Auf nach Jütland

  • Hallo,

    Egon hatte einen Plan... Ach nö, ich hatte einen Plan. Im Juni mussten wir mal raus aus Dtl. und die Akkus neu aufladen. Das Ziel stand fest. Dänemark. Nur wo hin? In den letzten 15 Jahren haben wir jede Ecke bei unseren Nachbarn erkundet. Wie wäre also mit der Nordsee in der Nähe vom Limfjord, wo wir bereits 1993 und 2008 waren? Bedingung der Regierung - wie eigentlich fast immer - möglichst dicht am Meer und sehr ruhige Lage. Kurze Suche und das hyggelige Sommerhaus war gefunden und gebucht. Ruhige Lage? Es war ein Badehotel am Schienenstrang. GEIL!

    Vor dem Häuschen verläuft die Lemvigbanen (heute MjbaD), die älteste Privatbahn Dänemarks. Bereits 1879 wurde der erste Abschnitt zwischen Vremb und Lemvig eröffnet. 1921 hat man dann das Streckenende in Thyborøn erreicht. Von Thyborøn wurde dann viel leckerer Fisch nach Deutschland transportiert.

    Der Personenverkehr wird seit 1983 von zunächst 3 fabrikneuen Lynette-Triebwagen abgewickelt. Ab 1999 kaufte man einige Lynetten von anderen dänischen Privatbahnen hinzu.

    Das schönste ist aber, dass es auf der Lemvigbanen noch Güterverkehr gibt. Zweimal in der Woche fährt ein Güterzugpaar von Vremb nach Rønland. Dort befindet sich mit Cheminova seit 1953 der wichtigste und heute einzige Kunde im Güterverkehr. Bei unserem Besuch erfolgte die Hintour am Mo und Mi jeweils in den Abendstunden und die Rücktour in den sehr frühen Morgenstunden des Folgetages.

    Zu meiner Enttäuschung wurden die Güterzüge von einer Mz mit DB-Keks gezogen. Ich hätte mich über eine der beiden Rundnasen der MjbaD gefreut. Also musste dem BW in Lemvig ein Besuch abgestattet werden. Dort waren aber auch nur Lynette zu finden.

    Am Bahnhof von Lemvig steht die einteile Lynette abgestellt. Das freundliche Personal konnte allerdings meine Frage nach den beiden gesuchten NoHAB beantworten. Sie waren beide an die DB vermietet und in einem anderen Teil Dänemarks eingesetzt. Schade...

    Die einteilige Lynette ist Bj. 1968 und fuhr zuletzt auf den einzigen Bergbahn Dänemarks. Richtig gelesen Bergbahn! Seit 1891 verbindet die Steilstrecke mit Spitzkehre den Bahnhof von Lemvig mit dem Hafen. Bei 1,5km Strecke werden ca. 30 Höhenmeter überwunden. Leider ruht der Verkehr, der zuletzt von einem Verein betrieben wurde, seit Ende der Saison 2015. Schade, da sich der Hafen zu einem echten Schmuckstück entwickelt hat. So sieht das Gleisende im Hafen aus.

    Nochmals einer der Güterzüge.

    Bei Cheminova übernimmt eine Frichs-Köf den Verschub der Güterwaggons.


    Bei einer Strandwanderung fiel mir dieses eigenartige Sommerhaus auf. Das ist doch nicht etwa ein alter Waggon? Tatsächlich es handelt sich um einen alten Waggon der Lemigbanen. 1899 wurde er bei Vulkan bebaut. Seit den 1950er Jahren dient er als Sommerhaus.

    Nochmals eine Lynette von der eigenen Terasse fotografiert. Eigentlich sollte es 2020 Ersatz für diese schönen Triebzüge geben. Man hatte neue Fahrzeuge ausgeschrieben, doch die Fahrzeugindustrie hat keine Angebote eingereicht.

    Und was hat das nun mit Egon zu tun? Die letzte Szene in die Olsenbande fährt nach Jütland wurde auf der Lemvigbanen gedreht. Benny, Kjeld, Yvonne und Börge im Waggon C2 der Lemvigbanen nehmen den C2 Waggon der Lemvigbanen. Leider wurde der Waggon 1982 verschrottet. Die Lok existiert noch. Das Marzipanbrod befindet sich bei einer Museumsbahn auf der Insel Fyn.

    Eine kleine Fortsetzung folgt - mit etwas Schmalspur.

    Gruß

    Stefan

  • Hallo,

    Egon, Benny und Kjeld klauen eine Draisine. Diese Szenen wurden in Agger (785mm Spurweite) und Hanstholm (600mm Spurweite) gedreht. In Thyborøn gab es ähnliche - wenn nicht sogar größere Anlagen - wie in Agger. Es waren beides Bauhöfe der VBV. Die VBV war eine staatliche Behörde, die sich um den Bau der Küstenschutzeinrichtungen gekümmert hat.

    Viel ist in Thyborøn nicht übrig geblieben. In dem Fundament ist noch ein Gleisrest zu finden.

    Die Baubaracken in Thyborøn und Agger wurden nach Farben unterschiedenen. In Agger waren es die schwarzen Baracken und in Thyborøn die roten Baracken.

    In einer der Hütten gibt es eine kostenlose Fotoausstellung zum Wirken der VBV.

    Hier mal ein Link zu historischen Bildern der VBV: https://www.jernbanen.dk/forum2/index.php?id=25627

    Ein paar Fahrzeuge der VBV findet man Freilichtmuseum Hjerl Hede.

    Den Bunker mit dem großen Schatz haben wir nicht gefunden... (also weiter machen wie bisher...)

    Gruß

    Stefan

  • Hallo Stefan,

    herrlich! Über die Lemvigbanen hab ich mir vor einiger Zeit einmal eine ER-Folge angeschaut. Dort wurde auch angekündigt, dass die Lynette-Triebwagen nun wohl bald ausgedient haben werden. Die Bergbahn wurde auch thematisiert. Eisenbahn Romantik - Lemvigbanen

    Und in einer Folge mareTV sind die schwarzen Baracken in Agger zu sehen. Dort findet offenbar in der ländlichen Abgeschiedenheit regelmäßig ein Heavy-Metal-Musikfestival statt. In einer Inneneinstellung sieht man auch dort noch einen Gleisrest. mareTV

    Tja, in dem Bunker war der Goldschatz ja auch nicht verbuddelt. Egons Strand-Bunker stand ja in Vigsø und die eigentliche unterirdische Anlage mit Bahnanschluss ist heute noch in Hanstholm zu besichtigen. Gedreht wurden die Innenaufnahmen aber in den Kopenhagener Studios von Nordisk Film.

    Und wer heute noch den Schatz sucht, hat den Film nicht gesehen. Den Schatz hat Egon 1971 aus dem Bunker geholt. Das Geld war leider wertlos, aber die Goldbarren hat Schrotthändler Mads Madsen behalten. Im Bunker ist also nichts mehr. :sorry:

    Die MZ mit DB-Keks ist für mich ein richtig komischer Anblick.

    Viele Grüße

    Dampfachim

  • Hallo Achim,

    danke für den Link zum Film von Eisenbahn-Romantik. Da kommt ja gleich wieder Urlaubsstimmung auf. Ich könnte schon wieder losfahren... Zumal auch noch unser Ferienhaus samt Strand in dem Film auftaucht...

    Und jetzt habe ich auch eine Erklärung für die leichten Verspätungen der Züge. Hier mal ein Bild von Haltepunkt Viktoria Street Station. Oberhalb des grünen Papierkorbes ist ein kleiner grauer Kasten. Dort musste ich als Fahrgast drücken, damit der Triebwagen am Haltepunkt hält.

    Das die ältestes Boyband Dänemarks der VLTJ einen Song gewidmet hatte, war uns bekannt. Die vier älteren Herren sind uns zwar nicht über den Weg gelaufen, aber dafür das Bandmobil.

    Hier noch ein Bild vom Schneeflug der Lemvigbanen. Er ist 1975 bei Scandia für die DSB gebaut worden. Seit 2007 gehört er zum Bestand der Privatbahn.

    Von den Dampflokomotiven der Lemvigbanen existieren noch 2 Stück. Eine gehört der Museumsbahn in Mariager. Die andere dem Eisenbahnklub in Struer. Die betreiben dort ein kleines Eisenbahnmuseum. Bei unserem Besuch in Struer am dänischen Nationalfeiertag hatte es geschlossen und die Außengestaltung hat uns von einem weiteren Besuch abgehalten.

    Im Bestand des Museums befindet sich auch noch eine Rangierlok von Jung (Bj. 1940), die die Lemvigbanen 1968 von der DSB übernahmen. Auch ein Foto verzichte ich hier mal. Sie ist wehrmachtsgrau lackiert samt Pleitegeier und Hakenkreuz... Irgendwo muss sich auch noch eine deutsche Köf von Gmeinder (Bj. 1958 ex DB Köf 6349) aus dem Bestand der Lemvigbanen beim Eisenbahnklub befinden.

    Eine Zeit lang gehörte auch eine ex. V100 der DB zum Fahrzeugbestand in Lemvig.

    Es bleibt abzuwarten, was die Zukunft bringt. Ende 2020 kommen jedenfalls 3 Lint-Triebwagen in den Fuhrpark. Diese sind z.Zt. für Arriva unterwegs. Die Lemvigbanen oder besser gesagt die MjbaD wird dann auch den Zugverkehr zwischen Holstebro und Skjern übernehmen. Verkehr auf dieser Strecke bräuchte man noch einen zusätzlichen Triebwagen. Daher wollte man gerne 4 neue Lint-Triebwagen kaufen, um ab Ende 2020 mit einem homogenen Fuhrpark auf beiden Strecken unterwegs zu sein. Die Ausschreibung hat man gestoppt, da irgendwas (Lieferzeit und/oder Preis) nicht passte.

    Die Mz mit Keks sieht echt gewöhnungsbedürftig aus. Allerdings noch komischer sieht die Mz im verkehrsroten Kleid der DB aus. Eine Lok wurde umlackiert.

    So nun reichst. Ich verabschiede mich mit einem herrlichen Sonnenuntergang von den Lemvigbanen. Das Bild ist an der gleichen Stelle entstanden, wo der Fahrradfahrer auf "unseren" Strand blickte.

    Gruß

    Stefan

  • Guten Tag allerseits,

    Danke für den Bericht über die Lemvigbahn,an der ich urlaubsbedingt auch schon mein (Un)wesen getrieben habe.Leider sind viele der Bilder aus 2014 bzw. 2016 momentan auf einer defekten Festplatte "gefangen", aber bei FB habe ich ein Album auf meiner Seite veröffentlicht, wo es sicher noch etwas zu schauen geben würde.

    Wie auch immer, eine Steilstrecke im flachen Land, das musste ich sehen.

    Angekommen am Bahnhof Lemvig erkannte ich schon das ominöse Steilstreckengleis mit Bahnsteig für die "Bergbanen", also auf die Schwellen, fertig, Abmarsch!

    Nach etwa 300 m, wobei es hinter den Häusern links hinten tatsächlich mit etwa 3% abwärts geht, passiert man eine Bogenbrücke über die Straße u.a. zum Hafen und siehe, vor den roten Häusern das Gleis!

    Nach weiteren 200 m dann die Weiche der Spitzkehre, gerade aus geht's zum Bahnhof Lemvig, dann muss es links zum Hafen gehen.Interessant die Einzungenweiche, eigentlich eher aus dem Feldbahn-bzw. Schmalspursektor bekannt(zumindest mir).

    So sieht das Ganze dann von etwas weiter unterhalb aus, durchaus respektabel, die Steigung für eine ursprünglich im Güterverkehr betriebenen Strecke.

    Aus der Schneckenperspektive gesehen würde die besagtes Kriechtier nun in Richtung Hafen gleiten, schön langsam versteht sich und mit aufgestellten Augen!

    Von einer Infotafel im Hafen wurde dieses alte Foto fotografiert.

    Zwei jahre später hatte ich Gelegenheit, die Südstrecke ab zuklappern,sie hat landschaftlich einen ganz anderen Charakter. Hier der Bahnhof Vemp Übergang zur DSB.

    Und hier die Ausfahrt nach links Richtung Lemvig, hinter dem Gebüsch links befanden sich die Güteranlagen.

    Einer der Unterwegsbahnhöfe zwischen Lemvig und Vemp ist Baekmannsdorp, dessen Bahnhof grad der Zug nach Vemp ansteuert.

    Dieses Bild zeigt die Firma"Cheminova" auf Rönsland. Von/bis dort gibt es noch Güterverkehr,wie schon beschrieben. Das die beiden Rundnasen nicht in Lemvig waren, könnte damit zusammen hängen, das sie vielleicht im Raum Hannover im Bauzugdienst fahren? Anfang Juni sah ich von weiten auf der Rampe der NBS hinter Hannover Richtung Göttingen zwei farbenprächtig bemalte Loks dieser Bauart mit Schotterzügen...?!

    Vielleicht schauen Interessenten bei FB auf /in mein dortiges Album zur weiteren Erbauung, es ist öffentlich gestellt.

    Mit freundlichen Grüßen Winfried

  • Hallo,

    Bild 2 erinnert fast ein wenig an Sassnitz ... auch dort gab es ja Steilstrecke zum Stadt-Hafen ...

    Apropos: vergangenes Jahr hieß es ja, die ehemalige Strecken Bahnhof - Hafenbahnhof werde wieder "belebt" als Radweg.

    Weiß jemand Näheres ?

    Sorry, wegen zugegeben arg weitem Abkommen vom Thema ....


    Viele Grüße, echtdampf

  • Bei einer Strandwanderung fiel mir dieses eigenartige Sommerhaus auf. Das ist doch nicht etwa ein alter Waggon? Tatsächlich es handelt sich um einen alten Waggon der Lemigbanen. 1899 wurde er bei Vulkan bebaut. Seit den 1950er Jahren dient er als Sommerhaus.

    Moin,

    am vergangenen Freitag wurde der Wagenkasten geborgen und in das Außendepot des Dänischen Eisenbahnmuseums nach Randers transportiert.

    So sah der 1899 bei Vulcan in Maribo gebaute Waggon mal aus: klick (es ist der rechte Waggon)

    1953 wurde er a.D. gestellt und der Wagenkasten 1956 als Sommerhaus bei Vrist aufgestellt.

    Ich würde mich freuen, den Personenwaggon irgendwann mal auf Rädern stehen zu sehen.


    Aktuell ist auf der Lemvigbanen ein "neuer" Loktyp zu bewundern. DB Cargo Scandinavia A/S fährt weiterhin die Güterzüge zu Cheminova. Da man aktuell allerdings die eigenen Lokomotiven der Mz-Reihe auf das neue Sicherheitssystem umrüstet, hat man von Nordic Re-Finance aus Schweden drei Lokomotiven der TMe/Me-Reihe gemietet. Die drei Lokomotiven wurden mit unterschiedlichen Motiven aus den Geschichten von Hans Christian Andersen foliert.

    Gruß

    Stefan

  • Hallo zusammen.

    Nach mehreren Anläufen, die Midtyjske Jernbaner mit den dort fahrenden Üerdinger Triebwagen zu besuchen, klappte es im August 2022 endlich.

    Der Wettergott hatte am 31.08.2022 ein Einsehen und kredenzte uns für Bilder mit den drei, stets wie aus dem Ei gepellt aussehenden Triebwagen (Heden, Kysten, Storáen) fast den ganzen Tag über Sonnenschein und spätsommerliche Temperaturen.

    Wir hielten uns den ganzen Tag im Abschnitt Thyborøn und Lemvig auf, wobei in der Umgebung von Vrist die meisten Bilder entstanden.

    So und nun viel Spaß mit den Bildern.

    1. Erster Zug von Thyborøn nach Lemvig vor Haltestelle Rønland

    dsc_6476dqcxn.jpg

    2. Triebwagen Heden in Vrist

    dsc_6502nocel.jpg

    3. Am Engbjergvej nach Vrist geblickt

    dsc_65249rd68.jpg

    4. Zug wie Bild 4 zwischen Victoria Street Station und Strande

    dsc_6542hkcnv.jpg

    5. An der Engbjerg Kirke mit Blick nach Vrist

    dsc_6576mbdrs.jpg

    6. Triebwagen Kysten am früheren Bahnhofsgebäude von Vrist

    dsc_6584abdya.jpg

    7. Triebwagen Heden hinter der Haltestelle Balleby

    dsc_6603pbffy.jpg

    8. Zwischen Strande und Nejrup mit Triebwagen Heden

    dsc_6613o3dg7.jpg

    9. Triebwagen Heden am Sylphidevej in Vrist

    dsc_66299pf8m.jpg

    10. Triebwagen Heden in Vrist

    dsc_66467qi34.jpg

    11. In Vrist mit Triebwagen Kysten

    dsc_67232pc16.jpg

    12. Kirchenblick Klinkby mit Triebwagen Storáen

    dsc_67387cda0.jpg

    13. Im Urlauberdorf Vrist mit Triebwagen Kysten

    dsc_6748s0c95.jpg

    14. Nochmal Vrist und wieder Triebwagen Kysten

    dsc_6763byie4.jpg

    15. Blick zu Cheminova-Fabrik

    dsc_6822ssecj.jpg

    Vielen Dank fürs anschauen.

    Grüße,

    Jörg

    Admin: Bilder per HTTPS eingebunden

    Einmal editiert, zuletzt von Joerg Bender (5. Oktober 2022 um 20:25)

  • Hallo Jörg,

    vielen Dank für diese echt traumhaften Bilder. Ich bin nur etwas verwundert, daß die alten Triebwagen noch fahren. Hatte die Lemvigbanen nicht neue Triebwagen bestellt und bekommen? Irgendwo hatte ich auch mal was vom Abschied der alten Schienenbusse gelesen.

    Viele Grüße

    Toralf