Das Eisenbahnmuseum Gramzow

  • Für uns Brandenburger schickt man frische Beamte zur "Eingewöhnung entweder in die Uckermark, zum Oderbruch oder nach Doberlug Kirchhain. Eigentlich soll das ja eine Art Strafversetzung auf Bewährung sein und soll ausdrücken, wie "Nix los..." in dieser Region ist, aber das haben diese Landstriche auch gar nicht verdient.


    Die Uckermark ist nun wirklich dünn besiedelt, aber gleichwohl ist hier die Landschaft noch gesund, hier lebt man stressfrei, selbst Corona hat sich hierher kaum verirrt. In diesem Jahr hat man doch viel mehr die Heimat entdeckt, was auch für solche Landstriche eine Chance darstellt.


    Die Erschließung der Wirtschaft begann Ende des 19. Jhrd. durch ein Netz an Kleinbahnen. Vor allem um Prenzlau verzweigte sich in recht kurzer Zeit ein Kleinbahnnetz und sorgte für den wirtschaftlichen Aufschwung auf dem Lande. nach 1945 wurden all diese Kleinbahnstrecken von der Deutschen Reichsbahn übernommen. Die Blütezeit war zwar vorbei, doch noch immer waren diese nebenbahnstrecken unentbehrlich. Erst ab 1990 gab es einen extremen Einbruch in den Fahrgastzahlen. Zum einen war jetzt der eigene PKW im Fokus, aber noch viel schlimmer für diese Region, ein hoher Prozentsatz hatte in relativ kurzer Zeit keinen Job mehr und damit gab es keine Berufspendler mehr. das führte dazu, dass 1995 der Personenverkehr endgültig eingestellt wurde.


    Dank der verschiedenen EU Fördermöglichkeiten, konnten einige Eisenbahnfreunde der Region den gesamten Bahnhof Gramzow zu einem Museum aufbauen, welches an die doch umfangreiche Klein- und Nebenbahngeschichte in Brandenburg erinnern sollte. Zur richtigen Zeit wurde hier losgelegt und es gab dafür auch noch Geld. Leider ist es nicht einfach, in einer strukturschwachen Region aktive Mitstreiter zu finden. In Zeiten von ABM und 1 Eurojobs gab es hier immer aktive, die hier engagiert waren. heutzutage ist das als aktives Vereinsmitglied um einiges schwerer zu stemmen.


    Den Wunsch die Gesamte Strecke nach Prenzlau zu erhalten hat man leider nicht umsetzen können, aber der Museumszug fährt immerhin bis Damme, wo sich die Strecke teilte und beim Mitfahrten kommt man sogar noch wenige Kilometer in Richtung Prenzlau bzw. Löcknitz.


    Ansonsten lohnt es sich hier vorbeizuschauen. ein Museum was vollkommen authentisch ist und Spaß macht.

    Als wir 2010 dort waren, waren wir leider die einzigen - daher auch hier ein Weckruf.


    Es sieht aus, wie noch zu Planzeiten, das EG des Bhf. Gramzow, hier befinden sich auch die öftl. Toiletten



    Blick über die Anlagen am Lokschuppen. Die Drehscheibe scheint eine neumodische Zugabe zu sein. Diese macht bei einer solchen Kleinbahn auch nicht unbedingt sinn. Ich bedauere es immer, dass Vereine oftmals ihren Fahrzeugen Fantasieanstriche verleihen. Vor allem die V15/V22 welche vor allem nur blau oder orange waren, werden gern bunt gepinselt. Aber in Loburg und in Finsterwalde ist das ja ähnlich bunt. Wenn schon Phantasie, dann blau mit fiktiver DR Nummer, dass hätte hier besser gepasst. Vor allem gibt es zwei tolle Baag Waggons, welche dann zu bestimmten Terminen nach Damme fahren. Außerdem steht hier viel historische GFleisbautechnik


    Man kann hier sich auch kostenfrei mit einer Handhebeldraisine probieren. Uns gab die Museumsleiterin den Tipp am lokschuppen, dass wir die 200 Meter mit der Draisine zum EG fahren können, weil wir mal das Örtchen aufsuchen wollten.

    Was sie mir nicht sagte, wie fährt das Ding wieder zurück... :-)

    Ich hebelte und drückte und krachte immer in Richtung Prellbock, dann war ich der Meinung der wagen muss zurück, dann schiebe ich ihn eben.

    Das war dann der Effekt, dass sich der Antrieb umstellte, den Rest konnten wir wieder hebeln. Nicht wundern, dass war 2010, inzwischen habe ich ein paar Kuchen mehr gegessen :-)



    Absolute Raritäten sind hier zu finden, leider alle ungeschützt unter freiem Himmel


    Der alte Rügen Zweiachser Zug präsentiert auch die Gewichtspremse


    Ein wenig Schmalspurbahn Flair in Gramzow, ich hoffe der Zustand ist heute besser geworden


    Das ist 771 003 und sein passender Beiwagen. Diese Fahrzeuge gehörten zu den 3 Vorausfahrzeugen der bekannten LVT. Es ist auch der letzte noch erhaltene Triebwagen mit Panoramerundscheiben an der Front. Diese wurden nach und nach umgebaut. Leider ist der Gesamtzustand dieses historisch wertvollen und dem ältesten LVT mehr als bedauerlich. Die Farben sind verblasst, keine Anschriften mehr, Rost überall. das hat der LVT nicht verdient. Leider hat die DB AG nie ein Fahrzeug offiziell in den Museumsbestand übernommen, DR Fahrzeuge hatten hier wenig Lobby.

    Hammer auch die Gardienen am Eckfenster, sicherlich gut gemeint, aber sehr kitschig. Hier bin ich dann doch vom Museum enttäuscht.


    Blick in Richtung Bahnhofsausfahrtaus Kö 100 849. Im Hintergrund sieht man V60 131, die aus der Lieferserie der DR direkt nach Schwedt gegangen ist.


    Ein besonderer Leckerbissen ist die Prignitzer 99 4503. Viele der Prignitzloks wurden ja in den 60ern rekonstruiert bzw. neu gebaut, diese blieb davon verschon und ging an Privat weiter. Heute steht sie geschützt im Lokschuppen und in Ermangelung an Schmalspurgleisen auf einem rollenden Regelspuruntersatz.



    Hinter ihr eine Motordraisine, ex BM Wolkenstein


    Auch das Gleiskraftrad auf Basis einer Schwalbe ist interessant, dieses stammt von der Rügenschen Kleinbahn


    Die L22 ist einer der Vorkriegsloks der Berliner Bullenbahn in Schöneweide. Das stolze Gefährt wurde 1925 gebaut und war bis Anfang der 90er noch im Einsatz und bekam zur Wendezeit rumänische Neubauablösung, welche aber nur wenige Jahre existierten.


    Dieser Beiwagen steht für die Epoche, als die Klein- und Privatbahnen versuchten sich zu modernisieren und die Kosten senken wollten. Das Fahrzeug wurde in Dessau 1939 gebaut, ex Draisinen & Modellbahnfreunde Salzwedel, ex DR 190 833; ex DR VB 140 508 und war früher in der Altmark im Einsatz.


    Das ist ein echter Wismarer Triebwagen gewesen und er entspricht der Bauart Mosel. Das Fahrzeug wurde 1939 für die Prenzlauer Kreisbahn gebaut und nach dem Einsatz in den 60ern als rollende Unterkunft genutzt. ex DR VT 137 527; ex Dienstfahrzeug sowj. Militärregierung; urspr. Prenzlauer Kreisbahn PK 04


    Die T 3 - ein wirklich typisches preußisches Nebenbahnfahrzeug, wurde auf einem Spielplatz gefunden. Diese Lok wurde 1899 bei Henschel gebaut, ex Spielplatz Bayreuth, ex Spielplatz Kassel-Bettenhausen, ex DB 89 7296; urspr. KPEV „Cassel 6169“


    Es ist zwar ein typischer Kleinbahnhof, aber als Endbahnhof recht umfangreich und ausgedehnt. Schön ist, hier ist Platz und es sieht authentisch aus.


    Die Spielplatzherkunft kann sie zwar nicht verleugnen, aber schön das sie hier eine neue Heimat gefunden hat



    Interessant ist auch diese KÖ. 100 849 gehört zu einer kleineren Serie, die von den deutschen Werken Kiel produziert wurden und zur DR gelangten.


    Auch hier noch ein Datenblatt: gebaut 1939 bei den DWK, Leihgabe „Prenzlauer Eisenbahnfreunde e.V.; ex DR 310 849, ex DR 100 849; ex DR Kö 5049; urspr. MFWE Nr. 51

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Hallo Thomas,

    Das ist 771 003 und sein passender Beiwagen. Diese Fahrzeuge gehörten zu den 3 Vorausfahrzeugen der bekannten LVT. Es ist auch der letzte noch erhaltene Triebwagen mit Panoramerundscheiben an der Front. Diese wurden nach und nach umgebaut. Leider ist der Gesamtzustand dieses historisch wertvollen und dem ältesten LVT mehr als bedauerlich. Die Farben sind verblasst, keine Anschriften mehr, Rost überall. das hat der LVT nicht verdient. Leider hat die DB AG nie ein Fahrzeug offiziell in den Museumsbestand übernommen, DR Fahrzeuge hatten hier wenig Lobby.

    Hammer auch die Gardienen am Eckfenster, sicherlich gut gemeint, aber sehr kitschig. Hier bin ich dann doch vom Museum enttäuscht.

    wenn ich mich richtig erinnere gab es da ein Prospekt der DR zu Nachwendezeiten (Rbd Berlin?, auch analoges Prospekt zum SVT 175 existierend), dass den LVT 171 003 mit seinem Beiwagen als Museumsfahrzeug für besondere Fahrten anbot. Dort sind die Gardinen im Wagen als besondere Zutat schon zu erkennen, da hat also das Museum wohl keinen Anteil. Wem die Garnitur gehört ist mir auch nicht ganz klar. Das könnte evtl. den Zustand erklären. Der stand auch bei meinem Besuch abseits.


    Viele Grüße,

    Danilo

  • Hi Torsten, stimmt, dass Ding war ja etwas runder als die Schwalbe. Aber ich kenn mich mit Zweirad gar nicht gut aus.


    So fern kann ich mich an so etwas erinnern, Danilo. Aber offiziell hat es nie ein LVT in den offiziellen DB Museumsbestand gebracht, wie mach andere Baureihe auch. Nur dank BSW Gruppen hat sich hier noch einiges bewegt.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Hallo,

    ich war erst im Oktober im Museum in Gramzow... .Sehr fein und sehenswert!


    Fehlerkorrektur: -Die V60 131 gibt es nicht. Es ist die LKM 270 131, ex Werklok V60-31 vom PCK Schwedt.http://www.v60-ost.com/270131.html

    -Es ist nur ein Baag-Wagen im Museum Museumszug, ein Bi oder etwas ähnliches ist gerade in Aufarbeitung.

    -Es gibt einen LVT von DB Museum, den 772 001 in Neustrelitz.

    "auch analoges Prospekt zum SVT 175 existierend), dass den LVT 171 003 mit seinem Beiwagen als Museumsfahrzeug für besondere Fahrten anbot. Dort sind die Gardinen im Wagen als besondere Zutat schon zu erkennen, da hat also das Museum wohl keinen Anteil. Wem die Garnitur gehört ist mir auch nicht ganz klar. Das könnte evtl. den Zustand erklären."

    Das stimmt so nicht, das war der 772 131. Er wurde dafür als quasi Salontriebwagen mit Tischen ausgerüstet. Gardinen waren beim Altbau- LVT früher Standart. Die entfielen erst bei der Rekonstruktion.

    Der 771 003 gehört dem Museum und er wurde sogar 1995 mit eigener Kraft aus Prenzlau dorthin überführt!



    Mfg TRO

  • Hallo Tom,


    das scheint das Prospekt zu sein, aber ein anderer Triebwagen, da habe ich wohl doch andere Bilder im Gedächtnis gehabt. Also sind das wohl doch Zutaten es Museums, wenn auch der LVT schon lange nicht mehr zu fahren scheint auf deinen Bildern von 2010


    Die Gardinen gab es aber bei den normalen LVT nicht in weißer Spitze sondern in dickem braunem Stoff an den Fenstern zum Zuziehen wie überall. An eine schmale Übergardine kann ich mich aber auch gerade nicht erinnern, muss da doch mal in den Bildern und Büchern nachsehen. ;-)


    Viele Grüße,

    Danilo

  • Hallo Danilo,. ich hatte lange http://www.ferkeltaxe.de unter meinen Fingern gehabt und bin quasi Fachmann für Blutblase und Co. Du hast recht, die Vorhänge sind bekannt und typisch für Ferkeltaxen gewesen. Aber Spitzengardiene und Tyll gab es nicht :-)

    Einzig der Solo LVT zwischen Niesky und Horka hatte auf dem Schaltschrank eine Blumenvase und Tischdeckchen mit Deko. Das war mir sehr aufgefallen und die Zugbegleiterin hatte daneben einen Wohnzimmerdrehsessel…. davon habe ich auch noch Fotos.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Der 171 003 war ein ganz normales Linienfahrzeug und bekam die Gardinchen schon vom alten Heimat-BW spendiert, glaube sogar zu DDR-Zeiten, müsste gucken. Schade das der da im Freien herumrottet, statt ihn dahin abzugeben, wo man seinen herausragenden Wert zu schätzen weiß! Ist halt immer besser nach Spenden zu schrien, wenn man die Fahrzeuge draußen durch eigene Schuld heruntergerockt hat. Der kam auf eigener Achse mal in Gramzow an. Was die Rügener Fahrzeuge angeht, die sehen innen noch schön original aus wie im letzten Betriebszustand, mit Bierlasur etc. Ob das so bleibt vor Ort, ich enthalte mich Spekulationen, wenn ich im Vergleich denn ex Bösenhagener Tongrubenwagen sehe nach einer "Restauration".. Von der V10b und ihrer Farbgebung mal ganz abgesehen, oder was soll das Froschgrün??? Am Geld kann es also nicht gelegen haben..


    Traurige Grüße..

  • Hallo Thomas, das sieht wirklich schön aus!

    Ins Bahnmuseum wollte ich auch schon mal hin. Da findet doch auch regelmäßig ein Fest statt, was ganz amüsant sein soll.

    Liebe Grüße

    Jacky

  • Zwar liegt Gramzow nicht direkt vor meiner Haustür, jedoch probiere ich regelmäßig dort hinzufahren. In einer Folge von Eisenbahn-romantik, wurde die Uckermark als Toskana des Norden bezeichnet. Prenzlau ist die nächst größere Stadt. Der eher abgelegene Verein, mit seinen eher wenigen Mitgliedern, macht sehr viel um das was man hat zu erhalten.


    Jeder der aufm Weg von oder zur Ostsee die A11 befährt, sollte mal einen Schlenk rüber machen.


    Ich finde die Arbeit sehr rührig, die Feste sind gut organisiert und erfreuen sich gewisser Beliebtheit.


    Meint...