Reaktivierung der Heidekrautbahn

  • Hallo zusammen,


    ich bin heute auf die Reaktivierung der Heidekrautbahn gestoßen. Hier soll noch in diesem Jahr der Baubeginn für den Wiederaufbau ab Berlin-Wilhelmsruh starten. Da ich mich in dieser Gegend nur wenig auskenne, mal eine Frage an die Bimmelbahner in der Nähe: Wie ist denn der aktuelle Stand? Wenn ich die Karten richtig deute, fehlt derzeit nur die Kurve in Wilhelmruh, denn die weitere Strecke ist zur Anbindung von Stadler Rail schon vorhanden, oder? Wie ist der weitere Streckenzustand?



    Größere Karte anzeigen


    Mehr auch unter https://www.neb.de/unternehmen/stammstrecke/


    Nachtrag: Das folgende Video ist bei Youtube zwar nicht gelistet, aber sehr interessant - finde ich:

    Viele Grüße,
    Eckhard

  • Hallo Eckhard,


    vor einer Reaktivierung muß die Strecke trotzdem aus dem Zustand eines "Anschlußgleises" in eine ÖPNV-Strecke gehoben werden. Dazu wird vielleicht nicht jeder Meter Gleis angefaßt werden, aber doch viel investiert werden. Das reicht neben der Geländeprofilierung und Anbindung in Wilhelmsruh über den Neubau sämtlicher Bahnsteiganlagen, die technische Sicherung aller Bahnübergänge über öffentliche Straßen und die Installierung von Sicherungstechnik sowie vermutlich nicht wenig bauliche Abschirmung sowie Lärmschutz von Wohn- und Freizeitgeländen.

    Gruuß

    217 055

  • Hallo 217 055 (würde dich lieber mit einem Vornamen ansprechen ...),


    jaein, meines Wissens ist die Anlage bis zum Abzweig Stadler, voll als Bahnstrecke gewidmet, dass heißt, das im Bezug auf bauliche Abschirmung und Lärmschutz Bestandsschutz gelten sollte.

    Um einen attraktiven Nahverkehr auf der Strecke durchzuführen müssen, wie von dir beschrieben, neue Bahnsteige und bei einem größeren Teil der Bahnübergänge und den dann notwendigen Ausweichmöglichkeiten technische Sicherungsanlagen installiert werden und der Oberbau für höhere Geschwindigkeiten ausgebaut werden.

    Für den Anschluss nach Wilhelmsruh gibt es einen gültigen Planfeststellungsbeschluss, deshalb muss zumindest diese Kurve in absehbarer Zeit gebaut werden, damit die Planfeststellung nicht verfällt.

    Viele Grüße vom Pollo und aus Berlin!


    -ALEX-

  • Hallo ALEX (und alle anderen),


    ich schrieb ja auch extra in Anführungszeichen von einem "Anschlußgleis".

    Nun bin ich kein Rechtsexperte, meine aber registriert zu haben, daß Ausbauten für erhebliche Leistungsfähigkeits- und vor allem Geschwindigkeitserhöhungen eben nicht unter Bestandsschutz fallen (deswegen muß ja sogar nur eine Elektrifizierung schon mit Planfeststellungsverfahren vorbereitet werden). In anderen Fall würde dann auch zukünftig mit 10 - 50 km/h gefahren werden müssen und ich glaube nicht, daß ein solches Ziel Projektinhalt wäre. Ich lasse da aber gern besser informierte Mitschreiber drüber referieren.


    Mein letzter aufgeschnappter Zwischenstand zum Projekt lautet, daß es anfangs auch möglicherweise einen Zwischenzustand mit einem Interimsbahnsteig an einem Stumpfgleis in Nähe des S-Bf. Wilhelmsruh geben könnte - weiß nicht, ob das noch aktueller Stand ist. Hintergrund war, daß die Einbindung in den Neubau des Bf. Wilhelmsruh noch nicht projektreif sei.

    Gruuß

    217 055

  • Hallo miteinander,


    nach > diesem Bericht der Berliner Zeitung vom 12.06.2020 < beginnen noch in diesem Jahr die Bauarbeiten, weil - wie oben schon geschrieben - ansonsten am 31.12.2020 das Baurecht verfällt.


    Die angekündigte Inbetriebnahme Ende 2023 bis Wilhelmsruh verstehe ich so, dass die Züge dann in der Tat erstmal dort enden, möglicherweise ohne dass dort ein Anschluss ans restliche Netz hergestellt wird (sinngemäß so meine ich das auch mal irgendwo gelesen zu haben). Dies wird dann wohl erst 2027 oder 2028 realisiert werden, wenn die Züge bis Gesundbrunnen durchgebunden werden sollen.


    Der in dem Zeitungsartikel erwähnte fehlende Abschnitt von gerade einmal 600 m Länge zwischen dem Anschluss Stadler und der Strecke in Wilhelmsruh ist anhand der Bebauung - z. B. auf > Google Earth < - nach all den Jahren noch sehr gut zu erkennen, die Trasse scheint mir demnach frei von Bebauung zu sein.

    _________________________
    Gruß aus dem Bergischen Land


    Thomas

  • Hallo miteinander,



    Der in dem Zeitungsartikel erwähnte fehlende Abschnitt von gerade einmal 600 m Länge zwischen dem Anschluss Stadler und der Strecke in Wilhelmsruh ist anhand der Bebauung - z. B. auf > Google Earth < - nach all den Jahren noch sehr gut zu erkennen, die Trasse scheint mir demnach frei von Bebauung zu sein.

    Hallo,


    auf der Strecke findet Abtransport der endmontierten Fahrzeuge nach Velten und die Anlieferung von Fahrzeugen aus dem Testbetrieb für Nacharbeiten im Werk statt. Wobei die Fahrzeug dann nur im Außenbereich des Werkes sich aufhalten können, da die Werkhalle nur ein Montagegleis hat, auf dem die einzelnen Wagenkästen auf die Drehgestelle gesetzt werden. Der Zusammenbau der Züge findet in der Leichtbauhalle neben dem Werk statt. 2013 hat die HVLE die Transporte für Stadler abgewickelt. Die sind mit der V100 mehrmals die Woche ins Werk gefahren. Stadler hat noch auf dem Werksgelände einen Unimog zum verschieben. Daher muss die Strecke ein einen relativ guten Zustand sein. Sonst würde der Kunde bei der Abnahme über Lackschäden am Fahrzeug meckern.


    Grüße

    Franz

  • Hallo,


    eine reine Erhöhung der Streckenhöchstgeschwindigkeit ist noch keine erhebliche Veränderung der Bahnanlage, solange die Lage der Trasse nicht verändert werden muss und die Streckenkategorie sich nicht ändert, bei einer Elektrifizierung würde es schon anders aussehen. Ansonsten wären ja die heute schon im ÖPNV betrieben Streckenteile der NEB mit Lärmschutzwänden zugemauert, hier sind in den letzten Jahren auch sukzessive die Geschwindigkeit auf bis zu 80 km/h erhöht worden.


    Der aktuelle Planfeststellungsbeschluss in Wilhelmsruh sieht erstmal nur die Rampe bis neben den S-Bahnhof mit einem einzelnen Gleis und Bahnsteig vor, die weitere Anbindung in Richtung Gesundbrunnen muss extra genehmigt werden.

    Viele Grüße vom Pollo und aus Berlin!


    -ALEX-

  • Hallo Forengemeinde, ich lebe zwar sehr weit weg von meine Heimatstadt, bin ihr aber über die Jahrzehnte vebunden geblieben besonders was die Verkehrbelange angeht. Dazu gehört auch die regelmäßige Lektüre von diesbezüglichen Zeitschriften. In diesem besonderen Zusammenhang empfehle ich einen Blick in Heft 2-2020 der -Verkehrsgeschichtlichen Blätter- Dort wird Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Heidekrautbahn behandelt. Informationen zum Heftkauf findet man unter www.verkehrsgeschichtliche-blaetter.de

    mit Gruß aus Gernsheim

    Rainer :wink:

  • Hallo zusammen,


    wenn man ein bisschen dazu im Internet sucht, findet man auch eine Bürgerinitiative, die sich zum Beispiel gegen einen zweiten Bahnhof in Schildow und andere Veränderungen wendet. Wie immer gibt es Befürworter und Gegner eines solchen Vorhabens. Es waren hier auch wasserstoffbetriebene Triebwagen im Gespräch.

    Mehr unter https://www.dialog-heidekrautbahn.de/


    Der obige Film zeigt auch, dass einige Baumaßnahmen notwendig sind, um die Strecke zu modernisieren. Einen kleinen Eindruck der aktuellen Strecke gibt es im folgenden Film, der die Überführung der Fahrzeuge von Stadler zeigt: https://youtu.be/NkLr8cKAkhE


    Bei einer Modernisierung der Strecke müsste der Anschluss von Stadler auch während der Bauarbeiten gewährleistet bleiben, das ist sicher eine gewisse Herausforderung. Vielleicht müsste auch dafür zuerst der Anschluss in Wilhelmsruh an die Nordbahn gebaut werden.

    Viele Grüße,
    Eckhard

  • Hallo Eckard,


    interessantes Thema!

    Diese Bahnlinie ist Teil der Schienenwege in meiner alten Wohngegend, die dazu beigetragen haben, dass ich so ein Eisenbahnfan bin.

    Ich fahre mehrmals in der Woche mit dem Fahrrad an der S-Bahntrasse entlang. Deshalb habe ich gestern mal ein Foto vom Gleisbett am Bahnhof Wilhelmsruh gemacht. Mit ganz genauem Hingucken erkennt man noch ein paar Schwellenreste.
    Der Bahnsteig müsste aber kommplett neu gebaut werden, da ist gar nichts. Auch die Verbindungskurve zum Stadlergelände hin müsste neu her. Da tun mir jetzt schon die Kleingärtner leid, die dort eine PArzelle haben. Beim nächsten Mal fotografie ich die Stellen vom Boden aus. Vielleicht ist ja doch genug Platz da, ohne das jemand weichen müsste.


    Gruß

    Thomas

    ...und immer eine handbreit Schiene unter den Rädern!