Ybbstalbahn weiter verkürzt

  • Sorry, mir fehlen die Worte. Mancherorts wird immer noch Verkehrspolitik des vorigen Jahrhunderts praktiziert. Und wenn man den Artikel richtig liest, dann findet man auch ganz schnell: Korruption! ... Wie in unserem Land auch allerorten zu finden ...


    Tausende gehen gegen den Klimawandel auf die Straße. Wann gehen endlich hundertausende gegen unsere korrupten Politiker auf die Straße?


    Sorry, ich werde politisch. Aber sowas regt mich auf. :wall:


    Gruß

    Toralf

  • Sorry, mir fehlen die Worte. Mancherorts wird immer noch Verkehrspolitik des vorigen Jahrhunderts praktiziert.

    Guten Abend,


    Da fehlen einem tatsächlich die Worte - ja! Als leider negatives Beispiel kann in weiten Teilen unser Land gelten, wenn es um die Umsetzung einer Verkehrspolitik geht, welche an die 60-er und 70-er Jahre des vorigen Jahrhunderts erinnert. Hunderte von Schienenkilometern sowohl auf Regel- als auch schmaler Spur sind in Polen dem Rotstift zum Opfer gefallen. Der Platz würde hier kaum ausreichen, alle Strecken im Einzelnen aufzulisten.


    6 unserer insgeamt 16 Wojewodschaften verzeichnen wieder einen Zuwachs im SPNV, alle übrigen sind bis heute nach wie vor auf dem Rückzug, wenn es um die Angebote und SPNV-Fahrgastzahlen geht - leider, leider!


    Die sich in dieser Hinsicht derzeit positiv entwickelnden Wojewodschaften sind: Dolnośląskie an allererster Stelle (57% Zuwachs im SPNV), Wielkopolskie, Mazowieckie, Śląskie, Opolskie sowie Małopolskie.


    extremstes Negativbeispiel: Województwo Świętokrzyskie (Rückgang im SPNV 44%)


    Dies als eine Ergänzung zum Beitrag von der Ybbstalbahn.


    MfG,

    Px48-1756

  • Px48-1756


    Mit hunderten Kilometern in Polen hast du aber mächtig untertrieben. Ich habe in den letzten Monaten etwa 3.000 meiner 8.000 Polen-Dias von 1988 bis 2001 gescannt. Ich möchte mal behaupten, daß auf etwa 80% meiner Bilder heute keine Gleise mehr liegen. Alleine die Schmalspurbahnen sind von 6700 km in 1990 auf 332 in 2018 geschrumpft. Dazu kommen noch etwa 18.000 km stillgelegte Regelspurstrecken.


    Gruß

    Toralf

  • Hallo

    Es ist schrecklich mit anzusehen wie ein Kleinod der Schmalspurbahn so zerissen wird und nur noch mit einem Stück Alibi bis heute übrig bleibt . Die Entscheidungsträger werden es wohl bald bereuen und hoffentlich ist für das letzte Stück Ybbstalbahn dann nicht schon Feierabend. Doch vergessen wird die Bahn nicht , denn in vielen Fahrzeugen in H0e lebt sie weiter. Wie schonmal erwähnt konnte ich sie in Gänze noch erleben und empfand einen angenehmen Bahnbetrieb .


    Glück auf

    Armin Ahlsdorf

  • Auch wenn ich mich jetzt damit unbeliebt mache ... eine Bahn ist nicht besonders umweltfreundlich, nur weil sie da ist. Sie muss dazu auch genutzt werden. Ansonsten gehört sie recht bald stillgelegt. Irgendwelche Verweise auf angebliche Kahlschläge oder den Umweltschutz sind da fehl am Platz. Wenn vor allem heiße Luft transportiert wird, ist die Bahn das blanke Gegenteil von "grün".


    Mich würden mal die tatsächlichen Nutzungszahlen interessieren ... man spricht meist von 20.000 Passagieren, was sich ungefähr mit den 60 Stationsbenutzern pro Tag deckt, das wären bei 10 Zugpaaren genau 3 Benutzer pro Zug. Das sind so leider erstmal keine Zahlen, die einen Bahnbetrieb rechtfertigen. Gibt es nennenswerte Verkehrsspitzen oder sitzen immer so wenig Menschen im Zug?

  • Aber in Österreich wird es doch hoffentlich auch Bemühungen um eine Verkehrswende geben....bald vielleicht erste recht. Wenn Autofahren dann endlich mal so viel kosten würde, wie es sollte, würde man sich über all die schmalen Spuren in den ländlichen Gebieten nur freuen.

    Mir ist es auch eher unbegreiflich......

  • Hallo

    Es ist wohl 5 vor 12 für die Ybbstalbahn und ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Der Gedanke der Verkehrswende ist ja da und muss nun umgesetzt werden . Eine Schmalspurbahn ist ein akzeptables Verkehrsmittel wie andere auch und muss endlich den Stellenwert bekommen, um Erfolg zu haben . Man muss es einfach nur wollen und machen . Die Politik zu Gunsten der Autos , muss endlich geändert werden und vielleicht starten wir hier eine Online-Petition. Der Druck der Masse kann in die gewünschte Richtung gehen , noch ist es nicht zu spät . Es gibt Beispiele, wie schmalspuriger Betrieb ablaufen kann , auch wenn die Voraussetzungen unterschiedlich sind .


    Glück auf

    Armin Ahlsdorf

  • Hallo zusammen,


    die Einstellung weiterer Abschnitte des Ybbstalbahn-Torsos ist so überraschend nun auch wieder nicht. Bereits bei Einstellung der Talstrecken von Gstadt nach Ybbsitz und nach Lunz am See stellten sich viele die Frage, was der schienengebundene Verkehr bis nach Gstadt bringen soll. Sinn macht tatsächlich nur noch der Verkehr zum Schulzentrum. Wie "grün" das allerdings wirklich sein soll, wenn für morgendliche und mittägliche Verkehrsspitzen die Waidhofener Luft im ganztägigen Halbstundentakt ein paar Kilometer hin- und hergeschaukelt wird, kann ich nicht nachvollziehen.

    Die Bewohner des Ybbstales sind halt - ermutigt und gedrängt von Landes- und Lokalpolitik - auf den Individualverkehr umgestiegen. Da muss man sich nicht wundern, wenn diese mit dem Aufrechterhalten eines Rumpfverkehrs sich nicht zur Rückkehr auf die Schiene bewegen lassen. Auf der Straße kann man im eigenen Pkw gemütlicher im Stau stehen als im Bus. Dass man in Niederösterreich anders gekonnt hätte, zeigt sich in Waldviertel und auf der Mariazellerbahn. Mein Fazit: die "Politik" hat halt nicht gewollt.

    Den Eisenbahnbefürwortern in der Region hat man den Stempel "verrückt" aufgedrückt und sich bis zum Erbrechen mit ihnen "gefetzt". Der Club598 mit seiner speziell für die Ybbstalbahn gebauten und von diesem Verein wieder betriebsfähig gemachten Lokomotive Yv2 wurde ein ums andere Mal aus seinen jeweiligen Bleiben herausgedrängt (und das ist vornehm ausgedrückt). Nun steht die Yv2 in einer Art "Obstkisterl" verwahrt auf einem kurzen Schienenstück ohne Anschluss ans restliche Netz in Waidhofen/Ybbs herum. Wie weit man es mit der Streiterei getrieben hat, zeigt eine Posse um Fahrzeuge des "Schafkäs-Express" (Spitzname für die Ybbstalbahn): Ortsansässige konnten die Fahrzeuge nicht erwerben. Sie wurden von G. Hocevar übernommen, nach Rumänien gebracht und von dort wieder zurück gekauft. Ein Wagen steht m. W. in Hollenstein auf einem isolierten Schienenstück als "Museum".

    Aus dem Bahnhof Ybbsitz hätte ein Museum werden können, die Gemeinde will das Areal aber anderweitig verwerten. Die Strecke von Gstadt bis Ybbsitz wäre als Museumsbahn sehr geeignet gewesen (oder aber sogar mit Pendlerverkehr Mo-Fr). Dem standen aber "vordringliche" Baumaßnahmen entgegen. Durch diese Einzelmaßnahmen wurde die Strecke an vielen einzelnen Stellen unterbrochen und so für eine weitere Nutzung im ÖPNV oder Museumsbetrieb unbrauchbar gemacht.

    Jetzt soll der Club598 nach Lunz am See übersiedeln. Offenbar hat sich die Stimmung zwischen dem Club598 und der auf der Bergstrecke agierenden ÖGLB etwas gebessert. Positiv, denn da hat es auch schwere Unstimmigkeiten (wohl vor allem auf Vorstandsebene) zwischen beiden im Ybbstal aktiven Vereinen gegeben, die sich mit Wechseln an der/den Vereinsspitzen so langsam auflösen. Aber spannend:

    Der Bahnhof Lunz gehört wohl einer Gesellschaft, die ÖGLB-dominiert ist. Er wird aber (von der "Politik"?) dem Club598 angeboten. Das Schienenband von Lunz nach Kienberg-Gaming gehörte der NÖVOG und diese hat es wohl an den Radwegverein Ybbstal abgegeben (?!). Es wurden zwar Mittel bereitgestellt, um diesen Abschnitt (angeblich) zu sanieren, angesichts des Zustands der Strecke dürften die aber bei weitem nicht ausreichen. Und der Endpunkt der Strecke, der Bahnhof Kienberg-Gaming ist auch im Besitz der ÖGLB-Gesellschaft.

    Zusätzlich litt die Bergstrecke in den vergangene Jahren/Jahrzehnten unter ein paar Fehlentwicklungen. Große Projekte erforderten große (finanzielle) Mittel. Um diese zu generieren, wurde auch bei den Aktiven "kassiert" und für den Streckenerhalt kaum oder genauer keine Mittel bereit gestellt. Liquide Mittel flossen entweder in den Schuldendienst oder den Betrieb. Kritik wurde rasch unerträglich und es kam zur Entfremdung zwischen den einzelnen Partien des Vereins und weiten Teilen des Vorstands.

    Unter solchen Bedingungen stelle ich es mir schwierig vor, den Museumsbetrieb wieder auf ordentliche Beine zu stellen. Noch ein kurzes Wort zu dem ganzen Beitrag: war bis vor einigen Jahren selbst Mitglied der ÖGLB und habe im Streckenunterhalt mitgearbeitet, aber zaubern kann ich halt auch nicht und so habe ich aufgegeben und bin ausgetreten. Vielleicht war der Beitrag ja so etwas wie "Wunden lecken" oder "Psychohygiene" für mich ... :wink:

    Viele Grüße

    Thomas

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