Sächsischer schmalspuriger Gw als Gartenschuppen

  • Hallo alle zusammen,


    mit diesem Beitrag möchte ich erstmals aktiv im Forum werden. In nächster Zeit werde ich von der Bergung und Wiederaufbau eines Kastens eines sächs. Gw berichten. Dieser soll restauriert als Schuppen in meinem Garten dienen. Mit diesem Vorhaben hatte ich mich bereits letztes Jahr im Spätsommer an andere Stelle an die Forum Gemeinde gewendet, um ungenutzte Wagenkästen ausfündig zu machen. Dem Wunsch eines Forum Mitgliedes, von diesem Vorhaben kontinuierlich zu berichten möchte ich nun nachkommen, auch wenn ich die Regelmäßigkeit wohl nicht einhalten werde.


    Was bisher passiert ist:


    André hat mir Angabe zu den Standorten 6 solcher Kästen machen können. Nun galt es, alle zu bereisen; mit dem Ergebnis: Zwei Kästen werden noch benötigt, zwei sind in einem schlechten Zustand, und zwei sind bereit verschrottet wurden. Bedauerlicher Weise, war einer von den verschrotteten Kästen bis zum Ende in einem guten Gesamtzustand. Nun bleibt mir nichts anderes übrig, als einen von den Kästen im schlechten Zustand wieder neu auf zu bauen. Die Wahl fiel dabei auf einen Gw in Niedergoseln bei Mügeln. Er ist im Gegensatz zum zweiten Gw, welcher sich ebenfalls in Mügeln befindet, wie ich denke oder hoffe in einem etwas besseren Zustand und vor allem aufgrund des Standorts direkt neben der Straße, leichter zu bergen.


    Hier mal paar Bilder von dem guten Stück:


                 



    Der Eigentümer des Grundstückes auf dem der Wagenkasten steht, war wegen fehlenden Erben zunächst der Freistaat Bayern. Ich nahm Kontakt auf, André schrieb mir ein Wertgutachten und dann vergingen erstmal 3 Monate, bevor ich die Zusage für den Kauf bekam. Nun bin ich stolzer Eigentümer eines Wagenkastentorsos!


    Was als nächstes ansteht:


    1.      Rückbau aller Holzteile vor Ort

    2.      Bergung und Abtransport


    So, das soll es zum Einstand erstmal gewesen sein!


    Beste Grüße aus dem Vogtland

  • IV K 99 573

    Hat den Titel des Themas von „sächsischer schmalspuriger Gw als Gartenschuppen“ zu „Sächsischer schmalspuriger Gw als Gartenschuppen“ geändert.
  • Hallo Matthias,

    erst einmal Glückwunsch zur erfolgreichen Übernahme des Stückes. Dann sei Kraft und Geduld gewünscht, mit diesem Teil sozusagen Freundschaft zu schließen.:ok:

    Mich würde interessieren, wenn du magst auch per Mail, was für eine Historie schon bekannt ist, denn du erwähntest bekannte Standorte. Viele Kästen gingen aus den älteren Baujahren eher verloren, weil nicht bekannt war, wohin die evtl. letzte Reise ging.


    Und dann würde ich noch gern wissen, ob sich diese Aufgabe insofern lohnt, dass einerseits nur ein paar Experten wissen, wie alte Gw aufgebaut waren und andererseits ich mal voraussetzen würde, dass du jemanden kennst oder selbst vom Fach bist?


    Ich mach dann eher in klein komplette Wagen.

    :huhu:

    Grüße Mathias

    1.000mm und kein Stück breiter...

  • Hallo Mathias,


    erstmal – einen schönen Wagen hast du da gebaut. Er ist für mich sozusagen ein Stück Heimat und auch sonst sind Fahrzeuge in genau dieser Größe mein Betätigungsfeld. Aber gut – ich kann gerate mein Größenwahn nicht stoppen.


    Über die Geschichte meines Wagens kann ich dir nichts sagen. Es ist derzeit nicht einmal seine Nummer bekannt, was sich hoffentlich mit seiner Bergung ändern wird. Wagentechnisch bin ich auch nicht vom Fach, jedoch begleitet mich Andre Marks seit Anfang an sehr engagiert. Vielleicht weiß er etwas mehr. Wo ich fachlich kompetent bin, ist wenn es sich ums Holz dreht, sodass ich mir den Wiederaufbau des Kastens zutraue. Und dann hab ich glücklicherweise noch ein paar „Metallfreunde“.


    Ach so – jetzt bin ich neugierig: Hast du zu deinem schönen Wagen auch eine passende Fairlie-Lok?


    Gruß

    Matthias

  • Hallo Mathias in Leipzig,


    wie Matthias aus Falkenstein schon geschrieben hat: Ohne Nummer des Gw lässt sich wenig zu diesem Fahrzeug sagen - über den Zeitraum, in dem derartige Gw gebaut worden sind, gibt es ausreichend Literatur. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Wagen zuletzt im Mügelner Netz gelaufen ist, liegt auch bei 100 Prozent.


    Mehr lässt sich jetzt einfach noch nicht sagen!


    Standorte von derartigen Gw-Kästen mit bekannten Nr. sind punktuell in der jüngsten Veröffentlichungen vom Werkbahner und den drei übrigen Autoren zu finden ...


    VG


    André

  • Hallo alle zusammen,


    ich möchte mal einen kurzen Lagebericht zu meinem Wagen geben: Der Rückbau aller Holzteile, Dachpappe und die Beseitigung von Müll, ist erfolgt. Für diese Arbeiten hatte ich auch gute Unterstützung zweier Mitglieder der IG-Wagen, Sven und Volker, erhalten. Nochmals besten Dank dafür. Zudem wurde der Rahmen freigelegt und präsentiert sich in jenem Zustand, wie die Bilder zeigen:



    Ich habe nur diese Bilder, aber Sven hat alles ganz genau dokumentiert. Der Rahmen scheint in einem akzeptablen Gesamtzustand, jedoch ist die Straßen seitige Front schon stark angegriffen. Wahrscheinlich müssen dort Teile ausgewechselt werden. Alle noch vorhanden Holzteile, liegen jetzt auf einem Haufen in meinem Garten und warten, nachdem ich einige Beschläge entfernt habe, auf ihre thermische Nutzung bei Bier und Bratwurst – für mehr sind sie nicht mehr zu gebrauchen. Die Identität des Wagens konnten wir zum Tag des Einsatzes noch nicht feststellen. Ein Brett mit Resten der Aufschrift wird noch untersucht. Vielleicht ergibt sich etwas. Ebenso waren aufgrund des Rostes vor Ort die Schlagzahlen im Rahmen nicht zu finden. Das Einzige was jetzt schon feststeht, ist der Achsstand von 3,80m. Die eigentliche Bergung und der Abtransport steht noch an. Bis dahin werden ich die Zeit nutzen, einen guten Plan zum Wiederaufbau zur erdenken. Ich spiele auch mit dem Gedanken die Metallarbeiten selbst auszuführen, auch wenn ich eindeutig der Holzwurm und nicht der Metaller bin. Dabei hat die Herstellung der traditionellen Nietverbindungen mein Interesse geweckt. Auf jeden Fall werde ich einige Probeverbindungen herstellen und mal sehen, ob ich da etwas Brauchbares zu Stande bringe. Wenn mir da jemand Tipps oder Hilfestellungen geben kann oder jemanden kennt der…, dann bin ich ganz Ohr.


    So das war’s erstmal.


    Gruß


    Matthias

  • Glück auf,


    es ist nun schon eine Weile her, als ich das letzte Mal von mir hören ließ. Als nächster Schritt stand die Bergung und der Transport des Rahmes an. Eine Vielzahl kleiner Wesen hatten diesen Schritt wegen Einschränkungen des Ausgangs verzögert, aber letztes Wochenende war es nun so weit. Kurz zuvor hat mein vorheriges Projekt, ein kompletter Neubau eines Bienenwagens, sein Baufeld verlassen und somit Platz für jenes Projekt geschaffen. Da mein Gw - Wagen kein Fahrgestell mehr hat und selbst wenn, dieses ohnehin nicht für den Straßenweg geeignet ist, habe ich ein Gestell aus alten Gerüststangen aufgestellt, auf dem der Rahmen zu liegen gekommen ist. Dort soll er so lange verweilen, bis alle Stahlbauarbeiten abgeschlossen sind. Zudem habe ich alle bauchbaren Kleineisen vom Holz getrennt. Es ist immerhin ein Wassereimer voll geworden.



    Für den Transport stand zur Verfügung: ein aus Oberlungwitz geliehener Anhänger mit 6m Bühnenlänge, ein Zugfahrzeug in Form eines VW Passat (120PS Benziner) von meinem guten Freund, ein Bagger vom übernächsten Nachbarn des Gw-Rahmens in Niedergoseln und ein alter Deutz Traktor von meinem übernächsten Nachbarn zu Hause.



    Das alles unter einen Hut gebracht, machten wir uns bei strömenden Regen auf den Weg zum Bergungsort. Angekommen, der Regen war verschwunden und welch ein Glück, der Rahmen stand noch an Ort und Stelle. Schnell haben wir unsere Fuhre platziert und noch viel schneller war der Bagger einsatzbereit. Sein Besitzer ein sehr hilfsbereiter Mensch jedoch für meinen Geschmack etwas zu sehr „Wir machen mal irgendwie und schauen mal ob es klappt!“ Schnell waren die Gurte eben irgendwie angebracht und ach weh, es ist ja die Schaufel am Bagger und nicht der Hagen. Schnell wurden zwei Metallstangen zur Lösung des Problems geholt die Verbindung zum Bagger hergestellt, erster Hebeversuch, aber nicht lange und der Rahmen viel wieder zu Boden. Mein Freund und ich sind in Herangehensweise und Sicherheitsbedürfnis etwas anderer Natur und haben uns glücklicherweise rechtzeig verzogen, sodass wir unsere Füße noch benutzen dürfen. Im zweiten Versuch wurde die Verbindung zum Bagger etwas gewissenhafter ausgeführt. Jetzt hat es auch funktioniert und nur 5 min später stand der Rahmen auf unserem Hänger – Gott sei Dank! Der Baggerfahrer hatte sich sehr über ein Glas Honig von meinen Bienen gefreut (Sven, dir steht auch noch ein Glas zu!), verschwand wieder und mit ihm auch die Schaulustigen – es scheint sonst nicht viel los zu sein in Niedergoseln. Die Fachleute unter euch wissen bestimmt, die Sicherung der Ladung dauert eine Ewigkeit und so auch bei uns. Merkwürdigerweise wollte ein Anwohner uns ein Stück Schiene mitgeben für den Schrott – wenn wir schon mal sammeln! Leute gibt’s!!


        


    Und dann hieß es für den Wagen Abschied nehmen von seinem langjährigen Standort – ich denke von jenem Standort, an dem er die meiste Zeit seines Wagen Lebens verbrachte – bis her. Unser Zugfahrzeug, der VW Passat hatte nun alle Reserven zu mobilisieren. Als wir über die Autobahnbrücke bei Wilkau-Haßlau fuhren, vielleicht unterquerte mein Wagen diese auch einmal zu seinen aktiven Zeiten (Schmalspurbahn Wilkau-Haßlau bis Carlsfeld), war die Anspannung groß, wie wir die darauf folgende Steigung meistern werden – 3. Gang mit gerade so 60km/h. Aber immer hin noch doppelt so schnell, wie er zu seinen Betriebszeiten unterwegs war.



    Zuhause angekommen, der Regen war wieder präsent, musste der Traktor die Fuhre übernehmen, da es im Grundstück unwegsam ist. Dieses haben wir erst letztes Jahr erworben und verzieren es demnächst mit einem Haus und eben einem Wagenkasten. Nun war das Können den Traktorfahrers gefragt, denn der Hänger musste rückwärts zwischen die zwei vorbereitenden Außenseiten des Gestells rangiert werden. Unter Zuhilfenahme des Hebelgesetztes hoben wir den Rahmen an, schoben nacheinander zwei Querbalken unter und schon stand der Rahmen auf dem Gestell und der Anhänger konnte darunter weg gezogen werden. Das Gestell wird noch etwas verstärkt und verstrebt werden, sodass alles schön hält. Jetzt kann die Arbeit beginnen!!!


       


    Und zum Schluss noch etwas an die Mitwirkenden hier im Forum:


    Sven, gibt es Erkenntnisse zur Identität des Wagens?


    André, wie sieht es aus mit der Zeichnung?


    Ich hoffe der Beitrag hat gefallen und war nicht zu lang!


    Und noch mal Danke für alle die mich bis hier her begleitet haben und hoffentlich dies noch weiter tun werden. Ich habe noch viele Fragen!


    Gruß


    Matthias

  • Hallo Zusammen,


    lange habe ich nichts von mir hören lassen, denn es nicht viel passiert. Aber nun haben wir endlich Strom auf unserem Grundstück, welcher für die Aufarbeitung des Metallrahmens schon eine nette Angelegenheit ist. Erster Schritt bevor die eigentliche Demontage verbrauchter und Entrostung der besseren Rahmenteile beginnen kann, war die Suche nach Schlagzahlen im Rahmen, um dessen Identität zu lüften. Ein Bohrmaschine mit Drahtbürste und ca. 5 min später das ersehnte Ergebnis: Sie ist da – er heißt 1537. Ich habe gejubelt – meine Gute die Augen hoch gedreht aber gleich ein Foto gemacht:



    Jetzt die Frage an die Wagenexperten – unter welchen Nummern wurde dieser Wagen bei den Bahnen geführt?


    Danke und Gruß


    Matthias

  • Hallo Matthias,


    dann hat sich die Mühe doch gelohnt und unsere Hoffnung auf die Schlagzahl erfüllt :ok:. Beim Achsstand lagen wir auch richtig.

    Am Holz war leider nichts mehr zu finden als K 2xxx.

    Die DRG-Beschriftung war Dank Dachpappe wenigstens in Teilen erhalten. Siehe auch Beitrag 4 > dort die linke Wagenkastenseite

    neben der Tür. Zur Bergung am 22.02.2020 sah es dann so aus:


    1537k2020-02-22svenho00kso.jpg


    Anbei noch ein Auszug aus dem Bildlichen Verzeichnis Band 3 der Königlich Sächsischen Staatseisenbahn zur Gattung 760.


    gattung7601bbjaa.jpg


    gattung76028lkyh.jpg


    @Rainer: Versuch paßt doch - Angaben mit Gewähr. Hersteller Eigenen Werkstätten ... also Chemnitz oder Leipzig wäre zu ergänzen.


    Beste Grüße

    Sven H.