[HU] Schmalspurnetz Nyíregyhaza

  • Hallo,


    das ging ja schnell, ja natürlich ist dies der Haltepunkt Ibrány temető (Ibrány Friedhof). Das hatte René ja auch schon angedeutet.

    Heute dient der Haltepunkt immer noch diesem Zweck, allerdings der gummierten Konkurrenz.



    Ein Rückblick auf die Situation, hier scheint alles noch intakt, doch außerhalb der Ortsgrenzen ändert sich diese Situation grundlegend.


    Bis bald . . .

  • ... dann hoffe ich doch mal, dass in Bälde die Fortsetzung folgt. :zwink: Interessante Dokumentation! Ich freue mich darauf.


    Freundlichen Gruß, René

  • Hallo,


    nach einer längeren (Zeitmangel) Pause möchte ich meine Exkursion entlang der stillgelegten Schmalspurbahn nun fortsetzen.
    Bei hitzigem Wetter waren wir bis Dombrád gefahren, um von dort entlang der Strecke uns in Richtung Nyíregyhaza voranzuarbeiten. Es war ein sportliches Programm, welches durch unseren Getränkeaufenthalt in ùjdombrád eigentlich schon zum Scheitern verurteilt war.



    Einöde pur, selten Menschen, wer Einsamkeit liebt, kommt hier voll auf seine Kosten, vielleicht waren wir deshalb so dankbar für die Einladung und das kurze Gespräch. Da die Bahn ja nicht fährt, nahmen wir das Angebot an, uns nach Nagyhalász fahren zu lassen, gerne an, es ersparte uns auch so etwa 10 km Fußweg und da die Strecke überwiegend paralell zur Straße verlief, haben wir auch nicht sehr viel verpasst.



    Von der Straße aus gesehen ist die Strecke bis Nagyhalász mehr oder weniger frei, sämtliche Signale und Schilder sind in guter Qualität noch vorhanden, was fehlt, ist ein Zug.
    Die Gummibahn brachte uns bis zum Bahnhof Kendergyár. Leider verpassten wir so die ausgestellte Mk45 in Nagyhalász, welche sich von weitem in gutem Zustand präsentierte. Wie in Dombrád auch, sind aber auch hier sämtliche Glasscheiben "entfernt" und nicht ersetzt worden.


    Auf Bahnbilder.de ist der Zustand der Lok gut zu erkennen.




    Da sich hinter dem Bahnhof Kendergyár die Strecke von der Straße verabschiedete, setzten wir den Weg nun wieder zu Fuß fort. Im Hintergrund ist das Einfahrsignal zu sehen, die Bewohner des Lampenmast waren auch nach längerem Warten nicht auszumachen.



    Auf dem Weg nach Ibrány waren dann zum Teil gravierende Schäden auszumachen und auch der dichte Bewuchs würde hier eine Fahrt mit der Schmalspurbahn unmöglich machen. Laut Berichten gab es hier kurz nach der Schließung auch Metalldiebstahl, was das Fehlen diverser Kleineisenteile erklären würde.
    Erkennbar ist die Strecke an vielen Stellen erst dann, wenn man mitten im Gleis steht.



    Teilweise verraten jedoch die Andreaskreuze, wo die Bahnstrecke versteckt ist.



    Besser wird die Situation erst, als wir wieder besiedeltes Gebiet erreichten. Bahnhof Ibrány ist in Sicht.



    Nichts deutet auf eine stillgelegte Schmalspurbahn hin, hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.



    Allerdings wird diese Illusion beim Weitergehen zum Bahnsteig sogleich wieder zunichte gemacht. Bf. Ibrány



    Bis zu unserem (bestelltem) Mittagessen ist noch etwas Zeit, die wir nutzten, um uns links und rechts vom Bahnhof etwas umzusehen. Endzeitstimmung für die Bahn . . .



    . . . allerdings gibt es auch Lichtblicke, wo man noch deutlich erkennt, wem dieser Weg in erster Linie gegolten hat . . .



    Zeit für´s Mittagessen . . .


    Beim nächsten Mal führt uns der Weg dann weiter nach Herminatanya, wobei wir den Zwischenhalt am Friedhof weglassen können, da waren wir ja schon.




    Gruß aus Debrecen

  • Hallo,


    bevor es weiter in Richtung Herminatanya geht, versuche ich mal einen Reise in die Geschichte der Bahn, um die frühere Bedeutung zu veranschaulichen.



    Vieles steht bereits in meinem Einleitungstext, doch einiges neues ist im Text doch zu finden. So wurde der Güterverkehr schon am 21. Dezember 1905 mit fahrplanmäßigen Güterzügen (20 offene und 5 geschlossene Güterwagen, 1 gebrauchte Dampflok in Karlsruhe produziert) eröffnet. Fahrplanmäßigen Personenverkehr mit drei Zugpaaren gab es erst ab 04. März 1906.
    Ausführlich wird über den Unfall in Buj (Herminatanya) berichtet, welcher am 11. August 1914 passierte und bei dem ein Maschinist verstarb.
    Hauptzweck der Bahn war der Gütertransport (landwirtschaftliche Produkte).
    Um 1925 wurde der Oberbau verstärkt und es wurden Triebwagen für den Personenverkehr beschafft.
    Ab 1937 verkehrten Schnelltriebwagen zwischen Sárospatak und Nyíregyháza. Mit 60 km/h waren das bis heute die schnellsten Schmalspurfahrzeuge in Ungarn.
    Nach Brückensprengungen im Oktober 1944 ruhte der Verkehr auf der Schmalspurbahn (Die Brücke über die Theiss wurde nie wieder aufgebaut) und mit Brückenwiederherstellungen wurde der Verkehr von Nyíregyháza aus am 24. April 1945 bis Kotaj, am 08. Juni 1945 bis Nagyhálász und zwei Wochen später auf der Gesamtstrecke wieder aufgenommen.
    Ab 1980 wurde der Oberbau erneuert, es fuhren 6 Personenzugpaare. Ab 1995 gab es keinen Güterverkehr mehr.


    Von 1910 bis 1969 fuhr die Schmalspurbahn zwischen Nyíregyháza und Sóstó elektrisch.




    Im Juni 1969 ersetzte die heutige Buslinie 8 die elektrische Schmalspurbahn und nur noch wenige Monate fuhr dann die Bahn mit Diesellokomotiven direkt durchs Stadtzentrum.



    Am letzten Betriebstag entstand noch ein sehr interessantes Video der elektrischen Straßenbahn.


    Nyíregyháza villamos


    Auch ein Bild der Árpád - Schnelltriebwagen habe ich auf IHO.HU gefunden, welches ich euch nicht vorenthalten möchte.



    Ich hoffe, die interessante Geschichte der Bahn gefällt.




    (Die historischen Farb-Fotos stammen vom Internetportal SzabolcsOnline SZON.HU, die Karte der Bahngeschichte vom Internetauftritt der Gemeinde Nagyhalász)



    Gruß aus Debrecen

  • Als wir am 03. Mai 1983 diese Strecke besuchten, hatte ein Liebhaber die Straßenbahn vorsichtshalber in seinem Garten geparkt.


    Sie war vom vorbeifahrenden Zug gut zu sehen, konnten aber leider nur von hinten ein Bild ( Dia) machen,


    da wir aus dem letzten Wagen zur Strecke schauten.




    MfG Rudi.

  • Hallo aus Ungarn,


    im ungarischen Schmalspurbahnforum wird derzeit viel über Geschwindigkeiten von Schmalspurbahnen gesprochen. Hierbei war auch die Bahn in Nyíregyháza Thema.

    Im Fahrplan von 1944 war für die Strecke von Sátoraljaújhely bis Nyíregyháza, das sind immerhin 71 km Streckenlänge, eine Fahrzeit von 1 Stunde und 45 Minuten vorgesehen.

    Gefahren sind Árpád-Schnelltriebwagen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h.


    Ein Bild vom 18.04.1944 zeigt diesen Triebwagen auf seiner Fahrt zwischen Bodrog und Theiß.


    MED_0015761694.jpg


    Noch im selben Jahr endete im Oktober kriegsbedingt dieser Schnellverkehr und konnte nie wieder wieder aufgebaut werden.


    Für die Teilstrecke von Nyíregyháza bis Balsa, dies ist nur noch eine 40 km lange Teilstrecke der oben genannten Strecke, brauchte laut Jahresfahrplan 1955 der schnellste Zug dann 2 Stunden und 15 Minuten. Diese Zeit wurde bis zur Stilllegung der Strecke nach Balsa im Jahr 2009 nicht mehr unterboten.


    Grüße aus Debrecen

  • Hallo in die Runde,

    Coronabedingt ist vieles in diesem Jahr entfallen, doch einiges dafür konnte ins Programm aufgenommen werden

    Bei mir war dies Anfang September eine Radtour entlang der Theiss. Hierbei sollte natürlich die Schmalspurbahn Nyíregyháza nicht zu kurz kommen. Kurz nach 7 Uhr startete ich mit dem Personenzug nach Zahóny aus Debrecen. Dann ging es per Rad von Kisvárda über Dombrád und Nagyhalász und Ibrány nach Tiszabercel, um dann mit dem Abstecher über Balsa zurück nach Nyíregyháza zu fahren. Hierbei waren Stopps in Buj, Kótaj und Sóstógyógyfürdö vorgesehen.

    Mit knapp über 100 Kilometern ein strammes Programm, bevor es gegen 18:30 Uhr aus Nyíregyháza zurück nach Debrecen ging.


    Meine beiden verwendeten Verkehrsmittel auf einem Bild, Zug und Fahrrad.



    Das eigentliche Ziel ist erreicht, die Theiss.



    Erste Eindrücke und die erste Pause nach 25 km.



    In Dombrád Bahnhof werden die Blumenkästen noch immer akribisch gepflegt.



    Die Fahrzeugausstellung in Dombrád ist noch immer sehenswert, wenn auch inzwischen vollkommen entglast.



    Ein Überblick . . .



    . . . bevor ich mich auf den Weg entlang der Schmalspurbahn machte.



    Hier wurde noch vor zwei Jahren alles akribisch freigeschnitten, inzwischen scheint dies der Bauhofbetreiber aufgegeben zu haben.



    Aber man sieht sie noch, die Strecke, ich stelle fest, ich darf nicht überall anhalten, mir läuft die Zeit davon.



    Der Stopp in Naghalász war trotzdem Pflicht.



    Wieder am Ufer der Theiss, Mittagessen und Ruhepause.



    Der ehemalige Trennungsbahnhof in der Ortslage von Buj ist kaum mehr wiederzuerkennen.



    Im Gegensatz zum Hp Fakapu.



    Auch Nyírszölös ist in seinem alten Zweck noch deutlich zu erkennen.



    In Sóstógyogyfürdö gab es dann Abendrot.



    Am Zoo Nyíregyháza das für heute letzte Bild entlang der ehemaligen Schmalspurbahn.



    Aus dem fahrenden Zug habe ich dann beim letzten Abendlicht noch einmal auf das Bw raufgehalten.


    In diesem Sinne hoffe ich, dass euch mein kleiner Exkurs gefallen hat.


    Grüße aus Debrecen