Betrieb der Harzer Schmalspurbahnen 2019

  • 99 246 schrieb:


    "Ist ja auch klar, für die doch recht hohen Dampfzugpreise, da will ich nicht mit dem Triebwagen fahren, zumal der teils parallel fahrende ÖPNV-Bus nur einen Bruchteil kostet."


    Genaugenommen kostet der Bus für den im (Ober-)Harz verweilenden Touristen N I C H T S, da er das Busticket schon als Teil seiner Kurtaxe zahlt. Und da liegt halt auch der Hase im Pfeffer. Der Triebwagen ist für Otto-Normalbürger nichts groß anderes als ein Bus der halt auf Schienen fährt, aber im Gegensatz zum Pendant auf der Straße einen - vor allem wenn man als Familie fährt - geradezu astronomischen Preis hat. Wieso setzt man hier nicht an? Weil man es nicht kann? Oder nich will?


    MfG

    der099er

  • Mich würde ein Triebwagen absolut nicht stören. Nur müssten diese eben technisch auf der Höhe der Zeit sein. Ich meine hier kein W-Lan oder solch einen Unfung sondern zum Beispiel Toilette im Triebwagen. Und nicht alle kommen nur um mit dem Dampfzug zu fahren. Vielen ist es egal, denn sie wollen den Zug nutzen um ein paar km in den Harz zu fahren und von dort zu wandern. Habe ich selber schon oft genug erlebt und auch in Gesprächen mit Touristen festgestellt. Grad was die Aussicht betrifft find ich den Triebwagen schöner... da man dort eben auch mal nach vorn schauen kann,,

    Auch was die Verbindung von NDH in den Harz betrifft wäre eventuell eine durchgegende Verbindung mit einem Triebwagen in Richtung Wernigerode durchaus zu überlegen... einmal in der Frühe und einmal gegen Abend... Dann eben einmal in Drei Annen Hohne umsteigen und man hätte auf dem Brocken einige Stunden Zeit.... Auch für ältere und Behinderte wäre ein moderner Triebwagen durchaus leichter zu benutzen als die Wagen der Dampfzüge.. Ich denke das von NDH ein Dampfzug und 2 durchgehende Triebwagen durchaus Kunden anziehen könnten.. Aber wenn man da x mal umsteigen muss.....

    Eine gesunde Mischung aus Dampf und Moderne wäre durchaus ein Konzept die HSB auch langfristig zu sichern. Und das das vor vielen Jahren schon mal so angedacht war muss ja seine Gründe gehabt haben... Ich meine hier nicht die BR 199 sondern die Schlepptriebwagen die seinerzeit beschafft wurden... Ein moderner Triebwagen im alten Design könnte hier durchaus eine Möglichkeit sein.

    Ein weiteres Problem sind leider die Zustände rechts und links neben der Bahn.. Sei es Gastronomie oder auch sonstige Anziehungspunkte. Grad Selketal und ein Teil der Strecke ab NDH haben hier auch wenig zu bieten was zu einem Ausflug mal eben so auf die Schnelle reizen würde....

  • Naja, zumindest die Halberstädter haben Toiletten und die "Fischstäbchen" aus den 50ern sind seit der Generalüberholung unterm Blech komplett durchmodernisiert, mit neuer Antriebstechnik usw. Das sind also praktisch neuwertige VTs im alten Gewandt. Bin bloß mal gespannt, wann der alte "Schwarzwälder" 187 012 endlich mal von der Frischzellenkur wieder kommt. Der ist ja schon Jahre überfällig!


    Ich persönlich fahre im Harz eigentlich nur VT, wenn ich ein Mehrtagesticket habe und sich bestimmte Strecken nicht mit dem Dampfzug überbrücken lassen. Zum HSB-Normalpreis für Gelegenheitsfahrten würde ich dagegen nie den VT benutzen, weil ich es schlichtweg nicht einsehe, dafür Dampfzugpreise zu zahlen. Da ist man mit Familie schnell bei Summen, wo man in der Kneipe gut von Essen gehen kann. Wären die VTs dagegen zum üblichen ÖPNV-Tarif nutzbar, würde ich sicherlich öfters mal, zusätzlich zu den Dampfzugtouren, mit dem VT durch den Harz kutschieren und lieber einmal mehr den Pkw stehen lassen. Kann mir vorstellen, daß viele andere Harzgäste auch so oder ähnlich denken.

    Ob die HSB mit billigen VT-Preisen mehr Geld in der Kasse hätte, bezweifel ich zwar stark. Aber es würde den Fahrgastzahlen abseits der Brockenbahn, dem Image und der allgemeinen Bedeutung der HSB im Harzverkehr sicherlich gut tun. Aber solange die örtliche Politik der Landkreise als Eigentümer der HSB da keine klaren Vorgaben macht und lieber weiter pennt, wird sich da leider nichts dran ändern!

  • Jedes Jahr die gleiche Leier im Harz: Werfen von Nebelkerzen , um von den wahren (unangenehmen) Fakten ablenken zu können.


    Um die Wirtschaftskraft eines Unternehmens seriös bewerten zu Können, interesssen keine Umsatzzahlen- und erst recht keine Einnahmen, wenn diesen nicht auch zeitgleich die Ausgaben gegenüber gestellt werden - und die Anzahl der Fahrgäste fällt als relevanter Indikator zur Ermittlumg eines Jahresergebnisses schon mal ganz raus.(Ein Unternehmen kann 30% mehr Fahrgäste pro Jahr befördern- und trotzdem tief in den roten Zahlen stecken)


    Wer auch nur über ein klein wenig kaufmännische Grundkenntnisse verfügt, den interessiert der erzielte positive oder negative Ertrag, oder auch der Kostendeckungsgrad bei gemeinnützigen Unternehmen, die fast ausschließlich in "den roten Zahlen stecken".


    Solange die HSB beide Angaben (Gewinn/Verlust und Kostendeckungsgrad) hüten wie einen "HSB-Gral", wird die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt vmtl. die "Harz-Tourismusbespaßung namens HSB", also die 1000mm-Bahn, nicht als Geldvernichtungsmaschine wahrnehmen. Anders wird es vmtl. sein, wenn wirklich aussagefähige Zahlen auf den Tisch kämen- z.B. durch einen wünschenswerten "HSB-Whistle-Blower".

    Besonders der Kostendeckungsgrad wäre für mich von Interesse - ob er tatsächlich noch über 25% für das Gesamtnetz liegt?


    Aber nüchterne Zahlen, die schonungslos den wirtschaftlichen Zustand eines Unternehmens offenlegen, werden von den meristen Pufferküssern ja eh abgelehnt, denn dass sind ja eh nur Spaßbremsen eines " schönen Hobbys", außerden stören solche kaufmännische Zahlen eh nur bei dem Herausposaunen von Forderungen nach dem Wiederaufbau weiterer Schmalspurbahnen.


    Dabei sollte doch eigentlich ein "Via Wiltzschhaus" gereicht haben, oder?


    -railfox-

    Gefährlich wird es, wenn die Dummen fleißig werden!

  • Hallo railfox,


    ich habe kein Interesse daran, dass durch die „schonungslose Offenlegung des wirtschaftlichen Zustands“ die Bevölkerung Sachsen-Anhalts die HSB als Geldvernichtungsmaschine wahrnimmt und womöglich deren Einstellung fordert. Im Gegenteil, ich würde mir sogar wünschen, dass die Gesellschafter mehr Geld zur Verfügung stellen. Es wird immer nach besserer Bezahlung der Mitarbeiter geschrien und ich frage mich immer, woher die HSB, die keine Gewinne macht, sondern für die es Jahr für Jahr darum geht, die Verluste so gering die möglich zu halten, das Geld dafür nehmen soll.

    Für mich steht fest, ob es nun wie in Sachsen als SPNV läuft oder wie im Harz, solche Verkehre sind immer Zuschussgeschäft und nicht zum Gewinn-Einfahren da und sollten sich ganz an den Bedürfnissen der Bevölkerung und der Touristen orientieren. Denn man darf die Bahnen nicht isoliert betrachten sondern muss bedenken, dass jeder Tourist, der deswegen in die Region kommt, auch Geld in der Region lässt. Eine wirtschaftliche Betrachtung der Bahnen allein würde wohl immer den Schluss nahelegen, das Geld wäre woanders besser investiert.

    Aber wollen wir (besonders wir hier im Bimmelbahn-Forum) das wirklich?


    Im Selketal wäre mal interessant zu wissen, wie sich da die Fahrgäste verteilen. Denn dort ist der Streckenabschnitt Gernrode - Alexisbad eindeutig der nachfragestärkste Abschnitt, wo die Züge an schönen Tagen recht ordentlich besetzt sind, teilweise auch durch Bus-Reisegruppen. Denke mal, gut 2/3 der Selktalbahnfahrer sind auf diesen 14 km unterwegs.

    Ich könnte mir eine Verdichtung des Dampfbetriebes zwischen Quedlinburg und Alexisbad/Harzgerode sehr gut vorstellen. Die stetig steigenden Übernachtungszahlen in Quedlinburg wurden ja schon angesprochen. Für den gemeinen Tourist ist das genau die richtige Entfernung, um mal mitzufahren, den ganzen Tag Zug fahren wollen nur die wenigsten davon.

    Viele Grüße von Johannes

  • ...


    Deinen Beitrag empfinde ich als sehr unsachlich.


    Die HSB ist eine GmbH und damit gesetzlich nach § 242 ff. HandelsGesetzBuch (HGB) zur Veröffentlichung von Jahresabschlüssen verpflichtet.

    (1) 1Der Kaufmann hat zu Beginn seines Handelsgewerbes und für den Schluß eines jeden Geschäftsjahrs einen das Verhältnis seines Vermögens und seiner Schulden darstellenden Abschluß (Eröffnungsbilanz, Bilanz) aufzustellen. 2Auf die Eröffnungsbilanz sind die für den Jahresabschluß geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden, soweit sie sich auf die Bilanz beziehen.


    (2) Er hat für den Schluß eines jeden Geschäftsjahrs eine Gegenüberstellung der Aufwendungen und Erträge des Geschäftsjahrs (Gewinn- und Verlustrechnung) aufzustellen.


    (3) Die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung bilden den Jahresabschluß.

    Dieser Pflicht kommt die HSB GmbH auch selbstverständlich nach.

    Alle Jahresabschlüsse und auch öffentlich ausgeschriebene Investitionen sind im Bundesanzeiger online von jedem einsehbar, denn dies wird nach § 325 HGB gefordert.

    Bei der Ertragssituation wird nichts wie ein "HSB-Gral" gehütet. Wenn es jemanden nicht interessiert, wie hoch die Kostendeckung ist, muss er da einfach nicht nachschauen. Alle anderen können sich die Zahlen anschauen und ihre Schlüsse daraus ziehen.


    Schauen wir uns zum Beispiel einmal den Jahresabschluss für 2017 an (der für 2018 wird sicher erst im November veröffentlicht). Punkt 2. Ertragslage:


    Die HSB hat 2017 Umsatzerlöse im Personenverkehr von 15,618 Mio € erwirtschaftet. Davon 12,320 € aus dem Ticketverkauf für den Personenverkehr, 1,295 Mio € aus Nebengeschäften (das werden wohl die Sonderzüge sein?) und außerdem erhielt sie vom Land Thüringen Bestellerentgelte für den ÖPNV im Bereich Nordhausen–Ilfeld von 2,003 Mio €.

    Dazu kamen noch 10,581 Mio € an sonstigen betrieblichen Erträgen. Darin enthalten mit 7,498 Mio € die vertraglich geregelten jährlichen Zuschüsse von Sachsen-Anhalt, Thüringen und des Bundes. Insgesamt konnte die HSB Einnahmen von 26,199 Mio € verbuchen.


    Die Ausgaben (Materialaufwendungen, Personalkosten, Abschreibungen und sonstigen betrieblichen Aufwendungen) betragen in Summe 26,809 Mio €. Wenn man Einnahmen und Ausgaben gegeneinander aufrechnet, ergibt dass einen Fehlbetrag von 0,881 Mio €.


    Und zur Frage der Kostendeckung: Für 2017 haben wir die Umsatzerlöse von 15,618 Mio € aus Ticketverkauf, Bestellerentgelte etc. Dazu kommen noch 2,199 Mio € aus der Auflösung von Sonderposten (was immer das auch war), die in der Gesamtsumme der sonstigen betrieblichen Ergebnisse enthalten sind. Insgesamt also Einnahmen aus eigener Geschäftstätigkeit (ohne irgendwelche Zuweisungen) von 17,817 Mio €. Demgegenüber die bekannten Ausgaben von 26,809 Mio €. Das ergibt einen Kostendeckungsgrad der HSB im Jahr 2017 von 66,5 %.


    So. Und daran war jetzt nichts geheim oder versteckt oder nur für ein paar Eingeweihte gedacht und es braucht auch keinen Whistleblower, um das rauszukriegen.

    Grüße
    Stefan


    2 Mal editiert, zuletzt von Stefan_ () aus folgendem Grund: Typo-Korrektur

  • Das witzige ist ja, mit 66 % Kostendeckung liegt die HSB weit besser wie der übliche SPNV, der da meist bei 20 - 40 % Kostendeckung herumdümpelt. Auch die anderen deutschen Schmalspurbahnen dürften weit unterhalb dieser Marke liegen, Goldesel Brockenstrecke sei dank!

  • Hallo,


    meinem Namensvetter vielen Dank für die sachliche, kurze und kompetente Erklärung zu den Zahlen. Das tut gut, mal solche praktischen Fakten zu lesen und nicht nur das regelmäßige Gejammer und die Unterstellungen, dass die Geschäftsführung der HSB nicht redlich oder zumindest ignorant und unüberlegt handeln würden!


    Wer ein bisschen Einblick in die Führung eines Unternehmens hat, wird sich mit solchen vorschnellen Unterstellungen zurückhalten. Das (Geschäfts-) Leben ist eben nicht einfach in schwarz / weiß zu unterteilen sondern hat viele Schattierungen, die alle ihre Berechtigung haben und wohl bedacht werden müssen. Ich bin jedenfalls froh, dass es Gesellschafter gibt, die sich zur HSB - auch als Zuschuss-Geschäft - bekennen und wir dürfen gewiss sein, dass deren Vertreter sehr genau auf die Zahlen sehen, die die HSB erwirtschaften und präsentieren...


    Ein schönes Wochenende wünscht aus Magdeburg


    Stefan

  • Der 2. Dampfzug im Selketal wird bestimmt wieder kurz vor der Angst gestrichen, wie 2017 und 2018.

    Erst steht er im Fahrplan und eine Woche vor dem Sommerfahrplan merkt die HSB das Fahrzeuge und Personal fehlen.

    Warum wird nicht schon im Februar gesagt das es nichts wird.