[HU] Kurzbesuch in Balatonfenyves (11. November 2017)

    • [HU] Kurzbesuch in Balatonfenyves (11. November 2017)

      Hallo zusammen,

      nachdem ich vorhin meinen Account reaktiviert habe, hiermal wieder ein Bildbeitrag von mir. Thema ist die Schmalspurbahn von Balatonfenyves, die wir vor zwei Wochen im Rahmen eines Wochenendausflugs (unter dem Motto "Abschied vom Metropol", aber das nur am Rande) besucht haben.


      Im Einsatz war an diesem Tag C50-5733, die hier noch Mittagspause macht.


      Nach einem Spaziergang am See und anschließendem Mittagessen...


      ...sind wir mit dem Zug um 14.15 nach Somogyszentpal mitgefahren.


      Nach etwa 40 Minuten ist der Endpunkt erreicht. Rasch wird umgesetzt. Übrigens waren wir nicht die einzigen Fahrgäste, die nur "zum Spaß" eine Runde mit der Schmalspur gedreht haben.


      Bereit zur Rückfahrt.


      Die durchfahrene Landschaft des Nagyberek ist nicht unbedingt als spannend zu bezeichnen, aber ich fühlte mich sehr an meinen Besuch in Kecskemet vor 15 Jahren (boah, ist das schon wieder lange her!) erinnert.


      Zurück in Balatonfenyves wird über das Gleisdreieck um das EG umgesetzt.


      Die kleine Lok hatte danach eine Behandlung am offenen Herzen nötig. Was genau ihr Probleme bereitete, weiß ich leider nicht. Wir mussten rasch weiter in Richtung Österreich.

      Aber: Ich komme wieder, auch wenn das im kommenden Jahr ohne Metropol etwas schwieriger wird...

      Viele Grüße,
      Julian

      (Alle Fotos vom 11. November 2017)
    • Hallo Holger,

      soweit ich weiß, hat die Bahn keine Verkehrstagseinschränkungen. Es gibt sogar auch noch ein paar Fahrten in Tagesrandlage, die wohl dem Schülertransport dienen. Wenn Du so willst, ist Balatonfenyves die letzte "richtige" Schmalspurbahn der MAV.Auch wenn ihr Hauptzweck sicherlich heute im Tourismus liegt (was die MAV auch entsprechend bewerben).

      Viele Grüße,
      Julian

      PS: Hier ist der kürzlich erschienene ungarische Fahrplan für 2018: mavcsoport.hu/sites/default/fi…rgalmu_menetrend_1124.pdf -> die Schmalspurbahn ist die KBS 39 (PDF-Seite 126)
    • Hallo Julian,

      ein schöner aktueller Bildbericht. Danke.

      Da seit dem letzten Bericht über diese Bahn schon einige Zeit verstrichen ist, möchte ich gerne für die aktuelle Leserschaft die Geschichte nochmals beleuchten:

      Die umliegende Sumpflandschaft von Balatonfenyves, welche in früherer Zeit ein Teil des Sees war, wurde ab 1860 entwässert, um danach Landwirtschaft auf den trockengelegten Flächen betreiben zu können. Allerdings behinderten schlammige Böden den Erfolg der landwirtschaftlichen Tätigkeiten. Zur Verbesserung dieser Situation wurde zwischen den beiden Weltkriegen eine Feldbahn in 600mm-Spurweite vom normalspurigen MÁV-Bahnhof Balatonfenyves in den Bereich von Imremajor mit einer Streckenlänge von 4km erbaut. Diese wurde als Pferdebahn betrieben und es gab keinen Personenverkehr. Im Zweiten Weltkrieg wurde diese Bahnlinie zerstört, so dass es nach dem Weltkrieg notwendig wurde, eine neue Bahnlinie zu erbauen. Um das Nagyberek zu entwickeln, wurde die Schaffung eines schmalspurigen Eisenbahnnetzes mit einer Länge von 100km geplant, um die zu erwartenden Verkehrsbedürfnisse erfüllen zu können. Teil dieser Planung war auch die Anbindung der Schmalspurbahn an drei Übergabebahnhöfe zur Normalspurbahn. Allerdings wurden Teile dieser Planungen nicht verwirklicht und eine Anbindung an das Netz der Normalspurbahn nur in Balatonfenyves realisiert. Am 13. Oktober 1950 wurde die schmalspurige Wirtschaftsbahn in einer Spurweite von 760mm dem Betrieb übergeben, um das Hinterland des Nagyberek zu erschließen. Für die Errichtung der Bahnlinien mussten umfangreiche Entwässerungsmaßnahmen durchgeführt werden, da weite Teile des neuen Streckennetzes durch vormals sumpfiges Gebiet führen sollten. Die Wirtschaftsbahn wurde erbaut, um landwirtschaftliche Produkte, Torf und Kalkschlamm aus dem Umland zum Bahnhof Balatonfenyves transportieren zu können. Schon im Jahr 1953 wurden die eingesetzten Dampfloks durch Dieselloks ersetzt. Im Jahr 1954 wurden in Balatonfenyves eine Fahrzeugwerkstatt und -lakiererei gebaut. Am 03. Juni 1956 konnte der Personenverkehr aufgenommen werden. Am 01. April 1960 folgte die Eingliederung der staatlichen Wirtschaftsbahnen (GV) in die ungarische Staatsbahn (MÁV). Durch aufkommende Konkurrenz des Kraftverkehrs sank in den 1970-er Jahren das Transportvolumen an Gütern ständig. In den 1980-er Jahren war eine deutliche Zunahme des touristischen Verkehrs zu verzeichnen, da viele Gäste vom Balaton das Thermalbad in Czisztapuszta besuchten. Ab dem Jahr 1985 verkehrten dann Nostalgiezüge mit Dampflok von Balatonfenyves nach Csisztapuszta. Im Jahr 1987 wurde diese Hauptstrecke um einen Kilometer erweitert, um für die Gäste den Fußweg zwischen Endbahnhof und Thermalbad zu verkürzen. Im Jahr 1990 wurde der Güterverkehr eingestellt und einige Streckenabschnitte, welche nur dem Güterverkehr vorbehalten waren, wurden stillgelegt. Zum Jahrtausendwechsel verschlechterte sich der Streckenzustand nach Csisztapuszta zunehmend und der Personenverkehr wurde im September 2002 auf diesem Abschnitt eingestellt. Von diesem Zeitpunkt an verkehrten die Personenzüge nur noch auf dem Abschnitt nach Somogyszentpál, welcher auch in den Jahren 2002 und 2003 saniert wurde. Die Streckenabschnitte von Imremajor nach Csiszta und Táska sind seitdem ohne Betrieb. Von der Regierung wurde beschlossen, den Verkehr, wie auch auf den beiden Schmalspurnetzen Kecskemét und Nyíregyháza, am 13. Dezember 2009 einzustellen. Da es jedoch ernsthafte Interessen zur Überführung der Bahn in privatisierten Besitz gab, wurde die Bahn zunächst von der MÁV weiterbetrieben. Nach Scheitern der Verhandlungen wurde allgemein die Stilllegung der Bahn befürchtet. Im September 2012 wurde dann aber doch die Betriebsführung an die MÁV Start, einer Tochtergesellschaft der MÁV, übertragen. In gegenwärtiger Zeit gibt es Bestrebungen den Streckenabschnitt von Imremajor nach Csiszta wieder für den touristischen Verkehr in Betrieb zu nehmen.


      Freundlichen Gruß, René
    • Grüezi

      Vielen Dank für diesen schönen Bericht. Ich selbst war im August dieses Jahres zum ersten Mal am Balaton und habe die Strecke der Schmalspurbahn wie auch Nagyberek überhaupt mit dem Fahrrad unsicher gemacht. Wenn man jetzt die Bilder sieht, könnte man meinen, eine andere Bahn zu sehen: Im Sommer fuhren meistens zwei Wagen, einmal morgens auch nur einer, nachmittags dafür dero drei und anstelle der kleinen Lokomotiven fuhren die Mk48.
      Es wäre der Bahn sehr zu wünschen, auch einmal wieder Csiszta zu erreichen, damit sich der Zweck der Bahn nicht nur auf Lustfahrten der Urlauber beschränken muss.

      Viele Grüsse
      Martin
      - Tam, kde je cesta cíl -
    • Hallo Martin,

      ich hätte folgende Frage. Welche Mk48 konntest Du im August im Einsatz sichten? Laut ungarischer Fahrzeugliste sollen in der Einsatzstelle Balatonfenyves:
      - Mk48 2003 zur Rekonstruktion in Dombóvár sein.
      - Mk48 2008 im Einsatz sein.
      - Mk48 2022 vorhanden aber nicht im Einsatz sein.

      Im Jahre 2015 wurde Mk48 2013 noch als von Kecskemét nach Balatonfenyves umbeheimatet geführt, nun ist sie aber zwar laut KBK-Liste immer noch in Kecskemét beheimatet, wo sie aber real wohl nicht ist, denn dort finden sich nach meinen Kenntnissen nur noch Mk48 2030 und Mk48 2036.

      Vielleicht kannst Du durch Deine Erinnerungen bezüglich des Fahrzeugeinsatzes etwas Licht ins Dunkel bringen? Das wäre sehr schön.

      An C-50 sind in Balatonfenyves folgende Lokomotiven im Einsatz:
      - C-50 5712 (9555 2920 712)
      - C-50 5713 (9555 2920 713)
      - C-50 5727 (9555 2920 727)
      - C-50 5733 (9555 2920 733)

      Da dürfte also für Ersatz gesorgt sein, auch wenn mal einer der kleinen Schienentraktoren eine Reparatur benötigt.

      Freundlichen Gruß, René
    • Hallo Martin,

      danke für Dein Bild vom Einsatz der Mk48 2022. Somit ist geklärt, dass diese Maschine nicht nur "vorhanden" sondern auch einsatzbereit ist.

      Die Mk48 2008 kam am 15.06.2013 aus Kecskemét nach Balatonfenyves, um Mk48 2003 zu ersetzen, welche in Dombóvár hinterstellt wurde.

      Die Mk 48 2013 folgte am 07.09.2014 ebenfalls aus Kecskemét in den Einsatzbestand von Balatonfenyves.

      Das Trio an ehemaligen Loks aus Kecskemét wurde am 14.06.2015 komplettiert, als Mk48 2022 nach Balatonfenyves kam. Jedoch war diese Maschine nicht sofort einsatzbereit, da im Jahre 2009 in Kecskemét mit ihrer Rekonstruktion begonnen worden war, welche durch die Betriebseinstellung nicht beendet werden konnte. Dies erfolgte dann in den ersten Monaten nach der Umbeheimatung nach Balatonfenyves.

      Somit bilden diese 3 ehemaligen Kecskeméter Loks nun den Einsatzbestand an Mk48 in Balatonfenyves.

      Im ungarischen Wikipedia steht dann noch, dass die Mk48 2003 am 15.06.2015 aus Dombóvár nach Balatonfenyves zurückgekehrt sein soll, um als Selejtezögép verwendet zu werden. Leider kann ich ausgerechnet diesen ungarischen Begriff nicht richtig deuten. Gép bedeutet Maschine, soviel ist klar. Somit ist zumindest mir nicht klar, ob Mk48 2003 nun wirklich (wieder) in Balatonfenyves ist oder in Dombóvár... oder ob sie überhaupt noch halbwegs komplett existiert, weil sie vielleicht als Ersatzteilspender diente.


      Freundlichen Gruß, René
    • Hallo Ihr,

      nach meinen Recherchen ergibt sich folgendes Bild:



      Mk 48 2003 kam im Juni 2015 aus Dombóvár zurück nach Balatonfenyes. Ihr Zustand entspricht Schrott.
      Mk 48 2008 kam im Juni 2013 aus Kecskemét nach Balatonfenyes. Sie ist abgestellt.
      Mk 48 2013 kam im September 2014 aus Kecskemét nach Balatonfenyes. Sie ist abgestellt.
      Mk 48 2022 kam im Juni 2015 aus Kecskemét nach Balatonfenyes. Sie ist betriebsfähig.

      Die aktuellste Liste über den Verbleib von Lokomotiven dieser Art findet ihr auf der Internetseite von Hájtó Bálint. Ganz aktuell ist diese allerdings auch nicht.

      Gruß aus Debrecen

      (PS: selejt bedeutet Abfall)
    • Hallo,

      von einem ungarischen Bahnfreund aus Budapest habe ich die Info bekommen, dass derzeit Mk48 2013 und die Mk48 2022 in Balatonfenyves betriebsfähig sind. Beide Lokomotiven konnten in den Sommermonaten im Einsatz gesichtet werden. Die Mk48 2022 kommt allerdings deutlich häufiger zum Einsatz. Spekulativ handelt es sich hierbei vielleicht um eine Vorliebe des Personals.

      Freundlichen Gruß, René
    • Neu

      Hallo,

      ein paar Zeilen zur Geschichte von Balatonfenyves und zur Namensgebung:

      Balatonfenyves zählt zu den jüngeren Gemeinden am See und seine Geschichte hängt eng mit dem moorigen und sumpfigen Naturgebiet des Nagybereks zusammen. Das heutige Gebiet gehörte zum Seebett und dem Überschwemmungsgebiet. Es war entweder mit Wasser bedeckt oder es herrschten Sumpf und Moor vor, wenn sich zu niederschlagsarmen Zeiten das Wasser zurückzog. Kein richtiger Weg führte in diese Welt, die Bevölkerung war von der Außenwelt abgeschirmt, lebte vom Fischfang und betrieb Viehzucht. Am Ende des 19. Jahrhunderts hat man einen Teil des Sumpfes entwässert, den Boden gewalzt und dann gepflügt. Waldstreifen wurden angepflanzt, um zu verhindern, dass der Boden vom Wind weggetragen wird. Der Boden eignete sich auch nach der Entwässerung nicht besonders zur Bewirtschaftung. So ist die Gegend in ihrer ursprünglichen Schönheit erhalten geblieben. Auf dem sandigen Abschnitt zwischen Fonyód und Balatonmáriafürdő hat man Weintrauben angebaut, weil die Filoxerakrankheit, die zuvor die Weinfelder angefallen hatte, auf sandigem Boden nicht lebensfähig ist. Somit begann die Zeitrechnung für Balatonfenyves im Jahre 1896 mit der ersten Weinlese auf den neuen Weinfeldern, die unter Anleitung von Graf Széchenyi Imre nach der katastrophalen Zerstörung sämtlicher Weinstöcke im historischen Balatoner Weinanbaugebiet durch die Phylloxeridae, die Reblaus, angelegt worden waren. Die ersten Einwohner der Gemeinde waren somit Weinbauern, denn die neuen Parzellen wurden an die Winzer verkauft, deren Weinfelder zuvor von der Filoxera vernichtet worden waren. Außer Wein pflanzte man wie schon erwähnt auch Nadelbäume an: Fichten, Schwarzkiefern und Tannen. Die Ortschaft erhielt ihren heutigen Namen in 1912 von den Tannen, und bedeutet soviel wie Tannenwald am Balaton. (Feny = Tanne)

      Viele Grüße, René