Warum beschaffte die DR keine Schmalspurloks im Ausland?

  • Guten Abend,

    einige sehr interessante Aspekte wurden genannt, eine wirkliche Aufarbeitung dieses Themas aber wird hier kaum gelingen. Als Stammtischgespräch mag das ja alles recht kurzweilig sein. Die dafür notwendige Recherchearbeit (Niels) dürfte jedoch erheblich sein und ein solches Ergebnis würde wohl eher nicht vollumfänglich auf einer Bühne wie dieser hier präsentiert werden.
    Die gesamte DR bekam eben nicht das an Ressourcen, was adäquat zur Beförderungsleistung notwendig gewesen wäre. Der Betrieb brauchte schlicht als Ersatz für Verschlissenes möglichst schnell brauchbare Maschinen. Dampfloks konnte die DR selber bauen, Dieselloks nicht. Womöglich war das der entscheidende Grund. Nicht zuletzt die Unfähigkeit der staatssozialistischen Planwirtschaft, Bedarfe ökonomisch sinnvoll zu decken, führte schließlich in den Beitritt zur BRD.
    Ein letzter Ausweg bestand immer noch in der Stillegung einer Strecke. Die für die Schiene notwendigen Investitionen hätte man auch in die Straße stecken können. Aber die Bahn war schon da und konnte noch weiter auf Verschleiß gefahren werden. Es ging im Grunde beides nicht. Es gab mit Sicherheit auch die pragmatischen Techniker aber schlußendlich stachen ein Parteibuch und der Abschluß einer entsprechenden Schule immer besser.
    Ich erinnere mich an eine Beratung im Vorfeld der Indienststellung der späteren BR 199.8 (ebenfalls eine Lok, die es schon gab). Das Bw Westerntor hatte durchaus (berechtigte) Bedenken. Bei aller Verbesserung der Arbeitsbedingungen - die Loks waren schlicht zu groß, überschritten die zulässige Fahrzeugumgrenzung maßlos, boten im Einmannbetrieb eine schlechte Streckensicht (weshalb sie zunächst mit Beimann gefahren wurden), hatten eine schlechte Getriebeabstimmung und somit schlechten Wirkungsgrad. Daß sie sich als Gleiszerstörer entpuppen sollten, ahnte man bereits, nicht zuletzt aufgrund ihrer Achslast von 11t, aber nicht nur deshalb. Kein wirtschaftlich denkendes Bahnunternehmen hätte freiwillig eine solche Notlösung eingekauft, aber die DR war wohl auch hier auf sich allein gestellt. Dabei kam allerdings auch heraus, daß für den Fall eines Fehlschlages eine Stillegung des Netzes durchaus in Betracht gezogen worden wäre. Das ist zum Glück nicht passiert. Durch die Brille von heute ist vieles von vor zwei ... drei Generationen halt nur noch unscharf zu sehen.

    Grüße, Andreas

    "Häuser entstehen an Straßen und Gassen - man soll die Klugen reden und die Narren tadeln lassen."

  • Hallo,

    wenn man die eingangs gestellte Frage beantworten will, muss man wohl bei der allgemeinen Entwicklung der DR in der DDR anfangen. Ein Thema was Bände füllen würde. Eine aus meiner Sicht gut zusammengestellte Übersicht liefert eine Broschüre von Lothar Weber "Dampf aus in der DDR". Neben der Entwicklung im Normalspurbereich ist auch der Schmalspurbereich durchaus tiefgründig beleuchtet worden. Hier werden die Hintergründe mancher heute nicht mehr als logisch nachvollziehbaren Entscheidungen der damaligen Zeit dargelegt. Auch muss man bedenken, zwischen den Organen der Partei, der Regierung und der HV der DR gab es recht unterschiedliche Ansichten wie man die staatlichen Aufgaben erfüllen wollte. Wen es interessiert: Verlag Transpress 2015; ISBN 978-3-613-71513-4.

    MfG Helmut