Neubaukessel für die Mansfeldloks 1982 mit Fragen?

  • Hallo,

    schon seit längerer Zeit suche ich schon Antworten auf meine Frage warum wohl noch 1982 die Mansfeldloks neue Kessel bekommen hatten. Irgendwie passte die Frage nicht in die anderen Forenbeiträge über die historische Bergwerksbahn und ich wollte auch keinen Beitrag damit auseinander reißen.


    Ich kann mir schon vorstellen, dass die Kessel schon ziemlich runtergeritten waren, aber gerade zu der Zeit war man ja noch voll auf dem üblichen Verdieselungsgedanken. Bei den Schmalspurbahnen der DR kamen ja zu der Zeit immer hin und wieder diese Phantasien auf , wo man bis auf einen kleinen "Alibi-Museumsverkehr" möglichst alles mit Dieselloks fahren wollte. Die Modernisierungswelle der Schmalspurloks war ja nun schon längere Zeit vorbei. Waren die Loks derart den zahlreich reichlich vorhandenen V10c-Dieselloks überlegen?


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    Die Lok 11 hat hier schon ihren alten Kessel verloren und wartete wohl auf die Ankunft des Neubaukessels.


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    Der alte Kessel stand ein paar Meter weiter und hatte schon alle wichtigen Anbauteile verloren.


    Für mich ist daher auch unklar, ob diese Neubauten reine Nachbauten des alten O&K-Kessels waren oder bereits ein paar technologische Neuerungen mit eingeflossen sind, dass man eventuell auch von einer Art Rekonstruktion sprechen könnte. Weiterhin ist mir noch nicht ganz klar, wer die Kessel baute. Ich kenne nur die Aussage Stahlwerk Thale.


    So ich hoffe nicht, dass ich nicht den anderen derzeitigen Mansfelder Themen all zu sehr den Wind aus den Segeln genommen habe.

    Alle Fotos von Frank Lause†


    Guten Rutsch in neue Jahr!

    Grüße aus dem Bremer Exil

    Jan

  • Hallo,

    Und zu dieser Zeit wüsste ich auch nicht ob es Diesellokomotiven gab die auf 750 mm diese Leistung hatten...

    mir fällt bei 450PS spontan die L45H ein, die wurde auch zu der Zeit noch gebaut. Soweit ich das verstanden habe war ja aber der Werkbahnbetrieb im Grunde auslaufen, sodass es wahrscheinlich günstiger war ein paar Dampferzeuger nachfertigen zu lassen als für "ein paar Jahre" Dieselloks aus dem Ausland zu beschaffen.


    Gruß Michael

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  • Laut dem "goßen Plan" damals sollte der Kupferbergbau Mitte bis spätetens der 90er auslaufen und beendet werden. Somit wäre spätestens ab diesem Zeitpunkt die Bahn überflüssig gewesen. Ein seinerzeit noch begonnener neuer Schacht wurde ja Ende der 80er nicht weiter gebaut...

    Somit Ist das wohl auch eine Überlegung gewesen lieber noch einmal die Loks neu zu bekesseln als Geld für neue Dieselloks zu investieren.

  • Hallo,

    Bei der Neubekesselung fielen mehrere Punkte ins Gewicht. Durch die "sozialistische Spezialisierung" im Lokbau kamen damals nur Schmalspur-Dieselloks aus Rumänien in Frage. Hier hatte man schlechte Erfahrungen seitens DR mit der BR 119 gesammelt (sehr frühe Germanisierung mit Motorentausch). Ein "Nachfolge"-Typprogramm der V10c im DDR-Lokbau hatte man zwar mal angedacht, jedoch durch o.g. Festlegungen fallen lassen müssen. Das Mansfeld Kombinat ersetzte auf der 1000mm Schlackebahn Rohhütte Helbra die V10c durch L18H aus Rumänien (Lokfabrik 23. August, Bukarest) und musste hier auch schmethafte Erfahrungen sammeln. Nach sehr langer Wartezeit mussten die Maschinen erst noch aufwendig betriebssicher durch die internen Ressourcen gemacht werden. Der Roman-Diesel-Motor (Lizenzbau MAN) war halt sehr anfällig. Ein späterer Einsatz einer 750mm Variante war jedoch vorgesehen.

    Die Beschaffung neuer Maschinen, besonders dann wenn es aus dem Ausland war, waren immer mit großen Aufwendungen verbunden. Hier waren dann mehrere Ministerien beteiligt (Ministerium für Schwermaschinenbau, Ministerium für Materialwirtschaft, Ministerum für Aussenhandel, ??). Ein Einkauf von Firma zu Firma gab es offiziel so nicht.

    Weiterhin war der "kurzfristige" Bedarf an robusten Maschinen im Betriebsdienst da, die Kesselbau-Ressourcen vorhanden und ein Umbau in Eigenregie machbar. Damit konnte ohne große weiterer Nutzung von Fremdressourcen Abhilfe geschaffen werden. ...und ökonomischer war es definitiv auch.


    Andi1971 :

    Es gab schon Überlegungen die Hüttenstrukturen und somit das innerbetriebliche Transportsystem weiter zu nutzen. So gab es ein Projekt nach Auslauf der Kupfererzförderung im Sangerhäuser Revier die Kupfervorkommen im Spremberger Revier zu erschließen und mit der Bahn von dort täglich nach Helbra (wie die Erzzüge von den Schächten aus Sangerhausen und Niederröblingen) zu bringen.

    Heute beschäftigt man sich ja wieder mit der Erschließung des Spremberger Reviers.


    René

  • Hallo,


    im Heft 125 Jahre Mansfelder Bergwerksbahn von Stefan Wilke heißt es dazu auf S. 15: "[...] Da die Beschaffung rumänischer Dieselloks als Ersatz für die Dampflokomotiven am Geschäftsgebaren der rumänischen Herstellerfirma scheiterte, [...]". Dies war dann wohl nur ein, eventuell vorgeschobener Grund für die Neubekesselung von vier der fünf vorhandenen Dampfloks. Immerhin hatten andere, an Kohlen reichere Länder offensichtlich nicht solche Probleme mit dem Hersteller, wenn es um z.B. um die Beschaffung von Lokomotiven des Typs FAUR L45H ging. Und wie René oben schrieb beschaffte man vom selben Hersteller den Typ L18H für die Schlackebahn in Helbra.


    Auch wenn 1982, wie man auf den eingangs von Jan gezeigten Bildern sehen kann, der Lok 11 einen neue Kessel verpasst wurde, so ist dieser heutzutage bereits auch wieder stark erneuerungsbedürftig. Auf Grund dessen hier nochmal der Link zur aktuellen Crowfunding-Aktion des MBB e.V. für die Finanzierung der Wiederinbetriebnahme dieser Lok: http://www.visionbakery.com/bergwerksbahn


    (bzw. dem Thema hierzu im Forum: Dampflokomotive 11 der Mansfelder Bergwerksbahn soll wieder fahren - Eure Unterstützung )


    Viele Grüße


    Volker


    PS. Über die L18H gibt es einen umfangreichen Beitrag im Kipplore-Forum. Finde ich gerade aber nicht wieder. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

  • Vermutlich dürfte man die Entscheidung die Dampfloks mit neuen Kesseln zu versehen auch vor dem Hintergrund der Ölkrise sehen. Zum Jahreswechsel 1981/82 wurden alle noch betriebsfähigen ölgefeuerten Dampfloks der Reichsbahn abgestellt, viele kohlegefeuerten Maschinen reaktiviert und sogar wieder Dampfspeicherloks neugebaut.


    Zum Hersteller der Kessel meine ich irgendwo mal was gelesen zu haben, aber ich finde gerade nicht wo es hätte gewesen sein können. Äußerlich scheinen sich die neuen Kessel - zumindest auf dem ersten Blick - nicht von den alten zu unterscheiden. Insofern würde ich eine Leistungssteigerung, die den Begriff Rekonstruktion verdient, ausschließen.

  • Ich werfe mal noch die russische TU7 mit ihren 400 PS und hydraulischer Kraftübertragung in den Ring. Tausende Loks wurden von der Lokfabrik Kambarka gebaut und in alle Welt exportiert, wo sie sich langjährig auch unter härtesten Einsatzbedingungen bewährt haben. Die TU7 wird bis heute in modernisierter Form angeboten. Wäre unterm Strich sicherlich die beste Alternative in dieser Leistungsklasse gewesen.

  • Das mit Spremberg stimmt schon... Allerdings war dabei auch die Rede von einer NEU zu errichtenden Hütte im Raum Eisleben/Helbra... Und da denke ich schon das es wohl einfacher gewesen wäre eine neue Rohhütte dort zu bauen und nur noch das Schwarzkupfer in Richtung Hettstedt zu fahren... Das hätte auf die Dauer dann schon einiges an Transportkosten gespart...