Bau und Betrieb in Magdeburgerforth 2020

  • Hallo zusammen,


    da sich in den letzten Wochen wieder jede Menge in Magdeburgerforth getan und ergeben hat, möchte ich euch gern an dieser Stelle davon berichten:


    Rückblende: 2019 war ein sehr ereignisreiches und erfolgreiches Jahr beim KJI e.V.: es konnten alle Fahrtage mit großem Erfolg - insbesondere bezüglich des Besucherzuspruchs - durchgeführt werden. Das Projekt des Jahres war ganz sicher die Durchführung der denkmal(schutz)gerechten Sanierung des Giebels unseres Empfangsgebäudes in Magdeburgerforth. Der Zustand des Fachwerks an diesem Teil des Gebäudes hat diese erforderlich gemacht, mit einer Förderung aus EU-Mitteln (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes, ELER) war die Sanierung zu stemmen. Weiterhin fand der symbolische erste Spatenstich des nächsten Streckenbauabschnitts statt und die Trasse wurde bis zur Einfahrt des künftigen Bahnhofs Magdeburgerforth Mitte vorbereitet. Nicht zuletzt die Ausstrahlung der 4-teiligen Serie "Zug um Zug" im MDR war ein Höhepunkt - im Nachgang konnten zahlreiche neue Kontakte geknüpft werden.


    Im Dezember präsentiert sich der frisch restaurierte Giebel im besten Licht.


    Kommen wir zu den Arbeiten im diesem Jahr:

    • die ersten Monate des Jahres 2020 standen in Magdeburgerforth ganz im Zeichen der Streckenbau-Vorbereitungen. Von den beschafften, gebrauchten Normalspurschwellen wurden mehrere hundert Stück gekürzt und einseitig beplattet. Auch aus unserem Vorrat an (teils gebrauchten) Klemmplatten, Schrauben, Muttern und Federringen wurden in mehreren Arbeitseinsätzen die unzähligen Kleineisen einbaufertig vorbereitet. Weiterhin haben wir das Angebot bekommen, uns einen großen Vorrat an S49-Schienenprofilen zuzulegen. Da diese aus der nahegelegenen Strecken-Sanierungsmaßnahme bei Altengrabow stammen, waren die Konditionen günstig. Dennoch sind Beschaffung, Transport und Lagerung der Gleisprofile für den Verein eine finanziell wie logistisch große Herausforderung - umso glücklicher sind wir, dass die Koordination mit allen Beteiligten erfolgreich war und die Schienen im Februar bei uns in Magdeburgerforth ankamen. Einige davon werden nicht lange auf dem Hof liegen, sondern gleich wieder verbaut.





    • Denn auch im März 2020 findet erneut ein Arbeitseinsatz mit den Lehrlingen der Bahnbau-Gruppe aus Königsborn und DB Netze bei uns statt. Seit Montag ist die Truppe bei uns zu Gast und durfte bereits am ersten Vormittag eine symbolträchtige Arbeit verrichten: der Prellbock am Hp Lindenstraße wurde entfernt. Danach wurden Schwellen ausgelegt, um das erste Gleisjoch der Streckenverlängerung zu montieren. Am zweiten Tag stand die Lok 199 041 mit ihrem Schienenzug dann bereits jenseits des Bahnsteigs Lindenstraße! Mittlerweile ist Halbzeit beim Lehrlingseinsatz und der Schienenstrang reicht nahezu wieder bis an jene Stelle, wo sich einst die Abzweigweiche der Streckenäste nach Burg und Altengrabow befand. Über 50 Jahre ist es her, dass sich an dieser Stelle zuletzt ein (Ab)Bauzug befand…


    Hau ruck! Nach wenigen Jahren wird der Prellbock an der Lindenstraße wieder entfernt.



    Der Gleisbauzug steht bereit, die Trasse ist für das Auslegen der Gleisjoche vorbereitet.



    Zwei Tage später sind die ersten Joche montiert, der Gleisbauzug steht jenseits des Haltepunkts Lindenstraße.


    Ganz neue Perspektiven aus dem Führerstand. Etwa auf Höhe des hinteren Endes des linken Holz-Polters befand sich einst die Abzweigweiche.


    Halbzeit: in der nächsten Woche soll das Gleis bis in die Linkskurve verlängert werden. Dabei muss ein Überweg für einen Waldweg errichtet werden.


    Auch auf dem Bahnhofsgelände wurde gewerkelt: Stopfarbeiten an Gleis 3. Die Fläche zwischen den Gleisen 2 und 3 wurde noch im letzten Jahr eingeebnet, worduch sich das Gesamtbild der Bahnhofs-Gleisanlagen weiter erheblich verbessert hat.


    • Weiterhin hat uns der MDR in der letzten Woche erneut besucht: man hat sich beim Sender an einen Beitrag über die Denkmallok 99 4301 erinnert, welcher vor etwa 10 Jahren gedreht wurde und wollte nun schauen, was sich in dieser Sache entwickelt hat - der Besuch war also unabhängig von der vor ca. 1 Jahr ausgestrahlten Serie "Zug um Zug". Entsprechend ist die Aufmachung des kurzen Beitrags recht sachlich und nicht auf die vereinseigene Dampflok fokussiert - das Video kann bis zum Abend des 15.3. hier abgerufen werden: Videolink ARD-Mediathek
    • wir konnten kürzlich ein ganz besonderes neues "Vereinsmitglied" in Magdeburgerforth begrüßen: da unser Bagger "Theo" an zunehmender Altersschwäche leidet, hatten wir uns bereits seit geraumer Zeit nach Ersatz umgesehen. Viele Gründe sprachen dafür, sich nach einem baugleichen Modell - Typ T 174 - umzusehen. Es gab in der Vergangenheit mehrere Exemplare, bei denen ein Kauf nicht geklappt hat. Pünktlich zu Weihnachten 2019 konnten wir über eine Kleinanzeige einen T 174 ganz in der Nähe bei gutem Preis-Leistungsverhältnis auftun: innerhalb weniger Tage war der Bagger mittels vereinsinterner Spendenaktion finanziert. So haben wir zum Jahresabschluss 2019 selbst noch für eine tolle Bescherung gesorgt. "Theo der 2." ist schließlich vor wenigen Tagen in Magdeburgerforth eingetroffen: er wurde noch durch kleinere Arbeiten für den Betrieb bei uns fit gemacht. Neben der Nachfolge für den schwächelnden "Theo I" wird uns der Neuzugang nicht nur auf dem Hof, sondern dank Straßentauglichkeit auch entlang unserer Baustellen entlang der Strecke eine enorme Hilfe sein können. Denn Arbeitsgeräte wie der T174 sind eine unheimliche Arbeitserleichterung, bspw. wenn es um die Verladung von Schienen geht. So bemühen wir uns auch fortlaufend um passendes Zubehör für den Greifer.


    Mit Unterstützung wurde "Theo der 2." Anfang März nach Magdeburgerforth geschleppt.


    Angekommen: der "Neue" vorm Empfangsgebäude. Nach kleineren Anpassungsarbeiten konnte der Bagger bereits zum Lehrlingseinsatz in Betrieb genommen werden.


    Soweit meine Eindrücke ausgewählter Arbeiten der letzten Wochen in Magdeburgerforth. Außerdem haben wir am 1.1. und 22.2. bereits zwei Fahrtage durchgeführt, die erfreulicherweise beide gut besucht waren. Als nächstes stehen damit die "Fahrten ins Osterland" am 13.4.20 auf dem Plan, bei welchen unsere 199 041 den Museumszug zum vorerst letzten Mal bespannen soll (wobei die Durchführung aktuell sicher Unter Vorbehalt aktueller Corona-Entwicklung zu sehen ist). Als weiteres Highlight in diesem Jahr sei vorab auf das Vereinsjubiläum hingewiesen, welches wir im September begehen werden.


    Ich möchte abschließend die Gelegenheit nutzen, auch auf diesem Wege allen zu danken, die mit ihrem Engagement, den Zuarbeiten und Spenden den Verein unterstützen!:ok:Darauf werden wir auch für die weiteren Projekte angewiesen sein. Denn ohne die vielen persönlichen Hilfestellungen - von der Kontaktvermittlung bis zum kleinen Geldregen - gäbe es die Museumsbahn nicht in dieser Form - bitte weiter so!


    Aber auch wer sich berufen fühlt, mal ganz praktisch mit anzupacken, ist herzlich nach Magdeburgerforth eingeladen! :wink: Vorkenntnisse sind keine notwendig, lediglich ein paar Arbeitsklamotten und vorab ein Blick auf diese Homepage. Wenn danach Wiederholungsbedarf besteht, ist ein Beitrittsformular sicher griffbereit ;) Wir freuen uns immer, wenn wir neue Mitstreiter begrüßen dürfen!


    Viele Grüße,

    Benjamin


    (Alle Fotos: KJI e.V.)

  • Danke Benjamin,


    ein nächstes Kleinod im Entstehen! Dieser Bahnhof ist ja so Bildhübsch. Das Gebäude hätte ich gern im Modell! Gibt es das zufällig irgendwo?


    Viele Grüße,

    Lenni

  • Hallo,


    ist sicher auch Geschmackssache, aber da ich lese denkmalschutzgerecht ...

    In meinen Augen wirkt der neue Giebel recht steril, Kastanie weg, keine grünen Fensterrahmen mehr, der Rest des Gebäudes hat/hatte doch welche, finde ich persönlich sehr schade.


    Viele Grüße

    Jens

  • ich schätze mal, dass man in der heutigen Zeit immer Kompromisse finden muss und ein derartiger Verein auch wirtschaftlich mit den Geldern umgehen muss. Meinen größten Respekt für die Leistung.


    PS.: das sterile wird durch die Witterung mit der Zeit ohnehin vergehen ;)

  • Moin Jens,


    Du hast Recht, um den Baum ist es total schade, aber ich gehe mal davon aus, dass der krank war. Sonst darf doch solch ein präsenter Baum gar nciht gefällt werden, oder?


    Zud en Fenstern: ich vermute, dass man den Bahnhof nach und nach in den Ursprungszustand zurück versetzen wird und da waren die Fensterrahmen wohl weiß. Mir gefallen die Grünen ebenfalls sehr, aber das ist vermutlich eine Gewöhnungssache:


    https://pfimagemdr-a.akamaihd.…362/v1/large/IMG_8069.JPG


    Viele Grüße,

    Lenni

  • Hallo Lenni


    Dann schaue doch mal die mit Schiefer gedeckten und verkleideten Häuser im Bergischen Land und da gibt es Häuser mit grünen wie auch weissen Festerrahmen . Der Schiefer verwittert und bekommt so seine Patina automatisch. Da muss man der Natur nur Zeit geben . Die freie Fläche am Giebel verträgt wieder ein oder sogar zwei schöne Bäume und so wird wieder ein tolles Ensemble daraus.


    Glück auf

    Armin Ahlsdorf

  • Als Hausbesitzer kann ich aber zu Bedenken geben, das Bäume unmittelbar vorm Haus zwar sehr schön anzusehen sind, jedoch über die Zeit zu Problemen führen die an die Haussubstanz gehen. Ich musste da leider auch schweren Herzens eingreifen, da unser Fachwerkhaus aus dem 18 Jh, das auf Feldsteingründung steht, irgendwann keinen standfesten Giebel mehr gehabt hätte. Könnte mir sehr gut vorstellen das das hier auch, neben dem gesundheitlichen Zustand des Baumes, eine Rolle gespielt hat.


    Gruß André

    5036041sig3.jpg

  • Hallo und guten Morgen,


    ich will mal versuchen einige Fragen zu beantworten.


    Vinetastrasse: Die 199 041 wird nach Fristablauf erstmal abgestellt. Perspektiv wird sie auch eine neue HU bekommen. Über wie und wo ist noch nicht entschieden. Bis jetzt wird mit Hochdruck an der 199 042 gewerkelt, aber ob wir es schaffen, dass die Lok schon zu Ostern fertig wird, steht in den Sternen.


    Jens500: Der Baum musste weg, es gab schon diverse Schäden durch den Baum am Gebäude. Der neue Giebel musste unbedingt sein, das hatte eine statische Ursachen, die alten Schindeln waren aus Beton und hatten ein gutes Gewicht. Da darunter auch das Fachwerk teilweise renoviert werden musste, wurde uns durch Statiker geraten die Fassade neu zu gestallten. Und zu den weissen Fensterrahmen, diese Fenster wurden neu saniert und erhielten dabei eine neue weisse Farbe. Und da das Gebäude unter Denkmalsschutz steht, wird immer mit der Landesdenkmalbehörde des Jerichower Landes eng zusammen gearbeitet. Wie schon geschrieben wurde, man muss auch Kompromisse machen.


    Ich hoffe, dass ich ein paar Fragen klären konnte.

    :wink: Wieland