen der Schaulust und Neugierde, welches durch die Möglichkeit des Teilens jeglichem Nonsens in sozialen Netzwerken, von Menschen ohne fachliche Eignung in den betroffenen Bereichen, wozu leider auch eine Vielzahl von Journalisten gehören, befeuert wird.
      Manche Psychologen interpretieren die menschliche Schaulust als das Produkt eines „Sicherheitstriebs“, denn durch das neugierige Erforschen von Unbekanntem gewinnt der Mensch an persönlicher Sicherheit. Daher suchen Schaulustige nicht nur den Nervenkitzel, sondern auch Informationen, um die Gefahr zu verringern, einmal selbst in eine solche Situation zu geraten, wobei dieser Zusammenhang den nach "News" lechzenden Medienkonsumenten meist nicht bewusst ist, sondern auch als unterbewusster Wunsch nach Bestätigung der eigenen Unversehrtheit beim Miterleben des Leids anderer interpretiert werden kann.

      Dies konnte man in Wernigerode diesmal wieder gut beobachten, um dies an einem Beispiel zu verdeutlichen: Da wurden (selbst unter Wernigerödern) über soziale Kanäle Videos geteilt, wie das Hochwasser schon durch die Burgstraße fließt, natürlich ohne Kommentar, so dass der Empfänger an den gegenwärtigen Zustand glaubte, obwohl die Aufnahmen vom 02. Juni 2016 waren.

      Freundlichen Gruß, René
    • Hallo,

      hier noch eine Information:

      Aus der Zillierbachtalsperre oberhalb von Wernigerode wird nach Einschätzung des Talsperrenbetriebs noch tagelang Wasser überlaufen - allerdings nicht in gefährlichem Ausmaß.
      Derzeit strömten rund 1,3 Kubikmeter je Sekunde in den Zillierbach, negative Auswirkungen auf Wernigerode gebe es aufgrund der vergleichsweise geringen Mengen nicht, sagt der Geschäftsbereichsleiter im Talsperrenbetrieb, Joachim Schimrosczyk.

      Anmerkung: Auch eine Badewanne besitzt technisch einen Überlauf, der, wenn sie zu voll ist, das Wasser der Wanne ableitet, damit nicht das Bad geflutet wird. Das Bad wäre hier im analogen Sinne natürlich die Stadt Wernigerode. Erst, wenn man den Hahn noch weiter aufdreht, wird natürlich irgendwann das Wasser auch unkontrolliert über den Wannenrand schwappen, was hier bei Verwendung des Begriffes "Überlaufen" aber gar nicht gemeint war.

      Freundlichen Gruß, René
    • Hallo,

      heute habe ich, von Erfurt kommend, nochmals einen kleinen Abstecher in das Tal der Holtemme unternommen. Die WERBAT am Bahnhof Steinerne Renne ist wieder mit dem Auto erreichbar, auch wenn noch an manchen Stellen das Wasser über die Zufahrt fließt. Im Ausgangsbeitrag zeigte ich ein Bild vom unterspülten Bahndamm. Als Vergleich habe ich heute dieses Bild gemacht. Der Betrieb auf dem Harzer Schmalspurnetz konnte mittlerweile wieder aufgenommen werden, was hier ja schon in einem anderen Beitragsbaum thematisiert wurde.



      Freundlichen Gruß, René
    • Hallo zusammen,

      beim Lesen der vorstehenden Beiträge erinnerte ich mich, dass ein Hochwasser schon mal schwere Schäden zwischen Wernigerode und Drei Annen Hohne angerichtet hatte. Ein Blick ins "Schmalspurbahn-Archiv" bestätigte das:
      Das [...] Unglück geschah am 6. Juli 1927. An diesem Tag ging über dem Harz ein schweres Gewitter nieder. In der Kurve beim Thumkuhlental zwischen Drei Annen Hohne und Steinerne Renne wurde der Bahndamm durch die vom Berg herabstürzenden Wassermassen weggespült. Vom Lokomotivpersonal des vollbesetzten Personenzuges, der sich zu dieser Zeit auf der Strecke befand, wurde der Schaden in der Dunkelheit nicht bemerkt, so daß die Lokomotive und zwei Wagen vom Damm abstürzten. Sechs Menschen fanden den Tod.
      Das Buch zeigt auch ein Foto von den Bergungsarbeiten.
      Viele Grüße
      Eckhard
    • Hallo,

      auf dem Bild kann man zumindest gut erkennen, dass die Unfallstelle bergseitig der Brücke über den Fahrweg im Thumkuhlental gelegen war, denn der Durchlass des Braunen Wassers befindet sich, wenn man im Thumkuhlental talwärts läuft, rechts neben dem Weg. Der Durchlass ist gut zu erkennen, genau wie im Vordergrund das Braune Wasser selbst. Das Bild wurde somit aus der Perspektive des heutigen Bahnparallelweges Richtung Drei Annen nach Querung des Thumkuhlentals und des Braunen Wassers aufgenommen.

      Freundlichen Gruß, René
    • Hallo,

      hier noch das schon erwähnte Bild von den Bergungsarbeiten. Die Schutzrechte des Bildes sollten abgelaufen sein.



      Nachtrag: Mein Verständnis ist, dass die Postkarte etwa bei Punkt 1 und das obige Foto am Punkt 2 auf der folgende Karte entstanden sind. Auf der Postkarte oben ist auch das beschädigte Gleisbett zu sehen (da steht auch jemand), offenbar war darunter der Damm abgerutscht.


      Karte: OpenStreetMap (CC BY-SA)
      Viele Grüße
      Eckhard
    • Hallo Eckhard,

      so ist es: Beim Bild 2 stand der Fotograf oberhalb des Durchlasses des Braunen Wassers und fotografierte in Richtung Drei Annen. Da die Lok und die ersten zwei Wagen abstürzten, kann man anhand des Bildes auch erkennen, dass es sich um einen talwärts fahrenden Zug gehandelt haben muss.

      Vielleicht war der Heizer gerade mit dem Feuerbett beschäftigt und der Lokführer konnte im Außenbogen die Gefahrenstelle nicht rechtzeitig erkennen, um noch bremsen zu können, dazu dann noch die Dunkelheit ... und schon ist das Desaster da.

      An gleicher Stelle sollte ja auch die HSB im Jahr 1994 den schwersten Unfall ihrer Geschichte erleben. Auch als Ergebnis dieses Unfallhergangs wurden die Lokomotiven mittlerweile (ab 2014) mit einem Kollisionswarnsystem ausgerüstet.

      Freundlichen Gruß, René
    • Hallo

      es gibt sogar einen Augenzeugenbericht. Die hinteren Wagen waren mit Ferienkindern aus Niebüll besetzt. Wäre der gasammte Zug abgestürzt...es hätte weit mehr Tote gegeben.

      ak-ansichtskarten.de/ak/100-An…n-am-6-Juli-1927/?&lang=1

      wegen der Rechte an den Bildern von der Aufstellung kannst du Ulli auch selbst fragen, er hat eine Autowerkstatt am Dornbergsweg.


      Michael
    • minolpirol schrieb:

      Hallo

      und hier ein Scan der etwas makabren Bildpostkarte...auch schon damals konnte man über Geschmack streiten.




      Hallo,

      heute war ich im Thumkuhlental unterwegs und habe mal die Gelegenheitheit ergriffen, ein Vergleichsbild zur Bildpostkarte aus dem Jahre 1927 anzufertigen. Im Vordergrund das Braune Wasser und im Hintergrund der Fahrweg im Thumkuhlental. Der Durchlass des Braunen Wassers unter der Bahnstrecke ist aus diesem Blickwinkel durch Bewuchs nicht mehr zu sehen.



      Auch 90 Jahre nach dem Ereignis passieren noch Mallet-Loks die ehemalige Unglückstelle, wie heute der Traditionszug zum Brocken. Das kleine Video und das Bild habe ich mit dem Handy aufgenommen, denn sie waren nur ein Nebenprodukt der vormittäglichen Tour im Thumkuhlental.



      Freundlichen Gruß, René