Kleine Spurensuche im Thumer Netz

  • Hallo.
    Da mit dem Ausbau der Strecke Chemnitz - Aue im Rahmen des Chemnitz Modells auch ein Relikt des Thumer Netzes verschwinden wird habe ich vor ein paar Tagen noch einige Bilder davon gemacht.

    Als Vorarbeit entfernte man noch 2019 die Gleise der CA auf der Brücke über die Meinersdorfer Straße. Nun im Frühjahr 2020 wurden dann die seit Jahren wachsenden Bäume gerodet um für den Brückenneubau Baufreiheit zu schaffen. Aus einigen Metern Entfernung, an der Stelle wo die Schmalspur mittels Einschnitt ins Gornsdorfer Tal einschwenkt, sieht das ganze noch recht bewachsen aus..


    Geht man aber ein Stück Richtung Meinersdorf hat man jetzt einen freien Blick wie er die letzten 20 Jahre nicht mehr möglich war.



    Blick in die Gegenrichtung nach Thum. Die neue Brücke der CA rechts wird hier völlig ohne Mittelpfeiler gebaut. Dabei verschwinden auch die letzten Reste der Schmalspurbrücke links.
    Das Interessante an der Regelspurbrücke ist, das beim Bau der Schmalspurbrücke die Linienführung etwas angepasst wurde und von der alte Brücke von 1875 die beiden Wiederlager nebst Mittelpfeiler erhalten blieben. Auch das wird im Lauf des Jahres verschwinden.


    Der blick von unten auf das Bauwerk


    Geht man noch ein Stück weiter in Richtung Meinersdorf Bf kann man am Bahndamm noch das Fundament des Signalfernsprechers endecken. Von den eigentlichen Einfahrsignalen ist nichts mehr zu finden.


    Fast nichts, denn ein paar Meter weiter findet sich tatsächlich noch ein Umlenkkasten der Signaldrähte zum Schmalspureinfahrsignal.
    Und dann folgt noch ein Zeitzeuge eines Vorfalls der stattfand als das Thumer Netz eigentlich schon nicht mehr existent war...
    Dazu gleich mehr im nächsten Beitrag.

    Gruß André

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  • Und zwar handelt es sich um diese Regelspurbrücke über die Zwönitz. Ich habe dazu vor Jahren mal bei DSO schon einige Bilder gezeigt.

    Da die Brücke zur Zeit ohne Gleis und Brückenbohlen ist, bot sich die einmalige Chance sich ein Detail doch mal genauer anzusehen.


    Von dieser Seite sieht die Brücke recht unscheinbar aus, doch findet man noch heute Zeichen eines Vorfalls der unmittelbar mit der Schmalspur in Zusammenhang stand.


    Von der anderen Seite sieht man das der Pfeiler im Vordergrund etwas voluminöser ist. auch fehlt am hinteren südlichen Pfeiler das Fundament des Schmalspurpfeilers, das am nördlichen ja noch vorhanden ist.


    Nun muss man einfach mal von oben auf die Brückenlager schauen.. so sieht das ganze am südlichen Pfeiler aus..


    Am nördlichen sieht das aber etwas anders aus.. und ist extra sogar noch aufbetoniert worden..


    Nach dem Ende des Thumer Netzes passierte nämlich an dieser Brücke etwas, das doch recht Interessant ist. Das Fundament des südlichen Pfeilers der Schmalspurbrücke wurde so unterspühlt das dieser umstürzte und sich gegen den nordlichen Pfeiler der Regelspurbrücke lehnte. Dabei verschob und verdrehte er diesen auf seinem Fundament um einige Zentimeter. Dieser Pfeiler wurde danach aber nicht abgetragen und neu gebaut. Er wurde auch nicht wieder in die ursprüngliche Lage zurück gebracht. Man goss einfach einen einen neuen Pfeiler um den alten herum. Dies sieht man noch heute deutlich an den Fugen des Betons auf den Bildern. Und auch die Brückenlager liegen auf den Bildern zu sehen nicht mehr mittig auf dem alten Pfeiler.


    Ich hoffe das dieser kleine Ausflug zu den noch zu sehenden Zeitzeugen des Thumer Netzes für einige interessant war.
    Ein schönes Wochenende wünscht..
    André

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  • Da mir Ludger freundlicher Weise dazu die Erlaubnis erteilt hat, möchte ich noch ein Vergleichsbild nachreichen. Ich habe dafür das schöne Wetter genutzt und das ganze mit einen kleinen Spaziergang verbunden.

    Zuerst zum Originalbild.
    Foto: Hans-Joachim Simon (Sammlung Ludger Kenning)


    Im Vergleich dazu die heutige Situation. Ich musste den Standort ein kleines bisschen nach links verlegen, um nicht nur den Busch zu fotografieren.
    Das Haus hinter der 58 ist leider und tragischer Weise vor einigen Jahren einer Brandstiftung nebst Selbsttötung des Hauseigentürmers zum Opfer gefallen.


    Auch der Hektometerstein auf dem Bild von Hans-Joachim Simon ist noch da, leider etwas im schlechtem Zustand


    Als kleine Zugabe noch ein Blick in den Einschnitt Richtung Thum. Bis zum Überweg Gartenstraße befinden sich auf der Trasse zwei Gärten die dem Bahntrassenwanderer einen kleinen Umweg über die kurze Straße / Gartenstraße aufzwingen.


    Einen schönen Sonntag wünscht..
    André

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  • Hallo..
    Da möchte ich natürlich noch den Link zu Ludgers Beitrag im HiFo von DSO nachliefern.

    https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?17,5996082

    An sich könnte man einmal einen Beitrag mit solchen Bildvergleichen machen, da stelle ich mir aber ein bisschen mehr vor das ich die aktuellen Bilder im Forum zeige und die dazu passenden Seiten der bekannten Literatur nenne. Einfach damit man auch mal wieder ein gutes Buch zur Hand nimmt und darin verweilt. Das ist zwar nichts für die Leute die die betreffenden Bücher sich nicht leisten konnten oder wollten, aber für mich wär es so wesentlich interessanter. Vielleicht kann man so etwas ja noch mit hier gezeigten historischen Bildern auflockern. Schaun wir mal.

    Hier ging es in erster Linie darum im ersten Beitrag etwas zu dokumentieren das noch diese Jahr unwiederbringlich verschwinden wird.
    Der Rest war sozusagen Zugabe, da es thematisch und örtlich dazu gepasst hat. :)
    Beste Grüße André

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