[?] Oberbau bei sächsischen Schmalspurbahnen

  • Moin zusammen,


    für den Eisenbahnsimulator Trainz konstruiere ich derzeit 750mm Gleise für die Epoche III-IV, also Oberbau K49 nach sächsischem Vorbild.
    Meine Frage ist nun, welches Schwellenmuster (überwiegend) dabei in Kombination mit Laschen verwendet wurde, bevor die Schienen geschweißt wurden.
    Folgende Vorkommnisse habe ich selber schon beobachtet (hier bereits am Modell demonstriert:



    1.) 15m Gleisjoch mit 22 Mittelschwellen und jeweils einer Endschwelle am Schienenstoß



    2.) 15m Gleisjoch mit 22 Mittelschwellen und jeweils einer Schwelle auf/knapp neben dem Schienenstoß



    3.) 15m Gleisjoch mit 22 Mittelschwellen und schwebendem Schienenstoß


    Gibt es da bestimmte Regeln (für SSB) ab wieviel Tonnen Achslast Doppelschwellen verwendet werden sollten bzw. ob da aus Kostengründen wenn möglich darauf verzichtet wird?
    Und wie ist die Verbreitung von [15m, 30m, <] Gleisjochen in der Praxis?


    Cheers
    Sachsenbahner

  • Auf der sächsischen Schmalspurbahn findet man auch heute noch diese Oberbauform, aktuell nur noch im Museum und auf einigen Nebengleisen.



    Zu finden in Oybin vorm Museum und in Hainsberg neben der Rollwagengrube und in Oberrittersgrün, da gab es nie was neueres.


    VG Gerd

  • Moin Gerd,


    ja, das müsste noch der Typ "Va" aus den Anfängen der Staatsbahn-Zeit sein. Der steht auch noch auf der List "könnte mal gebaut werden"…
    Hast du da genauere Abmessung bezüglich Profil, Schwellen, Kleineisen, Laschen etc.?


    Aktuell liegt der Fokus allerdings ehr auf dem Reichsbahn-Oberbau "K49" :)


    Cheers
    Sachsenbahner

  • Hab ich leider nicht...


    Aber wie schon genannt in Oybin vorm Museum und in Oberrittersgrün kann man sich das in Ruhe ausmessen und dokumentieren, dort sogar die alten sächsischen Weichen. Grund genug , diese beiden Orte mal zu besuchen.


    VG Gerd

  • @Sachsenbahner
    Typ Va ist das Schienenprofil. Der Oberbau heißt Hakenplattenoberbau.



    Vorrangig ist der Oberbau K auf den Schmalspurbahnen:



    fotografiert in Oschatz



    Daneben gibt es noch den alten Hakenplattenoberbau:

    Hier in Oberrittersgrün im Museum fotografiert.


    Es gibt natürlich auch Stahlschwellengleis:

    fotografiert in Radebeul.


    Oder eine andere Stahlform:

    gefunden in Oschatz.


    Interessant sind dann natürlich noch die Weichen, hier eine alte Bauform in Oberrittersgrün:



    Noch liegt das alles herum, man kommt an alles problemlos heran und kann das in Ruhe ausmessen und fotografieren.


    Gruß
    Stefan T.

  • Hallo in die Runde,


    die Va-Schienen (vergleichbar mit heutigem S33) sind nicht aus der Anfangszeit der Schmalspurbahnen, die meisten Strecken wurden ursprünglich mit deutlich leichteren Schienen (Profil Ib, vergleichbar bzw. noch dünner als S18) gebaut und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts auf Va umgebaut. Die partiell auf dem letzten Bild sichtbare Weiche müsste auf Profil Ib basieren. Es ist erfreulich, dass zumindest ein solches Relikt bewahrt wird. Eigentlich müsste ja der IK-Zug auf solchen Gleisen fahren... Aber dann wären diese Gleise nicht für VIK und VIIK befahrbar und für IVK sowie die Vierachser-Wagen nur eingeschränkt... ABER: Für den Simulator wäre das genau das Richtige... Warum Dinge nachbilden, die man heute noch überall in der Realität findet? Viele Grüße,


    Marian Sommer.

  • Moin zusammen,

    Für den Simulator wäre das genau das Richtige... Warum Dinge nachbilden, die man heute noch überall in der Realität findet?

    mit dem Modellbau verhält es sich virtuell wie auch reell - man baut was man benötigt. Natürlich könnte ich alle historischen Oberbauformen aller deutschen Staatsbahnen umsetzen. Da ich jedoch für meine Projekte aktuell nur die Form K benötige hat diese eben Vorrang - auch wenn andere Arten möglicherweise vom Aussterben bedroht sind.


    Leider wurde meine Eingängige Frage noch nicht beantwortet, daher nochmal kurze wiederholt:


    "Wurden Schienenstöße bei sächsischen Schmalspurbahnen mit Oberbau K als

    • schwebend
    • fest oder
    • Breitschwellenstoß (Kuppelschwelle oder Doppelschwelle)

    ausgeführt?"


    ________________________________________________________________________


    Trotzdem gefällt mir die Richtung in die dieser Thread läuft und ich habe selber noch etwas recherchiert und bin folgendermaßen fündig geworden:



    Profil Fußbreite (mm) Kopfbreite (mm) Stegstärke (mm) Höhe (mm) Gewicht/m (kg)
    1a 80 40 9 87 15,5
    1b 80 42 9 91 17,63
    Va 105 58 14 130 35,84
    S33 105 58 11 134 33,47
    S49 125 67 14 149 49,39


    Oberbau Stücklänge (m) Schwellenabstände (mm) Schwellenlänge (mm) Schwellenbreite / Auflagenbreite (mm) Schwellenhöhe (mm)
    Profil 1a 7,5 9 x 500-900 1500 200 / 170 135
    Profil 1b 9,5 12 x 500-800 1500 200 / 140-170 135
    Profil Va 9,5 ? 1600 200 / 140-170 135
    Reichsbahn K 15 | 30 | 60 22 | 45 | 92 x 548-655 1500-1750 260 / 160 160


    Zur Verwendung
    Bis 1888 wurde der Oberbau mit Profil 1a verwendet, danach sollte nur noch der Oberbau mit Profil 1b verbaut werden.
    Nach dem ersten Weltkrieg und mit Einsatz der VI K wurden dann erste Strecken auf den Oberbau mit Profil Va umgerüstet.
    Den Oberbau K gibt es etwa seit den 60er Jahren.


    Interessanterweise werden für die Oberbauformen für die Profile 1a, 1b und Va explizit schwebende Schienenstöße gefordert. Fehlt nur noch die Information für K :sing:


    Angaben aus den Büchern:

    • Die Schmalspurigen Staatseisenbahnen Im Königreiche Sachsen, G.W. Ledig, Verlag Wilhelm Engelmann 1895
    • Das Eisenbahn-Bauwesen für Bahnmeister und Bauaufseher: als Anleitung für den praktischen Dienst und zur Vorbereitung für das Bahnmeister-Examen, Ernst Susemihl, Springerverlag 1899

    Kann evtl. jemand mit Angaben zum Oberbau Va weiterhelfen und hat jemand das Buch
    "Vorschriften für den Oberbau der schmalspurigen Nebeneisenbahnen mit Schienen Form Ia, Ib, IIb, IIIb, IV, V und Va auf hölzernen Querschwellen: vom 13. Juli 1921"?
    Sehr vage sind auch die Angaben zur Schwellenbreite von 750mm Gleisen mit Oberbau K. Gab es da in der Originalen Fassung von 1926 einen Absatz zu Schmalspurversionen?


    Vielleicht können wir das Thema hier noch ein wenig weiterführen. :)


    Cheers
    Sachsenbahner


    PS: Wenn sich Fehler eingeschlichen haben bitte melden, ich korrigiere dann :)

  • Hallo,


    also die zweite von dir gezeigte Version - Einzelschwellen genau auf dem Stoß - halte ich für ausgeschlossen. Sieh dir mal dein Bild noch mal genau an, vielleicht kommst du ja von selbst auf den Grund.
    Ich meine, die Version mit Doppelschwelle dürfte bei S49 K-Oberbau die gebräuchlichere zu sein, wobei ich mir da allerdings nicht ganz sicher bin - meine Beobachtungen stützen sich überwiegend auf eine Strecke. Ziemlich sicher bin ich mir dagegen, dass die Schienenform S49 auf den sächsischen Schmalspurbahnen vor 1975 so gut wie nicht zu finden gewesen sein dürfte. Weit verbreitet war als Nachfolgebauform von Va hingegen das Schienenprofil S33! Dieses Profil kommt zum Beispiel in Verbindung mit sämtlichen Betonschwellen aus den 60er Jahren, aber auch auf den meisten Stahlschwellen zur Anwendung.


    Gruß
    Blüm

  • Hallo Sachsenbahner,


    deine interessanten Fragen haben mich zur Anmeldung im Forum verleitet.
    Ich hoffe ich kann dir einige deiner Fragen beantworten.


    Zunächst vorab:
    Der von dir nachgefragte Oberbau K49 mit Holzschwellen ist eigentlich absolut untypisch für sächsische Schmalspurbahnen.


    Aber vielleicht der geschichtlichen Reihenfolge nach.


    bis ca 1926:


    Nach dem ersten Weltkrieg tauchten die neuen VIk Maschinen auf.
    Der Standardoberbau auf den Schmalspurbahnen war zu dieser Zeit der Oberbau Form V und Va.
    Der Oberbau bestand aus Schienen zwischen 7,5m (V) und 10m (Va) auf Holzschwellen mit Klemmplatten / Hakennägeln mit schwebendem Stoß und Auflauflaschen so wie in dem von dir
    zitierten Buch über den Oberbau der schmalspurigen Eisenbahnen … von 1921 nachzulesen. Das Buch kannst Du in der SLUB DD auch ausleihen. Es enthält auch sehr viele Zeichnungen und Tabellen.


    ab ca 1926:


    erfolgte auf ausgewählten Strecken eine erste Verstärkung des Oberbaus, indem Schienen Form Va mit 15m Länge und eine geänderte Schwellenteilung (geringerer Schwellenabstand) eingebaut wurden.
    Da die Schienen der Länderform Sachsen Va im Jahr 1928 letztmalig gewalzt wurden, musste


    ab ca 1928:


    eine neue Oberbauform auf den sächsischen Schmalspurbahnen eingeführt werden.
    Jetzt kommt erstmalig der von dir angesprochene Klemmplattenoberbau zum Einsatz.


    Allerdings ausschließlich auf Stahlschwellen mit der Schienenform S33 als Oberbauart K33.
    Eine Oberbauart mit Holzschwellen gab es nicht mehr!
    Auch die Weichen wurden ab diesem Zeitpunkt durch Stahlschwellenweichen ersetzt.
    Dieser Oberbau war dann neben dem Va der Standardoberbau auf Schmalspurbahnen bis in die 1970 Jahre.


    Ende der 1960 Jahre wurde ein neuer Betonschwellenoberbau K33 BS750-3 nach Zeichnung Ioarg 360 eingeführt.
    Ich habe diesen Oberbau mit eigenen Augen erstmalig ca 1972 auf PNo zwischen Siebenlehn und Nossen Hp gesehen. Auch dieser Oberbau basierte ausschließlich auf der Schiene S33.


    Während der Stahlschwellenoberbau in der geänderten Oberbauvorschrift (DV820 der Deutschen Reichsbahn vom 1.9.1977) nicht mehr enthalten war (wahrscheinlich mangels geeignetem Produzenten) ,gab es den Betonschwellenoberbau K33 BS750-3 zumindest im Vorschriftenwerk der DR weiterhin.


    ab ca 1978:


    war dann auch die Schiene S33 nicht mehr lieferbar! Damit gab es erstmalig überhaupt keinen zugelassenen Oberbau für 750mm mehr!



    Und jetzt kommen wir zum Ausgangspunkt zurück. Nachdem klar war, das einige Schmalspurbahnen erhalten werden sollten hat die DR ab ca 1980 einen Schmalspuroberbau auf Basis der zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Schiene S49 neu entwickelt und zugelassen. Damit waren erstmalig auch wieder Schmalspurweichen lieferbar. Bei diesem Oberbau handelt es sich um den von dir angesprochenen K49 auf Holzschwellen. Es gab also ab ca 1981 den allerersten Holzschwellenoberbau Bauart K49 mit Rippenunterlagsplatten und Klemmplatten für 750mm inklusive der dazugehörigen Einfachen Weichen auf Holz.
    Die ersten damit teilsanierten 750mm Strecken waren meiner Erinnerung nach Oschatz-Kemmlitz für den Kaolintransport (bis 1984) und der rasende Roland. Der Roland allerdings mit Kiesoberbau. Heute gibt es inzwischen keine bezahlbare S49 mehr und die Jungs auf Rügen müssen deshalb schon S54 mit Schotter einbauen…


    Die Holzschwellen mit K49 auf sächsischen Schmalspurbahnen waren damals (1982ff) altbrauchbare Regelschwellen die gekürzt und neu aufgeplattet wurden. Soweit ich mich erinnere wurde das damals in Wülknitz gemacht.
    Rippenunterlagsplatten und Klemmplatten sowie Laschen waren Standard S49-Ware.
    Maße kannst Du in Oschatz abnehmen. Als Stoß kenne ich nur den schwebenden Stoß.
    Aber da ab diesem Zeitpunkt heftig gebastelt wurde, um die Bahnen fit zu machen ,war sicher alles möglich!


    Wenn ich dir raten darf, nehme dir den Stahlschwellenoberbau zum Vorbild oder den Va.
    Alles andere kam erst mit dem Ende der Reichsbahn bis ca 2000 und damit lange nach dem Verschwinden der meisten Strecken!


    Ich hoffe ich konnte dir helfen.


    Thomas