Läutewerke im Garten, Teil 1, Teil 2 und Teil 3, Zweiklangglocke Revision

  • Hallo
    Ein Nebenkriegsschauplatz der Bimmelbahnen, sind nicht nur die Lokomotivbimmeln, sondern auch die stationären Läutewerke. Über ein Jahrhundert lang sind sie, in der Schweiz im Einsatz gewesen. Noch 2010 habe ich in Steg im Tösstal ein Läutewerk gehört, dass den Zug ankündigte.


    Seither ist es ruhig geworden bei den Schweizer Bahnen.


    Des Öfteren sieht man Läutewerke in Gärten. Nun sterben die Besitzer nach und nach weg, die Nachkommen haben kein Interesse und diese Läutewerke erscheinen auf den einschlägigen Auktionsseiten.
    Wer die Möglichkeit und den Platz hat, dem würde ich empfehlen, eines anzuschaffen. Ausser dass alle Teile schwer sind, besteht kein Grund, davor zurückzuschrecken.
    Als Ermutigung möchte ich nach und nach, meine Erfahrungen hier einstellen.
    Der erste Teil handelt vom ersten Läutwerk, das schon weitgehend revidiert war.
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    Meine Läutwerke
    Als Kind haben mich immer wieder die, damals in der Schweiz noch überall vorhandenen Bahnhofläutwerke beeindruckt.
    Als ich dann, später im Leben in gesicherten und stabilen Verhältnissen lebte, und auch Eigenes mit Garten bewohnte, konnte man Ausschau halten, nach so einer Glocke.
    Nach einem Jahr und zähen Verhandlungen, gehörte dann eines Tages so ein Ding mir.
    Der Vorbesitzer hatte die Revision bereits weitgehend abgeschlossen, so dass ich nur noch den Schlussanstrich anbringen musste.
    Der Zusammenbau geschah mit meinem Bruder an einem total verregneten Nachmittag. Darum existieren auch keine Bilder von der Montage.
    Ein paar Bilder:
    Die Hauptteile bestehen aus der Säule:

    Dem Hut:

    Der Glocke:

    und dem Schlagwerk:



    Das Schlagwerk ist folgendermassen aufgebaut.
    Das Gewicht hält das grosse Rad unter Spannung, Eine elektrisch auslösbare Klinke verhindert das Ablaufen, bis zur Auslösung. Die Klinke schnellt nach oben und gibt das Rad für 6 Schläge frei. Danach wird die Klinke wieder in die Halterung gedrückt.

    Man sieht hier die Auslösemagnete und ganz rechts die Klinke. Die Platte wird angezogen und der Arm, an dem die Klinke ist schnellt nach oben.



    Hier sieht man das grosse Rad auf der Klinkenseite. Die senkrechte Stange rechts ist mit dem Klöppel verbunden. Die Nocken am Rad betätigen bei einem Umlauf 2-mal den Klöppel. Oben ist sichtbar, dass er gerade den Nocken berührt. Das Rad bewegt sich vom Fotografen weg: Die Flächen der Rädernocken «watschen», über den oberen und unteren Nocken der Klöppelstange, diese mal in die eine und in die andere Richtung. Der Hammer schlägt dann die Glocke an.



    Auf der hinteren Seite sieht man die Welle der Auslöseklinke. Rechts sieht man den Sperrnocken des grossen Rades. Wenn die Klinke hochschnellt, gibt sie, da die Welle angefräst ist, den Sperrnocken frei. Der Zapfen links, innerhalb des grossen Rades, dient dazu, die Klinke wieder herunter zu drücken, bis sie einschnappt.
    Das grosse Rad macht für 6 Schläge 1/3 Umdrehung.
    Im Video sieht das so aus:
    https://flic.kr/p/e4Zxqp


    Die Glocke stellte ich unter dem Schlafzimmer auf. Eine bessere «Hausklingel» gab es nicht.

    Das Ganze tönte so:
    https://flic.kr/p/29RzHEW


    Da wir auf dem Land wohnten und 2 km Distanz bis zum nächsten Haus hatten, war das kein Problem.
    Als Katzenruf war sie auch gut geeignet: Zur Fütterungszeit geläutet, kamen die Katzen mit hoher Zuverlässigkeit angetrabt.


    Ja, somit hatte ich also eine Glocke, aber die musste ja auch angesteuert werden. Zuerst, ganz einfach, mit einer Batterie und einem Klingelknopf.
    Da diese Läutwerke immer alle in Serie geschaltet waren, genügt für ein Läutwerk eine Spannung von wenigen Volt, um es auszulösen. Alle meine Läutwerke, lösen mit 4 Volt sicher aus.
    Nun hat aber ein Läutwerk im Bahnbetrieb eine Funktion:
    Es signalisiert.
    Und zwar nach dem Signalreglement 1916 folgendes:

    Da dies ja ein Gruppenschläger ist, ist die linke Spalte massgebend.


    Nun sind in der Schweiz Abläutekästen eingeführt:




    Die Signalleuchte blinkt langsam, wenn das entsprechende Signal steht, und erinnert das Stationspersonal daran, dass es abläuten soll.
    Die Auslösung erfolgt über die Drücker unten.
    Der Knebelschalter steht normalerweise auf Mitte und würde beim Alarmfall aktiv.
    Abgeläutet werden kann immer, egal, ob die Lampen blinken. (haben wir in Bauma, nachts mal ausprobiert)


    So, so etwas wollte ich auch.
    Also habe ich mir aus Industrieteilen und Holz so einen ähnlichen Kasten gebaut:


    Nun muss noch eine Steuerung hin, die einigermassen die Realität abbildet:
    Ein Stellwerk hatte ich nicht, dass die Lampen ansteuert, so habe ich mir folgendes ausgedacht:
    Beim Abläuten blinkt die Lampe, die der Taste zugeordnet ist 20 Sekunden nach im langsamen Rhythmus.
    Wird der Schalter auf eine Alarmstellung gestellt, blinken die beiden Lampen in raschem Rhythmus abwechselnd, bis ein Taster gedrückt wird. Die dem zugeordnete Lampe leuchtet dann dauernd und die andere erlischt. Nach Rücknahme des Schalters in die Grundstellung leuchtet er noch 1 Minute nach. Gleichzeitig ist die normale Auslösung blockiert.
    Die Glocke läutet Richtung Au einmal 6 Schläge und Richtung Rheineck 2 mal 6 Schläge. (Das Läutewerk stammt aus St. Margrethen).
    Ja: Schnell war klar, dass man das mit einer Relaissteuerung nicht mit vernünftigem Aufwand machen kann. Daher habe ich zu einer Klein SPS (Speicherprogrammierbaren Steuerung) gegriffen und das programmiert. Das erste brauchbare Programm sah dann so aus:

    Damit konnte man leben


    Die Geschichte ist aber noch nicht zu Ende.
    Mehr darüber später.

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  • Teil 1:
    Läutewerke im Garten Teil 1


    Nun hatte ich also ein Läutewerk, das funktionierte.


    Leider änderten sich 2009 meine Lebensumstände, indem mein Arbeitsplatz so verlegt wurde, so dass ich täglich 2-mal 180km zu pendeln hatte. Das waren 4 Stunden pro Tag.
    Meine Frau und ich beschlossen nun, eine andere Bleibe zu suchen. Etwa in der Mitte unserer Arbeitsplätze. Dies war der Raum Olten.


    Ende 2011 unterschrieben wir den Kaufvertrag für ein Haus, so, dass wir Mai 2012 einziehen konnten.


    Gleichzeitig hatte ich in der Nähe des neuen Domizils ein weiteres Läutewerk ausfindig gemacht. Nach Rücksprache mit meiner Frau (hier muss ich ihr ein Kränzlein winden, dass sie meinen Spinnereien immer aufgeschlossen gegenübersteht), konnte ich es erwerben. Es war, wie der Vorbesitzer sagte, das von Egerkingen im Gäu.


    Die Besichtigung ergab, dass das Läutewerk am Mast eine angegossene Plakette «Siemens & Halske» hatte. Das lässt darauf schliessen, dass das Läutewerk älteren Datums ist. Die Gäubahn kam 1874 in Betrieb und wurde erst in den 50er Jahren auf Doppelspur ausgebaut. Nach Matthys. «10'000 Auskünfte über die Schweizer Eisenbahnen» wurden bis 1948 auf der Strecke keine grossen Umbauten durchgeführt, mit Ausnahme der Elektrifikation.Es kann also angenommen werden, dass das Läutewerk aus den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts stammt.


    Der Vorbesitzer hat die beiden Läutwerke etwa 1970 übernommen. Ich vermute, dass damals das Stellwerk ersetzt wurde.

    Auch war der Mantel nicht geschweisst, sondern geschraubt:

    Das Läutewerk wurde an Ort und Stelle demontiert und im neuen zu Hause eingelagert.


    Vor der «Züglete» wurde das erste Läutewerk abgebaut. Die geschah in Form einer «Demontageparty» mit nachfolgendem Speis und Trank.


    Mitglieder des «MRF» halfen, bei beiden Tätigkeiten mit!





    Nun, das Egerkinger Läutwerk wurde in seine Einzelteile zerlegt.

    Das Schlagwerk ist, nach meiner Einschätzung noch weitgehend Original: Die Elektromagnete sind tatsächlich noch Holzspulen mit Kupferdraht, mit Seide isoliert.




    Eine Messung mit dem Ohmmeter gibt einen Ohmwert von 10 Ohm. Dies ist, weiss ich heute, der normale Wert. Eine Isolationsmessung mit dem Kurbelinduktor ergab, wie nicht anders zu erwarten war, ein paar Kiloohm Isolationswiderstand zum Eisenkern. Seide, Holz und Feuchtigkeit, drücken den Isolationswert nach unten.
    Grundsätzlich ist das Schlagwerk auch wesentlich filigraner ausgeführt, als das des St. Margrethener Läutwerkes. Während bei diesem die Grundplatte und der Lagerbock für das Radlager aus einem Stück besteht, sind die Komponenten beim Egerkinger Läutewerk getrennt und miteinander verschraubt.


    Hier der Vergleich: St Margrethen:


    Und Egerkingen:


    Die Schrauben sind ein Kapitel für sich: Bei Durchgangsschrauben ist es ja kein Problem. Jedoch bei den Schrauben, die in geschnittene Gewinde eingreifen, ist das Gewinde nur in den seltensten Fällen, das alte, zöllige Withwortgewinde. Die meisten Gewinde am Rad und an der Trommel sind «Kaiser Wilhelm Gedächtnisgewinde» Eine Nachfertigung der Schraube am Drehbank wäre wohl nur mit Mühe möglich. Für Sacklochgewinde, müsste zuerst ein Gewindebohrer angefertigt werden. Daher lohnt es sich, bei der Demontage äusserste Vorsicht walten zu lassen. Kriechöl und Zeit ist ein Muss! Ich hatte das Glück, dass alle Schraubverbindungen nach längerem Baden in Kriechöl gut zu trennen waren.
    Es lohnt sich, die Schritte zu dokumentieren. Beim Einbau ist man froh. Wenn auch die Bilder nicht immer die Besten sind; eine Hilfe sind sie alleweil. Wer kann schon nach einem halben Jahr oder mehr sagen, was wohin gehört.


    Bevor ich das Schlagwerk demontiert habe, habe ich es ausprobiert: Der Vorbesitzer hatte es nicht elektrisch betätigt. Aber bei 2 Volt zog der Magnet sicher an. Eine Hürde weniger


    Die ganze Elektrotechnik sieht so aus:

    Trotzdem habe ich die Spulen einem Bekannten zur Kontrolle übergeben. Er hat sie dann neu bandagiert, damit die Feuchtigkeit nicht mehr hineinkriechen kann. Dabei kam auch eine Inschrift zum Vorschein: 1086 Umgänge hatte die Wicklung. Und jede Spule hat einen Widerstand von 5 Ohm und sie sind in Serie geschaltet.
    Das ist die einzige Änderung, die sichtbar ist. Die alten Kupferdrahtstützen um die der Seidendraht gewickelt war, habe ich aufgehoben. Das könnte wieder rückgängig machen.


    Nachdem ich nun einige weitere Läutewerke gesehen habe, ist meins das einzige, das noch die originalen Holzspulen hat.


    Nachher war die Mechanik dran:


    Der Fuss wurde von der Klöppelhalterung getrennt. Dabei musste auch die Trommel ausgefahren werden. Der Fuss ist mit der Klöppelhalterung verstiftet. So dass die Bauteile einwandfrei zentriert sind.


    Der Klöppelhalter:


    Darin das Trommellager:
    Links sieht man die «15» eingeschlagen. Diese Zahl ist an allen Bauteilen des Schlagwerks vorhanden.




    Hier die Auslösung: Die Welle ist am Auslösehebel angebracht. Mit einer ca. 45 Grad Bewegung gibt die Anfräsung den Nocken am grossen Rad frei.

    Das Lager der Auslösewelle am Klöppelhalter mit dem Angriff der Feder am Auslösehebel.

    Die Seiltrommel mit Grossrad und Sperrwerk:


    Gut sichtbar auch die geschlitzten Sperrnocken aus Messing. Die Schlitze dienen der Federung beim Anschlagen an die Sperrwelle.
    Es sind im Unfang viel mehr Bohrungen vorhanden für die Befestigungsschrauben der Sperrnocken: Es könnten also weitere eingebaut werden und das Läutewerk von einem Gruppenschläger zu einem Einzelschläger umgebaut werden. Das heisst, jeder Auslöseimpuls würde nur einen Schlag auslösen. Der einzige Einzelschläger, den ich kenne ist an der Talstation der Stanserhornbahn. Der ist heute noch in Betrieb.


    Das Sperrwerk:
    Dies dient dazu, das Seil auf der Trommel aufzuwickeln und das Gewicht, das das Ganze antreibt, zu heben. Das Gewicht befindet sich in der hohlen Säule. Es können etwa 30 Auslösungen durchgeführt werden, bis das Gewicht am Boden ankommt. Bei den SBB war aber eine «Erdfuss» gebräuchlich, der noch ca einen Meter in den Boden reicht, so dass das Gewicht noch tiefer sinken konnte. Trotzdem mussten im Bahnhof Romanshorn, der viele Zugfahrten aufwies, die Läutewerke mehrmals täglich aufgezogen werden.


    Das Seil ist auf der Trommel in einem schlüsselförmigen Schlitz befestigt: Knoten ins Seil und der arretiert sicher am «Bart» des Schlüsselloches:

    Auch hier die «15»

    Die Seiltrommel und das Grossrad sind nur durch einen Splint verbunden.
    Die Stifte dienen dazu, den Auslösehebel wieder in die Klinke zu drücken, womit der nächste Sperrnocken an der Auslösewelle anschlägt.


    Man sieht deutlich, dass auf diesem Teilkreis noch sechs weitere, nicht benützte Bohrungen angebracht sind. In diese kämen die Stifte für einen Einzelschläger. Ebenso sind weitere Bohrungen für zusätzliche Sperrnocken angebracht.


    Nachher gings ans Grobe: Das Gewicht mit der Aufschrift «Olten» und «S&H 246»; alles für die Ewigkeit vernietet:



    Der Hammer:

    Mechanisch einwandfrei am Klöppel befestigt:

    Und offensichtlich mal repariert:
    Nicht schön, aber es hält!


    Der Ring, der auf der Säule sitzt:
    Die inneren Lappen sitzen auf der Säule auf. Links das Schloss und in den Drittelspunkten sieht man die Auflagen und die Bohrungen für die Hutstützen. Ganz oben sind die Stifte und die Bohrungen für die Zentrierung und Befestigung des Schlagwerkes. Der dritte Befestigungspunkt ist der Lappen unten. Dort geht die Schraube auch durch die Säule. Sie ist darum länger!


    Das Schloss und nebenan der Auflagepunkt für die Stütze:

    Das Ganze von unten:

    Zum Schluss noch der «Gupf» den es in verschiedenen Varianten gab. Hier die spitze Version:
    Er arretiert die Glockenschale am Hut.


    So, nun hatte ich einen Haufen Teile, die aufgearbeitet werden mussten. Zuerst stand das Entrosten an. Dies geschah mit dem Nadelhammer und viel Krach.


    Als Beispiel die Glockenschale:
    Interessant ist, dass sie, sichtbar bei der Bohrung in der Mitte, nur an 3 Punkten auf dem Hut anliegt. Das wohl, damit sie besser schwingt. Auch in der Bohrung sind Abstandsleisen zu sehen.


    Oben, auf 12 Uhr, sieht man dunkel einen Anschlagpunkt vom Hammer. Und bei 10 Uhr noch einen. Die Gegenpunkte korrelieren auch. Das heisst, die Glockenschale war mal gedreht worden. Die Annahme, dass das bei einer Revision geschieht, lässt vermuten, dass sie einmal revidiert wurde mit Demontage. Das könnte bei der Reparatur des Hammers gewesen sein.


    Die groben Teile wurden 2012 revidiert: Ich wohnte da ein halbes Jahr alleine im Haus, da noch Renovierungen anstanden und meine Frau unsere Katzen am alten Ort betreuen musste. So hatte ich genügend Zeit abends jeweils eine Stunde zu nadeln.


    Langsam hatte ich so die groben Teile entrostet und 4-mal gestrichen (2-mal grundiert und 2 mal Deckanstrich):


    Stützen:

    Gupf:

    Ich nehme mir die Freiheit, ein wenig mit den Farben zu spielen. So sind Gupf und Gewicht bei diesem Läutewerk rot. Den Rest habe ich jeweils hellgrau und den Fuss der Säule schwarz gestrichen.


    Das Schlagwerk kam dann im Winter dran:


    Da viel Messing dran war, habe ich es poliert. Nachher wurde es mit Klarlack (Acryl auf Wasserbasis) überzogen. Bis heute hält es sich gut.


    Die revidierte Elektrotechnik:



    Mit der Anschlussplatte:
    Da die Läutewerke in Serie geschaltet waren, sind die beiden oberen Klötze für die Hinleitung über die Spulen und der Untere verband die Rückleitung, die nicht unterbrochen war. Links kam also die eine Leitung an und rechts die Leitung zum nächsten Läutewerk. Wäre es das letzte Läutewerk in der Schlaufe, würde einer der oberen Klötze mit dem unteren direkt verbunden. Die Zahl lässt vermuten, dass diese Platte noch original ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die SBB bei einem Austausch die Mühe gemacht hätte eine Platte zu kennzeichnen.



    Die revidierte Trommel:


    mit dem Grossrad:
    Man sieht deutlich, wie bei jedem zweiten Zahn eine Bohrung für einen weiteren Sperrnocken vorhanden ist.


    Und der Klöppelhalter mit der Auslöseklinke:


    Das Schlagwerk habe ich zusammengebaut und mittels einer SPS Steuerung im Keller aufgebaut. Ich wollte sicher sein, dass alles funktioniert.
    Alle 2 Stunden löste die Klinke einmal aus. Bei mehr als 12 Auslösungen pro Tag kam das Gewicht am Boden an. Also musste ich über mehrere Monate, jeden Tag das Gewicht aufziehen. Wenn ich zurückrechne, hat das Schlagwerk über 1'500 Auslösungen gehabt. Somit war ich sicher, dass alles gut funktioniert.


    Der Prüfstand sah dann so aus:
    https://flic.kr/p/e4Zxqp


    Auch die Säule wurde revidiert. Mit dem Rondell habe ich mir besondere Mühe gegeben:


    Hier habe ich ausschliesslich mit Sprühfarben gearbeitet. Die Schrift wurde mit einem Lackstift aufgetragen und das Ganze dann mit Klarlack versiegelt.


    Im Frühjahr 2013 habe ich dann die Fundamente gegossen. Ca 40 cm tief und 60 x 60 cm im Quadrat. Ich habe als Befestigung Gewindestangen M 12 genommen, die ich in Bohrungen von 14mm eingeklebt habe. Das Fabrikat war Fischer und die geben an eine Ausreissfestigkeit von 1.7 KN in Kalksandstein bei 75mm Verankerungstiefe. Ich habe als Tiefe 220 mm genommen und bin so auf der sicheren Seite.


    Zum Bohren habe ich mir eine Bohrlehre angefertigt:

    Die Bohrungen sind nicht genau quadratisch verteilt., drum auch der Pfeil «Vorne». Auch kam man mit der Bohrmaschine nicht so nah an die Säule, dass man gerade bohren konnte.


    Mit der zentralen Schraube wurde die Lehre auf der Betonplatte verschraubt. Und dann konnte man in aller Ruhe und gerade die Bohrungen für die Dübel machen.


    Die Läutewerke sind zwischen zwei Unterlagscheiben und Muttern auf den Gewindestangen geklemmt. Ähnlich wie Fahrleitungsmasten in der Schweiz:


    Dies daher, weil eine Nachjustierung bei allfälligem Sacken des Fundamentes möglich ist, und andererseits, dass die Glocke die Füsse nicht im Wasser hat. Zudem, habe ich gemerkt, zieht es immer ein wenig durch, so dass das Innere trocken bleibt. Zudem kann man das Kabel leicht einführen. Die hässlichen Kabelrohre der SBB wollte ich mir nicht antun:


    Dazu habe ich die Fundamente verrohrt:




    Die Kabel, Schweizer Armee-Telefonlitze, die ist untödlich, ziehe ich im Innern der Säule hoch. Das Gewicht und das Kabel vertagen sich gut!


    Nachdem nun die Säulen montiert waren, kam nun, am 28. September der grosse Tag: Da fand die Montageparty statt. Bis auf kleine Korrekturen verlief alles gut, so dass wir am späteren Nachmittag zum gemütlichen Teil übergehen konnten.


    https://www.flickr.com/gp/r_walther/Fzk7AG


    Nun hatte ich also ein «Bahnhofsensemble» mit 2 Läutewerken, wie es in der Schweiz lange üblich war. Entsprechend musste die Steuerung angepasst werden: Die Läutewerke werden nun nach Richtung, mit einmal 6 Schlägen angesteuert und das Mittagsläuten erfolgt die ganze Woche abwechselnd.


    Ich lasse die Läutwerke regelmässig läuten, damit die Mechanik nicht «verhockt». Das Mittagsläuten hat sich eingeführt, so dass ich, wenn mal was defekt ist (die Stromversorgung der SPS hängt sich hin und wieder auf), darauf angesprochen werde.


    Natürlich darf man nichts übertreiben! Darum habe ich die Steuerung auch so programmiert, dass nachts nichts ausgelöst werden kann.


    Wartung: Einmal jährlich, im Herbst, mache ich die Mäntel runter und schmiere das Schlagwerk. Dazu nehme ich normales Getriebeöl, das nicht zu flüssig ist. Das wärs schon!




    Im Dritten Teil werde ich über eine 2 Klang Glocke berichten.
    Gruss Guru


    Admin: Bitte mehrteilige Beiträge in einem Thema zusammenhalten.

    2 Mal editiert, zuletzt von guru61 ()

  • Hallo "Guru",


    besten Dank für diese Beiträge. Für solche lohnt es doch ab und an die Ignoranz des Tellerrandforums auszusetzen. Schließlich verbinde ich solche Läutewerke mit der "guten, alten Bimmelbahn" wie ich sie mag. Wenn ich die Läutewerke in Deutschland auch nicht mehr bewußt in Aktion kennengelernt habe. Bei den Schweizer Schmalspurbahnen begegneten mir aber noch einige. Wie wäre es jetzt noch mit einer Hippschen Wendescheibe an der Einfahrt zum Anwesen?



    ­­^ Ein Gast aus Graubünden im neuen Livré; Blonay, 22.IX.2018


    Gruß von Niels

  • Hallo Niels
    Danke für deine aufmunternden Worte.
    Jaaa, so eine Hippischiibe, wie wir sagen, hätte ich schon gerne! Oder ein Mantelläutwerk!
    Aber man muss auch noch was zum Träumen haben :-)
    Gruss Guru alias Reinhard

  • Die Zweiklanggocke
    Ein heimlicher Traum war für mich immer noch ein 2 Klang Läutewerk. In meiner Kindheit kannte ich die Patentante meiner Schwester, die bei Winterthur Schrankenwärterin war. Vielmals waren wir dort in ihrem gemütlichen Kabäuschen, wo sie zwischen den Zügen Teppiche knüpfte.
    So ein 2 Klang Läutewerk stand vor Ihrer Bude. Läutete dies, hatte sie in genauen Zeitabständen insgesamt 3 Barrieren zu bedienen. Alles von Hand, mit Drahtzug!
    Meiner Frau gegenüber sagte ich mal, dass ein «Dingdong» halt schon noch was Schönes wäre. «Ja, vielleicht ergibt sich mal eine Gelegenheit.» war die Antwort. Hmm so ist das also!


    Nun hin und wieder schaute ich ins Ricardo, was so alles im Angebot ist. Hauptsächlich wegen meinem neuen / alten Hobby, der Analogfotografie.
    Nun, eines Tages stand so ein Läutwerk drin, fast geschenkt. Ich habs sofort gekauft und nachher meiner Frau gebeichtet.
    Besichtigung war noch gleichentags. Das Ding war auf der anderen Seite von Olten, also fast in Sichtweite.
    Abbau am nächsten Samstagmorgen.
    Dabei stellten wir fest, dass der Hammer mit dem Klöppel verschweisst ist.

    Darum musste auch ein wenig «gemurkst» werden, um das Schlagwerk aus dem Hut zu entfernen.
    Die Äussere Glocke greift mit einem Zapfen durch ein Loch in der Schale der Inneren. So sind die Abstände die gleichen für das Schlagwerk. Beide Schalen werden am Hut mit dem Zapfen geführt, so das ein Trennen der Glockenschalen erst möglich ist, wenn die Schalen über den Hut gehoben werden. In der Höhe auf der Leiter, ist das kein Schleck!


    Etwas, das ich mir, für den Zusammenbau hinter die Ohren schrieb.
    Nach einer halben Stunde war alles abgebaut und im Auto eingeladen.

    Das Nächste war dann, die Begutachtung der Elektrik. Die war ja in den 70er Jahren zuletzt betätigt worden.

    Beide Spulen hatten je einen Widerstand von 5.5 Ohm undzogen zusammen mit 2 Volt an. Somit alles im grünen Bereich. Die Spulen waren einst ersetzt worden, denn sie sind bereits aus Kunststoff, mit Lackdraht bewickelt.
    Die Revision erfolgte, nach dem bereits bekannten Schema: Abnadeln, schleifen und je 2 Mal Grundieren und Decklack.
    Aber ich nahm keine wasserbasierte Dispersionsfarbe mehr: Ich habe festgestellt, dass die nicht ganz meinen Erwartungen entspricht. Sie hält ausgezeichnet, ist aber empfindlich auf Beschädigungen. Eine solche muss rasch ausgebessert werden, weil die Unterrostung sofort beginnt.
    Jetzt nahm ich Kunstharzfarbe aus dem Schiffbau, mit der wirbei den Dampfloks schon sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Der Mehraufwand ist mir das wert.
    Inzwischen war es Sommer geworden, so dass man das Fundament giessen konnte:
    Aushub:

    Beton:

    Und Überzug:
    Nach ca. einem Monat wurde gebohrt:

    Die Bohrlehre hatte ich zum Glück nicht fortgeworfen
    Das gute Reinigen der Bohrungen ist eminent wichtig:

    Wir hatten von einer Firma, die ähnliche Klebedübel anbot, einmal in einer Schulung die Möglichkeit Ausreissversuche durchzuführen. Ein in eine sauber gereinigte Bohrung eingeklebter Dübel hielt 10 Tonnen aus, während der Gleiche, in ungereinigte Bohrung geklebter nicht mal eine Tonne Widerstand gegen Ausreissen hatte.
    Bei den Sommertemperaturen musste es schnell gehen: Der Mörtel bindet nach 5 Minuten ab.

    Die U-Scheiben und die Muttern dienen als Tiefenanschlag.

    Parallel dazu lief die Aufarbeitung der restlichen Komponenten:

    Hier wieder das Rondell, das nun in grün ausgelegt wurde.
    Der Vorbesitzer hatte eine Schlüsselauslösung eingebaut, indem er in der Zuleitungsbohrung des Kabels eine Schliessung einsetzte. Der lange Schenkel löst die Klinkenplatte mechanisch aus.
    Mit neuem Schliesszylinder versehen, habe ich sie beigehalten.


    Seit längerem machte ich mir schon Gedanken über die Montage: Die beiden Glocken in der Höhe sauber zu platzieren, wäre «einfach so» sehr schwierig und auch gefährlich.
    Daher habe ich mir eine Vorrichtung überlegt, die es erlaubt, die beiden Schalen am Boden zu montieren und dann als Ganzes bequem zuheben:
    Ein einfacher «H» Rahmen auf den die Schalen aufgesetzt und mittels Spanset fixiert werden:


    Die Befestigungsmutten sind so gesetzt, dass die Schalen,wenn fixiert, nicht rutschen können.
    Zum Fixieren mit den Spanset habe ich 4 Ringschrauben mit Schäkel angebracht.
    Die Stunde der Wahrheit kam rascher als ich dachte: Ein Freund von mir, hat auch ein solches Läutewerk bekommen und mich bei der Montage um Mithilfe gebeten.
    Diese Vorrichtung bewährte sich vorzüglich.
    Das Zweite war das «Gemurkse» des Schlagwerkes bei der Demontage. Ich wollte wissen, ob es möglich ist, das Schlagwerk mit dem angeschweissten Hammer ohne Zwängen zu montieren. Daher habe ich das vorher am Boden versucht.

    Leider konnte das Werk so nicht eingesetzt werden, so dass bei der Montage Ring, Stützen und Hut nicht vormontiert werden konnten. Aber das Risiko den Schwengel zu verbiegen und ihn dann am Einbauort zu richten,wollte ich nicht eingehen.
    Am 8. September wars dann soweit:
    Die Montageparty fand statt:

    Ein Teil hatte ich schon vormontiert
    Das Werk wird eingebaut

    Der Hut draufgesetzt:

    Und dann die Glocken fixiert und mittels der Vorrichtung aufgesetzt.




    Es lief alles gut ab, und in Rekordzeit konnten wir das Schlussbild machen:

    Stilgerecht mit meiner alten Linhof:


    Was blieb noch zu tun?
    Zuerst, etwa eine Woche später, der Schlussanstrich. Die ganze Glocke, wurde noch einmal im zusammengebauten Zustand gestrichen. Das hatte sich auch bei den anderen Läutewerken bewährt.
    Ein Abläutkasten musste noch neu angefertigt werden:

    Für die SPS Steuerung habe ich einen Erweiterungsbaustein erstanden

    Das Ganze montiert:

    Und zu guter Letzt noch die Steuerung umprogrammieren und auf die SPS übertragen:

    Diese Glocke ist nun meine «Sonntagsglocke». Sie läutet nur sonntagmittags.
    Ich hoffe diese Dokumentation hat Spass gemacht.


    Gruss Guru

    Einmal editiert, zuletzt von guru61 ()

  • Hallo Guru,


    das ist zwar ein Thema, mit dem ich mich noch nie beschäftigt hatte, aber es ist doch sehr interessant. Läutewerke kenne ich ansonsten nur mit Druckluft oder Dampf.
    An den Bahnhöfen und Strecken kenne ich diese Läutewerke hierzulande nicht mehr in Aktion. In Dargun hatten die Eisenbahner mal ein Läutewerk als eine Art Denkmal gepflegt. Ansonsten kenne ich sie nur aus Museen, konnte aber noch nie hineinschauen.
    Darum danke ich Dir sehr für die Fotos und Videos.


    Aber jetzt wohnst Du in einem Wohngebiet mitten drin. Was sagen die Nachbarn, wenn es bei Dir läutet? Ist man da in der Schweiz tolerant?


    Viele Grüße


    Dampfachim

  • Hallo Achim
    Bis jetzt ist das kein Problem: Im Gegenteil: Wenn mal das Netzgerät aussteigt, dann werde ich manchmal darauf aufmerksam gemacht. Es bedingt natürlich auch eine gewisse Zurückhaltung.
    Zudem sind bei den Nachbarn auf der andern Strassenseite die Wohnräume auf die andere Seite gerichtet.


    Ich sage auch nichts, wenn der Hund des Nachbarn gegenüber nachts öfters bellt, der Nachbar links seit Wochen schon das Haus umbaut, der Nachbar hinten, öfters mal eine Gesellschaft hat und man sie hört.
    Leben und lebenlassen ist die Devise :-)


    Gruss Guru

  • Hallo Guru,


    das ist die beste Devise!


    Wenn ich Dein Nachbar wäre, würde ich meinen Gästen vermutlich sogar die tollen Läutewerke zeigen. Kommt es vor, dass sich Leute für eine "Privatvorführung" melden?


    Ich find's toll!!!


    Viele Grüße und weiter so!


    Dampfachim

  • Hallo Achim
    Wer will kanns hören.
    Manchmal fragt Einer.
    Und der Enkel vom Nachbarn zwingt den Opa immer, wenn er da ist, dass das Mittagsläuten gehört wird :-)
    Vorher geht er nicht essen :-)
    Gruss Guru