[HU] Kindereisenbahn Budapest

  • Danke für die aktuellen Bericht von der Kindereisenbahn! Es freut mich besonders zu sehen, dass es wieder eine rot-gelbe Mk45 gibt. Das ist eben doch die "klassische" MÁV-Farbe (jedenfalls für mich :-))

  • Haben die 2001 und 2006 jetzt dauerhaft wieder den roten Stern dran?


    Nein. Es waren nur Dreharbeiten, wo diese angebracht worden waren.


    In Ungarn ist ja ein Klausel in SGB zu finden, welche nicht nur die bekannten rechtsextremistischen Insignien - einschl. Pfeilkreuz, was durch die ähnliche ungarische Partei verwendet wurde - sondern auch roten Stern sowie Hammer und Sichel unter Strafe fallen läßt. Zwar nur dann, wenn es Unruhe erregen, oder Würde bzw. Gnade der Opfern verletzen kann, aber das ist doch ein "Gummi-Paragraph".


    Im früheren Gesetz waren zwar die Ausnahmen für "Lehr-, wissenschaftliche bzw. künstlerische Zwecke, sowie zur Information über Ereignisse von Geschichte und Gegenwart" vorenthalten, trotzdem wird es für sehr empfindlich genommen, und man die Sterne nur sehr ungern an die Spitzen von Loks anbringt... außer einen Nohab gibt es fast keine, die auf die Strecke geht.


    Bei Fahrzeuge, die sich sogar in Plandienst befinden, geht man noch weiter, und verwendet häufig Schilder, die die Staatswappen zwischen 1956 und 1990 beinhaltet... auch diese hatte ja ein Sternchen an der Spitze.



    Das ist die information von


    Péter


    der übrigens Jurist ist, aber das zu gunsten der Bahn nur selten ausübt. :thumbsup:

  • Schade :nixw:
    Mein Stand war, dass die Verbote 2013 aufgehoben wurden.

    Bei Fahrzeuge, die sich sogar in Plandienst befinden, geht man noch weiter, und verwendet häufig Schilder, die die Staatswappen zwischen 1956 und 1990 beinhaltet... auch diese hatte ja ein Sternchen an der Spitze.

    Hier meint er wohl, dass die Schilder nicht mehr verwendet werden?
    Denn außer bei M61.001 fehlen bei allen anderen Loks im entsprechenden Farbschema die Sterne (z. B. M62.001, M62.194 oder V43.1001).



    Ich finde es schade, wenn die weiterhin weggelassen werden würden.

  • Hallo,


    ich bin zwar kein Jurist, versuche den Sachverhalt aber mal zu konkretisieren: Das ungarische Verfassungsgericht und ein Europäisches Gericht hielten im Jahr 2013 die Gesetzeslage in Ungarn bezüglich der gesetzlichen Verankerung des Verbots der Präsentation von Symbolen aus Dikaturen für nicht ausreichend, wozu in diesem Fall auch das Tragen des Roten Sterns in der Öffentlichkeit zählt. Wollte die Regierung daraufhin zunächst die Verfassung ändern, beschloss sie später, einen zugehörigen Paragraphen in das Strafgesetzbuch aufzunehmen, welcher mit dem Passus versehen wurde, dass das Zeigen derartiger Symbole zum “Aufruhr” führen müsste. (Informationsquelle: Pester Lloyd) Die Bedeutung eines neuen Paragraphen ist in seiner Anwendung in unklaren Fällen auch immer eine Auslegungssache von Gerichten. Das gewohnheitsmäßige Zeigen des Symbols in der Öffentlichkeit (z.B. an Fahrzeugen im planmäßigen öffentlichen Verkehr bei der Kindereisenbahn, welche keine Museumsbahn ist) würde aber wohl ziemlich sicher den Straftatbestand erfüllen, da sich Opfer des Kommunismus (hier sei exemplarisch der ungarische Volksaufstand von 1956 genannt, der noch stark im ungarischen Bewusstsein verankert ist) in "Aufruhr" versetzt fühlen dürften, weil dadurch ihre Gefühle und ihre Würde verletzt würden. Du kannst also dieses Verbot in etwa mit der verbotenen Verwendung des Hakenkreuzes in Deutschland vergleichen. Deshalb fallen unter diese Regelung in Ungarn auch, Péter hat es schon geschrieben, z.B. die Verwendung des Symbols der ungarischen Bewegung der Pfeilkreuzler, welche sich ab 1944 massiv an der Deportation und Vernichtung ungarischer Juden beteiligte. Dazu gibt es auch eine jüngere Rechtsprechung aus den Jahren 2008 und 2009, als die der JOBBIK-Partei nahestehende "Ungarische Garde" vom ungarischen Verfassungsgericht verboten wurde, da sie die Würde von Minderheiten verletzte (Zielsetzung) und eine Symbolik verwendete (Zeichen und Auftreten), die der ehemaligen Bewegung der Pfeilkreuzler ähnelte. Unter diesen Gesichtspunkten ist es vielleicht nachvollziehbar, warum der Stern nur für die erwähnten Filmaufnahmen an den Loks angebracht worden ist. Ich hoffe, damit die sachlich richtigen Ausführungen von Péter etwas verständlicher dargestellt haben zu können.


    Viele Grüße, René

  • Hallo Péter,



    danke für den Link. Das sind sehr gute Nachrichten. Wunderbar, dass der Lok nach 5 Jahren endlich wieder Leben eingehaucht werden konnte. Hoffen wir, dass die kleineren Nacharbeiten nicht allzu lange Zeit in Anspruch nehmen werden, die etwa 33.000 Euro Reparaturkosten gut investiert sind und die Lok sozusagen als "Gyermekvasúti kispöfögő" (als kleine Parallele mit Bugac) bald wieder zur Freude der Fahrgäste durch die Budaer Berge schnaufen kann. Ich hoffe, beim Besuch im nächsten Jahr diese wohlklingenden Geräusche vernehmen zu können.


    Viele Grüße, René

  • ... hier noch eine kurze Videosequenz von der Probefahrt der Dampflok am 26. Juni 2018:



    Viele Grüße, René

  • Hallo,
    am Dienstagmorgen schaute ich mir mal den Fahnenappell an und fuhr mit dem ersten Zug in die Berge.
    08:20 Uhr ist werktags (außer sonnabends) Dienstbeginn:


    Allerdings klemmte die Schnur am Fahnenmast, sodass kurzerhand mit egy, egy, egy, kettő, egy zum nächsten Mast weitermarschiert wurde:


    Mit dem Gyermekvasutas induló auf den Lippen und zum Salut strammstehend stieg die Fahne in die Höhe:


    Hier noch einmal die aus 23 Kindern bestehende Schicht mit der Brigadeleiterin und einem weiteren ranghöheren Jugendlichen mit der Gitarre:


    Gerade als die Brigade in den Tunnel marschierte, stellte Mk45.2004 den S 147 bereit. Beinahe hätte ein Bild mit Salut vor dem Lr geklappt:


    Es war nur kurz Zeit, um die Fahrkarten zu kaufen und ein Bild anzufertigen:


    Dann ging es los, bei uns im Wagen steppte natürlich wieder der Bär, schließlich war es der erste Zug, der die Kinder auf ihre Dienstposten brachte. Besetzt waren an diesem Tag Hűvösvölgy, Szépjuhászné, János-hegy, Virágvölgy und Széchenyi-hegy. Die anderen Reisenden waren keineswegs Touristen, sondern Anwohner. Hier hat die Kindereisenbahn noch eine Beförderungsaufgabe. Die Rückleistung war dann gut mit Touristen ausgelastet.
    Hier ist der Zug am ehemaligen Haltepunkt Kis-Hárs-hegy am bekannten Ausblick auf Budapest bzw. auf den Erzsébet-kilátó unterwegs; trotz des blauen Himmels gab es wie so häufig ein wenig später wieder einige Wolken:


    Nach der Ankunft in Széchenyi-hegy setzt Mk45.2004 an das andere Zugende, der Wärter gibt mit seiner gelben Flagge die Zustimmung zur Rangierfahrt:


    Anschließend steckt der Zugschaffner noch die Zugschlussscheiben um, um dann 09:45 mit dem S 142 pünktlich abfahren zu können:


    Bis das Ausfahrsignal nach Abfahrt des Zuges wieder in die Haltstellung fiel, war dieser fast in Csillebérc.


    Ich fuhr anschließend mit der Fogaskerekű wieder ins Tal, um einen ehemaligen Gyermekvasutas zu treffen, den ich seit meiner Zeit, als ich vor einigen Jahren selbst im Rahmen eines Austauschprogrammes mit der Chemnitzer PE für einige Tage bei der Gyermekvasút Budapest meinen Dienst versah, nicht mehr gesehen hatte.



    Grüße

  • Nachfolgend möchte ich noch ein paar ältere Aussagen ergänzen:


    Während meines Besuches bei der Kindereisenbahn im Juli 2015 sind wir am Nachmittag mit dem "Lumpensammler" zurück nach Hüvösvölgy gefahren. Von Station zu Station füllte sich der Wagen mit den Kindereisenbahnern. Und plötzlich war da eine Gitarre und dann wurde gesungen! Das Repartoire reichte vom ungarischen Volkslid über alte Partisanenlieder bis zu Klassikern der Rock- und Popgeschichte. Und da machten alle mit! Die 11-jährigen genauso wie die 15-jährigen! Und ich konnte nicht erkennen, daß da ein Betreuer mit im Wagen saß! Bei uns in Deutschland wäre es wohl im Wagen totenstill gewesen, weil jeder nu rmit seinem Handy beschäftigt wäre!

    Handys sind sicher wie bei den PE im Dienst verboten. Aber es ist auch so selbstverständlich, dass bei der ersten und letzten Zugfahrt gesungen wird. Dazu gibt es ein ganzes Liederheft, welches jedes Jahr von dem von Dávid Szente betriebenen Gyermekvasút-Blog SiHuHu herausgegeben wird. Dabei werden sowohl moderne Lieder als auch die guten alten Pionierlieder wie Ziki-zaka oder Csillebérc gesungen.


    Was mich dann aber doch etwas befremdet hat - der Tag wurde mit einem Fahnenapell vor dem Bahnhofsgebäude beendet (und vermutlich früh auch begonnen). Und die Fahne wurde mit der Nationalhymne eingeholt! In Sachen Nationalbewußtsein können wir als Deutsche von anderen Nationen wohl eine ganze Menge lernen!

    Natürlich, ohne Fahne läuft nichts. Sicher ist das auch nur in Deutschland so, wo die Fahne nur in „Ausnahmefällen“ gezeigt wird. Aber auch bei der Chemnitzer PE gibt es jeden Tag einen kleinen Fahnenappell, wenn auch nur mit zwei Eisenbahnern. Selbstverständlich hissen wir aber nicht die Deutschlandfahne, sondern unser Emblem, das Flügelrad im Ehrenkranz.
    Die Nationalhymne ist es aber nicht, die gesungen wird, sondern der Gyermekvasutas induló aus den 50er Jahren.


    Ist der Lokschuppen auf dem Bild das ganze Bw der Bahn? Die Bahn scheint ja richtig attraktiv zu sein. Hätte ich nicht erwartet.

    Das Bw (fűtőház) befindet sich, wie René schon schrieb, in Hűvösvölgy, wo auch die Abstellanlage (vontatási telep) ist. Im Bild ist der motorszín zu sehen, in welchem sich eine kleine Werkstatt befindet, der aber auch häufig zur Unterstellung von Wagen dient.


    Ich hab jetzt auch die Antwort aus Ungarn bekommen, wie die Kindereisenbahn organisiert wird. Die Kinder verrichten an zwei Tagen im Monat ihren Dienst bei der Eisenbahn. Hierfür werden Kinder aus dem ganzen Land genommen. Dafür werden die Kinder von der Schule freigestellt. Das von mir genannte Internat ist dann tatsächlich ein Ferienlager, denn in den Ferien werden die Kinder natürlich über einen längeren Zeitraum eingesetzt ... und sind dann im Ferienlager untergebracht. Außerdem findet sich dort vor Ort auch noch eine Jugendherberge. Das wusste ich so auch nicht, da ich bisher nur in den ungarischen Sommerferien vor Ort war, welche zweieinhalb Monate lang sind. Dafür haben die Kinder dort keine Winter- und Frühjahrs-/Pfingstferien. In den langen Sommerferien ist natürlich ein ganz anderer Einsatzzeitraum möglich.

    Genau, die Kinder sind außerhalb der Ferien alle 15 Tage im Dienst. Also wenn ich am Dienstag, dem 03.04., Dienst habe, habe ich das nächste Mal am Mittwoch, dem 18.04., Dienst. An diesen Tagen sind die Kinder dann von der Schule freigestellt, weshalb auch gute Noten für die Mitgliedschaft erforderlich sind. In den Ferien ist man dann zwei Wochen am Stück im Ferienlager in Hűvösvölgy, wo man immer einen Drei-Tage-Wechsel hat. Am ersten Tag macht man einen Ausflug mit seinem Brigadeleiter, zum Beispiel an den Balaton oder zur Gyermekvasút in Nagycenk, am zweiten Tag wird das Lager aufgeräumt und nachmittags Budapest und Umgebung erkundet und am dritten Tag ist dann Dienst. Anschließend geht es wieder von vorn los.
    Man muss dazu sagen, dass es 15 Gruppen, I bis XV, gibt, in die die Kinder (jeweils etwa 25-30) eingeteilt sind. Eine Gruppe hat dann eben immer Dienst. Gyermekvasutas kann man aber eben nur von 10 bis 14 Jahren sein und so am aktiven Dienst teilnehmen. Danach kann man ab 15 Brigadeleiter werden, was dann aber eben nur noch die Aufsicht über die einem unterstellten Kinder und die Taktvorgabe beim induló darstellt, sodass die meisten Kindereisenbahner nach den 4 Jahren wieder aufhören.


    Die meisten Kinder sind aber schon aus dem Großraum Budapest; es gibt zwar auch welche von weiter her, aber die haben dann eine ganz schöne Anfahrt, wenn der Dienst werktags 08:20 beginnt.


    Die 170 Kinder dürften eher lediglich die neuen sein. Derzeit sind es um die 400, 2014 waren es 500.
    Es gibt immer zwei Ausbildungsgruppen, einmal von Ende Oktober bis Ende Februar mit Prüfung Ende Februar, diese Kinder versehen dann ab März ihren Dienst. Und dann nochmal von vermutlich Anfang März bis Mitte Juni mit Prüfung und Amtseinführung Mitte Juni.


    Zeitgleich wird die Situation von der anderen Zugseite aufmerksam vom Hüvösvölgyer Bahnhofshund verfolgt.

    Ja, der begrüßte mich auch diesmal wieder lautstark. Damals war er der Grund, warum wir mitten in der Nacht lieber den Weg am Bahndamm und über die Drahtzüge zur Toilette auf uns nahmen, anstatt durch den Tunnel - an ihm vorbei - zu gehen.


    Was noch hier nicht erwähnt wurde: neben dem neuen Gleisbildstellwerk von Hűvösvölgy, welche auch Rangierfahrstrassen behandeln kann - und somit auch Rangier-Lichtsignale (samt Zwergsignale) auf der Bahn zu finden sind - wurde jener von Szépjuhászné mit einem elektronischen Stellpult ergänzt, so können es die jungen Fahrdienstleitern auch beim Tisch sitzend von Rechner bedienen.

    Genau, Szépjuhászné kann jetzt sowohl vom Rechner, wie im ESTW, bedient werden, als auch vom Stelltisch aus. Natürlich ist das wieder nur zu Übungszwecken gemacht worden, denn Szépjuhászné ist der einzige Bahnhof, den man nun „nahsteuern“ kann.
    In Ungarn soll es das häufiger geben, dass Streckenabschnitte ferngesteuert werden, die Bahnhöfe aber auch bei Bedarf noch herkömmlich vor Ort gesteuert werden können.
    Die Hebelbank aus dem Stellwerk Hűvösvölgy steht nun übrigens im dortigen Museum.
    Wer mehr über die Signale bei der Gyermekvasút erfahren möchte, der schaut am besten ins Signalbuch. Interessant ist auch das Handbuch für Kindereisenbahner; so etwas, in Verbindung mit dem Signalbuch, haben wir in Chemnitz auch.


    Alles in allem kann man sagen, dass man als ungarischer Gyermekvasutas sicher stolz sein kann. In Deutschland darf man ja spätestens ab der 6. Klasse keinem Mitschüler mehr was von dem Hobby sagen, um nicht ganz unten durch zu sein.
    In Ungarn ist es eine Ehre, dort überhaupt seinen Dienst versehen zu können. Die Kinder, egal wie alt und ob Junge oder Mädchen, sind voll bei der Sache, auch 17-jährige und älter.
    Zwar gibt es das bei uns auch, aber wie schon gesagt, mit diesem Hobby trifft man hierzulande selten bei gleichaltrigen auf Bewunderung.
    Dennoch klappt es bei uns in Chemnitz sehr gut mit dem Nachwuchs, besonders in den letzten beiden Jahren hatten wir fast zu viele; auch einige Mädchen sind dabei und auch von den Großen über 16 sind immer noch eine Menge im Dienst.



    Grüße

    Einmal editiert, zuletzt von Chemnitzer ()