Opalenica im Jahr 1991

  • Ich hatte schon in den Erlebnisbericht von Schmigiel ein paar Bilder abgeliefert. Jetzt kann ich weitere, leider vom Ende des Betriebes liefern. Wie ich schon mal erwähnte, bin ich erst spät zur schmalen Spur gekommen. In Polen waren es ja die letzten Regelspurloks die mich reizten und eher durch Zufall nahm man die Schmalspurbahnen so mit, wobei der Betrieb in Gniezo mich echt begeisterte.

    Im Nachhinein ärgert man sich schon sehr, dass man in dieser Zeit nicht mehr gemacht hat, aber wer kennt das nicht.

    Auf dem Gelände des Bahnhofes Opalenica war nichts mehr los. Alles verlassen und still...

    4x Px48 gab es auf dem Bahngelände verstreut, meist noch in einem guten Zustand.

    Die grüne Px48 1915 steht vor dem Lokschuppen mit zwei G Wagen, einen Triebwagen und zwei Lxd2.

    Px48 1902 war dagegen schwarz und sah so aus, als könnte diese jeden Moment losdampfen.

    Weiter hinten auf den Übergabegleisen stand noch eine namenlose Px48 in grün

    So sahen vielleicht einst die Güterzüge aus?


    Beachtlich, wieviele Schmalspurgüterwagen noch vorhanden waren.

    So auch Kesselwagen, massig O und G Waggons.

    Blick vom Lokschuppen, dessen Fenster auch schon kaputt waren.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Danke für die Bilder.


    Ähm ... 1991 nichts mehr los?


    Bis 1995 fuhren planmäßig 5 Zugpaare nach Lwowek und ein weiteres nicht öffentliches Schülerzugpaar nach Trzianka Wschodnia. Zudem gab es umfangreichen Güterverkehr auf Rollwagen. Bis Herbst 1993 gabs zudem noch Rübenverkehr zur Zuckerfabrik.


    Gruß

    Toralf

    Einmal editiert, zuletzt von Toralf750 ()

  • Dann täuschte unser Besuch im März 1991 gewaltig. Gut, dass Wetter war grässlich und da sieht man keine blanken Schienen, aber es war auch kein Mensch zu sehen.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Außerhalb der Rübenzeit ging es auf diesen, vom Transport landwirtschaftlicher Güter abhängiger Bahnen immer gemütlich zu. Leider wurden auch in Polen fast alle Schmalspurbahnen, die vor 30 Jahren noch existierten, stillgelegt. Es gab allein 4 600mm-Netze, und viele weitere in 750 bzw. 1000mm, die dem lokalen Transport der Produkte, vom Feld zu den Fabriken, bzw. von da noch teilweise zur "großen" Bahn, dienten.

    Heute wird auch in Polen der Großteil der Gütertransporte auf der Straße erbracht. Mit den uns bekannten Folgen.

    Unter ökologisch vernünftigen Bedingungen hätte jede einzelne Bahn ihre Berechtigung zur Existenz.


    HHw

  • 30 Jahre zurück braucht man gar nicht gehen. Das große Aus kam 2001, als die PKP die Betriebsführung ALLER Schmalspurbahnen zwangsweise auf Anordnung der EU niederlegen mußte.


    Ein paar wenige Strecken haben privatisiert überlebt. Der letzte kommerzielle Güterverkehr fand 2013 statt. Seitdem dienen alle Bahnen meist noch weiter amputiert nur noch touristischen Zwecken. Das Sterben auf Raten geht aber weiter. Jüngstes Opfer ist Starachowice.


    Ich konnte zum Glück ab 1988 (fast) alle Strecken in Betrieb erleben und fotografisch dokumentieren. Nur ganz wenige Teilstrecken fehlen mir, da die Zeit gegen mich lief und man sich auch nicht zerteilen konnte.


    Gruß

    Toralf

  • Hallo,


    das heilige Privatblech reizt nicht nur, es ist in ländlichen Regionen heute schlicht unverzichtbar. Das mag man sich in der Großstadt, wo alle zehn Minuten eine Straßenbahn in der Nähe hält, kaum vorstellen können.

    Meine Schwiegereltern leben in einem kleinen Dorf im südlichen Vorpommern. Der Bus verkehrt dort zweimal am Tag, gegen 07.00 u. 14.00 Uhr. Er fährt auch nur bis in den nächsten größeren Ort mit Zentralschule. Was will man damit anfangen?

    Die Kreisstadt liegt seit der letzten Kreisgebietsvergewaltigung 100 km entfernt.

    Die Menschen werden zum heiligen Privatblech gezwungen, wenn sie in ihrer angestammte Heimat überleben wollen. Oder sollen die auch noch alle auf den großstädtischen Wohnungsmarkt drängen? Obwohl PKS die Fläche noch deutlich besser bedient, als die kreiseigenen Busbetriebe in Deutschland, gibt es auch in Polen solche Beispiele.


    Viele Grüße


    Holger

  • Das wird uns von Politik und Automobilindustrie vorgegaukelt. Naklar, geht ein Leben ohne Auto auf dem Land. Aber nur dann, wenn die Rahmenbedingungen gegeben sind. Arbeit im Ort und ÖPNV 24/7/365. Dann funktioniert es. Das Auto ist ein unrentabler Luxusartikel. Man gibt 20000 Euro aus, stellt das auf die Straße und nutzt es am Tag höchstens 2 Stunden. Wo bitte, bleibt die Wirtschaftlichkeit? Der mündige Bürger kann seinen Bürgermeister dazu bewegen, ÖPNV so zu organisieren, dass auch so größtmögliche Flexibilität gegeben ist. Jetzt kommt natürlich von allen, "Der spinnt doch!" Mag sein, aber man sollte mal darüber reden?!


    HHw

  • Achja, u. wenn ich auf dem Land sechs Ferkel kaufe, drei Zentner Weizen, u. zwei Rollen Maschendraht, die befördere ich dann im Bus?

    Du hast vom Leben auf dem Land wohl nicht viel Ahnung?


    Beste Grüße


    Holger

  • Holger Dietz


    So eine große Ladung wird dann aber auch im heiligen Blechle nix. Wobei ich mir das mit den 6 Ferkeln ganz lustig vorstelle. :lol::frech:


    Und du glaubst nicht, was ich alles schon in den Triebwagen bei uns geschleift habe. Der 2,20m hohe Tannenbaum zu Weihnachten ist da noch harmlos. :crazy:


    Im Prinzip hast du recht, ein Leben auf dem Land ist ohne PKW heute kaum mehr möglich. Das ist aber erst in der Neuzeit durch unsre Politiker so gemacht worden.


    Früher habe ich in Walthersdorf/Erzgeb (450 Einwohner) gelebt. 2 Bahnlinien, 3 Buslinien - heute 0 Bahnlinien, 1 eingeschrumpfte Buslinie. Früher war alles ohne PKW möglich - heute nicht mehr - weil es politisch so gewollt ist.


    Heute lebe ich in Seefeld/Mark (720 Einwohner): Stundentakt (bald Halbstundentakt) Regionalbahn nach Werneuchen und Berlin, Stundentakt Bus nach Bernau, zusätzliche Fahrten an Schultagen und nach Bad Freienwalde. Ein Leben ohne Auto ist also sehr wohl möglich - weil es politisch so gewollt ist - auch wenn manches noch besser sein könnte.


    Gruß

    Toralf