Warum beschaffte die DR keine Schmalspurloks im Ausland?

  • Thomas, vielen herzlichen Dank für diese Scans!

    Damit lüftet sich der Schleier ja schon deutlich, wenn man sich das so anschaut. Die Basis für die Überlegungen zu 750 mm Dieselloks sollte demnach ja eine Diplomarbeit aus dem Jahr 1988 sein, also doch schon sehr spät. Online ergab eine Suche nach dieser Arbeit aber leider nichts...

    600 kW (820 PS) Leistung auf 40 Tonnen unterzubringen wäre wohl möglich gewesen (auch wenn man bei den V36K ganz weit von so einem Leistungsgewicht entfernt war), 750 kW sind hingegen da schon recht ambitioniert (die - zugegebenermaßen eher schwer gebauten - Gmeinder D 75 BB-SE wiegen bei 746 kW dann doch 50 t, ohne Ballast). Für manche Strecken wären aber auch 10 Tonnen Achslast noch eine Herausforderung gewesen und für eine IVK mit etwa 600 PS am Rad ein sehr großzügiger Ersatz ;)...

    Aber alleine die Tatsache, dass man sich noch nicht mal festgelegt hatte, ob man 4 oder 6 Achsen wollte, stempelt das Ganze doch überdeutlich als reines Konzept ab - von einer konkreten Umsetzung also noch weit entfernt. Weiters sind auch keinerlei Parallelen zu bereits existenten Baureihen zu erkennen - die Daten passen weder zu den L 45 H (Lxd 2) oder DL 110 H (BDZ 77)!
    Man hätte also eine komplette Neuentwicklung starten müssen, und das wohl frühestens im Jahr 1989 - wenn nicht gar erst kurz vor Veröffentlichung dieses Artikels (eine entsprechende Theorie, dass dies erst 1990 passiert sein könnte, habe ich ja weiter oben schon mal geäußert...).

    Die Tabelle 2 auf Seite 150 enthält allerdings einige deftige Fehler, besonders bei den JZ 740:

    • auch wenn der Führerstand deutlich außermittig ist - ein Endführerstand ist das nicht wirklich (detto bei TU 7 und Mk 48)
    • elektrische Kraftübertragung war zwar anfänglich geplant (wie beim normalspurigen Vorbild), aus Gewichtsgründen dann aber doch ein Wandlergetriebe
    • dementsprechend war die Achsfolge auch B'B' und nicht Bo'Bo'
    • detto keine elektrische Zugheizung - die 740-101 bis 125 hatten einen Dampfheizkessel, die restlichen 15 Loks waren für den Güterverkehr vorgesehen


    • auch bei den CSD T 47 (und der TU 7) wäre mir keine elektrische Zugheizung bekannt - im ersteren Fall lediglich eine Stromversorgung der Wagen mit autonomer Diesel-Heizung
    • dass man bei der CFR mit 257 kW / 350 PS nur die L 35 H angibt, ist auch eigenartig - dort hatte man auch eine ganze Menge L 45 H im Betrieb
      wie man dann auf satte 45 Tonnen kommt (statt 32), bleibt noch fraglicher...
    • von der Mk48 waren alleine bei der MAV 39 Stück in Betrieb (nicht nur 20), einige wurden auch exportiert
    • detto mindestens 165 Lxd 2 in Polen (statt nur 150)
    • und ob man den Führerstand der L 45 H als Mittelführerstand bezeichnen kann? Da hab ich so meine Zweifel :D...
      (so wirklich mittig war er bei den V51/52 übrigens auch nicht)

    Thema Zugheizung - man kam eben zu dem Entschluß, das die Dampfheizung günstiger war

    Wo liest du das heraus ?

    Daraus?

    Viele Grüße,
    Andreas

  • Datenfehler sind der Zeit geschuldet. Damals gab es einfach nicht die Informationsquellen von heute ... versuch mal nur mit den Büchern/Zeitschriften bis 1990 etwas über Ungarn oder Rumänien rauszufinden. Es hat schon seinen Grund, warum Arbeiten von Wissenschaftlern in der Vor-Internet-Zeit oft nur schmale Büchlein waren.

  • Hallo Kollegen,

    der Beitrag in den "SCHIENENFAHRZEUGEn" ist reichlich unkonkret. Eigentlich wird nur festgestellt- daß neue Triebfahrzeuge benötigt werden. Sicher, es werden Gedanken geäußert- wie die Fahrzeuge aussehen könnten.

    Wie schon oben angemerkt- in diesem Artikel wird in keiner Weise auf die veränderte politische Lage eingegangen. Es wird m. M. n. lediglich der Status Quo von Ende 1989 dargestellt. Und das es Vorarbeiten, wie zum Beispiel die Erstellung von Lastenheften, gegeben hat, ist nicht abzustreiten. Interessant wäre es, ob diese Vorarbeiten bereits zu Planungen oder wenigstens Entwürfen geführt haben.

    So weit meine Gedanken

    Viele Grüße Christian

  • Datenfehler sind der Zeit geschuldet. Damals gab es einfach nicht die Informationsquellen von heute ... versuch mal nur mit den Büchern/Zeitschriften bis 1990 etwas über Ungarn oder Rumänien rauszufinden.

    dazu nur folgendes - MEB 1972/03:

    oder der Werbeprospekt der L45H, gestempelt 1973:

    oder eine Beschreibung von TU6/7/8 aus 1987 (256 Seiten):

    TU 2 von 1958 (225 Seiten):

    In einer Hochschule für Verkehrswesen mit entsprechender Bibliothek sollte da also schon einiges zu finden gewesen sein...

    Artikel über Schmalspurbahnen in Polen, CS, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Rußland, Afrika, ... waren im MEB sogar recht häufig (wenn auch manchmal SEHR kuriose Fehler vorhanden waren ;)).

    Dass man heutzutage in digitalen Archiven wesentlich leichter und schneller etwas findet, ist schon klar - auch wenn eine Volltextsuche ganz oft nicht möglich ist. Aber die Menge an interessanten Artikeln, die man da so findet, ist überwältigend und fast erdrückend (auch wenn es auf Wikipedia kaum jemand nutzt...).
    Nur mal so ein Beispiel - war ein kompletter Zufallsfund im "Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens" 1900 (und da gibt's noch viel, viel mehr):

    Viele Grüße,
    Andreas

  • Moinsen,

    PKP-modelarz - ich gebe zu bedenken das Anfang 1990 noch keiner so richtig bei der DR wußte wohin die Reise geht. Die Idee einer Bahnreform in Form der Gründung der DBAG gab es in dem Sinne nicht. Desweiteren ist die besagte Zeitschrift ein Fachblatt - warum soll man da auf die politischen Umstände eingehen - der große Umbruch und auch der bei der DR kam doch viel später mit den bekannten negativen Folgen.

    Der Saarsachse

    IV K - Fan

  • ... - der große Umbruch und auch der bei der DR kam doch viel später mit den bekannten negativen Folgen.

    Du meinst:

    Umfassende Sanierung der Strecke und Wiedererrichtung von Kreuzungsstationen beim Rasenden Roland auf Rügen?
    Inbetriebnahme des Dreischienengleis nach Lauterbach Mole?
    Rettung der Zittauer Schmalspurbahn vor der Stilllegung wegen Braunkohleabbau?
    Wiederinbetriebnahme des SPNV zwischen Oschatz und Mügeln?
    Großteilerneuerungen in erheblichem Umfang an den VII K der sächsischen Strecken?
    Mehr IV K in betriebsfähigem Zustand als vor dem "großen Umbruch"?
    Wiederinbetriebnahme der Brockenstrecke?
    Wiederaufbau von mehreren Schmalspurstrecken, zugegebenermaßen großteils in privater (Vereins-) Initiative, allerdings auch unter Zuhilfenahme staatlicher Fördermöglichkeiten über ABM etc.?

    Alles Beispiele, die Du gern (und zu Recht!) als Erfolgsgeschichten u.a. hier im Forum präsentierst.
    Nur mit den Neubau-Diesellokomotiven und -triebwagen hat es nicht so dolle funktioniert... ;)

    +-+-+-+-+-+-+-+- Klasse statt Masse! Wer macht mit? -+-+-+-+-+-+-+-+
    "Der Zweck des Forums liegt im Austausch zu Schmalspurbahnen,
    schmalspurigen Modellbahnen, historischen Eisenbahnen und damit verwandten Themen."

    Einmal editiert, zuletzt von Niels (17. Februar 2026 um 20:18)

  • Moinsen,

    Niels - Du verwechselst da bissel was - die negativen Folgen sind ua. durch den Wegfall des Standbeines Güterverkehr entstanden, der ja für viele Strecken der Rettungsanker war. Viele von Dir genannten Verbesserungen sind aber erst durch die Privatisierung der einzelnen Bahnen und durch " Museumsbahnen " ( siehe Wiederaufbau einzelner Strecken und betriebsfähige IVK ) entstanden. Das ist eben das was ich meine, die DR nach 1990 und die DBAG hat dazu nichts beigetragen. Ua. warum wurden die VIIK grunderneuert, als Folge der fehlenden Neubaudieselloks, die Chance auf einen Serien-Tw hat man ja kläglich vergeben. Klar weiß man im Nachhinein alles besser...

    Der Saarsachse

    IV K - Fan

  • Hallo Thomas,

    dem möchte ich widersprechen. Spätestens Anfang 1990 wurde deutlich, daß der Güterverkehr deutlich zurückging. Mit dem Vorstoß, die DM in der DDR einzuführen, wurden fast alle Güter mit Myriaden von Lastwagen im Land verteilt. Gleichzeitig wurden Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in die Wege geleitet- um die "Museumsbahnen" weiter betreiben zu können. Habe ich im Oktober 1989 auf meiner Wanderung im Selketal täglich die Güterzüge von und nach Harzgerode gesehen- so war es im späten Frühjahr 1990 gerade mal einer (in einer Woche).

    Die Vorarbeiten zur einer vereinheitlichten Pioniereisenbahnlokomotive sowie dem Ersatz der Schmalspur- Dampflokomotiven sind, wenn ich die Quellen richtig interpretiere- offensichtlich nur akademischer Natur (in diesem Fall absolut nicht abwertend gemeint). Eine staatliche Planung, Bilanzierung oder gar Kontingentierung scheint es nie gegeben zu haben.

    Der Artikel in den "Schienenfahrzeugen" scheint vor dem Hintergrund der Verkehrsentwicklung der vergangenen Jahre verfasst. Selbst im Januar des Jahres 1990 hätte man- unabhängig von der zu erwartenden Verkehrsentwicklung- auf die Erweiterung des Marktes eingehen können. Standen jetzt doch auch alle Anbieter in Westeuropa bereit. Der Tenor des Artikels ist in meinen Augen- Unsere Dampfloks sind alle- wir brauchen Ersatz. Dabei sollten die Eckpunkte beachtet werden...

    So weit meine Gedanken

    Viele Grüße Christian

  • Artikel über Schmalspurbahnen in Polen, CS, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Rußland, Afrika, ... waren im MEB sogar recht häufig (wenn auch manchmal SEHR kuriose Fehler vorhanden waren ;)).

    Dass man heutzutage in digitalen Archiven wesentlich leichter und schneller etwas findet, ist schon klar - auch wenn eine Volltextsuche ganz oft nicht möglich ist. Aber die Menge an interessanten Artikeln, die man da so findet, ist überwältigend und fast erdrückend (auch wenn es auf Wikipedia kaum jemand nutzt...).


    Es bleibt trotzdem ein anderer Rechercheaufwand. Und auch ohne PC muss man seine Werke ganz anders verfassen, umkopieren oder einfügen geht nicht.


    Wo die Entwicklung 1990 hinging, war ja völlig offen. Die Vorstellung, das plötzlich tausende km Bahnstrecke entbehrlich sind, war sicher so nicht vorstellbar. Zumal auch im Bahnbereich bereits 1990 kräftig investiert wurde.

  • Auch ein paar interessante Aspekte zu diesem Thema im Heft Zeunert's Schmalspur Bahnen Band 50

    Die fast vergessene Idee ... Dirk Endisch Verlag

    Gruß Carsten D