Eilenburg-Wurzen: Die Steinbruchbahn

  • Die Bahnstrecke Eilenburg – Wurzen ist noch relativ jung.Schon 1863 regte der damalige Eilenburger Bürgermeister Schrecker an, die geplante Muldentalbahn von Glauchau nach Wurzen über Grimma weiter bis nach Eilenburg, das damals noch nicht über einen Eisenbahnanschluss verfügte (erst 1872), zu erweitern und weiter über Bad Düben nach Wittenberg zu verlängern.Jedoch waren immer wieder die Kosten ein Argument, auch die politischen Zuständigkeiten zw. Sachsen und Preußen, dennoch blieb man immer wieder an diesem Projekt. >

    Erst die Notsituation in den 20ern sorgte für eine Art ABM Maßnahme und man verlängerte die schon vor 1920 begonnenen Linie ab Wurzen. Abgeschlossen wurden diese Maßnahmen im Jahr 1927. Die Kosten beliefen sich auf rund 4,5 Millionen Reichsmark. Der Personenverkehr wurde am 1. April 1927 aufgenommen, der Anschlussbetrieb lief teilweise schon seit 1926.


    Das längste Brückenbauwerk ist das 40 Meter lange Lossatalviadukt in Stampfbetonbauweise bei Kleinzschepa.

    Interessant waren die Stationsgebäude, welche alle in einem Art Bungalowstil errichtet wurden, welche Pappdächer besaßen und mit Holz verkleidet wurden. Im Juli 1968 wurde der Bahnhof Thallwitz zum Haltepunkt zurückgebaut und war seither unbesetzt.

    Als eingleisige Nebenstrecke und Verbindung zweier kleiner Industriestädte sowie aufgrund der Nähe zu Leipzig war der Personenverkehr auf der Strecke nie von großer Bedeutung. Eingesetzt wurden vom Bw Eilenburg Loks der Baureihen 38.1; 52, 52.8, 55; 56; 75 Sä., 83.10, 93 und 94 Pr.

    Im Jahr 1978 war dann Schluss im Reiseverkehr, zuletzt verkehrten Triebwagen der Baureihe 171 und zeigten, wie wenig das Fahrgastpotential ausmachte. Das vermöchte nicht zu verwundern, waren doch alle Haltepunkte nicht sehr Ortszentral gelegen.


    Der Ausflugsverkehr in die Sommerfrische in die „Hohburger Schweiz“ dagegen war bis in die 60er Jahre schon enorm. Dafür verkehrten die Personenzüge von Leipzig über Wurzen nach Eilenburg durch.


    Doch Rückgrat war der Güterverkehr. Neben den Ortsgüteranlagen in Böhlitz, Zschepa-Hohburg, Lüptitz – gab es noch eine Anschlussbahn ab Zschepa – Hohburg nach Hoburg (ca. 3km) zum Kaolinwerk. In Collmen-Böhlitz, Röcknitz und Lüptitz befanden sich mehrere Steinbrüche mit umfangreichen Gleisanlagen, teilweise auch Feldbahnanschlüsse. Heute ist vor allem Lüptitz noch wichtig für die Bahnverladung, in Röcknitz gibt es den Steinbruch noch, aber es entzieht sich meiner Kenntnis, ob da noch was auf der Schiene geht. Hier war übrigens eine T334 als Werklok vorhanden.


    Am 31. Mai 1999 wurde der Abschnitt von Wurzen bis kurz vor dem Abzweig Steinbruch Lüptitz stillgelegt. Anschließend gab es für den Bau der Bundesstraße 6 und der ICE-Strecke Leipzig–Dresden, für die der Bahnhof Wurzen komplett umgestaltet wurde, bereits Gleisdemontagen, so dass ein durchgehender Betrieb nicht mehr möglich ist. Der Einschnitt in Wurzen wurde zudem verfüllt. Im August 2002 wurde durch das Muldehochwasser der Bahndamm zwischen dem AW (Abzweig) von der Hauptbahn Leipzig–Cottbus und dem ehemaligen Haltepunkt Eilenburg Süd weggespült. Dank der guten Finanzierung, konnte diese Lücke wieder geschlossen werden und auch die Umgehungsstraße wurde per Brücke über diese Bahnstrecke geleitet.

    Noch heute gibt es täglichen Güterverkehr, nur sind die EVU bunter geworden.


    525448 kämpft sich kurz vor 7:00 Uhr die Steigung in Richtung Abzweig Wurzen hoch und

    auch da geht es bis Thallwitz bergauf. Eilenburg/ 1986


    Eine meine frühen Fotos. 528063 - im typischen Look der Eilenburger - donnert die Rampe in Richtung

    Thallwitz und wird gleich den ehm. Haltepunkt Eilenburg Süd passieren. 1982


    1985 durften die "Alten" nochmals in den Zugdienst. 525679 Bw Fak zog in diesem Jahr den Herbstsonderzug ab Leipzig.

    Hier bei der Einfahrt in Zschepa-Hohburg, von einheimischen nur "Zschäpe" genannt.


    Fotohalt in Zschäpe....


    Fahrt durch den Einschnitt Zschepa-Hohburg nach Lüptitz, welche aus dem Fels gesprengt werden musste


    Die olle 52er rangiert, damit der Nahgüterzug aus Wurzen in den Bahnhof kann, auch der Nahgüter war mit 52 bespannt, leider die Schilderlose 528039.


    Einst Eilenburger Stammlok, die 528092 - auch die war mal in unserer Pflege. Hier in Zschepa-Hohburg mit dem typischen EG


    1988 wurde die Bahnlinie Eilenburg - Leipzig elektrifiziert. Die Güterzüge aus Leipzig wurden daher über Wurzen umgeleitet.

    Das war natürlich etwas besonderes, hier bei Thallwitz auf der Talfahrt mit DG55619


    Glück muss man haben... Ich kenne die Zugleistung eigentlich ausschließlich früh gegen 6:30 Vorwärts nach Wurzen und

    Mittags kam die rückwärts zurück. Was mich immer ärgerte. 1984 kam aber unsere alte Stammlok 528063 aus dem Raw

    und es fehlte die Zeit zum drehen, so das sie mir nur einmal Rauchkammer voran in Eilenburg ankam.


    Tja und wegen der Umleiterzüge kam kurz vor Dampfende 1988 auch 528186 richtig rum nach Eilenburg. In diesen Damm riss das Hochwasser 2002 ein riesiges Loch (Bilder folgen).

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Röcknitz hatte ja eine riesige Splitthalde. Die sah man schon von Eilenburg aus. Leider hat man die dann nach 1990 nur abgebaut, aber nicht wie in Lüptitz investiert.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Genau. 52 5679, 86 001, V75 004, E94 056... Und in Zschepa-Hoburg gab es eine Begegnung mit einer Falkenberger Reko-52er, die richtig verkeimt war. Ein dankbares Motiv, um ein Modell zu altern...


    Helge

  • Hallo Thomas,

    danke für die Erinnerung an die schöne Nebenbahnstrecke.

    Ich bin sie oft gefahren, gleich über den Abzweig Kornhain, für die Überführungen der BR´n V15, V23 von unserem Bw Riesa nach dem RAW Halle, da man ja mit der geringen Höchstgeschwindigkeit über Leipzig- Halle nicht durch kam.

    Vielemal hatten wir auch Umleiterzüge von Hoyerswerda nach Engelsdorf über diese Schiene mit Kopfmachen in Eilenburg, da diese Kohlezüge auch Fracht für Wurzen mitbrachten, die dann dort abgestzt wurde.

    Leider hat damals auch keiner weiter Fotos davon gemacht.

    MfG Rudi.

  • HHw Das blöde war, wir hatten 525660 fit gemacht und einen Tag vor der Sonderfahrt nahm das BW Fak diese vorfristig zum Auswaschen und 528039 fuhr ohne Schilder und mit dicken Heizflanschen an den Einströhmrohren herum. Na ganz verkeimt war die Nicht, bin ja früh noch mit der Ölspritze rumgelaufen, damit die wenigstens glänzte :-)

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Hallo BRBler,


    vielen Dank für Deinen Beitrag - irgendwie hab ich auf die Strecke schon gewartet. ;-) Leider kann ich hier nicht viel ergänzen. Ich fahr zwar öfters mal an die Strecke um nach einen Gz zu schauen - hatte bisher aber immer Pech.


    Jetzt fehlt nur noch die Strecke von Wurzen ins Muldetal nach Grimma.


    VG, Tilo