Brandenburg - Belzig - Chance vertan

  • Heute habe ich ein Streckenportrait, wo ich selbst leider keinen Dampfverkehr mehr erlebt habe. Aber ich war Nutzer der Flämingbahn, einem Teil der bekannten Brandenburgischen Städtebahn. Wollte ich nach Leipzig in die Heimat, musste ich nicht erst über Magdeburg oder Berlin reisen, ab Richtung Belzig und von dort über Dessau - Bitterfeld mit dem RE. 2003 war aber damit Schluss, dass Land Brandenburg wird mit dem Landkreis Potsdam-Mittelmark aneinandergeraten und empfahl, den parallelen Busverkehr einzustellen bzw. mit dem Bahnangebot abzustimmen.


    Allerdings war die Bahnstrecke nur drei Jahre zuvor schon einmal mehrere Monate ohne verkehr. Die DB stellte den Betrieb wegen verschiedenster Oberbaumängel ein, dass Land reagierte prompt und verlangte eine Instandsetzung, der der Bahnverkehr nicht abbestellt wurde.

    Es wurde wirklich nur geflickt, denn das Land sah davon ab, eine längere Bestellgarantie abzugeben und letztlich kam es - 2003 wurde der Gesamtverkehr eingestellt.


    Die Städtebahn hatte im Zielnetz 2000 ganz klare Zukunftsaussichten, die hier vorgesehene RB 502 von Jüterbog über Belzig-Brandenburg, wäre eine interessante Peripherie Verbindung geworden. Zwischen Brandenburg und Rathenow war sogar ein RE Angebot vorgesehen und ab Rathenow sollte wiederum ein durchgehender RB Linienbetrieb bis Löwenberg führen. Idee solcher komplexen langen Linien hätte die Attraktivität sicherlich erhöht, aber wurde so etwas wirklich gebrauch und ist ein derartiger Linienstrang nicht auch störanfällig?

    Die Städtebahn hat nun somit von ihren 4 Abschnitten 3 verloren. Neben den schon 1962 eingestellten Abschnitt Treuenbrietzen-Belzig, werden nun Belzig-Brandenburg und Rathenow-Neustadt/ D eingestellt und relativ schnalle abgebaut. Zur BUGA 2015 wäre hier ein Verkehrsbedarf dagewesen.


    Einzig der Verbleibende Abschnitt Brandenburg-Rathenow bleibt erhalten und wurde für sogar für 30 Mio. EUR saniert. Allerdings fragt man sich da schon – ob sich diese Investition überhaupt lohnt, fehlen doch nun die alten klassischen Verbindungen nach Norden und nach Süden. Desweiteren hätte man die Sanierung und die Kostenrechnung für die gesamte Städtebahn angestellt, wäre das Kosten/ Nutzenverhätnis besser geworden. Außerdem wurde viel Altmaterial verbaut, ob man dabei auf 30 Mio Euro kommt, erscheint mir schleierhaft.


    Unsere vorliegende Strecke Brandenburg-Belzig hätte 2004 ihren 100 Geburtstag feiern können. Sie ist ein Teil der Brandenburgischen Städtebahn, einer sehr erfolgreichen und großen Privatbahngesellschaft vor dem Krieg. Die Hoffnungen in diese Bahnverbindung von Treuenbrietzen bis nach Neustadt/ Dosse, die durch das kärgliche Land Brandenburg führt, waren sehr hoch. denn sie sollte die wirtschaftliche Struktur verbessern, die Anliegerlandkreise beschlossen sogar Mittel für eine Subvention der Bahnangebote. Und schließlich entwickelte sich die Städtebahn auch sehr gut. 10 Jahre nach der Eröffnung hatten sich die Fahrgastzahlen sogar verdoppelt und der Güterverkehr war auch sehr umfangreich, sogar Durchgangsgüterzüge der KPEV führten hier entlang. Durch die strategische Bedeutung im ersten Weltkrieg, nahm der Verkehr weiter zu.

    Die Weltwirtschaftskrise der 20er Jahre brachten enorme Einbrüche im Reise und Güterverkehr, gut die Hälfte der Transporte brachen weg.

    Doch die 30er Jahre brachten wieder Geld in die Kassen. Vor allem Die Rüstungsindustrie in Brandenburg und Premnitz sorgte für großes Aufkommen. Der Reiseverkehr hatte nur in den Abschnitten Belzig-Brandenburg-Rathenow Pendlercharakter. Auf den restlichen Strecken waren die Reiseverkehrsschwerpunkte von je her – die Verbindung der Anfangs und Zielbahnhöfe. Im Güterverkehr kam es zu umfangreichen Leistungen, die leider alle unter dem Zeichen des 2. Weltkrieges standen. Im Frühjahr 1945 wurden mehrere Brücken zwischen Brandenburg und Belzig gesprengt, im April dann auch zwischen Brandenburg und Rathenow.


    In den 50er Jahren sollte die Städtebahn weiter ausgebaut werden. Sie sollte vor allem Durchgangsverkehr und Umleiterverkehr aufnehmen und in eine Hauptbahn ähnliche Nebenbahn ausgebaut werden. Es entstanden in dieser Zeit auch die Verbindungskurven in Belzig, Brandenburg und Neustadt/ D. zur Umfahrung der jeweiligen Bahnhöfe. Weiterhin wurden größere Kreuzungsbahnhöfe angelegt.

    Doch durch dem Bau des Berliner Außenrings, war die Notwendigkeit nicht mehr gegeben. So verblieben die umfangreichsten Leistungen auf den Abschnitten Brandenburg-Belzig und Brandenburg-Rathenow. Stark zurückgegangen war der Reiseverkehr zwischen Belzig und Treuenbrietzen, weshalb hier am 1. Oktober 1962 schon der Reiseverkehr eingestellt wurde. Es verblieb ein bescheidener Güterverkehr zw. Belzig und Niemegk.


    Bis in die 90er war der Verkehr zwischen Belzig - Brandenburg über Premmnitz in Richtung Rathenow sehr umfangreich. Das sollte sich aber mit der wirtschaftlichen Veränderungen wandeln. Im Premnitz zerfiel das riesige Chemiefaserwerk in verschiedene Nachnutzungsunternehmen und der Rest wurde abgerissen. die vielen Militäranschlüsse wurden nicht mehr gebraucht. Statt lokbespannter Züge reichten nun Triebwagen aus, neben 628 kamen vor allem LVT hier zum Einsatz.


    Doch es kam alles anders. Es gab zwar Pläne und Projekte (s.o.) die nie so umgesetzt wurden. Mit dem ENDE der Deutschen Reichsbahn unterblieben auch die einfachsten notwendigen Erhaltungsmaßnahmen am Oberbau. Und schließlich kam es zu ungünstiger Anschlussgestaltung und damit weiter fehlendes Fahrgastpotential. Das der Betrieb der Nebenbahnen nicht mehr so sicher war, dass sieht man auch am Zustand der Bahnsteige in Brandenburg und Belzig. Hier wurde nichts investiert. Sehr lange und umständliche Wege führen vom Hauptbahnsteig zum Städtebahnsteig. Das schlimmste die hohe Brücke in Belzig.

    Der Oberbau und der Zustand der Brücken brachte schließlich im Herbst 2000 eine erste Sperrung der Bahnstrecke mit sich. Allerdings wollte das Land zu jener Zeit auf die Bahnleistungen bestehen, die sie ja auch bezahlt und so wurde DB Netz gezwungen wieder einen fahrbaren Zustand herzustellen. Dabei wäre die DB froh gewesen, diese Strecke los zu sein.

    Heute kann man sagen, dass die schlechte Situation der Strecke Belzig-Brandenburg hausgemacht ist. Da hat man nun zwar endlich moderne Triebwagen hier eingesetzt, doch schleichen diese meist mit 30 km/h durch die Flämingwälder. Ungünstig ist heutzutage auch die schlechte Lage der Zugangsstellen. Viel zu weit ab von den Ortskernen und eines der großen Probleme ist der Parallelverkehr der Busse. Diese verkehren zum Teil mit 5 Minuten Unterschied zur Bahn in der selben Stunde.

    Es gab zwar kurz vor dem Ende bzw. Auslauf des Vertrages umfangreiche Treffen mit allen Beteiligten von Politik, Wirtschaft und Verwaltung, doch sollte keine Einigung zustande kommen.

    Dabei ist eine Bahnverbindung zur Erschließung des Naturparkes von großem Nutzen. Die Entwicklung des Eventangebotes „Städtebahnsommer“ ist auch ein Beweis, dass die Bahn zur wirtschaftlichen-touristischen Erschließung beitragen kann. Auch die Verlegung und Neuanlage von Haltepunkten hätte vieles für ein Fahrgastplus gesorgt. Und natürlich eine vernünftige Abstimmung mit dem Bus.


    Verkauft wurde die Infrastruktur im Jahr 2004 an ein Bahnbau bzw. Infrastrukturunternehmen.

    Es dauerte auch nicht lange und der Rückbau der Gleisanlagen begann, dabei wurde nur das abgebaut, was Geld brachte, die Schwellen bleiben liegen. das ganze war zwar genehmigungspflichtig beim Land, aber wem interessierte das schon. Der Pfarrer von Reckahn hatte dann doch mächtig für Aufsehen gesorgt, dass das Land den Rückbau letztlich genehmigte.

    Heute sind die Gleise zwischen Belzig und Reckahn verschwunden, von hier bis Brandenburg liegt zwar noch das Gleis, ist aber schon lange nicht mehr befahrbar.

    Es bleibt schleierhaft, dass Brandenburg keine Trassensicherungsverträge abgeschlossen hat und sich die Option für eine Reaktivierung in der Zukunft offen lies.

    Aber so ist der letzte Zug hier leider abgefahren.


    Geblieben ist der Verkehr zwischen Brandenburg und Rathenow, eigentlich sollte der Verkehr noch weitergehen nach Rathenow Nord, da man viel Geld für 3 große Brückenbauwerke ausgegeben hat. Aber das Thema ist vom Tisch. Hier verkehren GTW 2/6 der ODEG und die ODEG wird hier auch künftig fahren.

    Im Güterverkehr gibt's für das Stahlwerk in Brandenburg noch viel Futter und ab Premmnitz in Richtung Rathenow wird auch noch einiges an Gütern umgeschlagen.



    Blick ins Bw Brandenburg Hbf, hier waren zuletzt reine 52.8 Einsätze und bis 1986 sogar bis zu 6 Planloks. Im Reise - und im Güterverkehr waren die Maschinen auch auf der Städtebahn im Einsatz. Foto: F. Hermann



    Blick zum Lokschuppen des Bw Hbf. Leider ist der Lokschuppen heute halb verfallen und es ist unklar, was daraus wird.

    Der Lokschuppen heute



    Bis 1987 gab es in Brandenburg für die Dampfer noch genug zu tun, aber die Einsätze wurden seltener und 1988 auf eine Planlok reduziert.

    Interessant ist der Brandenburger Dampflokbestand, welcher aus regelrechten Stammloks bestand und wovon auch heute noch einige erhalten sind.


    Dampfzüge auf der Städtebahn wurden ab 1987 rar, dafür rollten die Dampfer vor Nahgüterzügen in Richtung Magdeburg.


    bimmelbahn-forum.de/index.php?attachment/17426/

    Zeitsprung - die ersten NE Bahn, welche hier zum Einsatz kam war die Veolia Tochter MRB. Der Fahrzeugeinsatz war allerdings recht bunt. neben Desiros, kamen LINT aus Schwerin zum Einsatz oder Ostseeland Talente und das im Havelland. der VT unterquert das Überschneidungsbauwerk der Städtebahn am Brandenburger Hbf.


    Vor der Märkischen Regiobahn war hier die DB mit GTW 2/6 im Einsatz, als Anschlusss trafen beide VT aufeinander und auch die Hauptstrecke bot zu diesem Zeitpunkt noch Umsteigebeziehungen. ICE halten in BRB aber schon lange keine mehr...

    Einst Hauptpunkt der Brandenburger Städtebahn, der Bahnhof Brandenburg Altstadt mit Verwaltung und Bahnbetriebswerk. Später zog die Verwaltung in die Nähe des Hauptbahnhofes in einem ansehnlichen Neubau.



    Beim sanieren der Strecke Brandenburg - Rathenow kamen V60 der PBSV zum Einsatz. Hier bei der Kreuzung der Brandenburger Straßenbahn am Hp. Görden.



    Zugkreuzung in Pritzerbe



    Der Städtebahnbahnsteig in BRB Hbf. Rechts der LVT nach Belzig, links der 628 nach Rathenow


    Typisch für die Städtebahn die standardisierten EG der Streckeneröffnung. Später wurden diese Buden durch richtige Bahnhofsgebäude ersetzt bzw. erweitert. Hier Haltepunkt Reckahn


    Ausfahrt ehm. Bf. Krahne - das Ausweichgleis wurde durch Ausbau von Schienenstücken unbrauchbar gemacht



    Betriebsmittelpunkt der Linie Brandenburg - Belzig ist der Ort Golzow (nicht mit dem Golzow im Oderbruch verwechseln). Hier gab es mehrere Anschlüsse, Kreuzungs und Abstellgleise und sogar ein teil war mit Lichtsignalen ausgestattet.


    Diese Aufnahme entstand kurz vor ende des Planeinsatzes in Golzow 2003

    Heute gibt es hier keine Gleise mehr


    Ausfahrt Lütte - der Ort wurde durch die ostdeutsche Band Keimzeit bekannt


    Völlig blöd gelegen ist der Haltepunkt Ragösen-Dippmansdorf. Die bahn führt zwar unmittelbar an beiden Dörfern vorbei, aber früher sparte man sich eine Station und die sollten sich die Orte teilen....


    Der LVT erreicht Schwanebeck, hier geht's ohne Halt durch. Der Ort lag aber direkt an der Bahn. Im Jahr 2008 wurde di Straße hier erneuert und verbreitert, dafür wurden Brücke und Bahndamm abgetragen, damit ist hier nichts mehr zu reaktivieren.


    Ankunft im eigenen Bahnhofsteil in Belzig. leider war die Verbindung zur Stadt bzw. Hauptgleis nur über eine hohe Fußgängerbrücke möglich und das ohne Fahrstuhl


    Fahrzeuge des Belziger Eisenbahnvereins - leider mussten diese zu einem Grundstück außerhalb des Bahnhofes ausweichen.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

    3 Mal editiert, zuletzt von BRBler ()

  • Hallo Thomas,


    vielen Dank für diesen Bericht. Bei meinem Urlaub konnten ich im August 2019 den Verkehr auf der Strecke Brandenburg-Rathenow beobachten. In Premnitz gibt es ja noch umfangreiche Güteranlagen, aber ich konnte leider keinen Güterverkehr beobachten. Aber vom Personenverkehr möchte ich ein Foto beitragen:


    Am 28. August 2019 begegnen sich zwei Dieseltriebwagen der ODEG im Bahnhof Pritzerbe gegen 17:30 Uhr.

    Viele Grüße,
    Eckhard

  • Super, ich kann für meine Wahlheimat nur werben, auch wenn unsere einzige verbliebene Nebenbahn sehr modern ausgebaut wurden und mancher Haltepunkt etwas lieblos wirkt. Das viele Wasser ringsherum ist schon ein Traum. Güterverkehr ab Premnitz läuft nur sporadisch.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Hallo Thomas!


    Danke für dieses tolle Streckenportrait! Ich selbst bin 2003 noch mit so einem DB-Plastefrosch von Belzig aus nach Dippmannsdorf gefahren zum Wandern. Heute ist da ja außer paar Schwellen nix mehr, schade eigtl. Mir ist damals vor allem bei der Ausfahrt aus Belzig die damals dort abgestellte "Ur-Ludmilla", also eine mit großen Frontfenstern, in Erinnerung geblieben.


    VG Mirko

  • Moin allerseits,


    interessantes Thema, die Brandenburgische Städtebahn. Ich würde zwar solche Beiträge eher im historischen Forum auf DSO begrüßen, aber was soll's.... Ich habe auch auf der Städtebahn viele Fotos gemacht, allerdings ist nur ein Bruchteil davon bisher gescannt. Hier eine kleine Auswahl als Ergänzung. :)


    Vom Abschnitt Neustadt an der Dose bis Rathenow fehlen schon mal die Scans. Allein ein Bild stellvertretend für den Güterverkehr soll das Pärchen 110 759 + 644 (Bw Neuruppin) am 08.04.1991 in der Einsatzstelle Neustadt zeigen.





    Von Rathenow kommend steht am 22.10.1993 die 228 692 (Bn) mit einem Personenzug in Döberitz.





    Hinter Pritzerbe war auch noch ein Bild dieses Zuges möglich.






    Über Rathenow geht es weiter nach Brandenburg Altstadt, wo am 02.05.1989 reger Güterverkehr auf der Städtebahn herrschte. Während am Hausbahnsteig 110 726 + 870 (Nr) mit einem Leerzug aus Rathenow einfahren, warten 112 729 + 136 (Nr) mit einem Drahtrollenzug auf Ausfahrt. In der Mitte die Werklok Nr. 625 vom Stahlwerk.





    Am 22.03.1993 fährt die Brandenburger 112 788 mit einem Doppelstockzug mit Coca-Cola-Werbung in Altstadt aus Rathenow kommend ein.





    Vom Abschnitt Brandenburg - Belzig fehlen mir auch noch Scans (vor allem 772er habe ich da abgelichtet), daher gibt es erst wieder Bilder aus der Digitalzeit zwischen Belzig und Jüterbog, hier am 17.03.2012 der 646 045 der ODEG kurz vor Treuenbrietzen aus Beelitz kommend, was genau genommen noch keine Städtebahn ist, da diese Strecke erst kurz danach auf die Städtebahn trifft. ;)





    Der Bahnhof Treuenbrietzen wurde arg kastriert, hier fährt am selben Tag die "Else" mit einem Sonderzug in Richtung Beelitz aus.





    Zum Schluß noch ein Bild wieder des 646 045 kurz hinter Jüterbog nach Treuenbrietzen fahrend, ebenfalls 17.03.2012.




    Das soll als Ergänzung reichen, vielleicht muß ich doch mal wieder scannen. Aber dafür ist es noch nicht die richtige Jahreszeit.


    Gruß aus Berlin


    Carsten

  • Hallo Dieselkutscher , im HiFo gibt's einen großen Artikel zur Städtebahn, ist schon ein paar Jahre alt. Habe ich mit Freunden geschrieben.

    Hier soll es ja nur Kompakt als Nebenbahnportrait angeboten werden.

    Danke für die Super Aufnahmen. Wie schnell ist alles vergänglich.

    Aber vielleicht bringst Du jetzt einige nicht eingeweihte mit Beelitz-Treuenbrietzen-Jüterbog durcheinander.

    Daher will ich hier noch ein wenig zur Städtebahn schreiben.

    Die Brandenburger Städtebahn besteht aus den Linienabschnitten: Treuenbrietzen–Belzig/ Belzig-Brandenburg/Brandenburg-Rathenow/Rathenow-Neustadt Dosse Die eingleisige Nebenbahn hat eine Gesamtlänge von 125,6 Kilometern und verband die vier Hauptstrecken miteinander, die von Berlin in Richtung Hamburg, Stendal, Magdeburg und Dessau ausgehen. Sie wurde bereits im 19. Jahrhundert als Teil eines unter anderem aus militärstrategischen Gründen Berlin großräumig umrundenden Eisenbahnringes konzipiert und zählte bald zu den bedeutendsten deutschen Privatbahnen. Gegründet wurde die Brbg. Städtebahn um 1901 und die letzte Eröffnung erfolgte am 25.3.1904.



    Gleise liegen heute noch auf dem Abschnitt Belzig-Niemegk und Brandenburg-Rathenow Nord. Das die Gleise so schnell verschwunden waren, hat zum Teil mit illegalen Rückbauten zu tun, windigen Geschäftsleuten etc.

    Zu DR Zeiten war diese Verbindung auch eine wichtige Umleiterstrecke und man konnte über Neustadt Dosse hinaus weiter nach Pritzwalk - Meyenburg - Güstrow bis an die Küste fahren. derartige Langläufer gab es.

    Der Personenverkehr wurde am 1. Oktober 1962 auf dem Streckenabschnitt zwischen Treuenbrietzen und Belzig eingestellt. Am 30. November 2003 wurde der Abschnitt zwischen Rathenow Nord und Neustadt (Dosse) und am 13. Dezember 2003 der Abschnitt zwischen Belzig und Brandenburg außer Betrieb gesetzt. Der schlechte Zustand an vielen Stellen des Abschnitts Brandenburg–Belzig verlängerte die Fahrzeiten der Personenzüge. Parallel eingesetzte Regionalbusse der Linie 570 sorgten für weiteren Fahrgastschwund.

    Auch der Güterverkehr ist nach und nach aufgegeben worden, zwischen Belzig und Niemegk am 31. Dezember 1998 und zwischen Rathenow und Neustadt (Dosse) am 31. Dezember 2001.

    Leider gelang es nicht, auf dem südlichen Abschnitt zwischen Belzig und Niemegk einen regelmäßigen Draisinen und Ausflugsverkehr zu etablieren. Auch die einst sehr erfolgreichen Belziger eisenbahnfreunde sind zu einem ruhigen verein geworden. das Thema Öffentlichkeitsarbeit scheint hier nicht mehr im Vordergrund zu stehen.

    In den letzten Jahren lief nicht mal 10 Jahre nach der Abbestellung das Entwidmungsverfahren auf der strecke Golzow - Belzig. Der Infrastrukturbetreiber kam sehr günstig an diese Strecke und verscherbelt alles, was irgendwie geht.

    Nicht anders ist es bei Rathenow-Neustadt D. - wo ohne Rücksicht Strecke abbestellt und Rückgebaut wurde.

    Gerade, weil es einst eine sehr erfolgreiche Bahngesellschaft war und diese nur in ihrer Gesamtheit funktionierte, waren die Auswirkungen von Abschnittsweisen Abbestellungen nachvollziehbar.


    --> Hier noch ein Tipp: Wer aktuell hier Güterverkehr erleben möchte sollte sich beeilen. Noch den ganzen August ist Umleiterverkehr über Rathenow nach BRB Altstadt. Es rollen 232, 233, 221, 298 und bedienen Stahlwerk, Hafen und Anschlussbetreiber in BRB. Das war mit gestern durch Zufall bekannt geworden, da zw. BRB Hbf. und Altstadt gebaut wird.

    Bedienung des Stahlwerkes Brandenburg

    52 8156 rückt ins Bw ein. Die 8135 ist eine alte Brandenburgerin. Die Bestände waren in den 80ern recht beständig und mit gut 25 Loks auch sehr umfänglich. Foto F. Hermann


    Der Zug nach Belzig steht am alten Städtebahnhof im BRB Hbf. Das ehm. Empfangsgebäude wurde bei den zweiten großen Bahnhofsumbau um 2014 abgerissen.


    Sehr umfangreich sind die Anlagen in BRB Altstadt, vor allem Hafen und Stahlwerk sind hier Hauptkunden, aber auch die Fahrzeugwerke, wo Güterwagen instandgehalten werden.


    Das ehm. EG der Städtebahn in Altstadt befindet sich zusehens in einem schlechteren Zustand. Zwischenzeitlich wurden neue Betonbahnsteige errichtet


    Eine MRB Regionalbahn überquert die Silokanalbrücke Diese Brücke wurde 1945 gesprengt, geborgen wiederaufgebaut und um 2000 durch diesen Bogenneubau ersetzt. Von BRB Altstadt zweigt noch die ehm. Strecke Brandenburg-Röthehof ab, welche gleismäßig noch bis Brielow liegt und zahlreiche Anschließer versorgt.


    Einfahrt in den Kreuzungsbahnhof Pritzerbe. Hier gibt es den Pritzerber See, das Havelknie und mehrere Campingplätze. Die Bahnstrecke Brandenburg - Rathenow kommt durchschnittlich auf 900 Fahrgästen am Tag und sind noch genügend Reserven mobilisierbar. Ab 2022 wird die ODEG hier LINT 54

    einsetzen.

    Der Bahnhof Pritzerbe ist seit Jahren unbesetzt


    Das war der Städtebahnhof in Rathenow mit entsprechenden EG am Bahnsteigkopf. Auch hier wurden die Modernisierungsmaßnahmen umgesetzt.


    Hier noch einmal einen Blick auf die Kreuzung Bahn/Tram in Brandenburg Görden.

    Die "Tratra Hängebauchschweine" werden voraussichtlich noch 5 Jahre rollen, bis Skoda Trams sie ersetzen werden.


    Ein LINT der OLA in Forthe


    Noch Anfang 2000 verkehrten auf der Städtebahn teilweise 628, hier in Rathenow


    in Brandenburg Altstadt existierte die ehm. Werkstatt der Städtebahn, später betriebsteil des Bw Brandenburg


    Im Jahr 2003 waren die Anlagen noch vorhanden, heute ist hier alles platt


    Eine V60 durchquert den Gördenwald


    Blick auf Golzow im letzten Einsatzjahr


    Golzow heute...


    Das Einfahrsignal von Golzow steht noch


    Ich wünsche euch genau das, was auf dem Zugzielanzeiger steht :)

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

    4 Mal editiert, zuletzt von BRBler ()

  • Moin Thomas,


    jut, daß der Abschnitt Treuenbrietzen - Jüterbog nicht dazu gehört war mir nicht klar. Und daß der von Beelitz kommende Tw auf dem einen Bild nicht auf der Städtebahn fährt hatte ich erwähnt.

    Die Umleiter liefen schon einige Wochen über Rathenow, jetzt in abgespeckter Version, weil das Stahlwerk Ferien hat.


    Gruß


    Carsten

  • Hallo Thomas,


    vielen Dank für die schöne Erinnerung an die Brandenburger Städtebahn. Ich bin am nördlichen Streckenast in Rhinow aufgewachsen und kann mich noch gut an den umfangreichen Dampfbetrieb erinnern.

    Als ca. 1972 die ersten Personenzüge mit einer V100 bespannt wurden, war das für uns Kinder immer eine tolle Abwechselung im "Dampfeinerlei".

    Im Regelfall war ja die Strecke fest in der Hand der Reko-52er aus Brandenburg und Stendal. Vereinzelt waren noch 52er in der Ursprungsausführung im Einsatz.

    Wenn aber Manöversaison war und umfangreiche Truppentransporte über die Städtebahn rollten, dann wurden alle verfügbaren Loks aus den zuständigen BW ins Rennen geschickt:

    Die BR 50.35, 50.40, 50.00, 110 und 106 später dann auch 120 bespannten in allen möglichen Kombinationen die zahlreichen Truppentransporte.

    Ab 1976/77 bekam das BW Stendal ja wieder Reko-50er und gab dafür der Reko-52er ab. So gab es ab dieser Zeit Mischbetrieb der Reko-Baureihen.

    Wie schon geschrieben, wurde die Städtebahn oft auch als Umleitertrasse für die zahlreichen Züge zu und von den Ostseehäfen genutzt.

    Die ganz neuen Loks der BR111 gingen hier als Doppel auch gleich in den Güterzugdienst.

    Leider hat man damals zu wenig Bilder gemacht. Das Fotografieren der Armeezüge war ja sowieso schlecht möglich.

    Mit freundlichen Grüßen


    Hartmut

  • @Hartmut "Dampfeinerlei"... Du sagst es richtig, das war Normal, Immer da, Gehörte zum Alltag.... das kennen wir glaub ich alle. Heute ärgere ich mich, dass vieles der vergänglichen DDR Kultur/Zeit nicht im Bild festgehalten habe. Manche Alltagssituation haben zum Glück aber Freunde aus den alten Bundesländern festgehalten, weil es denen fremd oder neu war.


    Carsten ...na eines haben aber beide Strecken gemeinsam, Preußen baute die Bahn vor allem wegen der militärischen Interessen aus, da sind sich beide Strecken ähnlich.


    Ich habe mich schon gewundert wie Stahlwerk und Hafen ihre Güterwagen bekommen. das da schon eine ganze Weile über Rathenow Premnitz gefahren wird ist an mir vorbei gegangen. Aber ich wohne ja "Upper Eastsite - in der Neustadt":-) Interessant war der Einsatz von 221 135.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas