Gedanken zur Zukunft der Harzer Schmalspurbahnen

  • Zum 125. jährigen bestehen war ich begeistert, was man aufgefahren hat.

    aber andererseits warb hier viel Volksfestcharakter und auf dem Festplatz war nur wenig Bezug zur bahn zu spüren. Ich denke nur daran, wie lieblos die Mallets 99 5901 und 02 vor ihren Schuppen standen... Da wäre auch mal die Chance gewesen die 03 wieder zu zeigen etc.

    Weil wir hier im "Zukunfts-Baum" sind: Wie stellst Du Dir denn die nächste Jubiläumsfeierlichkeit vor?

    Vom "Volk" freigehaltenes Bahnhofsgelände auf dem wir (ich schließe mich hier ausdrücklich nicht von Folgendem aus) Lokportrait-Lichtbildner ungestört die (Mittel-)Puffer küssen können?


    Gerade das 125jährige Jubiläum empfand ich zumindest an meinem einen Besuchstag als ziemlich gut organisiert und eben für ALLE Besucher etwas Passendes im Angebot habendes. Allerdings war es natürlich auch mit einem recht immensen Aufwand organisiert. Aller zehn Jahre so etwas auf die Beine zu stellen dürfte schwierig werden. Aber vielleicht zum 150sten wieder?

  • Hallo Niels, es ist immer die Frage, wer sind die Zielgruppen eines Festes. Nein - das Volk oder besser die Menschen insbesondere die Kinder möchte ich nicht ausschließen. Das hatte ich schon mal erwähnt, weil ich regionale Eisenbahnausstellungen wie früher eher vermisse. Ich hatte keinen, welcher mich an mein Lieblingsverkehrsmittel heranführte, aber bei meinem Sohn war ich dann aktiv dabei und zwischenzeitlich wollte er Fußballer werden.. naja- nun ist er doch im Bahngewerbe.. :)

    Also man kann auch was für den Nachwuchs tun.


    Solch ein Fest sollte auch die Chance nutzen das Transportmittel Bahn als solches kennen zu lernen bzw. die künftige Generation für dieses Medium zu begeistern. Meine mitreisenden Kollegen zum 125. fragten mich bei der Rücktour: "...und was ist nun eine Mallet". Es zeigt, es gibt Fragen.

    Die heiß begehrte Führungen durch die Werkstatt sind solch ein Beispiel, vielleicht mal jemand, der einfach eine Dampflok erklärt. Wir lachen drüber, aber heutige Generationen wissen damit nicht mehr viel anzufangen.


    Ansonsten muss ein Jubiläum für Alle da sein und brüllende Fotografen, weil sich Lina Marie auf der Pufferbohle in Pose stellt, finde ich sehr peinlich.


    Und ich gebe Dir recht, lieber in größerem Abstand was richtig Großes planen, als der Versuch alle 2 Jahre ein Fest zu organisieren. das hält man nicht durch.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Hallo,


    die Frage ist ja immer wie groß soll es werden. Die Press macht in Putbus jedes Jahr ein Bahnhofsfest, sowas zieht halt immer Leute. Die HSB könnte das sogar an wechselnden Orten im Netz durchführen. Bevor man den Fuhrpark nicht wieder im Griff hat braucht man darüber nicht ernsthaft nachzudenken.


    Gruß Michael

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  • Hallo Michael,


    nicht ganz korrekt. Es gibt jedes Jahr (außer bei Corona) das Bahnhofsfest Putbus eine Woche nach Pfingsten und im Oktober seit Jahren ein zweites Bfs.-Fest, zunächst in Binz, seit einigen Jahren aber in Göhren.

    Außerdem gibt es im März den Familientag in Putbus, sozusagen ein Mini-Bahnhofsfest mit etwas Imbiss, Kinder-Animation und Führerstandsmitfahrten.

    Ist alles 2020 etwas anders, aber hoffentlich klappt Göhren im Oktober. Immerhin werden wir 125!!!


    Der Molli macht im Oktober auch immer ein Bahnhofsfest in Kühlungsborn "Schall und Rauch".


    Viele Grüße


    Dampfachim

  • Es zeigt, es gibt Fragen.

    Die heiß begehrte Führungen durch die Werkstatt sind solch ein Beispiel, vielleicht mal jemand, der einfach eine Dampflok erklärt. Wir lachen drüber, aber heutige Generationen wissen damit nicht mehr viel anzufangen.

    Hallo miteinander,


    dazu eine kleine Begebenheit.


    Als ich am Tag des offenen Denkmals anno 201x zum wiederholten Male an einer Werkstattführung teilnahm, wurden dem uns führenden HSB-Mitarbeiter genau solche Fragen gestellt. Der antwortete ratlos: "Sowas dürfen sie mich nicht fragen, von Eisenbahn habe ich keine Ahnung. Ich kann ihnen hier nur die Tür aufschließen, sie sind ja wegen der Halle als Baudenkmal hier." Bei dem Mitarbeiter handelte es sich um jenen, der seinerzeit bei der HSB als "Event-Manager" arbeitete (und später Rathaussprecher in WR wurde).


    Was zum Teufel denkt man sich dabei, so jemandem eine Werkstattführung anzuvertrauen? Was hat das für eine fatale Außenwirkung? Warum organisiert so jemand Bahnhofsfeste, auf denen die Hüpfburg und nicht die Eisenbahn im Mittelpunkt steht?


    Die Sache in der Werkstatt endete jedenfalls so, dass ich dem Fragesteller die Seitenverschiebbarkeit der Achsen einer Neubaulok im Bogenlauf erklärte, incl. Anlenkung derselben durch die Vorlaufachse. Er verstand das Prinzip, staunte, bedankte sich herzlich bei mir und schüttelte ansonsten mit dem Kopf in Richtung HSB-Organisation...


    Noch Fragen eurerseits?


    Beste Grüße aus dem Bergischen Land


    Thomas

  • Eben gelesen und für sehr lesenswert befunden:thumbup:


    Ich finde das sehr einleuchtend und tatsächlich auch von der Idee sehr nachhaltig. Nicht nur für den Wald, sondern auch für den Tourismus. Denn natürlich wird ein schöner Mischwald in vielen Jahren deutlich attraktiver sein, als der nun verstorbene Nadelwald.


    https://taz.de/Waldschaeden-im-Harz/!5702305/


    Viele Grüße,

    Lenni

  • Hallo Lenni,

    hallo zusammen,


    es tut sich einiges in der Richtung vor Ort, und das ist gut so! Mit dem Slogan "Hier entsteht Wildnis" und einem ansprechenden Plakat klärt der Nationalpark Harz allerorts in einer breiten Kampagne auf:


    12818_20_WaldwandelA5_2018_11_15-1.jpg?m=1559898613

    Quelle: nationalpark-harz.de



    Diese Plakate gehören eigentlich in die Werberahmen in jedem HSB-Waggon, wie überhaupt hier die HSB hoffentlich gut mit der Nationalparkverwaltung kooperieren wird. Thematische Sonderfahrten nach Drei Annen Hohne zum Hohnehof - auf Kinder zugeschnitten - gibt's schon. Warum nicht auch Fahrten in den Nationalpark zum Thema "Hier entsteht Wildnis" anbieten, incl. Aufklärung über die Rolle kohlegefeuerter Dampfloks im Nationalpark.


    Irgendwann kriegen die das auch im Harz mit der Kooperation der Akteure im Tourismus hin!;)


    Edit/Nachtrag: die Informationstexte der autmatischen Beschallunganlage in den Wagen auf der Brockenstrecke sind z. T. etliche Jahre alt, manche kann man bereits mitsprechen. Auch hier könnte man die o. a. Thematik im Sinne von Aktualität mal einfließen lassen.


    Beste Grüße aus dem Bergischen Land


    Thomas

    Einmal editiert, zuletzt von ThomasKugel () aus folgendem Grund: Gedanken hinzugefügt

  • Guten Abend,


    ich habe mir jnicht alles komplett durchgelesen, weil das schon etwas den Eindruck erweckt: Es ist schon alles gesagt worden, nur noch nicht von jedem ...


    Unzweifelhaft ist es gut, sich Gedanken zu machen, wie etwas geht oder nicht geht, oder wo jemand anders (vielleicht?) betriebsblind ist. Auch hilft es einem selbst, Hintergründe zu verstehen und ist deshalb zu begrüßen. Jedoch wird das Management der HSB gerade auf Hinweise von außen warten. Die Frauen und Männer wissen doch selbst, wo es klemmt im Laden und welche Möglichkeiten sie (nicht!) haben. Das Entscheidende ist aber, dass die Gesellschafter der HSB kaum die Möglichkeit haben, die Möglichkeiten zu verbessern - weil es da zu direkter Reibung zwischen Daumen und Zeigefinger kommt.


    Vielleicht muss man das Undenkbare denken. Und dazu etwas weiter ausholen - aber das weiß ja jeder! Wirklich!


    Die Schmalspurbahnen in der DDR waren zur Wende so, wie "wir" sie heute erhalten haben wollen. Sie waren so, weil sie alternativlos waren - für den Verkehrsträgerwechsel fehlten die Mittel, für eine Modernisierung auch. Also machte man aus der Not eine Tugend. Und heute verkauft man das als Alleinstellungsmerkmal. Für - wenn ich richtig zähle - 7 Strecken(netze) schon ein Widerspruch in sich. Die Erhaltung des Dampfbetriebes ist aber nun mal - materiell, personell, finanziell - aufwendig. Also müssten die Gesellschafter einerseits "vorbehaltlos" bereit sein, das nahezu bodenlose Defizit zu decken und andererseits Konzepte haben, den Status quo zu erhalten. Letzteres fängt bei der Vorhaltung schwerer Instandhaltung an und geht deshalb eben über weit größere Zeiträume als in der heutigen Politik mit Wahlperioden gelebt werden. Es beißt sich also.


    Von anderer Warte sind die Schmalspurbahnen in ihren Regionen Verkehrsmittel auf wichtigen Verbindungen. Doch so langsam, wie "wir" das haben wollen, ist das fürs tägliche Leben der Anwohner unbedeutend. Und damit schlittert die Eisenbahn zu 100 % in den touristischen Sektor. So sehr man den Tourismus fördern möchte, aber er wird sehr starken Schwankungen unterliegen, saisonal, während des Wochen- oder Tageslaufs. Das ist in meinen Augen kein Konzept ... ich habe nicht verstanden, warum nicht nach der Wende tatsächlich eine Modernisierung losgeht, also die Konzepte aus den 1930er und tlw. 1960er Jahren weitergeschrieben und mit den aktuellen Möglichkeiten mit Leben erfüllt werden. Im Harz hatte ich die Hoffnung mit den Triebwagen, die nach den Lastenheften des NWE-T2/T3 ausgeschrieben wurden (bekanntlich damals für einen Eilzugverkehr über den Harz gedacht). Warum kann man für einen besseren Fahrplan nicht an einen teilweisen zweigleisigen Ausbau denken? Da gabs auch mal eine Schmalspurbahn als Vorbild. M.E. haben derart mit der Zeit gegangene Strecken (ich möchte es nicht so erschlagend als modernisiert bezeichnen) eine bedeutend höhere Eigen-Wirtschaftlichkeit.


    Die zwei vorstehenden Absätze machen eine zwei- oder gar dreiseitige Beziehungsgeschichte klar. Und diese Geschichte müssen vor allem die Gesellschafter lösen! Es ist also die Abwägung zwischen:

    * Belangen täglicher und touristischer Nutzer

    * den Möglichkeiten der Defizit-Minimierung und/oder -Deckung

    * der betrieblichen Sicherstellung des Betriebes mit den Polen "Diesel" und Dampf

    Das, was hier bereits aus den Geschäftsberichten zitiert wurde (zunächst sind diese ein Report der Geschäftsführung an die Gesellschafter!), zeigt, dass zumindest in der Firma selbst Klarheit über die Mängel herrscht und diese erkannt und "nach oben" gegeben werden. Soweit, so normal, so gut, so hoffnungsvoll!


    Das Problem Dampflok-Unter- und Instandhaltung wird angegangen. Was offen bleibt beim gegenwärtigen Konstrukt, ist die organischere "Verfilzung" mit dem Tourismus. Es scheint mir jedoch, dass das ist bei einem so großen Netz/Gebiet wie im Harz wesentlich schwieriger ist als in der Umgebung von Bertsdorf ... doch darf daran eigentlich eine Lösung nicht scheitern.


    Mir ist dieser Tage im Eisenbahn-Journal 10/99 ein Leserbrief der Herren Günther und Baake untergekommen, der nahezu unverändert auch hier in diesen Beitragsbaum passt, Ich bekomme ihn nur nicht hier herüberzitiert.


    Sicher werden die Veränderungen in der Welt mit Klima und Corona zu einem veränderten Mobilitäts-, Landesplanungs- und Urlaubsverhalten führen (müssen), auch von der Warte besteht Bedarf, den Bimmelbahnen so oder so mehr Bedeutung zukommen zu lassen und diese damit direkt oder indirekt auf sicherere Füße zu stellen. Und wenn irgendjemand noch ein Patentrezept braucht und ein anderer hier hat's - da wird man sich auch im Harz drüber freuen :)


    Beste Grüße


    Klaus

  • Ich konnte jetzt nicht alles in diesem Faden ganz genau lesen. Aber eines fiel mir direkt auf. Am Sonntag saß ich in einem Wagen, der genau solch ein Plakat im Werberahmen vorzuweisen hatte. :) Wie weit verbreitet die Plakate sind, vermag ich allerdings nicht einzuschätzen.