Warum beschaffte die DR keine Schmalspurloks im Ausland?

  • Hänge da nicht so tief im Thema drin, aber hätte der Kauf in Jugoslawien nicht unter Umständen gegen die Regularien des RGW ( Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) verstoßen? Da war ja ganz klar festgelegt, wer was baut. Und für Dieselloks war da Rumänien vorgesehen... .

  • Moinsen,

    Dampf-Berliner - ist zwar OT, das war nur eine Empfehlung wo sich irgendwie nur die DDR dran gehalten hat ( aus eigentlich bekannten Gründen ).

    Unsere tschechischen Freunde bauten weiter bei CKD Dieselloks und eine T47.0 hätte ich mir auch gut bei der DR vorstellen können...

    Der Saarsachse

    IV K - Fan

  • Hahaha ...und mit Devisen bezahlt.

  • jegliche "Neuentwicklungen" im Diesellok-750 mm Bereich hätte man sich getrost sparen können wenn man sich die Daten der bereits 1968 (!!!) in Jugoslawien gebauten oben bereits erwähnten JZ 740 sich mal anschaut:

    [...]

    Diese Baureihe war mir bisher irgendwie nicht aufgefallen glaube ich.

    Ähm, das ist jetzt aber nicht dein Ernst - diese Baureihe wurde in diesem Thread schon mindestens 5-mal erwähnt und du hast selber schon entsprechend darauf reagiert, bereits 2020 (!):

    TRO
    5. Juni 2020 um 14:47

    Ab Mitte der 70er bis 1978 wurden fast alle 740er durch die Einstellung der JŽ-Schmalspur abgestellt - fanden aber nur einige wenige Käufer. Man hätte also nicht mal neue Lokomotiven bauen müssen - 29 Loks wären sofort verfügbar gewesen, also fast die angeblich mal anvisierten 30 Stück. Hätte also ausgereicht, wenn man nur gewollt hätte - die Motoren wären allerdings samt und sonders zu ersetzen gewesen, ein erheblicher Schwachpunkt dieser Loks.
    Allerdings hat sich das wahrscheinlich zeitlich blöd überlappt - Mitte/Ende der 70er hat man ja sogar die faktisch neuen VI K verschrottet mangels aktuellem Bedarf, während man dann 10 Jahre später in den Lokmangel kam aufgrund der verschlissenen 99.77. Zu diesem Zeitpunkt waren die restlichen JŽ 740 vermutlich aber ebenfalls schon im Eisen-Kreislauf gelandet - so geht Planwirtschaft ^^...

    Ein gleichwertiger Ersatz für die VII K wären sie mit nur 600 Motor-PS aber auch deutlich nicht gewesen!



    mirquidi

    Danke für den Exkurs zur Dieselelektrik - für eine hypothetische DR-Schmalspurdiesellok aber wohl komplett ohne Belang. Bekanntermaßen sind dieselhydraulische Loks deutlich leichter pro installierter Leistung - siehe auch die entsprechenden Werte von TU 2 und T47.

    Viele Grüße,
    Andreas

  • [...] und eine T47.0 hätte ich mir auch gut bei der DR vorstellen können...

    Hatten wir das nicht alles schon x-fach? Was hätte man denn mit einer Lok anfangen wollen, die bei 32 t grade mal ca, 280 PS auf's Gleis brachte? Recht viel mehr als die IV K hätte man damit nicht ersetzen können, sofern der Oberbau auf diesen Strecken statt 7 auch 8 t Achslast vertragen hätte...

    Der immer wieder angeführte angeblich unpassende Mindestradius von 60 m hingegen kann wohl kaum ein Grund gewesen sein - in der Tschechoslowakei war eben kein engerer Radius vorhanden. Bei einer dieselelektrischen Lok sollte eine Verminderung auf 50 m aber kein wirkliches Problem sein - man hätte halt eventuell die Kabellängen zu den Motoren und die Schürzen etwas anpassen müssen ;)...

    Viele Grüße,
    Andreas

  • die T47.0 hatte 257 kw was 349 PS entspricht, aber das ist alles Spekulation was dieser Loktyp hätte bewirken können. Es hätte ein gesundes Nebeneinander geben können, aber wer weiß das schon,...

    Du darfst da aber die Leistung des Dieselmotors nicht mit der Leistung am Rad gleichsetzen, da gilt es doch einige Nebenaggregate damit zu betreiben (Lichtmaschine, Kompressor, Lüfter des Kühlers; evt. Vakuumpumpe), was meistens so um die 10 % der Nennleistung braucht. Und ebenso wie Hydraulik- und Achsgetriebe haben auch Generatoren und Fahrmotoren einen Wirkungsgrad kleiner 1 - es wird also weitere nicht nutzbare Wärme produziert...

    280 PS am Rad sind da bei genauerer Betrachtung aber eh schon recht optimistisch (auch wenn der Gesamtwirkungsgrad bei dieselelektrisch etwas größer ist als bei dieselhydraulisch - darum nimmt man das höhere Gewicht ja auch in Kauf) - es werden eher nur 260 bis 270 PS nutzbar gewesen sein! Und dafür war der Verwendungsbereich bei der DR nun wirklich nicht allzu groß, denn da war dann eine IV K ja schon etwas stärker. ..

    Viele Grüße,
    Andreas

  • Hallo zusammen,

    das ganze Thema ist wohl zu komplex um es zu verstehen. Man darf auch nicht einfach nur die Lokomotiven betrachten, sondern auch das ganze Umfeld. Die DDR-Industrie wäre mit Sicherheit in der Lage gewesen für die DR eine Diesellok für Schmalspur zu entwickeln und auch zu bauen. Nur hätten es diese auch es gedurft? Man hätte genauso im Ausland Loks beschaffen können, völlig egal ob von der Stange oder für die DR angepasst, aber hätte es Mittel dafür gegeben? Selbst nur mit der Beschaffung von Loks ist das Thema ja nicht durch. Auch Infrastruktur muss dafür geschaffen werden. Wie Umbau oder gar Neubau von Werkstätten und Tankstellen. Ich bin mir sicher, Entscheidungsträger für derartige Investitionen saßen nicht bei der DR. Das wurde an höheren Stellen entschieden. Und schon fand man sich schnell im Räderwerk dieser teilweise irrsinnigen Planwirtschaft wieder. Keine Möglichkeiten, kein Geld und keine Kapazitäten.

    Zum Umfeld gehören auch die allgemeinen Prioritäten die fallweise für die Wirtschaft festgelegt wurden. Die DR wurde da recht selten im großen Umfang mit bedacht. Wie mit dem Ausbau des elektrischen Streckennetzes. Der Russe hatte das Öl recht teuer gemacht für seine Freunde. Öl bzw. Diesel musste gespart werden. Völlig egal was es kostet. Dazu musste natürlich auch neue E-Lokomotiven beschafft werden. Die nächste große Nummer der DR in den 1980er Jahren waren die Alkalischwellen im Netz. Ich glaube nicht, das man dann mit der Forderung nach ein paar Diesellokomotiven für Schmalspur um die Ecke kommen konnte. Mit den Harz-Kamelen hatte die DR sich selbst helfen können wie so auch in anderen Belangen. Durch die Elektrifizierung wurden genügend V100 freigesetzt und umgebaut. Aber das war es dann auch schon.

    Allgemein, sollten in den 1980er Jahren Güter bevorzugt über 100 Km, oder waren es schon ab 50 Km (?), per Bahn befördert werden. Natürlich nur so weit es ging und möglich war. Auch nur um Diesel zu sparen. In diese Schublade passten selbst noch mit Dampf betriebene Schmalspurbahnen rein. Zwar teilweise total veraltet, aber es konnte Diesel gespart werden.

    Ich bin mir auch sicher, das allgemein die verbliebenen Schmalspurbahnen nur das 5 Rad am Wagen bei der DR waren. Ineffizient, teuer, langsam und veraltet. Schon um 1970 gab es den Plan alle Schmalspurbahnen einzustellen. Alle! Dann die kleine Kehrtwende, die aber die Situation der Schmalspurbahnen selbst im Grundsatz nicht verbessert hatte. So dümpelten diese Bahnen bis kurz nah der Wende vor sich hin bis sie in Eigenständigkeiten anderer Träger entlassen werden könnten. Und selbst unter diesen Bedingungen ist man auch auf das politische Umfeld und dessen Befindlichkeiten angewiesen.

    Gruß, Thomas

  • Die DDR-Industrie wäre mit Sicherheit in der Lage gewesen für die DR eine Diesellok für Schmalspur zu entwickeln und auch zu bauen.

    Tja, die Chance hat sie einmal bei der V36K bekommen - und dabei voll versagt...

    Danach kam der geplante Abschied von der Schmalspur - mit den späteren Ausnahmen, dann die beiden Ölpreiskrisen (die "Russen" verlangten ja nicht nur zum Spaß entsprechende Preise...) und dann waren die noch gar nicht so alten 99.77 nicht mehr in brauchbarem Zustand zu halten (genauso wie ihr Pendant im Harz). Aus dem Chaos konnte ohne entsprechende Investitionen nichts mehr werden - aber dazu fehlte offenbar sowohl der wirkliche Wille wie auch das Geld...

    Viele Grüße,
    Andreas

  • Hallo,

    mein Senf natürlich wieder dazu:

    und du hast selber schon entsprechend darauf reagiert, bereits 2020 (!):

    Da ich mir ja nach 6 (!) Jahren nicht mehr sicher war, habe ich ja auch EXTRA geschrieben "glaube ich":

    irgendwie nicht aufgefallen glaube ich.

    Hahaha ...und mit Devisen bezahlt.

    Ja, die waren nicht im RGW, man "hätte einfach" ihnen was anderes geben können aus der Produktion der DDR, da hätte sich bestimmt was finden lassen...

    Was hätte man denn mit einer Lok anfangen wollen, die bei 32 t grade mal ca, 280 PS auf's Gleis brachte? Recht viel mehr als die IV K hätte man damit nicht ersetzen können, sofern der Oberbau auf diesen Strecken statt 7 auch 8 t Achslast vertragen hätte...

    Naja, ich weiß nicht was du so denkst was die IVk für ein Kraftpaket ist, die hat 200 PS meines Wissens. Die Vulcan-Loks so 300 PS, die 99.48 so 350 PS, VIk so 500 PS und die VIIk 600 PS.

    Wenn jemand anderes Daten hat mich bitte korrigieren :!:

    Tja, die Chance hat sie einmal bei der V36K bekommen - und dabei voll versagt...

    Die hat nicht wirklich versagt, mit dem V15-Motor und dem hydraulischen Getriebe (GSR 12 3,7 der V15 ?) konnte das nicht wirklich leicht& stark werden. Zumal die Motoren eben Saugdiesel waren und so eben vom Leistungsgewicht nicht gut waren.

    Die 1953 von der DB beschaffte V29 war ja ähnlich dem V36K- Konzept und aufgebaut, war leicht genug hatte aber auch nur 290 PS. Nur Mal als Vergleich. Vielleicht hatte man sich die ja als grobes Vorbild genommen. Achja, die V29 hatte Kettenantrieb, das war damals auch nicht mehr unbedingt das Non-Plus-Ultra...

    Mfg TRO.