[IT] Auf schmaler Spur nach Süden (ATAC, FC, FCE im März 2019)

  • Hallo zusammen,


    im Frühjahr unternahm ich mit einem Kumpel eine Italienreise, bei der wir auch einige schmalspurige Betrieb abklappertern, die schon länger "auf der Agenda" standen. Nachdem im Herbst jetzt endlich das passende Wetter für die ordnungsgemäße Archivierung der Bilder ist, will ich einige Aufnahmen von der Reise hier nun nacheinander einstellen. Los geht's heute in Rom. Wer im Titel, den ich in Anlehnung an ein bekanntes Günter-Meyer-Buch gewählt habe ;), aufmerksam schaut, kann erkennen, wohin die Reise noch führen wird.


    Roma Laziali–Centocelle, Teil A


    Im Römer Vorortverkehr besteht ein kurzer Restbetrieb der einstigen Società Ferrovie Vicinali. Einst führte die 950-mm-spurige-Strecke bis ins über 100 km entfernte Frosinone. Heute sind noch etwa 6 km bis Centocelle im Betrieb durch die lokale Verkehrsgesellschaft ATAC.


    In den vergangenen Jahr(zehnt)en ist die Strecke immer weiter zurückgezogen worden und es ist davon auszugehen, dass auch der derzeitige Restbetrieb eingestellt wird, sobald eine parallel führende U-Bahn bis ins Stadtzentrum von Rom eröffnet wird. Wikipedia hat eine kurze Darstellung der Bahn: https://de.wikipedia.org/wiki/…ziali%E2%80%93Giardinetti


    Ausgangspunkt ist Roma Laziali, was eigentlich nur ein paar Gleise neben dem römischen "Hauptbahnhof" Roma Termini sind. Als wir hier am Morgen des 2. März 2019 ankamen, stehen direkt zwei Vertreter des aktuell eingesetzten älteren bzw. neueren Fahrzeugtyps bereit:

    2019-03-02_a_DSC00391_IT_ATAC424_ATAC823_RomaLaziali.jpg


    Schon nach kurzer Fahrt wird der Höhepunkt der Strecke passiert, die Durchquerung der "Porta Maggiore", eines antiken Stadttores. Der Platz um das Tor ist ein echter Verkehrsknoten, hier kreuzen u.a. unsere Vorortbahn und die Römer Straßenbahn:

    2019-03-02_IMG_0259_IT_RomaPortaMaggiore.jpg


    Nach der Kreuzung mit der Tram kann Triebwagen 421 seine Fahrt nach Centocelle fortsetzen:

    2019-03-02_IMG_0266_IT_ATAC421_Ausf-RomaPortaMaggiore.jpg


    In der Gegenrichtung ist später am Tag die Garnitur 424 auf dem Weg nach Roma Laziali unterwegs. Ich mag dieses Bild besonders wegen der herzlichen Abschiedsszene:

    2019-03-02_IMG_0404_IT_ATAC424_RomaPortaMaggiore.jpg


    Auf diesem Foto kommen die Ausmaße der Porta Maggiore gut zur Geltung. Die älteren Wagen der Römer Straßenbahn, ebenfalls betrieben von "ATAC", sind auch nicht zu verachten:

    2019-03-02_IMG_0269_IT_ATAC7019_IT_RomaPortaMaggiore.jpg


    Triebwagen 424 erreicht die Haltestelle an der Porta Maggiore. Wir steigen ein und fahren mit...

    2019-03-02_IMG_0302_IT_ATAC424_Einf-RomaPortaMaggiore.jpg


    ...um am nächsten Stop Ponte Casilino gleich wieder auszusteigen. Eng geht es hier zu, denn die Schmalspur muss sich den Platz mit zahlreichen Gleisen der großen Eisenbahn teilen:

    2019-03-02_IMG_0305_IT_ATAC424_PonteCasilino.jpg


    Die zahlreichen Regelspurgleise lassen sich leicht erklären, schließlich liegt hier eine wichtige Zufahrt von Roma Termini. Nach etwas Warten gelingt dann auch ein Foto mit Zügen auf 1435 und 950mm:

    2019-03-02_IMG_0321_IT_E464506_ATAC834_PonteCasilino.jpg


    Im nächsten Teil geht es dann weiter nach Centocelle. Ich würde mich bis dahin freuen, wenn jemand mehr zu den Fahrzeugtypen dieser Bahn berichten kann. Dazu habe ich nämlich kaum etwas gefunden.


    Viele Grüße
    Julian

  • Julian

    Hat den Titel des Themas von „[IT] Auf schmaler Spur nach Süden (ATAC, FC, FCE)“ zu „[IT] Auf schmaler Spur nach Süden (ATAC, FC, FCE im März 2019)“ geändert.
  • Hallo Toralf,


    und ich bringe Dich immer mit Polen in Verbindung. :thumbsup:

    Ich war zweimal am schienenlosen Gardasee. Erst danach habe ich erfahren, daß der See früher durch zwei Schmalspurbahnen erschlossen wurde.

    Im Norden durch eine österreichische 760 mm Schmalspurbahn nach Riva, im Südwesten durch eine lange meterspurige Überlandstraßenbahn von Brescia aus.


    Danke Julian für die interessanten Fotos.Ausländische Themen haben es hier leider oft nicht einfach.


    Beste Grüße


    Holger

  • Ausländische Themen haben es hier leider oft nicht einfach.

    Guten Abend!


    Das hängt aber ganz davon ab welche "Ziele" man hier verfolgt. Ist man auf viele "Gefällt mir" aus, ja dann haben es die ausländischen Beiträge meist "schwieriger".

    Will man die eigenen Eindrücke noch mal rekapitulieren und mit einer kleinen Gemeinschaft ebenso Interessierter teilen so ist solch ein "Diaabend" unter Gleichgesinnten der ideale Ort. In diesem Sinne freue ich mich auf einen baldigen weiteren Abend auf dem Weg in (bzw. durch) den Süden und danke schon jetzt Julian für noch Kommendes.


    Viele Grüße

    Niels

  • Hallo zusammen,


    danke erstmal für eure Reaktionen! Niels hat das aber schon ganz gut formuliert: Ich bzw. wir reisen einfach gerne und da kommt man zwangsläufig häufiger ins Ausland. Wobei das keine Abwertung der heimischen Bahnen sein soll: Nachdem das Wochenende jetzt komplett "frei" war, hatte ich gestern sogar kurz überlegt, zum VI K-Dampf nach Radebeul zu fahren. (War mir dann aber doch zu aufwendig.)


    Wenn ich Bilder wie jetzt die Italienfotos eh noch einmal durchgehe, dann nehme ich mir gerne noch eine halbe Stunde, um daraus einen Forumsbeitrag zu bauen. Und wie im ersten Posting geschrieben, erhoffe ich mir allerdings noch weitere Informationen zum Fahrzeugpark.


    Und ja, Italien geht bei mir auch immer. Der Wunsch, mal wieder auf den Stiefel zu fahren, bestand schon länger. Nachdem ich es 2018 "nur" bis Südtirol geschafft hatte, hat es heuer dann endlich mit einer großen Bahnreise dorthin geklappt.


    Holger Dietz : Ich hoffe, Du kippst jetzt nicht aus den Latschen, wenn ich dir hier noch ein Foto der bis heute aktiven Lok RIVA verlinke. Vom Gardasee über Siebenbürgen hat es sie in die USA verschlagen, wo sie auf einer Parkbahn verkehrt. Das ist wirklich mal ein interessanter Loklebenslauf: https://www.flickr.com/photos/jterry618/41455959650


    Viele Grüße
    Julian

  • Bevor wir hier weiter in die Eisenbahngeschichte abschweifen, geht es nun weiter durch die Gegenwart römischer Vorstädte:


    Roma Laziali – Centocelle, Teil B


    Hinter Ponte Casilino hat die von ATAC betriebene Bahn wieder den Charakter einer Tram. Vor der Haltestelle Alessi biegt die Garnitur 110 in die Mittellage ein. Dem Anschein nach war dieser Zug das älteste Fahrzeug, das wir an diesem Tag sahen:


    Vor Filarete wartet Wagen 424 auf seine Weiterfahrt nach Centocelle:


    Diesselbe Stelle noch einmal "plus eins", also mit Wagen 425. Hier kommt gut zur Geltung, dass es sich bei diesen Zügen eigentlich um eine Komposition aus einem Triebwagen sowie zwei Steuerwagen handelt.


    Und dann ist bald auch schon die heutige Endstation Centocelle erreicht, hier 823 bei der Einfahrt:


    Keine Ahnung, ob das was historisch Wertvolles oder einfach nur Ruinen sind. Die Bahnhofseinfahrt gleicht jedenfalls einer Ausgrabungsstätte:


    Wagen 425 macht sich nach der Wende in Centocelle auf den Rückweg in die Innenstadt. Links neben dem Zug sind Teile des Depots der Bahn auszumachen:


    Hier noch einmal die eingangs gezeigte, zweiteilige Garnitur 110 beim Ausrücken aus dem Depot in Centocelle:


    Ein Blick in den Innenraum dieses urtümlichen Zuges. Historische Gefühle wollen gleichwohl nicht aufkommen, als wir auf den Plastiksitzen zurückfahren. Roma Laziali – Centocelle ist eben einfach ein typisches städtisches Verkehrsmittel des Alltags. Mal schauen wie lange noch:


    Nach einem (Vatikan-)Stadtbummel fuhren wir am noch am selben Nachmittag mit einem Schnellzug weiter nach Süden, wo schon bald die nächste Schmalspurbahn auf uns wartete. Davon dann bald.


    Viele Grüße

    Julian

  • Buona sera,


    im ersten Beitrag hatte ich gefragt, wer Details zu den verschiedenen Fahrzeugtypen der Römer Vorortbahn kennt. Bei DSO wurde ich inzwischen fündig, denn auch hierzu gab es bereits aufschlussreiche Beiträge von Werner Hardmeier aus der Schweiz (...beim Thema ausländische Schmalspur hätte ich vorher auch mal draufkommen können...). Falls es noch wen interessiert, hier die Links:


    https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?17,6266783

    https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?17,6267382

    https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?017,6267543


    Machen jetzt wir aber weiter im Süden, auf der Stiefelspitze mit der


    Ferrovie della Calabria, Strecke Catanzaro Lido - Catanzaro Città


    Dieser Abschnitt ist Teil der 113 km langen Strecke Catanzaro - Cosenza, die auch auf Wikipedia beschrieben wird: https://de.wikipedia.org/wiki/…Cosenza%E2%80%93Catanzaro


    Wir betrachten zunächst den Abschnitt Catanzaro Lido - Catanzaro Città. Das erscheint deswegen sinnvoll, weil dieser Abschnitt auch verkehrlich eine eigenständige Einheit bildet. Schließlich benötigen die Züge hier eine Zahnstangenausrüstung, um die ca. 2 km lange Steigung mit 100 Promille im Stadtgebiet von Catanzaro zu meistern.


    Ausgangspunkt ist der in Strandnähe gelegene Bahnhof Catanzaro Lido, der quer zur parallel an der Küste laufenden Regelspur liegt:

    2019-03-04_IMG_0571_IT_CatanzaroLido.jpg


    Bei einer abendlichen Mitfahrt entstand dieser Blick in die Gegenrichtung. Die Stadler-Fahrzeuge der Serie DE M4C 500 tragen inzwischen die Hauptlast des Verkehrs, das Fahrzeug in Bildmitte ist DE M4C 503. Unterstützt werden sie durch die zahnradtauglichen Fiat-Züge der Reihe M4C 350, rechts Nummer 351:

    2019-03-04_z_DSC00548_IT_DE-M4C-503_M4C-351_CatanzaroLido.jpg


    Zwischen dem Stadtkern und dem Bahnhof Catanzaro Lido lagen einst Schmal- (nach Cosenza) und Regelspur (nach Lamezia Terme) parallel. Die Regelspur wurde schon vor einiger Zeit aufgegeben und durch eine weiträumige Umfahrungsstrecke ersetzt. Bei Dulcino ist M4C 351 Richtung Lido unterwegs. Im Hintergrund thront die eigentliche Stadt Catanzaro, rechts die tote Regelspur:

    2019-03-04_IMG_0531_IT_M4C-351_suedl-Dulcino.jpg


    Ab dem Bahnhof mit dem simplen Namen "Catanzaro" kommt dann die Zahnstange zum Einsatz. DE M4C 505 hat diesen Abschnitt talwärts gerade hinter sich gebracht, während der Fiat M4C 351 nun die Rampe hoch nach Catanzaro Citta erklimmen wird. Während in die Schmalspur fleißig investiert wird, liegt rechts der alte FS/RFI-Bahnhof brach:

    2019-03-04_IMG_0521_IT_M4C-351_DE-M4C-505_Catanzaro.jpg


    Wie steil es nun den Berg hoch geht, kommt hier gut zur Geltung. Hinten rechts das Ionische Meer, an dem die Bahn in Lido ihren Ausgangspunkt hat. Dieser Stadlerzug hat den Anstieg gleich geschafft und wird den Halt Catanzaro Pratica erreichen:

    2019-03-04_IMG_0576_IT_DE-M4C-500_unterhalb-CatanzaroPratica.jpg


    Und hier hat er Catanzaro Pratica erreicht. Jetzt wird auch klar, wo unser Fotostandpunkt lag:schein: Da dank Baustelle über die Brücke auch Italiener ganz normal als Fußgänger rüber liefen, war das Fotografieren völlig unproblematisch:

    2019-03-04_IMG_0578_IT_DE-M4C-500_CatanzaroPratica.jpg


    Die Betonorgie noch einmal von unten, während DE M4C 503 langsam talwärts gleitet:

    2019-03-04_IMG_0603_IT_DE-M4C-503_unterhalb-CatanzaroPratica.jpg


    Und noch einmal die spektakuläre Ansicht unterhalb von Catanzaro Pratica. Lustig fand ich ja, dass die Brücke dabei nicht nur als Fotostandpunkt, sondern auch als Parkplatz dient:

    2019-03-04_IMG_0640_IT_DE-M4C-505_unterhalb-CatanzaroPratica.jpg


    HInter Catanzaro Pratica passieren die Züge noch den - unter einen Straßenbrücke (wo sonst...) - gelegenen Halt Piazza Matteotti, bevor der Betriebsmittelpunkt Catanzaro Città erreicht wird. Dort läuft DE M4C 505 ein:

    2019-03-07_IMG_0926_IT_DE-M4C-505_Einf-CatanzaroCitta.jpg


    Auch wenn der Betrieb dank Stadler heute etwas eintönig geworden sein mag, die Fahrt mit der Zahnradbahn von Catanzaro ist sicherlich ein Highlight von "Schmalspur Europa" (behaupte ich mal). Als es noch nicht so viele Zahnradzüge bei der FC gab, wurden Adhäsionsfahrzeuge übrigens mit Zahnradloks über diesen Abschnitt geschleppt. Das ist aber spätestens seit der Stadler-Ablieferung Geschichte.


    Soweit mal für den Moment. Von Catanzaro Città aus geht es demnächst dann weiter in die kalabrischen Berge.


    Viele Grüße

    Julian