Unterwegs auf Harzer Gleisen

  • Und hier möchte ich noch zwei Bilder mit Bezug zur Neuwerker Industriebahn zeigen.


    Das erste Bild ist eine Ansichtskarte und zeigt einen Blick auf Neuwerk und der Streckenführung der Industriebahn neben der Bode.



    Das zweite Bild ist ebenfalls eine Ansichtskarte und zeigt einen Blick auf den Diabas-Steinbruch bei Neuwerk.




    Gruß, René

  • Hallo Rolf,


    der Fritz war Unteroffizier und die Karte ging nach Colmar im Elsaß. Sie wurde im Oktober 1901 abgestempelt. Ich kann zwar lesen, dass H den Wunsch von Fritz gern erfüllen möchte und ihm '...' schicken möchte. Als 'Klappen' kann ich das Wort aber nicht entziffern. Der erste Buchstabe scheint ein K zu sein, dann kommt aber ein ' und der nächste Buchstabe erscheint mir als großes E ... oder? :zwink: Ein wenig altdeutsch kann ich noch lesen, da meine Uroma mir als Kind noch Karten in dieser Schrift geschrieben hat. 'Verdamp lang her'. Es gab damals aber Worte und Ausdrucksweisen, die man heute nicht mehr kennt. So, wie heutzutage 'Ey Alta' jeden Satz vieler Jugendlichen beginnt oder beschließt. :lol:


    Gruß, René

  • Hallo in die Runde,


    die Anschubhilfe für das neue Forum ist euch gelungen, sogar mit seltenen Bildern! Danke auch an Reiner für seine Mahnung zu vergangenen Zeiten. Das Thema "Unterwegs auf Harzer Gleisen" lässt sich durch die findige Themenüberschrift in Zukunft noch prima ergänzen. Bin schon ganz gespannt.


    Gruß Ballberg

  • Hallo,


    heute war ich an der Steinernen Renne unterwegs. Jedoch stand das Fotografieren von Zügen nicht im Mittelpunkt des Interesses. Es waren die kleineren Details am Rande. So war es mein Ziel, die zwei Bahnbrücken in diesem Bereich zu fotografieren. Die erste Bahnbrücke kennt wohl jeder Fahrgast der Harzquerbahn. Sie führt innerhalb der Bogenkehre über die Holtemme. Die Steinerne Renne liegt in einem bewaldeten Talabschnitt am Oberlauf der Holtemme. In der Schlucht wechseln sich zahlreiche kleine Wasserfälle und Stromschnellen der Holtemme in ihrem von Granitgestein und -felsen durchsetzten Flussbett mit ruhigeren Flussabschnitten ab. Aus diesem Grund wurde der Talabschnitt 'Steinerne Rinne' oder eben Steinerne Renne genannt. Mit dem Aufkommen des Tourismus in der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Steinerne Renne zu einer der meistbesuchten Schönheiten des Harzes. Beim Bau der Harzquer- und Brockenbahn wurde der Bahnhof Steinerne Renne angelegt. Das Bild zeigt deutlich, wie die Holtemme in einem steinernen Flussbett rinnt.



    Die zweite Bahnbrücke über die Holtemme im Verlauf der Bogenkehre dürfte deutlich weniger Bahnfreunden bekannt sein. Auf dem Gelände der heutigen Batteriefabrik Wernigerode befand sich ab 1899 der Bearbeitungsplatz der Schotterwerke Steinerne Renne. Am 03. September 1944 wurde hier ein Ziegelwerk eingerichtet. Für die notwendigen Arbeiten wurden einige hundert Häftlinge eingesetzt und es entstand ein Konzentrationslager, welches bald ein Außenkommando des KZ 'Mittelbau' (nahe Niedersachswerfen) wurde. Im Ziegelwerk wurden dann auch Strahltriebwerke von den Häftlingen produziert. Am 10. April 1945 (einen Tag vor Eintreffen der Amerikaner in der Region) wurde das Außenkommando geschlossen und die Häftlinge wurden auf den 'Todesmarsch' geschickt, welcher die wenigen Überlebenden bis in die heutige Tschechei führen sollte.


    Das Ziegelwerk und Außenkommando verfügte auch über ein Anschlussgleis, welches über die Holtemme führte. Zur Veranschaulichung habe ich diesen Lageplan von einer Schautafel vor Ort abfotografiert.



    Hier nun ein Blick auf die Brücke über die Holtemme. Das Anschlussgleis ist schon lange nicht mehr in Betrieb. Die Präsentation des Bildes soll ruhig ein wenig an die düstere Geschichte erinnern, derer sich auch die Schmalspurbahnen im Harz nicht entziehen konnten.



    Gruß, René


    Es sind noch weitere Bilder am heutigen Tag entstanden, deren Präsentation aber ein wenig warten muss, da ich zunächst mit meiner Tochter ins Tierheim nach Eckertal fahren werde. Ich bitte um ein wenig Geduld. :zwink:
    http://www.tierheimeckertal.de

  • Der etwas andere Blick: Ein Gleis in Sandbettung. Gibt es im Harz nicht? Denkste! :zwink: Wenn auch nur ein kurzes Stück. Am Halteplatz der bergwärts fahrenden Lokomotiven im Bahnhof Steinerne Renne wird von den Lokführern ausreichend gesandet, um bei der Anfahrt genug Reibung zwischen Rad und Schiene zu bekommen. So sieht es an dieser Stelle aus, als wäre das Gleis in Sand gebettet.



    Schau an, was es Alles zu entdecken gibt ... als Non-Trainspotter. :-D


    Gruß, René

  • ... und doch war ich natürlich auch Trainspotter. So lauerte ich dem Zug 8925 an der Bogenkehre auf. Der Innenbogen gefällt mir motivlich nicht mehr so (Kabelkanäle und ein aus dem Zug "wachsendes" Einfahrsignal finde ich nicht so schön). Also auf die andere Seite in Höhe des Derrickkranes gestellt. Die Zuglok ist die 99 7232 und befindet sich gerade auf der Brücke über die Holtemme. Ich habe das Bild etwas "altern" lassen, damit es wenigstens ein wenig zu meinen Bildern vom Oktober 1991 passt. Das Bild in der Bogenkehre war mir ja damals anständig dunkel geraten.



    Dann bin ich zum Gasthaus Drei Annen gefahren, denn schon an der Renne hatte ich den 'Oldie' gesichtet. An der Höhenmarke erwartete ich ihn und musste mich nicht lange gedulden, da mir auch mit dem Auto die Verkehrsregeln nicht völlig bedeutungslos sind. Bahnfuzzis, die wie die Berserker durch den Harz rasen, habe ich schon genug gesehen. Schlimm finde ich dann, wenn diese besonders "rücksichtsvollen" Menschen dann in Foren für ihr Tun auch noch Lorbeeren bekommen, weil sie so tolle Bilder mitgebracht haben. Den Herzklabaster der anderen Verkehrsteilnehmer sieht man ja auf den Bildern nicht. Immer dran denken: weniger ist manchmal mehr und von einem Schmalspurbahnbild hängt nicht das Leben ab. Es ist also sinnfrei, dass eigene Leben oder das anderer Zeitgenossen dafür zu gefährden. Reicht schon, dass in den Sommermonaten an den Wochenenden reichlich 'Organspender' auf ihren zweirädrigen Geschossen ihr Leben im norddeutschen Gebirge lassen. Nun gut, ich bin vom Thema abgekommen, denn es wird Zeit, die Kamera in Anschlag zu bringen, denn da kommt die 99 5902 mit ihrem Züglein auch schon.



    Und weil die Sonne gerade ein wenig schien, habe ich die alte Dame noch ein wenig näher kommen lassen, um sie nochmals zu erlegen.



    Aber keine Angst: Als humaner Mensch habe ich Respekt vor dem Leben, auch wenn es noch so zischt und schnauft. Insofern habe ich sie nur so erlegt, dass sie auch in nächster Zeit noch äußerst lebendig ihrem Tagwerk nachgehen kann. Immerhin hat die Dame dafür ja gleich zwei Pflegekräfte. Solch einen Personalschlüssel wünscht sich wohl jeder Mensch im Alter, sollte er mal in eine Pflegeeinrichtung müssen. Merksatz gegen den Pflegenotstand: Nur wer anständig schnauft, keucht und (auf dem letzten Loch) pfeift, bekommt vielleicht eine Rund-um-Pflege. Das ist die Realtität, wie ich sie aus meiner jahrelangen Erfahrung im Zweitberuf des examinierten Krankenpflegers durchaus bestätigen kann.


    Gruß, René

  • Hallo,


    ich komme mal zum letzten Kapitel der Berichterstattung des heutigen Tages. Ab dem Jahr 1899 wurde im Gebiet der Steinernen Renne auch Granit abgebaut. Der Transport erfolgte mit elektrischen Lokomotiven. Die Energie wurde im Wasserkraftwerk Steinerne Renne erzeugt, welches auch heute noch funktionsfähig vorhanden ist. Zwischen dem Abbaugebiet und dem Bearbeitungsplatz gab es einen steilen Bremsberg, der auch in heutiger Zeit noch erkennbar ist. Zuerst möchte ich nochmal eine andere Ansicht des Modells vom Derrickkran zeigen, wie er in vielen Steinbrüchen zur Verwendung kam.



    Das nächste Bild dient der Veranschaulichung. Am gekennzeichneten Standort befindet sich heutzutage der Derrickkran.




    Der Wanderweg verläuft in einem Bogen und unterquert den ehemaligen Bremsberg. Das bergseitige Widerlager der Brücke über den Wanderweg ist immer noch vorhanden. Wenn man sich den Verlauf des Bremsberges von der Talseite aus anschaut, bekommt man automatisch hohen Respekt vor der Leistungsfähigkeit unserer Ahnen.




    Neben den Granitsteinbrüchen fand im Hasseröder Revier auch noch umfangreicher Bergbau statt. Über 500 Jahre hinweg wurden hier über 3,5 km Strecken und Stollen aufgefahren. Hier sieht man das Mundloch der Grube 'König Friedrich', welche heute den Fledermäusen als Unterschlupf dient. Der Harz ist eines der Fledermauszentren in Deutschland. Von den 23 in Deutschland vorkommenden Arten wurden im Harz schon 20 Arten nachgewiesen.



    Ich hoffe, dass auch dieser Blick neben die Gleise wieder ein wenig Gefallen findet. Wie man sieht: Auch in unmittelbarer Nähe der Strecken sind viele Dinge zu entdecken. Ohne diese historischen Gegebenheiten wären die Schmalspurbahnen im Harz wahrscheinlich nie gebaut worden, denn der Brockenverkehr war ehemals nicht der ausschlaggebende Grund. Insofern lohnt der umfassende Blick in die Umgebung, den ich gerne unternehme.


    Gruß, René

  • Hallo Renè,


    für mich ein sehr spannendes Thema. Schon die alten Steinbruchbilder sind faszinierend. Auf dem Foto vom Thumkuhlental sind z. B. so viele interessante Details zu entdecken. Allein die Werkbahn links unten mit ihrer Gleisführung nach der Ausweiche. Oder der lange Personenzug mit dem mittig eingereihten Gepäckwagen. Hat man da in DAH die Züge aus NDH u. vom Brocken vereinigt?
    Wann wurde am Knaupsholz eigentlich die Weiche ausgebaut? Wäre die nicht vielleicht noch für den Museumsbahnhof Straupitz zu gebrauchen? Fragen über Fragen ... :gruebel:


    Gruß, Holger

  • Hallo Holger,


    wann die Weiche ausgebaut wurde kann ich gar nicht sagen. Ich kann mich nicht erinnern, seit wann sie da an der Mauer lehnt. Die Strecke nach Schierke wurde ja nach der Wende durch die HSB schrittweise saniert. Ich denke, dass die Weiche in diesem Zusammenhang ausgebaut wurde. Vielleicht hat Reiner da eine Information? Er bringt den Wissensschatz einer jahrzehntelange Erfahrung auf Harzer Schmalspurgleisen mit.


    Gruß, René