Teststrecke an der Brockenbahn

  • Hallo,


    mal zwei Fragen im Zusammenhang mit den beiden "(P)fiffies", bezugnehmend auf ein Zitat aus https://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=265533


    Zitat

    Im Rahmen eines Manövers des Königlich Württembergischen Eisenbahnregiments gelangten sie sogleich in den Harz und wurden im Auftrag der Heeresverwaltung auf einer eigens bei Drei Annen Hohne gebauten Teststrecke erprobt.


    • Wo genau war eigentlich diese Teststrecke und sieht man davon heute noch was?
    • Und: Was führte das Königlich Württembergische Eisenbahnregiment ausgerechnet in den Harz, fernab des Schwabenlandes?


    Gerne auch Hinweise auf Literatur. Ich erinnere mich allerdings nicht, über die konkrete Lage dieser Strecke bzw. deren Hintergründe etwas gelesen zu haben.


    Danke und Grüße

    Julian

  • Soweit ich weiß lag die Teststrecke bei Drei- Annen Hohne. Ob man noch was von ihr sieht, weiß ich nicht.

    Und ich meine, dass die beiden Loks auch nicht für ein Württembergisches Eisenbahnregiment, sondern für das Heereswaffenprüfamt gebaut wurden, um einen Vergleich zwischen Heißdampf und Nassdampf in Bezug auf die Leistung zu haben.

  • Guten Tag zusammen,

    wenn man vornehmlich in der vegetationsfreien Zeit vom Zug aus bergwärts rechts schaut oder auch zu Fuß am ! (nicht im !) Gleis zum Kilometer 0,8 der Brockenstrecke wandert, erkennt man bergwärts rechts Reste von Erdarbeiten, die mit großer Sicherheit das Planum der alten Teststrecke sind.

    Auf dem Bild von fahrenden Zug aus aufgenommen, erkennt man gut auch heute noch hier links das alte Planum, das sich vom Abzweig etwa im km 0,8 neben dem Streckengleis etwa 300 m mit Steigung hinzieht. Auch erkennt man rechts neben dem Gleis den 1,0-km-Stein in der typischen "Brockenbahnausführung" im heimischen Granit.

    Richtig ist, das die Würtemberger das Manöver ausführten, die Loks aber für die HPA (Heerestechnische Prüfanstalt-Rehagen-Klausdorf? ) getestet wurden.

    Der weitere Lebenslauf der beiden 1917 und 1920 von der damaligen NWE gekauften Loks ist bekannt.

    Grüße Winfried

    Quellen: J.Steimecke, Strecken und Bahnhöfe....,Zeunert 2009 und eigene Erkenntnisse.


    Ergänzung: Wie die Teststrecke ans Streckengleis angebunden war (einfache Rechtsweiche mit Gleissperre oder eine zweite Weiche mit Sicherheitsgleisstummel) ist nicht bekannt bzw. aus den Resten ersichtlich. Wenn man aber von Testfahrten ausgeht, die sicherlich mehrmals pro Lok unter verschiedenen Bedingungen unternommen wurden, wäre sonst der Planbetrieb auf der Brockenstrecke nicht möglich gewesen.

    Interessant auch der Hinweis auf die Steigung 1:16, sie entspricht der Maximalsteigung der HBE-Strecke Blankenburg-Tanne, die nur etwa 5 km Luftlinie entfernt lag/liegt und man dort zu damaliger Zeit begann, über die Ablösung des Zahnradbetriebes nach zu denken. Etwa 1915 begann man sich in Blankenburg Gedanken zu machen, neue Zahnradloks zu beschaffen und extra dazu Reibungsloks. Mit Schreiben vom 01.04.1917 wurde eine Reibungslok für die "Harzbahn" (heutige Rübelandbahn) bestellt, im Juni 1918 wurde zwischen Blankenburg und Hüttenrode Fahrten mit Reibungsloks der HBE gefahren, die allesamt erfolgreich verliefen, und den Bauauftrag für die Tierklasse und somit die Ablösung der Zahnradmaschinen auslösten.

    Könnte nicht bei diesem Manöver und den Testfahrten mit den beiden C-Kupplern auch schon in gewisser Weise der Grundgedanke der Bewältigung großer Steigungen mit Adhäsionsloks eine gewisse Rolle gespielt haben? Aber das ist nur eine persönliche Vermutung, Belege dazu sind mir nicht bekannt. ws

    2.Ergänzung: Wer Ordnung hält,... naja, Hauptsache gefunden! 2009 nach dem ERscheinen des o.g. Buches war ich an Ort und Stelle, dazu noch ein besseres Bild von der Teststrecke, wo man das Planum besser erkennen kann.


    Standort ist etwas unterhalb des Kilometersteins links auf der alten Trasse. Im Gegenlicht kann man links oben am Gleis die Vorsignalbake erkennen.

    Meine gedankliche Verbindung zur HBE ist eine Hypothese,leider nicht belegbar bisher,aber wer weiß?

    Fotos vom 09.09. 2009 WS

    3 Mal editiert, zuletzt von Krimderöder () aus folgendem Grund: Ergänzung .+2.Ergänzung

  • Hallo Winfried,


    herzlichen Dank für Deine Ausführungen u. das Foto. Ehrlich gesagt habe ich den Hinweisen zu einer Teststrecke bei Drei Annen Hohne keinen Glauben geschenkt.

    Ältere Meßtischblätter liefern auch keinen gesicherten Hinweis.

    Ich war bis heute der Meinung, warum eine separate Teststrecke? Meterspurgleise um Fahrzeuge zu testen gibt es im Harz schließlich genug. Ich könnte mir gut vorstellen, daß man den Abschnitt Steinerne Renne - Drei Annen Hohne für Testfahrten genutzt hat.

    Warum also der Aufwand für eine separate Teststrecke?

    Nach Deinen Recherchen scheint dort aber tatsächlich das Planum für ein zusätzliches Gleis angelegt worden zu sein. Vielleicht hat die Heeresfeldbahntruppe dort gleichzeitig den Bau von Meterspurstrecken im Gebirge geübt?


    Beste Grüße


    Holger

  • Hallo zusammen


    Nun habe ich ne Landkarte mal gemalt.

    Wenn da der "Krimderöder" oder sonst ein

    anderer Ortskundiger das Gleis mal ein-

    zeichenen würde , da wäre ich wohl dankbar.



    Nur warum hat man ausgerechnet dort eine

    "nur 300m lange" Teststrecke gebaut? Ging

    es da nur ums Fahren? Eigentlich unlogisch.

    Ging es da ums "Gleisbauen"?

    Ausgerechnet in doch abgelegener Gegend?

    Oder wollte man seiner Zeit etwas bei widriger

    Witterung ausprobieren?

    Ein großes Testgelände für Feld- bzw Schmalspur-

    bahn gabs doch in Klausdorf (?).


    Wird wohl mit Einzelheiten schwer.:nixw:


    Nun wie es auch sei - schönes Wochenende

    vom Dagvuchel :weg:

  • Guten Abend,

    der km 0,8 liegt in der Ausbuchtung nach dem BÜ,der Km 0,4 (genau bei Km0,48 ) etwa ist. Die Frage, warum grad dort, kann ich auch nicht beantworten.

    Ich gehe mal davon aus, das man einmal die realen Bedingungen einer Mitelgebirgsstrecke mit allem Drumherum testen wollte, wie enge Kurven, längere Steigungen, vielleicht auch die Zugkräfte in der Realität.Das läßt sich heute schlecht nachvollziehen. Und damit die Herren Soldaten nicht denken, im Oberharz Urlaub machen zu dürfen, sind wohl 300-400 m Teststrecke mal schnell gelegt. Selbst die Erdarbeiten halten sich sichtlich in Grenzen, da das Gelände nicht zu steil drumherum ansteigt,also das Planum schnell zu verlegen ist.

    In Rehagen-Klausdorf gab es wohl 600/750 mm, und das als große Strecke,aber Meterspur in ahnsehnlicher Form(Länge,Steigung) wohl nicht.

    Ich "spinne" mal weiter: 1914 war kurz vor dem Ausbruch des I.WK.,was spricht dagegen, mal anzunehmen, man wusste, was kommt(Meterspurbahnen beim damaligen "Erzfeind" in Frankreich) und man ließ sich mal zwei Muster bauen.Bei den Heeresfeldbahnen des II.WK wurde ja ähnlich verfahren, auch die Dieselloks der Wehrmachtsserien z.Bsp. standen wohl schon zur Verfügung bzw. die Vorleistungen waren schon erbracht vor dem 01.09.1939.

    Vielleicht waren die beiden Baumuster zu spät geliefert wurden 1914, sonst hätten nicht viel Meterspurbahnen ihre Loks zumindest teilweise zu Kriegsbeginn 1914 nach Frankreich abgeben müssen, obwohl sie sicherlich auf ihren Stammbahnen benötigt wurden. Grade Harzer Loks waren ja hauptsächlich in Frankreich tätig.

    Also Fragen über Fragen und das zum Wochenende!

    Euch ein schönes WE Winfried

    PS: Ich habe aus einem Messtischblatt mal einen Ausschnitt eingestellt(Quelle Landkartenarchiv, Blatt 4230 Elbingerode) und dort etwa den Km 0,8 markiert. Bevor nun die bemerkung kommt, es könnte ja auch der Waldweg sein, das Planum hört nach etwa 400 m bergauf tatsächlich auf, der Waldweg verläuft etwas oberhalb und ist zugewachsen. Also der Verlauf ist zwischen Brockenbahn und Waldweg. ws

    Einmal editiert, zuletzt von Krimderöder () aus folgendem Grund: Ortsangabe korrigiert.

  • Nun hänge ich mich auch mal mit rein zur Streckenführung. Ich habe am 3.5.2010 dazu auch mal nachgeforscht und bin zu einen entgegengesetzten Ergebnis gekommen. Ich meine, weiß es aber auch nicht sicher, das die Trasse entgegen der Streckenführung rückläufig anstieg. Dazu hab ich im Gelände auch eine Trassierung gefunden die mich das vermuten läßt. Der Abzweig fand da ca. im km 1,2 statt. Das deckt sich auch mit Berichten alter Lokkfüher Kollegen. Aber auch die konnten Altersbedinngt keine eigenen Erzählungen beitragen sondern auch nur überliefertes. Siehe Bilder.


    37232584ph.jpg


    37232585mh.jpg


    37232586df.jpg








    37232793xb.jpg



    Was genau getestet wurde entzieht sich auch meinen Erkenntnissen. Bin viel zu jung dazu.

    Beste Grüße Reiner

    2 Mal editiert, zuletzt von Reiner ()

  • Hallo Reiner


    Auf dem einen Foto kann man das Einfahrvorsignal

    erkennen, wo die Streckenführung nach rechts schwenkt.

    Da habe ich Probleme mit der Markierung des "Krimderöders"

    da passt m.E. was nicht so recht. Da ich nicht weis, wo die

    Kilometrierung der Brockenstrecke beginnt (Mitte Bf´sgebäude)

    oder erst bei der Ausfädelung habe ich Probleme mit der Ver-

    ortung des Kilometersteins 1,0. War das letzte mal vor etwa

    25 Jahren mal in dem Bereich. Kann aber mit den gezeigten

    Fotos nicht so recht diese Stellen einzuordnen.

    Kannst Du bitte in meine Landkarte das Einfahrvorsignal und

    den Kilometerstein 1,0 und 1,2 markieren?



    Gehe ich recht das in Deiner Foto so der Streckenverlauf zum

    km 1,2 verlief? Ich hoffe Du hast nix dagegen, dass ich Dein

    Foto benutzt und verunstaltet habe.


    Da danke ich schon mal und wünsche ein schönes

    Wochenende

    Dagvuchel:weg:

  • Guten Abend, der 0,0 Kilometerstein der Brockenstrecke steht am Prellbock Gleis 4, also ist der BÜ etwa 0,3 oder 0,4.,

    und hier am km 0,8 soll nach rechts das Gleis abgezweigt sein, leider genau dothin, wo die Sonne reinscheint.

    Wäre es denkbar, das man das Testgleis über einen Buckel zum km 1,2 geführt hat, um es dort eider einzubinden? Mir ist eigentlich nur die Variante ab Km 0,8 bekannt.

    Gruß Winfried

  • Das kann ich mir schlecht vorstellen Wilfried.

    Genau da ist ein Altbergbauschacht wo denn auch noch nach dem 2. Weltkrieg die Wismut nach Uran gesucht hat, und dabei das Gelände mächtig verunstaltet hat. Aus diesen Grund wirst du da keine Verwertbaren Spuren aus 1915 mehr finden.


    Ja Dag so wie du es gezeichnet hast habe ich es da gesehen. Es ging dann noch über den paralellen Waldweg rechts im Bild hinaus.


    Das ist wieder so ein Fall wo Heute kaum noch Licht hinter die Kulissen kommt.

    SchönenSonntag allseits.

    Beste Grüße Reiner