Sächsische VIII K

    • Sächsische VIII K

      Hallo zusammen,

      die Lokomotiven der Baureihen 99.73-76 und 99.77-79 werden unter Eisenbahnfans gern als "Sächsische VII K" (sprich 7 ka) bezeichnet. Wir wissen alle, dass dies formal falsch ist, da diese Baureihen nicht mehr von den Sächsischen Staatseisenbahnen beschafft wurden. Nichtsdestotrotz ist dieser Begriff verbreitet und hat auch Eingang in die Literatur gefunden (z. B. Wolfram Wagner, Reiner Scheffler: Die sächsische VII K. Die Geschichte der Baureihe 99.73–79. Bufe-Fachbuchverlag, Egglham 1993, ISBN 3-922138-47-0).

      Jetzt wurde mir gegenüber aber behauptet, dass auch die Bezeichnung "Sächsische VIII K" (sprich 8 ka) gebräuchlich sei für die Baureihe 99.77-79. Mir war das neu, ich habe das noch nirgendwo gehört und ich habe auch keine Literatur gefunden, wo dieser Begriff verwendet wurde bzw. wird.

      Was meint ihr denn dazu? Gibt es andere Belege für die Verwendung dieses Begriffs?
      Viele Grüße
      Eckhard
    • Hallo Eckhard,

      tja, was ist "gebräuchlich"?

      In Jöhstadt haben wir die 1991/92 neu gebauten Neubauloks danach einige Zeit als "Atomloks" bezeichnet - genauso wird es irgendwelche Witzbolde geben, die "Acht Ka" sagen - und die 99 4511 wird bei anderen Witzbolden dann wohl die "Neun Ka" sein - aber da bin ich schon längst "Kaa Ohhh", weil - wie Du schon schreibst - selbst VII K schon fragwürdig ist.

      Die Frage ist, wann wird der Volksmund zu einer in der Öffentlichkeit seriösen Bezeichnung.

      Es gab in der DDR keinerlei offizielle Rekonstruktion von schmalspurigen Lokomotiven - trotzdem gibt es Lok-Archiv-Ausgaben vom Transpress-Verlag, in denen "IV K Reko" und "VI K Reko" steht. Die Redaktion hatte sich damals dem Volksmund gebeugt, es gab deshalb redaktionsintern harte Auseinandersetzungen. Auch Günter Meyer war stinksauer über diesen Unfug.

      Wenn der Volksmund "VI K-Reko" sagt, weiß man trotzdem, was gemeint ist.

      Es ist immer die Frage, wie viele Menschen - und Buchautoren - einen Unfug aufgreifen. Volksmund sollte vielleicht gesprochener "Mund des Volkes" bleiben - das Volk lässt sich seinen Schnabel nicht verbieten - und das ist gut so! Aber in ernsthaften Veröffentlichungen hat so ein Quatsch meines Erachtens nichts zu suchen. Doch wir leben noch in einem einigermaßen freien Land, auch da kann niemand "angezeigt" werden, wenn er von "acht Ka" schreiben würde. Aber jeder blamiert sich auf seine Weise eben selbst!

      Seitdem die Schmalspurbahn ab Hainsberg wieder bis Kipsdorf fährt, spricht z. B. für mich nichts mehr gegen die Verwendung des 1883 eingeführten Begriffes "HK-Linie".
      Trotzdem wird seit einigen Jahren auch von WTB geschrieben, was mich immer als erstes an meine Freunde von der Wutachtalbahn in Baden-Württemberg denken lässt.

      Wessen Tellerrand aber nicht so weit geht, gut - für den mag WTB in Ordnung gehen - allerdings sollte man in Geschichtsbüchern aufpassen und daran denken, dass anders als der Name Preßnitztalbahn, der seit den 1890er Jahren nachweisbar ist, das Wort "Weißeritztalbahn" wohl erst in den 1980er Jahren erfunden worden ist ...

      Soweit meine Philosophie zum Feiertag ...

      Beste Grüße

      André
    • Hallo allerseits,

      zum von André Geschriebenen möchte ich neben meiner Unterstützung des dort ausgeführten noch ergänzen, daß man bestimmt nichts falsch macht, wenn man von der Weißeritztalbahn schreibt - auch wenn es vielleicht keine "ewig" geläufige Benennung sein mag.
      Aber WTB - das ist dann doch zu viel des Unsinns. Abkürzungen sollten doch möglichst offiziell sein, also aus dem Duden oder von "amtlichen" Schriften stammen (sonst fehlt die allgemeine Verständlichkeit). Als niederste Regel sollte bei eigenen Schöpfungen dann wenigstens eine Logik dahinterstecken und beim Erstgebrauch erklärt werden. Wenn dann jemand das Wort Weißeritztalbahn unbedingt abkürzen möchte, dann doch bitte "Wtb.". Andernfalls wäre die Ausschreibung WeißeritzTalBahn - und das wollen wir doch nun wirklich nicht so etablieren, oder?

      Achso, ein Wort zum Ursprungsthema möchte ich auch noch anbringen. Wenn "geschlossene Kreise" internes Vokabular verwenden, ist das natürlich ok, grenzt aber Personen außerhalb dieses Kreises vom Verstehen meist aus wie eine Fremdsprache. Deshalb halte ich es für sinnvoll, nicht alles nachzuquatschen, was man so hört und vor allem zu unterscheiden, ob man in vertrautem Umfeld redet oder für die Allgemeinheit schreibt. Beim Nachquatschen von Gehörtem ohne eigenen Zugang dazu kommen dann beispielsweise Bezeichnungen wie Taigatrommel, falsch angewendet auf die DR-BR 130 - 132 oder heute DB-BR 232, zustande. Einfach aufgeschnappt, nicht gefragt bzw. durch eigenes Erleben abgeglichen und verbreitet - schon ist er da, der Umgangssprachenmist.
      Und weiter: VIII K habe ich noch nie ernsthaft gehört - höchstens bei Spitzfindigkeitswettbewerben wie Altbau-VII K, Altbau-Neubau-VII K, Neubau-Neubau-VII K usw..


      Freundliche Grüße
      217 055

      Nachwort: Nach permanentem Kontakt mit Druckerzeugnissen in alter Rechtschreibung, neuer Rechtschreibung oder auch schriftlicher Beliebigkeit in öffentlichen Räumen behaupte ich längst nicht mehr, wirklich regelfest zu sein. Wenn ich also in meinem Beitrag Fehler geschrieben habe, nehme ich einen Hinweis darauf sicher nicht übel. Zum Beispiel bin ich mir nicht sicher, ob mein Vorschlag "Wtb." nun den Punkt richtig angebracht hat oder nicht.
    • Hallo Eckhard,
      also ich habe diesen Begriff auch noch nie wahrgenommen und ehrlich gesagt, tut mir das richtig weh im Ohr... :schock:


      @217 055,

      217 055 schrieb:

      Nachwort: Nach permanentem Kontakt mit Druckerzeugnissen in alter Rechtschreibung, neuer Rechtschreibung oder auch schriftlicher Beliebigkeit in öffentlichen Räumen behaupte ich längst nicht mehr, wirklich regelfest zu sein. Wenn ich also in meinem Beitrag Fehler geschrieben habe, nehme ich einen Hinweis darauf sicher nicht übel. Zum Beispiel bin ich mir nicht sicher, ob mein Vorschlag "Wtb." nun den Punkt richtig angebracht hat oder nicht.
      na Du würdest Dich wundern (...oder vielleicht auch nicht... :nixw: ), was André und ich oftmals für Diskussionen innerhalb des Preß'-Kurier haben... :irre:
    • Hallo,

      wohl dem, der vorsichtig ist - und das Wort "wohl" auch in seiner Bedeutung als "eventuell" verwendet.

      Heute Vormittag schrieb ich: "... das Wort "Weißeritztalbahn" wohl erst in den 1980er Jahren erfunden worden ist ..."

      Meinen Wissenstand hat die IG Weißeritztalbahn e.V. prompt korrigiert - ich habe einen Zeitungsausschnitt aus einer Illustrierten von 1883 gezeigt bekommen, in dem das Wort "Weißeritzthalbahn" zu finden ist!

      Herzlichen Dank an Frank, durch den ich wieder einmal etwas dazulernen konnte

      und beste Grüße

      André
    • Hallo André,

      wobei das mit dem "WTB" natürlich durchaus seinen Reiz hat: Ist da nun die WTB damit gemeint, oder die WTB, die WTB oder die WTB?

      Will sagen: Ist damit die Wutachtalbahn (WTB) in Ba-Wü gemeint, oder eben doch die Weißeritztalbahn (WTB), oder die ehemalige Wilischtalbahn (WTB, Wilischthal - Thum) oder die ehemalige Wilzschtalbahn (WTB, Wilzschhaus - Carlsfeld)? Bitte dringend um Aufklärung. ;-)


      VG Holger

      PS: Falls jemandem noch paar weitere WTB's einfallen, kann er/sie hier ja mal noch posten.
    • Hallo

      Ich bin auch kein Freund von WTB.Aber ich bin ein Freund der HK Linie.Früher waren die Abkürzungen für Bahnen amtliche Bezeichnungen.Alle neueren sind Produkte der Phantasie und sollen aber das Produkt,Objekt u.s.w.besonders hervorheben.Ich finde das nicht unbedingt immer gelungen.Aber es ist wohl der Zeitgeschmack wie so manches "Denglische".Man ,lernt eben nie aus.So bin ich auch erstaunt das die HK Linie 1983 in einer Illustrierten als Weißeritzthalbahn bezeichnet wurde.So viele Illustrierte gab es ja damals nicht.
      Aber unterm Strich zählt wohl das mann sich mit der Eisenbahn und den Geschichten "Drumherum"sinnvoll und mit Freude beschäftigt.
      meint Harald a.F. :zwink:
      Gruß
      Harald a.F.