Das Bw Engelsdorf - die letzte große Eisenbahnausstellung vor 28 Jahren

  • Ist es wirklich schon so lange her - oder bin ich echt schon derart gealtert.... mir kommt es noch wie gestern vor, dabei gibt's es von Euch Forianern einige, die sind erst in dieser Zeit oder später geboren worden. Aber irgendwann blickt ein jeder in seinem Leben so zurück.


    Engelsdorf - nein das war lange Zeit nicht Leipzig, dass war ein kleines Dorf vor den Toren der Messestadt. Hier gab es ein großes RAW und das Bahnbetriebswerk Engelsdorf. Das Ganze war dann noch verbunden mit einen großen Rangierbahnhof und einem Gleisdreieck.


    Hier war für mich die Welt der Erfüllung. Ohne Ärger mit der Transportpolizei (TraPo) kam man an die Strahlengleise am Lokschuppen oder zum Heizstand. man konnte fotografieren und den bunten Betrieb im Bw beobachten. Mich interessierten vor allem die 52er des Bw, welches 1981 wieder einen Zweitageplan aufgenommen hat. Eisenschwein E94 und E44 die hier emsig rein- und rausfuhren interessierten mich nicht. Ach und ne 118... gab es ja überall. Von der Baufälligen Brücke am Haltepunkt Industriegelände konnte man herrlich den Betrieb auf dem Rangierbahnhof beobachten, leider auch durch den Fußboden der Brücke, erst Mitte der 80er gab es einen Neubau.


    An 1983 hatte Engelsdorf dann einen 3 Tageplan mit 52.8 auf den Nebenstrecken nach Trebsen, Großsteinberg/Großbothen und nach Eilenburg.

    Geheizt wurde in guten Wintern mit 3 bis 4 Heizloks. dafür standen im Bw 44 1256 (ÜK); 44 1614 und 44 2398 zur Verfügung. Eine 52.8 aus dem Betriebsdienst war immer Reserve. Zur Kohle fuhren die Loks bis 1987 selber, dann kamen die Maschinen derart gerupft aus dem RAW das Hilfe notwendig war.


    Das Engelsdorfer Personal fuhr gern auf seinen Loks, daher waren die Maschinen immer gut gepflegt.

    In den Jahren 1991 und 1992 gab es zwei Ausstellungen, die wirklich gelungen waren. Leider war ich zu jener zeit noch nicht so blickig, manches Detail besser einzufangen. Die Dampfzeit war ja erst eben vorbei.

    Dennoch möchte ich Euch ein paar Bilder aus dem Alltag des BW und von den letzten großen Ausstellungen in Leipzig nicht vorenthalten.


    Die ersten Gäste kommen. Zum letzten mal zeigt sich 52 8200 der Öffentlichkeit, bevor sie die deutschen Grenzen verlässt. Die Löbauer 52.8 mit der ungewöhnlichen Nummer hatte Kultcharakter


    381182 und 441093 stehen hier Face to Face und warten ab, wann ihnen ein Platz zugewiesen wird. Im Hintergrund am Kohlebansen steht eine zur NHL umgebaute Engelsdorfer Betriebslok


    Aus Staßfurt kamen 44v 1486 und 50 3695 mit ihrem Behelfspersonenwagen als Begleiterwagen


    Äußerlich frisch aufgearbeitet präsentierte sich 52 5448 erstmalig wieder in der Öffentlichkeit. Nur durch Glück entkam diese Maschine der Verschrottung. Sie war mit 52 5660 die letzte Altbau Lok hier im Btriebsdienst


    254 106 sollte anschließend auch die Heimat verlassen, so konnte sie nochnals mit der Schwester 254 056 sich zusammen zeigen


    Eigentlich dachten wir immer, 52 8186 ist die künftige Leipziger Traditionslok, es kam anders - 52 8186 wurde nach Nördlingen verkauft und 52 8154 wurde Museumslok. Hier zeigt sich die Leipziger Planlok noch ohne Verkleidung der Einströmrohre.


    V200 295 zeigte hier, dass auch sie rauchen oder besser rußen kann. Sie brachte die 52 8041 aus Lutherstadt Wittenberg


    Einst Bw Falkenberg, dann in Engelsdorf bis 1987 und zum Schluß Heizlok in Wittenberg - das war der letzte Abschnitt im Lebenslauf der 52 8041.


    Hier präsentiert sich 52 8041 im besten Zustand neben ihrer ehm. Falkenberger Schwester 52 8039


    Das die Altbaufahrzeuge noch lange nicht Schrott sind, beweisen sie vor Schleppzügen auf dem Ablaufberg, hier 244 046. Das von ihr verdeckte Stellwerk wurde bei einer Entgleisung fast vollkommen zerstört und war zu diesem Zeitpunkt noch in Nutzung


    Auch außergewöhnliche Gäste sind gekommen, die E 77 10 verstärkte die Altbau E Lok Fraktion

    Wie in alten Zeiten, 52 8039, 44 1614, 528041 und 52 8154


    52 5448 präsentiert sich im morgendlichen Sonnenlicht


    Auf den Strahlengleisen rings um die Drehscheibe wurden bis 2019 noch Lokomotiven abgestellt. Eigentlich war der Lokschuppen mal viel größer, durch die schweren Angriffe auf den Rangierbahnhof, wurde auch der Lokschuppen schwer beschädigt


    So ähnlich stelle ich mir die Zeiten vor, die ich nicht mehr erleben konnte. Da war es normal, als 44er auf P8 trafen, da war auch der Wsserkran an der 1093 noch intakt


    Die Ausstellung kann beginnen....

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Wie versprochen ein Blick zurück in die 80er. Auch wenn man von der Straße an die Abstellgleise gut herankam, so war für zivile Menschen das fotografieren hier dennoch nicht einfach. Die Lokleitung hatte einen guten Blick übers Bw, dass Stellwerk meldete der TraPo schnell mal "verdächtige Personen". So das man nicht überall hinkam, wie man wollte.


    Am Anheizschuppen stand eigentlich immer eine Heizlok. im Winter oft zwei Maschinen. Oft kamen die nicht mehr so fitten 52.8 hier zum Einsatz. Hier wartet 254 106 auf Ausfahrt in den Rangierbahnhof, 52 8186 (mit dem Schornsteinring) pausiert bis zur nächsten Fahrt und 52 8060 muss zur Kohle geschleppt werden


    254 106 und 254 052 fahren zu ihren nächsten Zügen, auf dem Rangierbahnhof war leben. Mitte Rechts, dass große Zentralstellwerk. heute ist der Bahnhof voller überzähliger Triebfahrzeuge und Waggons vom S

    Stillstandsmanagement


    Keine Angst, der Tender ist nicht in Brand geraten, hinter der 44 1256 steht 52 8077 als Heizlok.

    Die 44 war leider nur noch bedingt betriebsfähig, der Mittelzylinder wurde abgeflanscht


    Richtig räudig sah 44 1614 aus, Heizloks hatten keinen guten stand und waren auch selten in einem guten Zustand. Auch diese Maschine war "Zweibeinig" und bewegte sich mit stotternden wuff wuff ------ durchs BW


    Engelsdorf hatte mehrere Jahre Dampfpause und so wurde hier teilweise schon Infrastruktur für Dampflokomotiven zurückgebaut. So waren gar nicht mehr viele Wasserkräne vorhanden, da konnte es schonmal Stau geben. Die 52 8186 wartet bis 52 8028 fertig ist mit Wassernehmen. Letztere war recht glücklos und war beim Personal wenig beliebt. Aber sie hatte eine klar erkennbare Aussprache


    Während 44 1256 nur auf zwei "Töppen" fährt, ist mit der 52 8060 gar nichts mehr los. Die 44 fährt die zweite Heizlok an die Kohle


    Sie war der Stolz des Bw Falkenberg, einst bestens gepflegt, landet 52 8098 auf einmal in Engelsdorf. Scheinbar reichte es nicht für ein Spitzenlicht, dafür gab es tolle Strahler auf der Pufferbohle

    Interessant ist noch zu erwähnen, dass 52 8098 in den 80ern einen Unfall hatte und anschließend den Rahmen der ausgemusterten 52 8101 erhielt. Eigentlich hätte die 8098 in 8101 umbenannt werden müssen.


    Auch hier waren zwei Loks am Heizstand beschäftigt


    Im Heizstand konnte ich 1993 44 1614 im besseren zustand erwischen, man bemühte sich um den erhalt des Bello. 52 8028 war ebenfalls nur noch für Duschwasser im Gebrauch


    Erste Fortschritte machte die Aufarbeitung der 52 5448, 52 8028 war schon kalt

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Hallo Thomas,


    auf der Fahrt von Chemnitz nach Leipzig war es Pflicht in Höhe Engelsdorf den Kopf aus dem Fenster zu stecken. Interessant waren immer die Heizloks und die Altbau E-Loks. Ein Bw Fest habe ich auch mal besucht. Wie du schreibst, alles schon so lange her.


    Gruß Lutz

  • Stimmt, auch ich schaute aus dem Zug, vor allem an dem Heizstand 1 traute ich mich anfangs nicht heran. Später schon..

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Hallo,

    "Zur Kohle fuhren die Loks bis 1987 selber, dann kamen die Maschinen derart gerupft aus dem RAW das Hilfe notwendig war."


    Ich dachte das bis zum Schluss 1991 alle Loks selbstfahrend waren? So steht es zumindest in der Literatur. Bestimmt bis auf Ausnahmen... oder?


    Ich selbst habe mit Lok, bei der letzten großen Ausstellung 2006 mitgewirkt :thumbup:.

    Später war ich noch x-mal dort zum rangieren, Lok holen oder tanken.


    Mfg TRO

  • Bus 1988 gab es ja noch betriebsfähige Loks, wo ein Teil auch heizte. Ab Plandienstende kamen noch 52.8 mit Restfristen zum Einsatz, aber immer weniger selber Fahrfähig

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Hallo in diese Runde

    Ich war selbst 1990 das letzte Mal im Bw Engelsdorf, wo man die letzten Eisenschweine aus dem Plandienst verabschiedet hatte.

    zxxy4jyi.jpg

    Danach war es für mich relativ unattraktiv geworden , denn schließlich hatten wir ja unseren fotografischen Tätigkeitsbereich in der Zeit enorm erweitert. Ich fuhr daher lieber ins östliche Europa oder noch weiter, als mir irgendwelche kalten Heizloks anzusehen. Dank meiner Leipziger Freunde war ich ja früher zu Planzeiten oft genug dort unterwegs gewesen. So hatte es mehrere Jahre gedauert, bis ich wieder dienstlich nach Engelsdorf reiste.

    Grüße aus dem Bremer Exil

    Jan

  • Der Plandampf war vorbei, 528077 und 52 8186 träumen 1989 von besseren Zeiten


    Noch zwei Jahre zuvor stand 52 5448 (mit handgemalten Schild) an der Drehscheibe, die Eisenschweine waren nun mal da und wurden von mir kaum beachtet


    Heizstrand 1 an der Radsatzdrehbank, dieser war eigentlich immer besetzt, wenn es kalt war wie hier mit zwei Loks


    Hier war es keine Schubhilfe, 52 8077 hilft beim Anheizen der 44 2398, auch diese 44er lief auf zwei "Beinen" - der Mittelzylinder war Tot.


    52 8154 steht vor dem Anheizschuppen, welcher heute nicht mehr vorhanden ist


    52er unter sich, das passt in Engelsdorf genau. Die mittlere Maschine mit Barrenrahmen ist 52 5448 diese rahmen waren Restbestände der 50er Produktion


    E44 046 rangiert auf dem Bahnhof Engelsdorf


    52 5448 in voller Schönheit - für mich war die erste Begegnung 1982 und da war ich verblüfft, dass es Altbau 52er gibt mit MVA


    106 167 war ein Mitbringsel aus Wittenberg und kam mit 220 295 und 52 8041


    Das ist die V200, welche als letzte eine HU erhalten hat. Leider verschlug es sie über die Jahre nach Polen und ich weiß gar nicht, ob sie noch existiert


    Zur zweiten Ausstellung wurde es ein wenig Bunter, da durfte die P8 auch mitmischen


    E Veteranen unter sich


    Engelsdorf war ideal für solche Ausstellungen, da genügend Platz war, einzig die Lichtverhältnisse ab Mittag waren nicht günstig


    Es kehrt wieder Ruhe im Bw ein

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Moin,


    das Spannendste im Bw Engelsdorf in den 1980ern waren für mich immer die Eisenschweine. Rußpunzeln gab es ja eigentlich überall... :)

    Interessant auch das Bild mit der 244 und der 250 003. Die habe ich nur ein Mal gefahren.


    Gruß


    Carsten