Überangebot an Schmalspurbahnen in Sachsen

  • Hallo,


    soweit mir bekannt ist, werden die Schmalspurbahnen im Harz (hier direkt vor meiner Haustüre) von der Landesregierung Sachsen-Anhalt als Hauptförderer aus einem eigenem Fördertopf bezuschusst ... mit der Aussage, die Regionalisierungsmittel für den SPNV eben nicht für touristische Förderung zweckentfremden zu wollen. Muss die Politik in Anhalt ja sehr naiv sein. Die Anhaltiner sind sogar so naiv, dass sie bei der Ausschreibung des Dieselnetzes hier im Nordharz eine höhere Zugkilometerleistung, komplett neue Fahrzeuge, Zugbegleiter in jedem Zug gefordert haben und finanzieren. Die Sachsen sind da eben nicht so naiv: Sie sparen beim SPNV und verbraten die Regionalisierungsmittel bei Touristikbahnen. Zum Glück hat das Eine gar Nichts mit dem Anderen zu tun. Glaube ist eben Alles!


    In diesem Sinne ... einen gesegneten Sonntag,
    René


    (und bevor nun wieder das Argument kommt, auch in Sachsen-Anhalt wurden Strecken stillgelegt. Trotz der Stilllegungen wurden jedoch die jährlichen Zugkilometer auf Hauptstrecken und in Ballungsräumen erhöht. In Sachsen ist das Gegenteil der Fall: Dort werden Zugkilometer einfach nur rapide gekürzt.)

    Einmal editiert, zuletzt von rekok73 ()

  • Hallo zusammen,


    ich habe mich aus dieser Diskussion bisher absichtlich rausgehalten. Ich will nur einen Punkt aufgreifen: Die Finanzierung der (staatlichen) Schmalspurbahnen in Sachsen als ÖPNV halte ich für bedenklich. Denn niemand findet es toll, wenn anderswo gekürzt werden muss, nur damit die Bimmelbahn nach Kipsdorf fahren kann. Ich hab schon immer gesagt, dass dies aus der Tourismus- oder Wirtschaftsförderung finanziert werden muss.


    Ansonsten muss jeder Verein überlegen, wie er seine Ziele finanziert. Falls überhaupt eine staatliche Förderung dazu ausgereicht wird, wird sich diese auf einige wenige Projekt beschränken müssen. Und daher ist es nicht falsch, so manches Projekt auf seine Finanzierbarkeit zu hinterfragen. Ich hab da nicht nur Schmalspurprojekte im Auge. Aber die Entscheidung fällt am Ende immer der Verein.


    Gruß Eckhard

    Viele Grüße,
    Eckhard

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    3 Mal editiert, zuletzt von jay787 ()


  • Ja, Glaube ist alles!
    Der Harz ist eben genau das beste Negativbeispiel und die berühmte Ausnahme! Dort vollführt man dieses Prinzip rechte Tasche/linke Tasche. Ergebnis davon, die HSB ist chronisch unterfinanziert und fährt mit denselben Fördermitteln wie seit über 20 Jahren spazieren. Da wurden seitdem die Fördermittel nicht einen Cent angepasst, kein Inflationsausgleich, nichts dergleichen!
    Ich möchte jedenfalls nicht mit identischem Lohn wie mitte der 90er die Kosten von 2016 bestreiten! :rolleyes:


    Alle anderen Schmalspurbahnen, auch die in Meck-Pomm, werden aus Regionalisierungsmitteln finanziert. Und die sind schon immer dynamisiert. In den nächsten Jahren allein um 1,5 % jährlich. Damit kann man arbeiten und nimmt den Bahnen nicht die finanzielle Luft.


    Und was dein berühmtes Beispiel ÖPNV angeht. Warum fordert man da bei jeder Ausschreibung Neufahrzeuge? Hier geht einzig und allein um Wettbewerb um des Wettbewerbs wegen!
    Mit Neufahrzeugen hat jeder der Teilnehmer die gleichen Chancen, solange diese die Fahrzeuge selbst beschaffen müssen. Das das im Endeffekt weit mehr kostet, als mit jungen Gebrauchtfahrzeugen weiter zu fahren, die meist noch lange nicht am Ende der Lebensdauer sind, wird leider geflissentlich übersehen. Und wenn dann mal ausnahmsweise Gebrauchtfahrzeuge zugelassen sind, dann werden die mit derart hohen Wertungsabschlägen bedacht, daß es sich für ein EVU nicht mehr lohnt, diese weiter einzusetzen. Da schmeissen die Besteller komischerweise die Regionalisierungsmittel mit beiden Händen zum offenen Fenster raus. Denn die neuen Fahrzeuge werden natürlich von den Bewerbern auch entsprechend in die Angebote eingepreist. Auch diese Geldvernichtung nteressiert keinen!
    Ein gutes Beispiel ist hier gerade das Dieselnetz Sachsen-Anhalt. Da werden nicht abgeschriebene junge Hex-Lints ab 2018 mit neuen Abellio-Lints ersetzt. Sehr sinnvoll und garantiert nicht billiger, als wenn man die "alten" Fahrzeuge weiter genutzt hätte! Aber dann hätte der Hex ja automatisch einen Vorteil, weil Fahrzeuge bereits vorhanden. Die könnten damit zwar weiter billiger fahren wie Abellio mit den neuen Lints, aber dann hätte man ja keinen Wettbewerb. Und das geht nun wirklich nicht! :rolleyes:


    Jetzt hat man das wenigstens in einigen Bundesländern erkannt. Die Länder beschaffen die Fahrzeuge selbst, der Ausschreibungsgewinner selbst sind reine Lohnkutscher. Niedersachsen war da der Vorreiter seit Jahren.


    Gruß

    2 Mal editiert, zuletzt von Dieselpower ()

  • Zitat

    Original von rekok73


    soweit mir bekannt ist, werden die Schmalspurbahnen im Harz (hier direkt vor meiner Haustüre) von der Landesregierung Sachsen-Anhalt als Hauptförderer aus einem eigenem Fördertopf bezuschusst... mit der Aussage, die Regionalisierungsmittel für den SPNV eben nicht für touristische Förderung zweckentfremden zu wollen.


    Hallo René,


    eigentlich solltest Du wissen, dass die ganze Finanzierung der HSB lange vor Inkrafttreten des Regionalisierungsgesetzes am 1.1.1996 festgezurrt wurde. Entsprechende Möglichkeiten gab es zu diesem Zeitpunkt eben noch nicht.
    Und da es keinerlei Dynamisierung seit 1993 gegeben hat, wie sie bei Verkehrsverträgen im SPNV üblich sind, fehlt der HSB heute auch ein ganzer Batzen Geld, der dann wiederum von der öffentlichen Hand beigesteuert werden muss.
    In meinen Augen ist das Modell HSB als Vorbild für Schmalspurbahnen anderswo absolut untauglich.


    Im Übrigen ist diese Diskussion gar nicht so neu. Es gab schon immer Neider, die den Schmalspurbahnen den Wert als öffentliches Verkehrsmittel absprachen.


    Ich möchte mich jetzt aber hier wieder ausklinken. Ich habe Euch ja noch einen anderen Beitrag versprochen.



    Viele Grüße


    Dampfachim


  • Hätte ich mir meinen Post eben ja sparen können... ;-)
    Hast das ja genauso gut erklärt.


    Viele Grüße


    Dampfachim

  • Hallo


    Alles schön und gut.
    Ist Euch schon mal aufgefallen das die betroffenen Unternehmen,Vereine u.s.w.sich nicht an der Diskussion beteiligen(wollen,dürfen?)
    Richtet doch Eure Beiträge direkt an die Betroffenen und teilt uns dann bitte die Antworten und Reaktionen mit.
    Auch der Nachwuchs wird es Euch einmal danken,wenn er einmal alt genug ist um die Dinge zu verstehen


    Es lebe die Bimmelbahn!


    Gruß Harald a.F.

    Gruß
    Harald a.F.

  • Zitat

    Original von Erzgebirgsnebenbahner
    Wenn es legitim ist, das mit den SPNV-Nahverkehrsmitteln die Schmalspurbahnen gefördert werden, wieso wird sich dann bei der Thüringerwaldbahn so aufgeregt? Da will jemand die Luft in den Straßenbahnen günstiger mit Bussen befördern.


    Kleine Richtigstellung am Rande:
    Thüringerwaldbahn = ÖPNV, kein SPNV - ganz andere Finanzierung (SPNV= Aufgabenträger Land, ÖPNV= Aufgabenträger Kreis im Falle der TWSB)


    Heiße Luft? Bei 2 Mio Fahrgästen im Jahr...


    :wink:

    ...die Thüringerwaldbahn - die besondere Bahn auf schmaler Spur!

  • Auf 'Dieselpowers' Anmerkung möchte ich gerne noch antworten, bevor ich das Thema für mich beende. Die HEX-LINT sind allesamt Baujahr 2005. Die neue Ausschreibung hat eine Laufzeit bis 2032. Da wären die Triebwagen 27 Jahre alt. Ich habe täglich mit Triebwagen dieser Bauart zu tun: Sie halten definitiv nicht über einen so langen Zeitraum durch. Dafür sind sie vom Hersteller (laut dessen eigenen Aussagen) gar nicht konzipiert. Hätte man also die HEX-Altfahrzeuge zugelassen, dann hätte man die Laufzeit der Ausschreibung deutlich verkürzen müssen. Für das EVU schlecht, weil Planungssicherheit über einen kurzen Zeitraum, für die Mitarbeiter schlecht, weil ungewissere Zukunftsaussichten, für die öffentliche Verwaltung schlecht, weil Ausschreibungen ein Haufen Geld kosten. Die Intervalle sollten also nicht zu kurz bemessen sein. Übrigens wollte sich bekanntlich Veolia als Konzern und Muttergesellschaft von HEX gar nicht mehr auf Schienennahverkehrsleistungen bewerben. Dann wurde daraus plötzlich Transdev, dann doch wieder ... oder vielleicht doch nicht? Bei diesem Hickhack ist die Entscheidung des Aufgabenträgers absolut nachvollziehbar. Wer nicht weiß, was er eigentlich will, wird bei längerfristigen Verträgen eben nicht als besonders zuverlässiger Partner wahrgenommen. Wohl aber hat sich der Geschäftsführer von Abellio Mitteldeutschland in der Vergangenheit bei der VIS Halberstadt als zuverlässiger Partner erwiesen. Ursache und Wirkung liegen vielleicht manchmal dicht beieinander?!


    Ein Beispiel aus Niedersachsen: Die LNVG als Aufgabenträger kauft die Fahrzeuge für den landeseigenen Pool und das EVU muss mit diesen Fahrzeugen ohne Mitspracherecht bei der Beschaffung fahren. Niedersachsen beschafft Fahrzeuge, welche nicht einmal über die Seriengrundausstattung verfügen (statt serienmäßig drei Motoren, werden die Fahrzeuge nur mit 2 Motoren beschafft usw. usf.), kassiert dann aber eifrig Strafzahlungen, die aufgrund von Verspätungen durch zwangsläufige Fahrzeugdefekte enstehen. Ist natürlich auch ein gelungenes Geschäftsmodell. Auf weitere Beispiele aus dem Alltag verzichte ich lieber.


    Gruß, René

    Einmal editiert, zuletzt von rekok73 ()

  • Zitat

    Original von rekok73
    Auf 'Dieselpowers' Anmerkung möchte ich gerne noch antworten, bevor ich das Thema für mich beende. Die HEX-LINT sind allesamt Baujahr 2005. Die neue Ausschreibung hat eine Laufzeit bis 2032. Da wären die Triebwagen 27 Jahre alt. Ich habe täglich mit Triebwagen dieser Bauart zu tun: Sie halten definitiv nicht über einen so langen Zeitraum durch. Dafür sind sie vom Hersteller (laut dessen eigenen Aussagen) gar nicht konzipiert. Hätte man also die HEX-Altfahrzeuge zugelassen, dann hätte man die Laufzeit der Ausschreibung deutlich verkürzen müssen. Für das EVU schlecht, weil Planungssicherheit über einen kurzen Zeitraum, für die Mitarbeiter schlecht, weil ungewissere Zukunftsaussichten, für die öffentliche Verwaltung schlecht, weil Ausschreibungen ein Haufen Geld kosten.
    Gruß, René


    Hallo René
    Was man aber immer vergisst ist die Kaufmännische Seite:
    Wenn ich die Fahrzeuge in 15 Jahren abschreiben muss, weil ich keine Sicherheit habe, dass sie nachher weiter, an einem andern Ort, benützen kann, dann kommt das den Besteller entsprechend teurer.


    In der Schweiz, die bekanntlich nicht in der EU ist, ist im Gesetz eine entsprechende Klausel, dass das übernehmende Unternehmen daruf bestehen kann, die Fahrzeuge zum Restbuchwert zu übernehmen:


    https://www.admin.ch/opc/de/cl…ation/20061345/index.html



    Art. 32l1Wechsel des beauftragten Unternehmens


    1 Wird ein Angebot des regionalen Personenverkehrs aufgrund einer Ausschreibung bei einem neuen Unternehmen bestellt, so muss das bisher beauftragte Unternehmen dem neu beauftragten Unternehmen die eigens für das betreffende Verkehrsangebot angeschafften Betriebsmittel zum Restbuchwert übergeben, wenn die Besteller dies verlangen und die Betriebsmittel für die ausgeschriebenen Linien des regionalen Personenverkehrs von zentraler Bedeutung sind.


    2 Das neu beauftragte Unternehmen muss diese Betriebsmittel zum Restbuchwert übernehmen, wenn das bisher beauftragte Unternehmen oder die Besteller es verlangen.


    3 Das neu beauftragte Unternehmen muss die für das betreffende Verkehrsangebot notwendigen zusätzlichen Arbeitsstellen den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern des bisher beauftragten Unternehmens zu branchenüblichen Bedingungen anbieten.


    Mit dieser pragmatischen Klausel, da bin ich mir sicher, fährt der Besteller langfristig besser. Somit ist es auch kein Problem, die Fahrzeuge während der Dauer des Betriebes auszuwechseln.


    Das andere Problem, dass die Schmalspurbahnen, durch parallel laufende Busse kannibalisiert werden, hat mit der Verkehrspolitik zu tun.


    Vielleicht müsste man sich wirklich überlegen, ob eine Modernisierung der Schmalspurbahnen, weg vom alleinigen Museumsbetrieb, nicht die dauerhaftere Lösung wäre.


    In der Schweiz haben die Schmalspurbahnen nur deshalb überlebt, weil sie dem allgemeinen Verkehr dienten.


    Das bedeutet halt Abkehr vom alten Rollmaterial, Ausbau auf höhere Geschwindigkeiten und Änderung des Auftretens der Bahn. Nicht schön, für den Romantiker, aber dafür überlebt die Bahn.


    Langfristig ist weder der Tourismus, noch die öffentliche Hand ein Garant für das Überleben einer (Traditions) Bahn.
    Denn wenn die öffentliche Hand klamm ist, dann ist es meistens auch der Tourismus.

    Gruss Guru