Mit dem Güterzug von Mügeln nach Kemmlitz und zurück im Juli 1971

  • Da ich seit einiger Zeit als Sonderdienste als Heizer in Mügeln an den Wochenenden machen konnte, kannte ich die Strecke nach Kemmlitz, nur vom Dienst als Heizer her. Hatte aber allgemein noch keine Bilder von der Strecke und dabei war es auf Grund des Arbeitsumfanges nicht immer möglich während der Arbeit ein paar Fotos von der Strecke zu schießen, was ich schon lange vor hatte. Den Reiseverkehr gab es ja schon seit 1967 nicht mehr, wo man hätte mitreisen können. Was lag also näher mich an einem freien Tag bei den Kollegen anzumelden um mit einem Güterzug im „Packmeister“ mit zufahren. Dabei konnte man sich mehr aufs fotografieren konzentrieren.


    Leider ist mir das genaue Datum nicht mehr bekannt, aber an einem freien Nachmittag schnappte mir die Kamera und zwei Filme, schwang mich aufs Fahrrad und radelte von Oschatz nach Mügeln. Da ich die Abfahrtszeiten der Güterzüge nach Kemmlitz in etwa kannte, konnte ich das Zeitmäßig disponieren. Nach der Anmeldung beim Lokleiter, stellte ich mein Fahrrad am Bahnhof ab und begab mich zum Zug. Leider habe ich auch keine Aufzeichnung mehr über die Zugnummern.
    Vorab noch ein paar Bilder von den Örtlichkeiten und ich begab mich zum Zugführer . Er erkannte mich, blickte mich aber doch argwöhnisch an und wunderte sich dass da einer von dem „alten Zeug“ noch Fotos machen wolle. Mir wies er den Platz im Packwagen zu und erklärte mir dass ich für mich selbst verantwortlich bin.
    Und los gings.




    Zunächst ein Übersichtsbild über die damals noch reichlichen Gleisanlagen.





    Das Bahnhofsgebäude hatte schon mal bessere Zeiten erlebt, aber es sollte Jahre später noch schlimmer aussehen.




    Dann kam unser Zugpferd die 99 1663 und wurde vom Zugführer mit Hilfe der Kuppelstange mit dem Zug verbunden.
    Anschließend die damals übliche Prozedur, Leine fädeln, alles verbinden und Bremsprobe durch anrollen des Zuges.





    Ich hatte inzwischen den Packwagen wieder besetzt, welcher mit ein paar Utensilien und vielen „Heber-leinen“ bestückt war.


    Dann ein Pfiff und ein Ruck und los ging die Fuhre.






    Bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof noch ein Blick zurück auf den „verhungerten“ Wasserkran am Gleis 1.







    Die Stationsbude in Altmügeln ist bei der Vorbeifahrt leider nicht ganz optimal getroffen, aber inzwischen existiert die sowieso nicht mehr.






    Gleich hinter dem Bahnhof Altmügeln befindet sich der Anschluss Chemische Fabrik „Lipsia“ VEB, welcher zur damaligen Zeit noch bedient wurde.






    In einer kleinen Steigung windet sich die Strecke neben der Ortsverbindungsstraße nach Nebitzschen.


    Unser Zug hatte eine beachtliche Länge und, was heute unvorstellbar ist, die Straßenbegrenzungssteine aus Granit an der Fahrbahn.






    Nachdem der Zugschluss die Einfahrweiche in Nebitzschen passiert hat, wird durch den Zugführer die Weiche wieder für die Grundstellung in Richtung Wermsdorf


    umgestellt und gesichert. Anschließend ging er noch in die „Bude“ und erstattete die Zuglaufmeldung an den Fdl in Mügeln.







    Weiter in der Steigung schlängelt sich die Strecke am Dorf Poppitz vorbei.



    Folgt Teil 2

  • Kurz vor Erreichen des Bahnhofs Kemmlitz wird die Weiche zum Anschluss VEBKemmlitzer Kaolinwerke, Werk 2 passiert.




    Unser Zug ist in den Bahnhof Kemmlitz eingefahren, wird wieder auseinander gefädelt und für die Rangierfahrten vorbereitet.




    Auf dem Ladegleis ist man noch nicht ganz fertig mit beladen und die kleine Rangierlok hat derweil Pause. Im Hintergrund sind noch die Gebäude vom Werkteil 1 zu sehen, welcher direkt vom Bahnhof Kemmlitz aus bedient wird.



    Dahinter verbirgt sich das unscheinbare Bahnhofshäuschen von Kemmlitz, welches durch Lichtblendungen leider nicht ganz so getroffen ist.







    Dafür gab es an den alten Ladegleisen etwas zu entdecken, was auf den Ursprung des Streckenbaus zurück geht.


    Das Walzzeichen der König-Albert Werke von Zwickau von 1901. 1903 wurde die Strecke in Betrieb genommen.




    Am Ende des Bahnhofs Kemmlitz führte die Strecke weiter bis nach Kroptewitz, welche am 30.11. 1967 eingestellt wurde und es wird nur noch ein Teil bis Anschluss zum Werkteil 3 befahren .








    Inzwischen ist der neue Zug gebildet und steht zur Abfahrt bereit und der Lokführer kann sich noch eine kleine Zigarettenpause gönnen.




    Nach dem Verlassen von Kemmlitz, ein Blick zurück auf die Bahnanlagen des Bahnhofs.





    Bei der Fahrt durch die Kurven bei Poppitz, war es möglich aus dem Packwagen ein Foto vom Zug, mit dem für den damals üblichen Waggons für den offenen Kaolintransport, zu erhaschen. Wenn es ein „Tonbild“ wäre, könnte man jetzt das Pfeifsignal der Lok warnehmen.






    Zum Abschluss noch ein Bild bei der Einfahrt in den Bahnhof Mügeln und den damals rumstehenden Fahrzeugpark.







    Auch wenn die Qualität der Bilder der damaligen Fototechnik geschuldet bleibt, denke ich doch das es schöne Erinnerungen an die „Alten“ Zeiten sind.


    MfG Rudi.