Probefahrt 251 901-5

  • Hallo Ronny,


    wenn die Lok in der richtigen Position steht (der Kreuzkopfbolzen muss nach hinten hinauspassen und die Kreuzköpfe müssen etwas nach vorn geschoben werden können um die Stange frei zu bekommen), dauert der eigentliche Abbau bei unseren zweizylindrigen Schmalspurloks ca. 30 Minuten. Die Stangen sind noch einigermaßen handlich, so dass man sie auch zu zweit tragen und auf der Lok verstauen kann. Dann muss noch geschaut werden, ob Schwinge oder andere Teile mit irgend einem anderen Teil kollidieren können, die Schwingenstangen werden ja auch demontiert. Die Schwingen sind dann mit etwas Draht oder anderem geeignetem "Bindemittel" zu arretieren, damit sie nicht in einen Gefahrenbereich geraten. Die Kreuzköpfe sind im Allgemeinen ganz nach vorn, teilweise ganz nach hinten oder in manchen Fällen auch in eine bestimmte Mittelstellung zu schieben (bei uns gibt's nur ganz vorn, ist aber bei den Baureihen verschieden), damit die Kuppelzapfen nicht anschlagen können. Es gibt Lokomotiven, bei denen das sehr eng gebaut ist. Mit einem/zwei Brett/ern wird der Kreuzkopf im Normalfall dann in der vorgesehenen Stellung arretiert. Das/die Brett/er wird/werden an der Gleitbahn festgebunden. Gibt es keine Gefahr des Anschlagens und gilt es nur die Strecke zu räumen, kann man notfalls auf das Brett auch verzichten. Wichtig ist natürlich auch, dass die Zylinderentwässerung ständig offen bleibt, damit ein eventuell undichter Regler nicht die Kreuzköpfe bewegt.


    Wenn man's ganz ordentlich macht, werden auch noch kleine Brettchen zwischen Gegenkurbeln und Druckring gesteckt und festgerödelt, damit der Druckring die Kuppelstange sicher hält. Im Allgemeinen hat die Kuppelstange hier aber nicht so viel Seitenspiel, so dass man den Druckring ganz weglassen kann. Bei den geringen Geschwindigkeiten der Schmalspur spielt auch das geringe Gewicht der Gegenkurbel (Stichwort Unwucht) keine Rolle, so dass sie ebenfalls weggelassen werden kann.


    Werkzeug - na ja, kommt darauf an. 99 4633 hat ausschließlich normale Muttern und abweichend sogar einen Kreuzkopfbolzen, der nach außen gezogen werden kann. Dafür hat man alles an Bord.
    Bei den anderen Loks scheitert es meist am Schlüssel für den Kreuzkopfbolzen, der eine Mutter mit einer ziemlichen Schlüsselweite besitzt. Bei den kleineren Loks geht das teilweise noch. Aber für die Neubauloks haben wir keinen Schlüssel, der in irgend ein Werkzeugfach einer Lok passt.
    Wenn's geht, warten wir auf unsere mobile Werkstatttruppe, die natürlich passende Werkzeuge mitbringen. Ist es sehr dringend, muss der Universalschlüssel - genannt Hammer - dran. Ein paar gezielte Schläge auf die Schlüsselflächen lassen meist sogar diese Muttern aufgeben. Aber sie müssen hinterher wieder aufgearbeitet werden, sind natürlich entsprechend rund geklopft.


    Ich habe schon häufiger Treibstangen an- und abgebaut und einige Übung, früher auch an der 03 1090.


    Viele Grüße


    Dampfachim

  • Hallo Achim,


    Für mich als Schwabe (und wohl für viele andere Vereine in Süddeutschland) liegt jede Dampflokwerkstatt, egal ob Krefeld, Benndorf oder Meiningen "hinterm Mond".


    Unsere Lösung (für längerfristig geplante Überführungen) besteht darin, den Kreuzkopf von der Kolbenstange zu trennen, was mittels passender Hydraulikvorrichtung sogar recht leicht von der Hand geht. Danach wird der Kolben einfach in den "schädlichen Raum" nach vorne gedrückt und fertig. Eine Arretierung in der vorderen Endlage sichert den Kolben noch zusätzlich.
    Dies bringt uns den Vorteil, eben diese langen Strecken mit einer Geschwindigkeit von 50-60 km/h zurückzulegen, da die Unwucht kaum noch eine Rolle spielt -> in der heutigen DB-Wüste ist diese Geschwindigkeit im Vergleich zu 30km/h ein Segen.


    Beste Grüße
    Daniel

  • Hallo Daniel,


    wenn man die Kolbenstangen auspresst, ist das natürlich sehr praktisch. Das äußere Gestänge wird ja normal geschmiert. Das Problem sind ja nur die Zylinderräume. Welche Lok überführt Ihr? Welche Schieber hat sie? So lange der Voreilhebel mitläuft, steht die Schieberstange ja auch nicht still.


    Viele Grüße


    Dampfachim

  • Hallo Achim,


    diese Methode hat die Dampflokgesellschaft München 2003 bei der Überführung der 44 606 von Wilhelmshaven nach Augsburg erstmals probiert.
    Dieses Verfahren wurde inzwischen auch an der 41 018 der DGM angewendet, welche Trofimoff-Schieber besitzt. Aktuell planen wir im Zuge einer Fahrwerks-Kur eine Überführung der Lok, wobei noch unklar ist, ob die Lok hierbei Schmierdampf gibt oder eben wieder schleppfähig gemacht wird...


    Beste Grüße
    Daniel

  • Hallo zusammen


    Das ist ja eine ganz neue Methode zur Überführung von
    "kalten" Dampflokomotiven.


    Sehr clever und wirklich eine Möglichkeit zur Erhöhung
    der Geschwindigkeit. :ok::klatsch:


    Schade das solche Infos nur so "nebenbei" dem breiten
    Publikum mitgeteilt werden.


    Viele Grüße und Dank vom Dagvuchel :weg:

  • Hallo Achim,


    was für Motoren wurden jetzt neu verbaut? Ist die Leistung mit den alten identisch oder hat man etwas draufgepackt??


    :wink:

    Hallo liebe Bahnfreunde,


    ein Arbeitskollege hat mich auf die Bilder hier aufmerksam gemacht. Hab die Remotorisierung konstruktiv bearbeitet. Aufgrund der alten Wandler, Getriebe wurden die neuen Motoren an die Leistung der alten MWM Motoren angepasst/gedosselt. Beide Motoren besitzen zusammen eine Leistung von ca. 448 kW. Erneuert wurde an der Lok die Motoren, gesamte Abgassystem (inkl. moderer Abgasreinigung), Kühlsystem, Motorensteuerung. :thumbup: Grüße und viel Spaß mit der "neuen" Lok!

  • Motorentyp C9.3. Noch zum Umbau. Den übernahm DB Cottbus, welche durch die langjährige Erfahrung die Schwierigkeiten dieses einmaligen Umbaus meistern konnten! Hauptforderung dabei war das Aussehen der Lok möglichst nicht zu ändern um den 60er Jahre Charme beizubehalten.

  • Hauptforderung dabei war das Aussehen der Lok möglichst nicht zu ändern um den 60er Jahre Charme beizubehalten.

    Dann wäre die Lackierung in einer anderen Farbe als Blau vielleicht auch ganz nett gewesen... :weg:

    Grüße Erik


    Alles, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!

  • Hallo Eric,


    von außen ist von dem Umbau auch nicht viel zu sehen. Kennern wird die Warze auf der rechten Lokseite aufgefallen sein und es gibt links und rechts ein Lüftergitter mehr. Aber um das zu erkennen, muss man die Lok vorher genauer gekannt haben.


    Ich hoffe mal, dass sich dann alles gut bewährt. Ich kann dazu noch nichts sagen, denn ich Lok trägt noch kein Untersuchungsdatum und ich bin natürlich noch nicht auf ihr gefahren. Zur Zeit wäre sie ja sowieso nicht im Einsatz.


    Viele Grüße


    Dampfachim

  • Dann wäre die Lackierung in einer anderen Farbe als Blau vielleicht auch ganz nett gewesen... :weg:

    Hallo Erik,


    wie hättest Du sie denn gern? Schwarz/Rot sieht sehr schick aus... :frech:


    Spaß beiseite. Der Lack war nun wirklich das kleinste Problem bei dem ganzen Projekt und was nicht ist, kann ja noch werden.


    Viele Grüße


    Dampfachim