Die Königslinie stirbt

  • Hallo Peter,


    das war leider seit Jahren zu befürchten. Seit der Wende stirbt die Königslinie scheibchenweise. Corona ist nun der letzte Sargnagel.

    Es ist unheimlich schade.


    Viele Grüße


    Dampfachim

  • Schade, dann kann Rewe in Sassnitz seine Schwedenfahnen einholen.
    Wir sind seit 2006 regelmäßig auf der Insel und gehen regelmäßig zu „Peters“ am Offshore-Kai frühstücken. Leider ist der Verfall schon länger sichtbar. Vor 14 Jahren wurde neben der Königslinie noch die Strecke nach Klaipeda bedient. Heute ist der Großteil des Breitspurbereiches abgebaut. Dort lagern Rohre für Nordstream 2.

    Nach Einstellung der Königslinie dürfte dann nur noch die Strecke nach Bornholm bedient werden.

    Gruß Ronald

  • Hallo,


    schade. dass die Lichter nun ausgehen. Das Familienunternehmen Stena geht mit der Brechstange durch die Corona-Krise. In Schweden wurden bereits 950 Personen bei der Reederei aus verschiedenen Bereichen gekündigt. 150 Personen in Nordsee- und Kanaldienst sollen folgen. Auch in anderen Bereichen der Gruppe sieht es nicht besser aus. Bei Stena Recycling wurden 500 Mitarbeiter über ihre Kündigung informiert. 650 wurden dort in Kurzarbeit geschickt. Man schauen, wie viele nach der Krise wieder einen Job bei Stena finden werden.


    Was nicht wieder kommt, dass sind die beiden touristischen Fährlinien Frederikshavn-Oslo und Mukran-Trelleborg. Die Stena Saga wurde in Uddevalla aufgelegt und die Sassnitz in Mukran. Uddevalla war auch mal der Aufliegehafen der Trelleborg.


    Die Bornholmer sind übrigens abhängig von Stena Line. So wird die landseitige Abwicklung von Bornholmslinjen in Mukran durch Mitarbeiter von Stena Line erledigt. Aktuell sind die Abfahrten nach Bornholm bis zum 10. Mai storniert. Hier wird es auch spanend, wie die Reederei die Krise finanziell übersteht.


    Wenn es nicht so traurig wäre. Aktuell läuft ein richtiger Leckerbissen als Fährschiff Mukran an. Die estnische Reederei Tallink schickt im 2-Tages-Takt ihre Star nach Paldiski aus nach Mukran. Befördert werden LKW (bis zu 100 St). und der estnische Staat gibt einen kleinen Obolus dazu. Aktuell sind Abfahrten bis zum 18. April geplant. Allerdings geht es der Reederei auch nicht gut. So muss das Personal im April und Mai auf 30% ihrer Heuer/Gehalt verzichten.


    Angelaufen ist die Seidenstraße via Mukran. So pendelt seit kurzem die SVS Vega (Stückgutschiff) mit Containern (50 St.) zwischen Baltiisk und Mukran.


    Die Episode mit den Rohren für NordStream II ist in Mukran ist auch beendet. Die Betonummandlung der Rohre ist beendet. Nachdem Trump gedroht hat, sind die Schweizer abgehauen. Nun wollten die Russen selbst weiterbauen. In Mukran liegt aktuell der russische Rohrleger Fortuna. Dieser darf aber nicht arbeiten, da ihm notwendige sicherheitstechnische Ausstattungen für das Arbeiten im dänischen Hoheitsgewässer fehlt. Die Russen schicken daher die Akademik Cherskiy. Dieser Rohrleger umrundet gerade den afrikanischen Kontinent und verfügt über die notwendige Ausstattung.


    Fast alles nicht schön, was aktuell so läuft. Aber vielleicht gibt es auch Nahrung für neue Ideen. Vielleicht sehen wir 2021 oder 2022 eine neue Saisonlinie zwischen Mukran und Trelleborg oder vielleicht sogar Ystad verkehren. Da Thema Eisenbahn wird aber nun beendet sein.


    Gruß


    Stefan

  • Aber war das nicht schon beim Umzug von Sassnitz nach Mukran absehbar? Es ist wirklich traurig. Aber m.M. hat man es in MV oder Rügen nicht geschafft diese Fährverbindung in Tourismuskonzepte einzubeziehen. Irgendwie wusste viele Gäste kaum, dass es diese Verbindung gibt.

    Ich bin sehr enttäuscht.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Hallo zusammen,


    ja, es ist erstaunlich, dass sich die längere Strecke über Rostock etabliert hat, obwohl es von Sassnitz aus deutlich kürzer ist. Ich habe die Hintergründe nie ganz verstanden. Hier scheinen verschiedene Gründe hineinzuspielen. Die kürzere Fahrzeit scheint nicht zu den Kosten zu passen. Ich kenne die Fährpreise nicht, aber ich gehe davon aus, dass Speditionen Kosten und Fahrzeiten sehr genau kalkulieren. Scheinbar hat Rostock hier die Nase vorn - für Bahn und LKWs. Und für die LKW-Fahrer passt die längere Fahrzeit scheinbar gut in ihre Lenkzeiten.


    Für die Insel sowie die Straßen und Bahnstrecken war und ist der Fährhafen auch eine Belastung. Die B96 ist auf der Insel trotz Ausbau oft überlastet. Und die Bahnanbindung geht so, denn nur die Strecke über Pasewalk ist zweigleisig ausgebaut. Der Verkehr über Rostock oder Neubrandenburg muss sich über eingleisige Strecken nach Stralsund quälen. Und der riesige Bahnhof Mukran ist eine Wunde in der Natur der Insel, auch wenn das nichts mit der Königslinie zu tun hat. Besonders schlimm finde ich, dass er heute als Schrottplatz der DBAG genutzt wird.


    Gemäß einem Bericht von 2019 ist der Trajektverkehr um 90 % zurückgegangen. Kritisch finde ich, dass es ja nur eine feste Eisenbahn- und Straßenverbindung von Mitteleuropa nach Nordeuropa gibt (Große Belt Brücke). Die Unfälle von Rastatt und Auggen zeigen, wie schnell eine solche Verbindung durch einen Unfall blockiert werden kann. Und diese Unfälle sind leider auch der Grund, warum der LKW-Wahnsinn immer mehr zu nimmt, da die Bahn kaum leistungsfähige Ausweichmöglichkeiten hat. Auch wenn die Fährverbindungen wetterabhängig sind, so sollten sie eine gute Alternative zu den festen Verbindungen sein. Leider sind LKWs immer flexibler, sie können (fast) jede Straße benutzen (zum Leidwesen der Anlieger) und im Notfall ist schnell ein RoRo-Schiff gechartert, wie man derzeit zwischen Mukran und Paldiski sieht.


    Mukran hat aber in den letzten Jahren gezeigt, wie flexibel sie sein können (Tübbinge, Windenergie, Rohre, Fischwerk, ...). Es traurig für die Königslinie, aber ich glaube, dass Mukran weiter gute Chancen als Spezialhafen hat.

    Viele Grüße,
    Eckhard

  • Die Unfälle von Rastatt und Auggen zeigen, wie schnell eine solche Verbindung durch einen Unfall blockiert werden kann. Und diese Unfälle sind leider auch der Grund, warum der LKW-Wahnsinn immer mehr zu nimmt, da die Bahn kaum leistungsfähige Ausweichmöglichkeiten hat. Auch wenn die Fährverbindungen wetterabhängig sind, so sollten sie eine gute Alternative zu den festen Verbindungen sein. Und leider sind LKWs immer flexibler, sie können (fast) jede Straße benutzen (zum Leidwesen der Anlieger) und im Notfall ist schnell ein RoRo-Schiff gechartert, wie man derzeit zwischen Mukran und Paldiski sieht.

    Hallo,


    erst einmal gibt es eine Menge anderer triftiger Gründe, warum der LKW so den Vorzug zur Eisenbahn findet. Und daran sind wir zum Teil auch selbst mit schuld. Das auszudiskutieren, würde aber hier den Rahmen sprengen und am Thema vorbeigehen.


    Warum die Fährlinien ab Rostock in Sachen Warenverkehr wesentlich mehr Zuspruch haben, liegt doch auf der Hand.


    1. bessere Anbindung an die Autobahn

    2. bessere Anbindung an die Eisenbahn

    3. nötige Arbeitskräfte vor Ort, die nicht erst vom Festland auf die Insel müssen. Mukran würde meiner Meinung nach auch eher für den Verkehr in die damalige Sowjetunion geplant und gebaut. Da hat Nordeuropa gar keine so große Rolle gespielt.


    Grüße Kay der Cargonaut

  • Hallo zusammen,


    außerdem ist ja nicht nur Rostock-Trelleborg ein Konkurrent für die Königslinie, sondern auch Swinemünde. Auch von da fahren mehrere Fähren nach Trelleborg und Ystad. Ich kann mir auch vorstellen, dass die erhöhten Kapazitäten auf der Strecke Rostock-Gedser zu günstigeren Preisen geführt haben, so dass mancher nur die kurze Fährverbindung nach Dänemark nutzt. Zusätzlich hat die auf der Königslinie eingesetzte Fähre "Sassnitz" auch schon viele Jahre auf dem Buckel. Sie ist sicher betrieblich teurer als moderne Schiffe wie die "Berlin" oder "Copenhagen".

    Viele Grüße,
    Eckhard