199 301 und 99 5903

  • Hallo,


    ich vermute, dass es manchmal der Verwaltung der HSB ziemliche Nerven kostet, mit den Einnahmen aus der Brockenstrecke die anderen Strecken (außer Nordhausen - Ilfeld wegen Bestellung durch das Land Thüringen) subventionieren zu müssen und deshalb auf keinen grünen Zweig zu kommen. Ohne dem restlichen "Rattenschwanz" ginge es der HSB wirtschaftlich sicher prima! Offiziell wird dies nie das Thema einer Verlautbarung sein ... aber insgeheim sind die Gedanken eines BWL-ers eben auch frei. Und die HSB ist ja keine Spaßbahn, sondern ein Wirtschaftsunternehmen ... und dessen Selbstverständnis ist und bleibt eine solide wirtschaftliche Basis. Deshalb kann ich nicht glauben, dass man sich die Aufarbeitung dieser zwei Loks wirklich zumutet. ;)


    Gruß, René

  • Hallo Rene,
    ja Pullmann City heißt das Ding, bin aber blos mal dort vorbei gefahren. Den Anschluss an die Bahn würde ich aber nicht als Spinnerei bezeichnen. Das hätte mit Sicherheit einen Synergieeffekt gegeben und der Strecke nach Hasselfelde, bestimmt auch aus dem Selketal heraus, einige Fahrgäste mehr eingebracht. Denn was sollte die Fahrgäste sonst nach dort locken? Allerdings hätte die HSB dann in "Kuhfänger" für ihre Dampfloks investieren müssen, damit es autentisch aussieht. Von Indianerüberfällen auf die ankommenden Züge will ich mal gar nicht erst reden. :hot:


    Um noch einmal auf das Ausgangsthema zu kommen, bestände für die 199 301 ja auch die Option sie zu Geld zu machen? Oder darf vom HSB Fahrzeugbestand nichts verkauft werden? Denn wenn ich meine Vorredner richtig verstehe, besteht eigentlich kein Bedarf an dieser Lok.


    Viele Grüße Detlef der Pollofan

    Pollofan

  • Hallo Detlef,


    dass Problem bei Pullman City ist einfach: die Westernstadt liegt auf der anderen Talseite des Hasseltales, eine Anbindung an das Streckennetz der HSB nur mit erheblichen Kunstbauwerken möglich gewesen. Deshalb wurde dieser Plan auch nicht weiter ernsthaft verfolgt.


    Die 199 301 ist seit ihrem Anbeginn im Harz, somit ein Harzer Original und Unikat. Ein Verkauf ist schon deshalb nicht sinnvoll. Wo sollte sie authentisch eingesetzt werden? Vielleicht könnte man sie optisch aufgearbeitet in der neuen Gläsernen Werkstatt ausstellen, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen ... und sie so erhalten. Für den Streckendienst ist sie mit ihrer derzeitigen Motorisierung ungeeignet und müsste mit erheblichen Mitteln aufgearbeitet werden.


    Gruß, René

    Einmal editiert, zuletzt von rekok73 ()

  • Hallo Rene,
    okay haken wir das Thema Anschluss Pullman City ab. Ich dachte das Hasselfelde eher auf einer Ebene liegt, also etwas Harzuntypisch.


    Soll die Gläserne Werkstatt aber nicht eine Werkstatt sein und kein Ausstellungsraum? Da stöhrt doch blos so ein Standobjekt. Sicher ist die 199 301 nur im Harz gelaufen und deshalb hier immer heimisch gewesen, gehört praktisch dazu, aber wenn man sie eigentlich nicht braucht.


    Gibt es wirklich Fahrgäste die sich die über 5 Stunden Fahrt von Quedlinburg zum Brocken und wieder zurück antun. Sicher für sein Geld viel Bahnfahrt, aber für 1 Stunde Brocken 10 Stunden durch den Harz zuckeln? Das kann doch kaum Fahrgäste anlocken. Daher schon mal gesagt mein Einwand, das sich die Selketalbahn eher auf ihr ursprüngliches Streckennetz beschränken und das mit den dortigen Sehenswürdigkeiten und Wandermöglichkeiten gut abstimmen sollte.
    Klein aber fein!


    Gruß Detlef der Pollofan

    Pollofan


  • In einem alten Modelleisenbahner stand mal ein Artikel drin, daß die Fahrgastzahlen der Selketalbahn nach der Wiedereröffnung von Straßberg - Stiege Mitte/Ende der 80er Jahre auf die Rekordzahl von bis zu 360000 jährlich anstiegen.
    Und meinen persönlichen Beobachtungen nach, ist das auch heute noch einer der besser genutzten Abschnitte, aber jetzt eben vor allem wegen dem Brockenzubringer, der trotz der langen Fahrzeiten recht rege genutzt wird.
    Die heute am schwächsten genutzten Abschnitte der Selketalbahn sind meines Erachtens eindeutig Alexisbad - Harzgerode und Stiege - Hasselfelde.
    Jedenfalls, wenn wieder in Straßberg Schluß wäre, würde sich das deutlich negativ auf die Fahrgastzahlen auswirken. Da könnte man gleich nur noch Quedlinburg - Alexisbad als kläglichen Rest betreiben.
    Und auch der neue Abschnitt Quedlinburg - Gernrode wird allen Unkenrufen zur trotz eigentlich ganz gut angenommen. Das die Fahrgastzahlen dadurch insgesamt nicht übermäßig anstiegen, war aber zu erwarten. Die Leute fahren halt einfach weiter. Früher kamen sie mit dem Auto aus Quedlinburg und stiegen erst in Gernrode zu, heute eben gleich in Quedlinburg.


    In den 80ern war das Selketal allgemein noch mit FDGB- und sonstigen Ferienheimen übersät. Da war touristisch richtig was los und die Züge entsprechend gut besetzt. Viele Urlauber reisten auch noch mit der Selketalbahn an.
    Heute konzentriert sich dagegen der Harz-Massentourismus vor allem auf das Gebiet Wernigerode - Brocken - Braunlage und im Selketal ist es touristisch ruhiger geworden. Klar merkt man das auch an den Fahrgastzahlen, die nur noch ~1/3 so hoch wie damals sind.
    Aber trotzdem ist in den üblichen Ferienzeiten auch im Selketal immer noch recht viel los. Zu diesen Zeiten kann man aber in Wernigerode/Brocken vor Touris kaum treten.


    Gruß

    Einmal editiert, zuletzt von Dieselpower ()

  • Hallo,


    voll in WR, dass man tatsächlich kaum treten kann, ist es vor allem Wann? Richtig, an WE, wenn Weihnachtsmarkt ist. :-D


    Das Harzgerode bei den Fahrgästen so "beliebt" ist, liegt sicher am Fahrplan. Die Triebwagen zu Tageszeiten locken auch keinen touristischen Partner zur Kooperation hinterm Ofen hervor. Durch Fahrpläne kann man Fahrgäste vergraulen.


    Das mit QLB ist auch der Grund, warum die HSB einer eigenen Verlängerung ihrer Strecke nach BRL skeptisch gegenüber stand. Durch den Brockeneinheitstarif wären kaum zusätzliche Einnahmen entstanden, wohl aber laufende Betriebs- und Unterhaltungskosten. Nachdem das Land Niedersachsen sich zwar am Bau finanziell beteiligen wollte, eine Subvention der Folgekosten aber ablehnte,war das Projekt gestorben. Die HSB legt sich doch nicht so ein faules Ei auf eigene Kosten ins Nest.


    @ Detlef: Sicher liegt Hasselfelde auf der Hochfläche, aber ein paar Geländeunebenheiten gibt es auch dort und wenn man meinetwegen z.B. einen Damm mit 20 Metern Höhe oder eine Brücke bauen müsste, schlägt das ein ziemliches Loch ins Budget.


    Gruß, René

  • Hallo,


    wie "Dieselpower" hier schreibt, sollen ja doch die Brockenzubringer aus Richtung der Selketalbahn recht gut genutzt werden. Das überrascht mich doch. Ich glaube die lange Fahrzeit würde ich mir selbst als Eisenbahnfreund nicht antun. Da braucht man viel Sitzfleisch.


    Viele Grüße Detlef der Pollofan

    Pollofan

  • Hallo,


    um noch einmal an die 199 301 zu denken, als sie noch im harten Betriebseinsatz war, zwei Fotos aus meiner frühen Schaffenszeit. In einem meiner "Fotoalben" (A 4 große Mathehefte) fand ich zwei Aufnahmen aus dem Jahre 1974 vom Bahnhof Schierke.




    Damals durfte meine Familie dort in Schierke ihren FDGB Sommerurlaub verbringen. Auf den Brocken sind wir natürlich nicht gewandert oder gefahren. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich die Lok auf dem Bahnhof Schierke entdeckte und völlig überrascht war, das es bei der Harzquerbahn eine Diesellok gab. Das konnte ich mir damals überhaupt nicht erklären.


    Viele Grüße Detlef der Pollofan

    Pollofan

  • Hallo Detlef,


    danke für das Zeigen der Bilder. :spos:


    Sie zeigen auch, dass die Lok schon damals hauptsächlich für Rangier- und Bauzugaufgaben eingesetzt wurde.


    Gruß, René

  • Auch ich sag mal Danke für die Bilder.
    Der Hintergrund des Az-Eisatzes 1974 war die Dichtmachung der Grenze zum bösen Westen.
    Der doch gar nicht böse ist wie ich als jetztiger Westbewohner weiß.
    Beginnend ab 1973 wurde die Brockenstrecke in das Grenzregime eingebunden, nachdem zuvor 1972 die Russen eine Stilllegung und Abriß der Strecke widersprachen, was aber die DDR-oberen vorhatten. Nun wurde die bis dahin offene Grenze mit einen 3 m hohen kombinierten Grenssignal-und Sperrzaun ausgerüstet. Da aber duch das Brockenmoor kein Kolonnenweg angelegt werden konnte entschloß man sich die Bahntrasse als Kolonnenweg mitzubenutzen. Dazu waren umfangreiche Gleisausbau-und Erneuerungsarbeiten erforderlich. Dazu wurde unter anderen die V 30 täglich Eingesetzt und beförderte die vielen Baustoffe, welche mit Güterzügen bis zum Bahnhof Goetheweg gebracht und dort zwischengelagert wurden, zur wandernden Baustelle. Als dann alles fertig war war die Grenze ab 1975 im Oberharz dicht. Die Bahnstrecke von Bahnhof Goetheweg km 13,55 bis zur Brockenstraße km 15,8 wurde danach als Kombinierte Bahn-und Kolonnenwegstrecke genutzt. Das war immer nur Wechselseitig möglich. Vorrang hatten aber immer die Grenztruppen. Dazu gab es von der Bahn dann eine Umfangreiche Bedienungsanleitung zu und der Abschnitt wurde Sicherungstechnisch ausgerüstet, mittels beweglichen Signalen Sh2 und ortsfesten Signalen Sh3.

    Beste Grüße Reiner