Aufarbeitung der Jung Hilax 8293 (1938) bei der Waldeisenbahn Muskau

  • Mahlzeit Sven,

    Ich baue mit den Augen förmlich mit, das mit den Werkzeugen herstellen kenne ich auch noch, mussten ja für die Ik auch welche anfertigen.

    Ich bin zwar nun 10 Jahre raus aus dem Metallberuf,aber wenn ich mir die Fotos angucke kommen doch immer die Erinnerungen hoch und es juckt in den Fingern.

    Viele Grüße

    Matthias.

    Gruß aus DD

    Matthias.

  • Mahlzeit Sven,

    Ich baue mit den Augen förmlich mit, das mit den Werkzeugen herstellen kenne ich auch noch, mussten ja für die Ik auch welche anfertigen.

    Ich bin zwar nun 10 Jahre raus aus dem Metallberuf,aber wenn ich mir die Fotos angucke kommen doch immer die Erinnerungen hoch und es juckt in den Fingern.

    Viele Grüße

    Matthias.

    Mach doch einfach mit! Gibt sicher was zu tun für einen "alten Fuchs."

  • Dieser Beitragsbaum ist für mich persönlich in Sachen Tranzparenz zu den Spenden und Vermittlung von Wissen das absolute Highlight.
    Besser kann man es nicht machen was Sven hier bietet. Ich hab ja viel im Bw Chemnitz dem Pockauer Musikdreher Gerd.W über die Schulter geschaut, wenn der Stangen und Achslager für die V60 gedreht hat. Der hat dann Anfangs auch einige Zeit für Oberwiesenthal Arbeiten gemacht wenn ich mich recht erinnere bei der 99 586.

    Ich glaub ich bin nicht der einzige der beim Thema Gewindebohrer selbst herstellen die Segel streichen würde...

    Also vielen Dank, ich bin schon auf den nächsten Bericht gespannt.


    Btw.

    bei einigen Bildern von Sven selbst musste ich schmunzeln.. Da sieht er einem Ingenieur des Bw Aue, als der noch Jünger war, doch recht ähnlich. ;)

    Gruß André

  • Mahlzeit zusammen!

    Danke für die vielen positiven Rückmeldungen.

    Da ich es schade finde, das bei vielen Projekten lange und intensiv Geld eingeworben wird, um dann "hinter verschlossenen Türen" verbaut zu werden, versuche ich einen anderen Weg zu gehen. Auch der fachliche Austausch wird durch die intensive Berichterstattung begünstigt und immer wieder angeregt. Oftmal steht man mit einem Problem da und nachdem man drüber berichtet hat, kommt von irgendwoher der entscheidende Tipp.

    Auf meinen Aufruf hin, haben Werkstattleute in mehreren Ländern ihre Bestände an Stehbolzengewindebohrern durchsucht. Der schweizer Dampfspezialist Martin Horath aus Goldau war dann der erste, der mir die Leihgabe einiger Gewindebohrer anbot.

    Zitat

    Mahlzeit Sven,

    Ich baue mit den Augen förmlich mit, das mit den Werkzeugen herstellen kenne ich auch noch, mussten ja für die Ik auch welche anfertigen.

    Ich bin zwar nun 10 Jahre raus aus dem Metallberuf,aber wenn ich mir die Fotos angucke kommen doch immer die Erinnerungen hoch und es juckt in den Fingern.

    Viele Grüße

    Matthias.

    Welche hast du angefertigt? An guten Zerspanern fehlt es mittlerweile überall. Gerade im konventionellen Bereich, auch bei den Museumsbahnen sind solche Kenntnisse begehrt.

    Btw.

    bei einigen Bildern von Sven selbst musste ich schmunzeln.. Da sieht er einem Ingenieur des Bw Aue, als der noch Jünger war, doch recht ähnlich. ;)


    Gruß André

    Nun ich bin eben meines Vaters Sohn ;) Er hat mir die Leidenschaft und auch den oberlausitzer Granitnischel vererbt, der bei so einem langjährigen Projekt durchaus von Vorteil ist ;)

    Gruß Sven

  • Hallo Sven,

    Fachfrage, was hat das mit den eingeschraubten Deckenstehbolzen für Vorteile oder ist das nur aus historischen Gründen, das man keine gewindelosen einschweißt?

    Wenn du die Lok dann fertig hast, begibst du dich dann auf Tournee, um die Lok auch mal außerhalb von Weißwasser fahren zu können?

    Mfg TRO.

  • Hallo,

    Hallo Sven,

    Fachfrage, was hat das mit den eingeschraubten Deckenstehbolzen für Vorteile oder ist das nur aus historischen Gründen, das man keine gewindelosen einschweißt?

    hast du schon mal eingeschweißte Deckenstehbolzen in einer Kupferkiste gesehen?

    Viele Grüße

    von der Albert-Bahn

  • Hallo,

    hast du schon mal eingeschweißte Deckenstehbolzen in einer Kupferkiste gesehen?

    Viele Grüße

    von der Albert-Bahn

    Die Frage von TRO ist schon nicht ganz unberechtigt. Man könnte die Stehbolzen zumindest Stehkesselseitig auch einschweißen.
    Das ist zumindest bei österreichischen Dampfloks mit Kupferfeuerbüchse durchaus üblich.

    Allerdings gibt es immer wieder die Diskussion, ob es gut ist geschraubte Stehbolzen mit eingeschweißten Stehbolzen zu mischen.

    Beim Kessel der Hilax waren laut den Bildern aber ausschließlich beidseits geschraubte Stehbolzen verbaut, sodaß auch stehkesselseitig die Löcher
    gleich groß sind und auch ein eingeschweißter Stehbolzen beidseitig angestaucht sein müsste oder stehkesselseitig die Bohrungen ausgebuchselt werden müssten um einseitig angestauchte Stehbolzen einschweissen zu können. Ich glaube das wäre ein ziemlicher Mehraufwand als wieder geschraubte Stehbolzen einzubauen.

    Liebe Grüße aus Österreich
    Manfred

  • Mahlzeit!

    Hallo Sven,

    Fachfrage, was hat das mit den eingeschraubten Deckenstehbolzen für Vorteile oder ist das nur aus historischen Gründen, das man keine gewindelosen einschweißt?

    Die Entscheidung, die Deckenstehbolzen wieder in die Stehkesseldecke einzuschrauben hat mehrere Gründe. Zum Einen entspricht diese Ausführung der Kesselgenehmigungszeichnung, bei einer abweichenden Ausführung müsste die Zeichnung geändert werden, was mit zusätzlichem Aufwand und Kosten verbunden ist.

    Weiterhin haben die äußeren Stehbolzenreihen in der Stehkesseldecke wasserseitig Verstärkungsbleche aufgeschweißt. Wird nun ein gewindeloser Stehbolzenkopf dort eingeschweißt, besteht die Gefahr, dass die Wärmespannungen beim Schweißen zu Rissen in den Nähten der Verstärkungsbleche führen und die Bleche dann auseinanderklaffen. Ob die Stehkesseldecke dabei unbeschädigt bleibt ist eine ganz andere Frage.

    Darüber hinaus müsste man die vorhanden Löcher soweit aufbohren, dass die Gewinde vollständig entfernt sind. Das würde bedeuten die vorhandenen Gewindebohrungen auf 35 mm aufzubohren. Das ist bei den äußeren Reihen wegen der Rundung der Stehkesseldecke gar nicht mal so einfach, der Bohrer neigt dann zum Verlaufen. Die Bohrungen müssen ja trotzdem noch fluchten. Dafür müsste man den Kessel also auch auf ein Bohrwerk stellen, man spart also keinen Arbeitsschritt ein. Das Schweißen wäre hingegen ein zusätzlicher Arbeitsgang.

    Beim Hilax-Kessel haben die Gewinde in der Feuerbüchsdecke 26 mm Außendurchmesser, in der Stehkesseldecke original 28 mm, beide mit 10 Gang/1Zoll Steigung um die Montage der Deckenstehbolzen zu ermöglichen. Verwendet wurden dampfdichte Gewinde, das heißt der Flankendurchmesser der Stehbolzen besitzt ein geringes Übermaß gegenüber einem "gängigen" Gewinde, welches ein geringes Untermaß besitzt. Die Stehbolzen werden also von der Stehkesselseite her eingesetzt und mittels Druckluftschauber eingeschraubt. Durch wiederholtes Wechseln der Stehbolzen und dem damit verbundenen Erweitern der Gewinde haben die Bohrungen in der Stehkesseldecke nun 34 mm Durchmesser. Die Gewinde in der Feuerbüchsdecke waren auch vergrößert, beim Einbau der jetzigen Kupferfeuerbüchse 1961 hat man jedoch gemäß der Zeichung den Auslieferungszustand wiederhergestellt und 26er Gewinde geschnitten.

    Zu guter Letzt ist die Aufarbeitung der Maschine mehr als eine bloße Instandsetzung, sondern hat restauratorischen Anspruch. Das heißt in diesem Fall soll die Ausführung der Deckenstehbolzen so bleiben, wie sie vor 85 Jahren und die komplette Einsatzzeit hinweg der Maschine gewesen ist. Auch zukünftige Generationen von Dampflokschlossern, Heizern und Lokführern sollen das nachvollziehen können. Ich habe z.B. ziemlich lange gebraucht, um verlässliche Angaben über das nötige Übermass der dampfdichten Gewinde zu finden. Die Normblätter zu den LON-Gewinden schweigen sich dazu aus bzw. enthalten nur den Hinweis "Übermaß nach Wahl des Herstellers". Es geht also auch ganz konkret um die Bewahrung des Fachwissens und der Fertigkeiten.

    Wenn du die Lok dann fertig hast, begibst du dich dann auf Tournee, um die Lok auch mal außerhalb von Weißwasser fahren zu können?

    Dazu gibt es schon einige Ideen, die Maschine soll auch als Gastlok die WEM bei anderen 600-mm-Bahnen vertreten. So wäre zum Beispiel ein Einsatz in Gera bei der Parkeisenbahn denkbar, wo die Lok von 1978-98 abgestellt stand, aber nie zum Einsatz kam. Und auch ein Gasteinsatz bei der Historischen Feldbahn Dresden ist mal angedacht, dann wären erstmals seit 1976 wieder alle 3 noch erhaltenen Dampfloks aus dem Steinbruch wieder zusammen. Einladungen aus Polen, Tschechien und Schweden gibt es aber auch ;) Man wird sehen, was davon mal finanzierbar sein wird.

    Beim Kessel der Hilax waren laut den Bildern aber ausschließlich beidseits geschraubte Stehbolzen verbaut, sodaß auch stehkesselseitig die Löcher
    gleich groß sind und auch ein eingeschweißter Stehbolzen beidseitig angestaucht sein müsste oder stehkesselseitig die Bohrungen ausgebuchselt werden müssten um einseitig angestauchte Stehbolzen einschweissen zu können. Ich glaube das wäre ein ziemlicher Mehraufwand als wieder geschraubte Stehbolzen einzubauen.

    Du hast Recht Manfred, für die Fertigung der Stehbolzen macht es nicht viel Unterschied, ob da am Kopf ein Gewinde vorhanden ist oder nicht. Die Stehbolzen werden heute auf der CNC-Drehmaschine gemacht, da das geht recht zügig.

    Gruß Sven

  • Hallo Sven,

    Ich lese in Deinen Berichten schon lange mit. Als Maschinenbau Ingenieur geht mir förmlich das Herz auf, wie anschaulich Du hier jahrzehntealtes Wissen vermittelst und bewahrst.

    Ich würde mir wünschen, dass man diesen Erfahrungsschatz auch an jüngere weitergeben kann und dieses Feuer auch bei der nächsten Generation entfachen kann.

    Aber die Zeiten sind schwierig. Der Nachwuchs wird ja überall gesucht..


    Voller Bewunderung

    Kalle