Aufarbeitung der Jung Hilax 8293 (1938) bei der Waldeisenbahn Muskau

  • Mahlzeit Rainer,

    Zitat

    ...da wird ja ein richtiger Top-Mechatroniker herangebildet...

    dem muss ich widersprechen, Lokschlosser oder Mechaniker ja, aber mit Elektronik habe ich nix am Hut :-D

    Er hat mittlerweile seinen eigenen Schraubstock und eigenes Werkzeug in der Werkstatt.


    Gruß Sven

  • Hallo

    Das gefällt mir mit dem kleinen.Einfach schön.

    Ich habe solche Kunden bei mir am Zaun der Gartenbahn.Und mit ihnen Fachgespräche zu führen ist unbezahlbar. Da gibt es zum Beispiel welche die erklären dir genau wie eine Dampflok funktioniert.

    Und mein Enkel ist 6 Jahre und 4 K Fan weil er mit zweien schon kurz mitfahren durfte.Besonders hats ihm die grüne angetan was er auch an seinen diversen Spielbahnen sofort nachbilden möchte.

    Dem Minimaschinisten und seinem Papa noch viel Freude. Es wäre schön wenn noch viele derartige Beiträge hier im Forum zu lesen wären.:zwink::kaffee:

    Gruß
    Harald a.F.

  • Mahlzeit!


    @André: ich bleib beim Dampf und meinen alten Maschinen ;-)


    @Harald: geht sofort weiter:


    Auch die rechte Speiseleitung wurde zwischenzeitlich fertig aufgearbeitet. Da der vordere Teil aus Stahl besteht, war etwas mehr Aufwand notwendig. Für die Flanschverbindung wurden passende W 1/2" Schrauben und Muttern nach Vorkriegsnormen angefertigt.


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    Um den Zustand der Speiseleitung prüfen zu können, mussten zunächst die zahlreichen Farbschichten entfernt werden. Nach dem Behandeln mit Abbeizer wurde die Leitung zwecks Beschleunigung des Vorganges in Folie eingewickelt.


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    Mit Winkelschleifer und Zopfbürste wurden im Anschluss die letzten Farbreste entfernt.


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    Der ovale Flansch war in vergleichsweise gutem Zustand und brauchte nur ein wenig Zuwendung.


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    Dieser runde Flansch dagegen wies tiefe Rostnarben auf und musste aufgeschweißt werden.


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    An diesem Teil der Rohrleitung wurde bereits in der Vergangenheit herumgeschweißt. Das Loch wies auf weitere Korrosionsschäden hin.


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    Mit Hilfe eines Ultraschall-Wanddickenmessgerätes wurde der Zustand der Leitung geprüft, um die länge des zu erneuernden Bereiches zu bestimmen.


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    Die Schnittansicht auf Höhe des Loches. Es wurden noch 2 weitere Schnitte gemacht, bis wieder die volle Wandstärke vorhanden war, an welche man das neue Rohrstück ansetzen kann.


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    Das abgetrennte Ende wurde zunächst zum Überdrehen des Flansches in das Dreibackenfutter gespannt. Im Anschluss erfolgte das Ausbohren des eingelöteten Rohrstücks.


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    Flansch und Ersatzrohr sind zum Hartlöten vorbereitet.


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    Fertig eingelötet kühlt sind Baugruppe ab.


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    Von der Dichtfläche wurde anschließend nochmals ein kleiner Span heruntergenommen, um das überschüssige Hartlot zu entfernen.


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    Nun konnte das Rohr mit WIG zusammengeschweißt werden. Der anschließenden Druckprobe mit 20 bar hielt das Rohr stand.


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    Der hintere Teil der rechten Speiseleitung besteht noch aus Kupfer und ist in gutem Zustand. Die Flansche wurden nach bewährter Methode aufgeschweißt und bearbeitet.


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    Im Gegensatz zur rechten Leitung waren bei der rechten noch die originalen W1/2"-Schrauben und Muttern vorhanden. Diese wurden als Muster für die Anfertigung eines Satzes genutzt. Schlüsselweiten und Kopfhöhen waren in der Vorkriegszeit noch etwas größer als nach den heutigen Normen.


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    Im Vergleich zu M12-Schrauben wirken diese wesentlich massiver.


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    Als letzten Schritt wurden alle Schrauben brüniert.


    Soweit für heute, allen Mitlesern und Unterstützern noch einen schönen Abend.


    Gruß Sven

  • Hallo Sven
    Ich bleibe nur Dienstlich beim Strom denn wie es so schön heißt. "Was ich schneide hält, was ich Schweiße fällt."
    Ich bin aber immer wieder von deinen Beiträgen fasziniert und spreche da auch viel mit unserem Schlosser auf Arbeit darüber. Und freue mich natürlich immer wieder über diese Bilder. Leider ist nicht jeder in der Lage so offen zu kommunizieren was mit den Spendengeldern passiert. Im Falle der Hilax ist dies einfach nur Vorbildlich.

    Privat mag ich Dampf natürlich auch viel lieber. Ich erzähl dir ja nix neues, wie toll es als Kind war wenn die Chemzer 50er mit nem richtig langen Güterzug auf der CA unterwegs war. Wer das einmal in sich aufgesogen hat kommt davon nicht wieder los.

    Gruß André

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  • Mahlzeit!


    Im Folgenden ein paar Impressionen von Anfang Juni, als die JUNG-Lok am Rande der Sonderfahrt zum 50. Jahrestag der Betriebseinstellung der Mecklenburg Pommerschen Schmalspurbahn (MPSB) ausgestellt wurde.


    Am Samstagmorgen wurden die frisch aufgearbeiteten Teile der Speiseleitungen angebaut.


    Als Erinnerung an die MPSB trug die Hilax an diesem Tag das Lokschild der 99 3652, einer baugleichen Lokomotive, die in den 50er Jahren dort im Einsatz war.


    Danach wartete die Maschine auf dem Ausziehgleis die Vorbeifahrt des Sonderzuges ab.


    Zur Mittagszeit passiert der Sonderzug die Hilax, im Hintergrund der planmäßige Personenzug aus Kromlau, bespannt mit einer V10C.


    Am späten Nachmittag wird das nächste Fotomotiv vorbereitet.


    Die Rückkehr des Sonderzuges mit 99 3462.


    Etwas Rauch aus dem Kobel und die Illusion ist fast perfekt.


    Unter den Teilnehmern der Sonderfahrt war auch Gerd Altrock, der das Projekt schon seit langem interessiert verfolgt.


    Beide Loks genießen im letzten Sonnenlicht den wohlverdienten Feierabend.


    Zurück daheim wurde wieder gearbeitet. Diesmal entstand eine Überwurfmutter für das Fangrohr der Wasserstandsprüfhähne.


    Das Fangrohr aus Kupfer wurde einst in der Steinbruchwerkstatt gebaut. Die bisher verbaute Überwurfmutter wies ein metrisches Gewinde auf und war mit roher Gewalt auf das R 5/8"-Gewinde gedreht worden. Letzteres konnte zum Glück nachgeschnitten werden.


    Die Leitung wurde ebenfalls erneuert und alle Teile zum Einbau vorbereitet.


    Soweit für heute


    Gruß Sven

  • Mahlzeit!


    Hier nun ein paar Bilder vom Arbeitseinsatz am 06.06.2019: Die Fangschale für die Prüfhähne samt zugehöriger Leitung wurden angebaut. Weiterhin wurden die Schmierdochte in den Achslagern und den Schmiergefäßen der äußeren Steuerung erneuert.


    Als besonderen Gast konnten wir an dem Tag Malcolm Brown von der Talyllyn Railway begrüßen.


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    Am Mittag wurde die Lok zur Überführung vom Museumbahnhof in den Bahnhof Teichstrasse bereitgestellt. Dort musste die Vorbeifahrt eines dieselbespannten Sonderzuges abgewartet werden.


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    Vor dem Lokschuppen des Bahnhofs Teichstrasse angekommen wurde mit den geplanten Arbeiten an der Lok begonnen.


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    Das aufgearbeitete Fangrohr ist bereits wieder an seinem Platz unter den Prüfhähnen montiert.


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    Die neu angefertigte Entwässerungsleitung war noch ein wenig nachzurichten und konnte dann angebaut werden.


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    Danach stand das Erneuern der Schmierdochte in den Lagern auf dem Programm. Diese stammen noch aus dem Winter 1998/99 als die Lok nach dem Kauf rollfähig hergerichtet worden war. Seitdem ist die Lok zwar nicht viel bewegt worden, doch zersetzen Feuchtigkeit und Schmutz die Dochte mit der Zeit.

    Die Lager wurden vor dem Ausbau der Dochte leergesaugt und dann mit Druckluft gereinigt.


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    Zugang zu den Achslagern bekommt man bei diesem Loktyp nur durch die beiden ovalen Aussparungen in der Radkörpern. Im Bild ist der Lagerdeckel des linken Treibachslagers angehoben, der äußere Docht mit seinem Drahthaken ist gut zu erkennen. Oberhalb befindet sich der Querfedersteg.


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    Der herausgenommene Docht ist völlig verschmutzt und kaum noch in der Lage Öl aus dem Vorratsbehälter anzusaugen.


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    Der Docht ist nun mit neuen Wollfäden bestückt, deren Anzahl sich nach der Größe der Ölbohrung und der gewünschten Fördermenge richtet.


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    Das Einsetzen der Dochte ist eine ziemliche Fummelei, da die Hand gerade so durch die Aussparung im Radkörper passt, man den Lagerdeckel nur etwa 35 mm anheben kann und keinen Sichtkontakt zur Ölbohrung hat.


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    Der äußere der beiden Dochte ist erneuert, für den inneren muss der Deckel von der Rahmeninnenseite her angehoben werden.


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    Blick auf die Kuppelachse von der Arbeitsgrube aus.


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    Hier nun der Blick auf die Treibachse mit ihrer Querfeder, welche für die Dreipunktlagerung sorgt. Die Achslager sind nicht mehr original, sodern wurden von der Lokwerkstatt im Steinbruch aus den Lagergehäusen einer verschrotteten Krauss-Lok umgebaut.


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    Am Nachmittag wurde die 99 3462 für einige Arbeiten aus dem Schuppen gezogen, so dass ein gute Vergleich der Größe beider Lokomotiven möglich wurde.


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    Im direkten Vergleich wirkt die Hilax gar nicht mehr so klein, wie oftmals vermutet.


    Am kommenden Sonntag, dem 07.07.2019 wird die Lok erstmals seit einem Jahr wieder außerhalb von Weißwasser zu sehen sein. Beim Park- und Theaterfest ViaThea wird sie im Bahnhof Bad Muskau ausgestellt und wirbt für Bahn und Projekt. Ich bin ganztägig vor Ort und freue mich auf Euren Besuch! Neben dem Dampfbetrieb wird es zusätzlich noch dieselbespannte Pendelzüge zwischen Bad Muskau und Krauschwitz Baierweiche geben, Details dazu hier http://www.waldeisenbahn.de/


    Gruß Sven

  • Hallo Sven,


    Gerd Altrock, einen der Pioniere der Museumsbahn in Schwichtenberg, konnte ich in der Wuhlheide kennenlernen. Vielleicht kann man in ein paar Jahren die Hilax auch mal auf der MPSB-Strecke erleben. :frech:


    Danke für die Bilder u. beste Grüße


    Holger

  • Hallo

    Mich würde mal interessieren wie hoch ungefähr die Transportkosten wären.

    Auch für andere Loks und Wagen die so hin und her kutschiert werden.So könnte man einige Entscheidungen besser verstehen oder durch eventuelle Geldgaben nicht Bestechungen beschleunigen oder anregen.

    Gruß
    Harald a.F.