[H] Almamellék 1982 – damals fast unbekannt.

  • Als mich bei unseren ersten Ungarnurlauben das Schmalspurfieber gepackt hatte, wurde meinerseits immer wieder Versucht in den folgenden Urlaubsaufenthalten eine noch unbekannte Schmalspurbahn auf zu suchen.

    Dies war zur damaligen Zeit gar nicht so einfach, da die Bahnen relativ verstreut im Land liegen und meist nur per Pkw erreichbar waren. Man musste da als „DDR“-Bürger ganz schön zirkeln, dass man mit dem Taschengeld und dem Benzinkontingent über die Runden kam, denn damals bezahlte man für 1 Liter Benzin umgerechnet 3 DDR-Mark. Aber als „gelernter“ DDR-Bürger ließ man sich immer wieder etwas einfallen um zum Ziel zu kommen.

    Die hier beschriebene Bahn liegt a. 9o km südlich von Fonyod und ca. 35km nordwestlich von Pécs. Das Kuriosum daran ist, dass die Normalspurstrecke von Kaposvár nach Szigetvár schon eingestellt und größtenteils abgebaut war, aber die Schmalspur von Almamellék immer noch verkehrte – und noch verkehrt.

    Die Strecke führt ca. 7 km in eine Seenniederung mit einem Jagdgebiet bis zu einem Sägewerk und hatte noch eine abzweigende Strecke von ca. 1 km nach Lukafa. Nachdem wir an einem ausgesuchten 18.Oktober 1982 , die Bahn verkehrte ja nicht täglich, mit unserem Trabbi dahin getuckert waren, mussten wir uns im Ort erst mal zum Bahnhof durchfragen, denn er liegt versteckt ganz am anderen Ende des Dorfes. Dann ging es auf Suche.


    Das Umfeld bot ein Bild des Grauens. Das Empfangsgebäude war schon Vandalen zum Opfer gefallen.

    Die Fenster teilweise ausgebaut oder zerschlagen und das Inventar hatte bestimmt als Heizmaterial nicht überlebt.




    Auf der gegenüber liegenden Seite, versteckt hinter einem Holzstapel, lugte noch ein Stationsschild hervor.




    Links davon stand eine abgestellte C 50 im Busch.




    Wir begaben uns dann hinter die Holzstapel und erblickten ein Gleisdreieck.



    Der Blick schweifte nach links zu der C 50.




    Und auf der rechten Seite stand in dem Gleis ein einzelner Wagen abgestellt und dahinter ein verschlossener Lokschuppen.



    Kurz vor der Abfahrtszeit 15:30 Uhr kam dann die C 50 angetuckert und setzte sich vor den einzelnen Wagen

    Und bildete den Zug Nr. 16 von Almamellék über Lukafa nach Sasrét fürésztelep.




    Pünktlich 15:30 Uhr ratterte unser Gefährt los. Kurz hinter der Ausfahrt befindet sich eine Weiche mit einem Stumpfgleis, wo noch alte Wagen abgestellt waren und die früher bis nach Terecseny führte. Die Strecke führt weiter an einem See entlang, der ein hervorragendes Anglerparadies ist und auch rege Zuspruch fand. Ansonsten ging es flach durch die Wiesen. Dann kam mal ein Höhepunkt an der Strecke, die Bahn unterquert eine Straßenbrücke für die Zufahrt zum Anglersee.




    Nach ca. 2 km Fahrtstrecke näherte der Zug sich dem nächsten Haltepunkt.



    Es gab auch einen kurzen Halt, denn ein Fahrgast hatte mit dem Lokführer was zu bereden.



    Die Fahrt geht gleich weiter im anschließenden 2. Teil










  • Weiter geht die Fahrt und noch ein Foto vom hist. Stationsschild.


    Vorbei an der Station Lukafa elágazás , bis zum Ende der Stichstrecke nach Lukafa.



    Die Station Lukafa bildete damals den Endpunkt, vorher war die Strecke weiter bis Nématlukafa zu befahren.



    In Lukafa wurden die einheimischen Fahrgäste entlassen und über ein zugewachsenes Überholgleis die Lok an das andere Ende des Zuges umgesetzt.



    Jetzt führte die Fahrt wieder zurück durch die Gras- und Wiesenlandschaft zum Abzweig Lukafa.



    Von hier aus ging es geschoben zur anderen Endstation Sasrét, fürésztelep.



    Da es nicht allzu lange vorher geregnet hatte, waren die Zufahrtswege auch in dem entsprechenden Zustand.




    Warum wir geschoben bis dahin fuhren, sieht man auf diesem Bild. Es gab nur ein kurzes Lokstumpfgleis, man hatte jedoch für den äußersten Bedarfsfall ein Zugseil neben dem Gleis liegen, mit dem man auch mal einen Wagen bewegen konnte.




    Der Zug Nr. 13a zurück, hatte dort ca. 20 Min. Aufenthalt und es bot sich die Gelegenheit mal etwas rum zu stöbern und in der „Kamille“ fanden sich noch ein paar Holztransportwagen .



    Mittlerweile war auch mein Filmvorrat fast aufgebraucht und es wurde auch langsam dunkler, denn es war schon Oktober.

    So habe ich von der Rückfahrt weiter keine Fotos gemacht,

    aber eines musste noch sein als die Lok zum Betriebsende im Lokschuppen abgestellt wurde.





    Die Qualität der Bilder bitte ich zu entschuldigen, es waren halt die ORWO-Diafilme, die eben leider die Farben auch nicht so herbringen.

    Wem die Reise in die ungarische Vergangenheit gefallen hat, Danke fürs ansehen.

    2018 war ich nach 36 Jahren wieder mal dort und plane in nächster Zeit mal vom jetzigen Zustand dieser Bahn zu berichten.

    MfG Rudi

  • Danke für die tollen Bilder. Auf den Bericht über den aktuellen Zustand freue ich mich schon. Von 1992 bis heute habe ich alle Waldbahnen Ungarns teils mehrfach besucht, bis auf eine. Almamellek ist irgendwie ein gallisches Dorf, dorthin habe ich es (bisher) nie geschafft.


    Gruß

    Toralf