Erhöhung der Zugkraft Tillig Neubaulok BR 99.72xx

  • Liebe Forumsteilnehmer,

    ich verfolge dieses Forum schon recht lange und möchte jetzt auch gern mit aktiv werden.

    Prinzipiell finde ich das Harzprogramm von Tillig sehr gut und bin schon gespannt auf die nächsten Neuheiten. Als langjähriger Modellbahner einer H0/H0m-Anlage besitze ich aber auch Modelle von Kehi und Weinert und weiss viel über die Unterschiede in Preis, Qualität und Detailtreue sowie Zuverlässigkeit.

    Unschön bei Tillig ist die für meine Begriffe zu geringe Zugkraft der Neubauloks BR 99.72xx. Klar, viel ist dem Kunststoff geschuldet. Hat jemand aus dem Forum Erfahrungen bei der Gewichtserhöhung der Tillig-Neubauloks? Ich denke an Bleikugeln. Vergießt man diese? Auf was muss ich achten? Kennt sich jemand schon aus und ist diesen oder einen anderen Weg zur Erhöhung der Zugkraft schon gegangen?

    Bin mal gespannt auf die Antworten und bedanke mich schon jetzt ganz herzlich!

    Viele Grüße aus dem Südharz,

    Volker

  • Hallo Volker,


    herzlich Willkommen!

    Ich bin eigentlich H0e Bahner. Gehe aber nun seit einigen Jahren mit dem H0m Programm von Tillig fremd. Kehi Produkte besitze ich nicht und Weinert ist mir zu teuer. Ich habe mir zur Probe eine kleine Kompaktanlage gebaut und bastel jetzt mit Modulen rum. Ich finde die kleinen C-Kuppler und den VT gelungen. Die 99.23-24 wirkt wirklich sehr leicht. Sie zieht bei mir aber ohne Probleme vorbildgerechte Züge. Wobei ich mich aber mehr am Selketal und nicht am Brockenverkehr orientiere. Auf meiner Kompaktanlage habe ich den TT Mindestradius verbauen müssen und die Steigung ist auch extrem. Trotzdem bin ich mit 4 Wagen gut unterwegs. Auch mit Rollwagen.

    Im Tender ist ja noch reichlich Platz. Du kannst ja mal mit Bleikugeln experimentieren. Ich würde sie miteinander verkleben oder besser eine kleine Form aus Holz oder Gips basteln und das Gewicht gießen. Viel Erfolg!


    Gruß Lutz

  • Hallo Lutz,

    der H0m-Teil meiner Anlage bildet den Bahnhof Eisfelder Talmühle mit dem alten Gleisplan vor dem Neubau Strassberg/Stiege mit der Kreuzung und den Ladegleisen Richtung Nordhausen ab. Als Gleismaterial verwende ich Tillig Elite. Bei mir existiert auch der Lokschuppen noch, den man auf alten Postkarten noch sehen kann. Vom Fahrzeugeinsatz ist viel möglich, kürzere Züge oder Triebwagen/Fischstäbchen hoch nach Stiege/Hasselfelde oder ins Selketal und dann natürlich auf der NWE-Strecke Züge mit 6 oder 7 Wagen hinter einer Neubaulok. Das kann aber die Tillig-Neubaulok nicht leisten. Deine Anregung zum Tender ist okay, besser ist aber das Gewicht unmittelbar auf den 5 Treibachsen. Im ersten, experimentellen Schritt habe ich Nägel in den Kessel von vorn gesteckt. Das brachte Vebesserung, reicht aber auf keinen Fall, da die Nägel zu leicht sind und dann auch die Ecken nicht ausfüllen. Es gab an mich schon Hinweise und Tipps für die Wasserkästen und für den Kessel werde ich kleine Folientütchen mit Bleikugeln füllen und ganz vorsichtig im Kessel über dem Antrieb verstauen. Die Kardanachse schütze ich mit einem Formstück. Muss mal sehen, was das bringt.

    Auf jeden Fall werde ich im Forum mal berichten. Falls alles nichts hilft, müssen die NWE-6Wagen-Züge weiter von der Weinert-Neubaulok gezogen werden. Die packt das ohne Mühe dank des massiven Aufbaus.


    Ich bedanke mich bei Dir, lieber Lutz, sowie bei allen anderen, die mir auch direkt auf meiner Emailadresse geantwortet haben. Parallel dazu freue ich mich schon, wenn es auf der HSB demnächst wieder dampft. Schauen wir mal, dass die Thüringer bald wieder nach Sachsen Anhalt fahren dürfen.

    Ich wünsche allen Forumsteilnehmern einen schönen Sonntag!

    Gruß, Volker

  • Hallo Volker,

    ist gibt da noch die Möglichkeit Wickelblei zu nutzen. Daraus kann man fast jede Form basteln und du kannst damit jeden Zwischenraum ausfüllen. Ähnliche Begriffe hierzu sind Walzblei oder auch Dachdeckerblei. Einfach mal die Suchmaschiene nutzen. Du wirst sofort fündig.

    Grüße Sven

  • Guten Morgen liebes Forum,


    ich bedanke mich nochmals bei allen aktiven Helfern, die mir mit ihren Ratschlägen zur Erhöhung der Zugkraft der Tillig-Neubauloks sehr geholfen haben.

    Gestern habe ich dann mit meinem Vorhaben begonnen und wurde zuerst einmal überrascht. Das Auffüllen der Wasserkästen mit Bleikugeln ist so nicht möglich, denn quasi in den Wasserkästen hat Tillig bereits Metallstreben zur Stabilisierung und Gewichtserhöhung eingebaut. Damit fallen die Wasserkästen als Gewichtsunterbringung völlig aus. Aber dennoch habe ich Lösungen gefunden. Jedem, der das gleiche Problem wie ich hat, will ich gern meine Lösung kurz beschreiben, denn ich habe es geschafft, die Lok immerhin auf ein Gewicht von 280g zu bringen. Das reicht für 7 Wagen incl. Steigungen auf meiner Anlage aus! Wie habe ich das geschafft?


    1. Ich wollte eine Lösung, die wenig riskant für die Funktion der Lok ist und demzufolge möglichst schnell wieder veränderbar/ rückbaubar ist.

    Jeder von uns hat sicher Sekundenkleber. Pattex liefert 2 Tuben in so einer eingeschweissten Pappe, gibts in jedem Baumarkt. Die Form der

    Einschweissung ist durchsichtig und recht gut formstabil. Diese Einschweissung habe ich so zurecht geschnitten, dass sie über den Motor,

    Schwungmasse, Kardan und Schnecke passt und danach vorerst mit Klebestreifchen fixiert. Damit ist der gesamte Antrieb vor herumkullernden

    Bleikugeln geschützt.

    2. Danach habe ich Kessel und Führerhaus wieder montiert und durch die Kesselluke 3mm grosse Bleikugeln lose in den Kessel gefüllt und vorsichtig

    nachgestopft, bis der Kessel gut gefüllt war. Danach die Kesselluke aufgesteckt und der Kesselballast war quasi fertig.

    3. Den Tender der Lok habe ich mit Bleikugeln auch lose verfüllt und damit sie nicht ins Füherhaus kullern, habe ich das mit Klebestreifen abgetrennt.

    Funktioniert gut und man muss sich über die Klebkraft der kleinen Streifen nur wundern!

    4. Im Boden des Führerhauses ist auch noch Platz für Bleikugeln, aber zovor habe ich die Leiterplattenkontakte mit Klebestreifen isoliert.

    5. Beim Dach des Führerhauses bin ich auf Risiko gegangen. Ich habe Kunstharzkleber unter dem Dach verteilt und darin Bleikugeln verklebt. Als die erste

    Schicht trocken war, habe ich noch eine Zweite aufgetragen. Aufpassen muss man aber an der Stelle, wo der Kessel ins Führerhaus ragt! Hier muss man

    die Kugeln aussparen.


    Mit dieser "Hilfskonstruktion" habe ich gestern Abend erste Testfahrten auf meiner Anlage übernommen. Das Ergebnis war sehr gut! Wie gesagt, schafft die Lok 7 Vierachser wie im Vorbild ohne Probleme in normaler, langsamer Fahrt.


    Als ich dann meine zweite Lok mit den gleichen Ergebnissen vorliegen hatte, war mir klar, dass dieser Weg die Lösung zu sein scheint.

    Heute ersetze ich alle Klebestreifen durch Kleber, aber im Kessel reicht die "Schüttung der Bleikugeln" völlig aus und man kommt bei Wartungsarbeiten überall immer wieder gut ran.


    Wer genauere Informationen möchte als diesen Textbeschreibung, den erstelle ich gern auch noch Fotos. Bitte dann bei mir melden.

    Ich helfe euch gern!

    Viele Grüße vom Südharz, Volker

  • Hallo Volker,


    danke für deinen Baubericht. Da bist du ja schnell zum Ziel gekommen. Wenn du noch ein paar Fotos einstellen könntest, wäre das schön. Bilder sagen oft mehr als Worte.

    Ich hatte mir bei Ankündigung der Lok durch Tillig auch etwas mehr versprochen. Die Krux ist sicherlich der Umbau der TT 84 zur Schmalspurlok gewesen. Das Fahrwerk war schon vorgegeben. Und ein 5 Kuppler ist sicherlich viel anspruchsvoller zu konstruieren. Egal welcher Maßstab oder Spurweite. Jede Antriebsachse sollte Strom abnehmen und durch ein Getriebe angetrieben sein. Der Antrieb der Achsen über die Kuppelstangen bleibt in meinen Augen Mist. Ich hoffe deine Gewichtserhöhung bringt keine Nachteile für den Stangenantrieb.


    Gruß Lutz

  • Jede Antriebsachse sollte Strom abnehmen und durch ein Getriebe angetrieben sein. Der Antrieb der Achsen über die Kuppelstangen bleibt in meinen Augen Mist. Ich hoffe deine Gewichtserhöhung bringt keine Nachteile für den Stangenantrieb.

    Moin Lutz,


    das kann man so aber nicht sagen, oder? Im ganz hochpreisigen Segment gibt es, soweit ich das weiß, nur Stangenantrieb. Mein Vater hat vor einer Ewigkeit eine württembergische T2 in H0 konstruiert. Das ist die kleinste Lokomotive im Bestand der DRG gewesen. Die läuft mit Stangenantrieb wie Butter.


    Ich denke, dass es auch hier einfach auf die Qualität ankommt.


    Egal welcher Maßstab oder Spurweite.

    Sag denen bei der HSB mal, dass sie ein Getriebe in ihre Loks einbauen sollen - die werden Augen machen:zwink:


    Viele Grüße,

    Lenni

  • Hallo Lenni,


    es besteht doch ein großer Unterschied zwischen einer richtigen Dampfmaschine als Antriebsaggregat und einem Modell. Das ganz hochpreisige Segment ist doch nur zum ansehen gedacht und nicht für den rauen Alltag auf einer Modellbahn bestimmt. Das sich die Modelle trotzdem mal bewegen sollen steht ja außer Frage. Dafür reicht dieses Antriebskonzept aus. Für meinen Geschmack hat ein gutes Modell alle Antriebsachsen angetrieben, nimmt von allen Achsen Strom und hat ein entsprechend großes Gewicht um ohne Haftreifen auszukommen. Mir ist schon klar das es ab einer bestimmten Nenngröße nicht mehr umsetzbar ist. Trotzdem halte ich Modelle mit kraftübertragenden Stangen nicht für der Weisheit letzter Schluss. Das können die Lager (wenn überhaupt vorhanden) auf die Dauer doch nicht aushalten.


    Gruß Lutz

  • Ja, Du hast natürlich Recht, dass diese Modelle nicht für den rauhen Anlageneinsatz gedacht sind. Nichtsdestotrotz bin ich mir sehr sicher, dass sie das problemlos durchhalten würden, zumindest bei relativ maßstäblichen Anhängelasten, Steigungen und Radien. Die Lager sind ja von einer exzellenten Qualität und gefedert und die Verwerfungen im Rahmen sind geringer als beim Original. Schwund ist immer.


    Ich habe mindestens 3 Modelle aus dem Tillig-Preissegment mit Stangenantrieb, die, abgesehen vom Motor, hervorragend laufen (absolut vergleichbar mit meinen Bemo-loks) und für die schlimmsten Modellbahn-Einsätze konzipiert sind: eine Fleischmann 78, eine T3 und eine Gützold-IV T, bei der in der alten Ausführung beide Treibräder nur mitlaufen. Alle drei Maschinen laufen wirklich sehr gut. Die IV T eiert ein wenig, was aber damit zu tun hat, dass die Laufräder unrund sind.....das ist aber ein anderes Thema.


    Viele Grüße,

    Lenni

  • Hallo,

    ist aber schon ein Armutszeugnis von Tillig, daß man nicht gleich werkseitig für mehr Ballast gesorgt hat. Entfernbare Gewichte für eine evt. Digitalisierung wären da möglich gewesen. Bei der Preisklasse eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

    Alles nur halbherzig- leider!

    Grüße