Gedanken zur Zukunft der Harzer Schmalspurbahnen

  • Hallo,

    Mich treibt da schon seit geraumer Zeit die Frage um, wie sich der Kauf des Brockenplateaus mit den damit verbundenen hochfliegenden Plänen mit den zunehmenden Problemen der HSB verträgt.

    ist doch ganz einfach, der Kreis hat den Kauf eigentlich nur durchgezogen um den HSB-Fahrgästen zum Brocken wieder ein attraktiveres Ziel zu bieten. Das heißt Beides greift zwangsläufig ineinander. Auch eine vernünftige Nutzung des Heinesaals wird nur zusammen mit der HSB funktionieren und ggf. muss man die Frage des Shuttleverkehrs zur Veranstaltungen bei den angedachten Beschaffung neuer Triebwagen hinsichtlich Stückzahl und Traktionsfähigkeit mit bedenken.

    Gruß Michael

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  • Hallo Michael,

    so sollte es der Logik nach auch sein. Beides bedingt einander. Aber egal wie man es momentan drehen und wenden mag, würde das nur richtig Sinn machen, wenn die HSB jetzt schon weitgehend funktionieren würde, ohne das man da zwingend zweistellige (?) Millionenbeträge investieren und sich dringend Gedanken um einen neuen Fuhrpark machen müsste. Vom wohl eher spärlich vorhandenem Geld abgesehen, würde sich auch ein Zeitrahmen ergeben, der dem jetzigen Fahrzeugbestand noch einige HU's bescheren würde. Bleiben wir neugierig...

    Gruß Jens

  • Hallo,

    "Neulich äußerte sich ein leitender technischer Angestellter einer mittelsächsischen Schmalspurbahn abfällig über die schweizer "Baumarktölheizung". "

    das ging eigentlich rum. Aus nachvollziehbaren Gründen leite ich sowas generell nicht weiter. Aber DU kannst ja zwischen den Zeilen lesen

    Na aber wenn du so etwas schreibst, solltest du es doch aber auch belegen können, das es so gesagt worden ist oder ?

    Und wenn dies so der Realität entspricht, dann ist dann das eben eine Tatsache die Aussage und nichts weiter.

    Also was spricht dagegen das Interview oder den Beitrag zu verlinken? Oder hat jemand anderes schon von dieser Aussage gehört und kann das Bestätigen oder einen Link oder Ähnliches zeigen?

    Ansonsten um zur HSB zurück zu kommen, die ganze Diskussion dreht sich seit Jahren übelst im Kreis finde ich: Keine ausreichende Finanzierung= schlechter werdendes Angebot...und wieder von vorne.

    Da nützt es auch nichts solche Phantastereien wie "Pullman City" oder "Braunlage" je nach Gemütslage wieder ins Gespräch bringen zu wollen. Ehe dort ein Zug fährt, schaffe ich es einen Brief ans preußische Konsulat auf Siam zu schicken.... ;).

    Mfg TRO.

  • An diesen Zielen wäre zumindest etwas Los , ob man eine DDR Dampflok oder ein VT aus Halberstadt in Pullman braucht kann jeder für sich beantworten . Braunlage mit Seilbahn , Hallenbad und Einkaufsstraße, mit Geschäften wäre ein Ziel für Urlauber im Oberharz .

    Volker aus dem Südharz schreibt das das Deutschland Ticket nicht gut ist für die HSB ist , das finde ich auch .

    Deutschland Ticket oder früher das schöne Wochenende Ticket war ein Massengeg und ein Sargnagel für den Nahverkehr und dessen Qualität .und Finanzierung

    Gruß Carsten D

  • Hallo Jens,

    ohne das man da zwingend zweistellige (?) Millionenbeträge investieren und sich dringend Gedanken um einen neuen Fuhrpark machen müsste.

    die Strecke (also konkret die Brockenstrecke) ist ja in Ordnung. Investitionen in den Fuhrpark sind ohnehin notwendig wenn man den Betrieb nicht völlig einstellen will. Bei der aktuellen Wetter-/Klimasituation und dem Waldzustand am Brocken ist eine Ölfeuerung vermutlich alternativlos, da eine andauernder Diesellokbetrieb touristisch wohl keine Akzeptanz finden würde und man bei den Triebwagen schon angekündigt hat Sie eigentlich nicht dauerhaft weiter unterhalten zu wollen. Könnte mir auch vorstellen wenn man hier Fahrzeuge "von der Stange" kauft (Stadler), dann vereinfacht sich auch die Instandhaltung. Die Investitionen müssten also eh stattfinden, mein Gedanke oben ging lediglich um Stückzahl und technische Auslegung und da reden wir ja nicht von der doppelten Anzahl oder so sondern letztlich würde es schon helfen wenn man den normalen Planbedarf mit Neubau-VT abdeckt (also 5+Reserve = ca. 8 Stück?) und parallel vielleicht die Fischstäbchen als Notreserve und für historische Verkehre vorhält, sodass von diesen 8 VT im Einzelfall auch ein sehr großer Anteil für so einen "Shuttleverkehr" zur Veranstaltung xy nutzbar wären. Außerdem könnten dafür natürlich nach wie vor reguläre Wagenzüge mit Diesel bespannt genutzt werden. Im Endeffekt sind diese Dinge in einem Nutzungskonzept für die Brockenkuppe mit zu betrachten, nur den Saal da hin zu stellen wird alleine nicht reichen wenn nachher außer Faust niemand diesen Saal nutzen möchte.

    Deutschland Ticket oder früher das schöne Wochenende Ticket war ein Massengeg und ein Sargnagel für den Nahverkehr und dessen Qualität .und Finanzierung

    Das Deutschlandticket war die größte Tarifreform im Deutschen ÖPNV seit Jahrzehnten. Das Problem ist, dass für den aufgerufenen Preis eigentlich zu viel geboten wird. Wir reden hier aktuell von einem Deutschlandweit gültigen Ticket das in den allermeisten Verbündungen deutlich günstiger als die bisherige Verbundmonatskarte ist. Das passt einfach nicht, war aber eine politische Entscheidung. In Österreich hat man sich da mit der abgestufen Gültigkeit cleverer aufgestellt.

    Dazu kommt dass die HSB ebenfalls auf Basis politischer Entscheidung (die für mich nicht nachvollziehbar ist) auf einen Historikzuschlag verzichten muss. Dieser wäre zumindest für die Dampfzüge sicherlich ohne größere Probleme durchzusetzen gewesen.

    Gruß Michael

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  • Meiner Meinung nach geht der Dampfbetrieb nur noch mit vernünftiger Rationalisierung.

    Entweder Neubaudampflok mit Ein-Mann-Betrieb und Leichtölfeuerung oder eine umfangreiche Modernisierung der 99.23-24 auf Leichtölfeuerung und Verbesserungen im Fahrwerk.

    Die Österreicher und Schweizer machen es doch vor.

    Und wenn man mal auf die Dampfschifffahrt hinüberschielt, stellt man fest, außer ganz wenigen Ausnahmen, fahren dort alle Schiffe bereits mit Leichtöl.

  • Wo es Wille gibt, gibt es auch Wege. Alles andere sind Ausreden.

    Ich sehe nirgends einen Wille, irgendwas verändern zu wollen. Denn wenn, würde man heute nicht drüber sprechen müssen.

    Dreiviertel des Verkehr mit modernen Triebwagen, meinetwegen 3 oder 4 Teiler, Beispiele in CH oder AUT zeigen doch, wo die Reise hingehen könnte und das effizient. Die Farbgebung rot/elfenbein kann man ja beibehalten (Corporate Design). Das letzte Viertel historischer Verkehr. Die Zeit des Vollzeit-Dampf ist nunmal bei den massiven Kosten vorbei. Da muss auch der letzte Hardcore-Enthusiasten mal aufwachen.

    Ob ökologisch oder ökonomisch, es gilt einfach eins: Wer sich nicht weiterentwickelt und anpasst, stirbt aus.

    VG Mirko

  • Ob ökologisch oder ökonomisch, es gilt einfach eins: Wer sich nicht weiterentwickelt und anpasst, stirbt aus.

    ...und genau diese Erkenntnis kommt für meine Begriffe zu spät. Auch ob Michaels wirklich guter Argumente bin ich nach wie vor überzeugt, das es ein krasses Missverhältnis zwischen Investitionskosten, Zeitfaktor und dem, was man erreichen kann und will, gibt. Wenn man es optimistisch betrachtet, dürfte bei derzeitiger Finanzlage und dem benötigten Zeitaufwand (entscheiden, ausschreiben, beschaffen, zulassen, in Betrieb nehmen) wieder so viel Wald nachgewachsen sein, das der Brockentourismus quasi von alleine wieder läuft. Pessimistisch gesehen, ist die Natur da oben auf einige Zeit so kaputt, das ein neues Brockenkonzept quasi von jetzt auf gleich umgesetzt werden müsste (inklusive HSB) um positive Effekte zu sehen.

    Gruß Jens

  • Hallo,

    An diesen Zielen wäre zumindest etwas Los , ob man eine DDR Dampflok oder ein VT aus Halberstadt in Pullman braucht kann jeder für sich beantworten . Braunlage mit Seilbahn , Hallenbad und Einkaufsstraße, mit Geschäften wäre ein Ziel für Urlauber im Oberharz .

    Carsten, dafür braucht es aber noch mehr zusätzliches Geld was nicht da ist für den Betrieb....

    Entweder Neubaudampflok mit Ein-Mann-Betrieb und Leichtölfeuerung oder eine umfangreiche Modernisierung der 99.23-24 auf Leichtölfeuerung und Verbesserungen im Fahrwerk.

    Einmanbedienung geht nicht, du bist im Harz und nicht auf einer 8kmh - Zahnradlok 8o. Der Heizer tut nicht nur Kohleschaufeln den ganzen Tag....

    Leichtöl wird wohl hoffentlich kommen....

    Was willst du denn am Fahrwerk verbessern?

    T.

  • Hallo,

    und genau diese Erkenntnis kommt für meine Begriffe zu spät

    klar, letztlich ist man mit ALLEM zu spät dran. Man hat nach Gründung der Gesellschaft und Betriebsübernahme ja seitens der Länder nur fixe Betriebszuschüsse gezahlt. Die wurden dann 15-20 Jahre (ich müsste nachschauen) nicht angepasst. Als man zwischenzeitlich merkte dass das Geld knapp wurde hat man die Gesellschaft ausgepresst wie eine Zitrone, sodass ab ca. 2012/2013 in allen Bereichen 0 Reserven vorhanden waren. Leider sind die danach vorgenommenen Zuschussanpassungen (einschließlich der dann 2021 erfolgten Einführung der Verkehrsverträge) durch die im Zeitraum sehr dynamische Wirklichkeit letztlich wieder aufgefressen worden, sodass nach meiner Einschätzung die Finanzierung weiterhin eigentlich nicht auskömmlich ist. Da aber die öffentliche Hand (zumindest Länder und Kommunen) mittlerweile auch kein Geld mehr zu verschenken hat führt an einer grundsätzlichen Neuaufstellung tatsächlich kein Weg vorbei. Die Fragen die sich dabei stellen sind aber:

    • Wäre bei einem verstärkten Diesel- bzw. Triebwagenbetrieb die Differenz zwischen (gesunkenen) Fahrgeldeinnahmen und Betriebskosten tatsächlich besser als jetzt?
    • Würde ein nur saisonaler Betrieb auf Teilen des Netzes oder eine Erweiterung der Sperrzeiten wie bisher im November tatsächlich zu einer signifikanten Einsparung von Personal- und Instandhaltungskosten führen?*
    • Führen Streckenerweiterungen wie Braunlage oder Pulmann tatsächlich zu einem positiven Beitrag zum Betriebsergebnis? (Also zusätzliche Einnahmen durch die neue Strecke abzgl. zusätzliche Betriebs- und Personalkosten)
    • Wie wirkt sich das Alles sekundär auf den übrigen Tourismus im Harz aus?

    Der Knackpunkt ist, die Detailinformationen um das alles seriös zu beurteilen liegen uns allen nicht vor, also ist das was wir hier tun letztlich nur Kaffeesatzleserei. Man darf aber von der Geschäftsführung der HSB zu Recht erwarten dass Sie diese Zahlen hat und entsprechend lesen kann. Schauen wir also mal was man uns so als "neues" Konzept präsentiert.

    * Mal zur Erläuterung, es gibt ja gewissen Kosten die tatsächlich nur durch den jeweiligen Fahrkilometer entstehen, also Verschleiß und vor allem Brennstoffkosten. Der Betriebswirt sagt Grenzkosten. Solange auch in den Schwachlastzeiten zumindest die Grenzkosten vom Fahrgelderlöse gedeckt sind, macht das Ganze Sinn weil am Ende etwas übrig bleibt um den anderen Teil vom Kuchen, die sogenannten Fixkosten, zu decken (sprich z.B. die nächste HU zu bezahlen). Das Personal würde ich hier tatsächlich eher als Fixkosten sehen weil man ja an den Tagen wo maximaler Betrieb ist tatsächlich x Personen braucht um den Betrieb sicherzustellen und so Geschichten wie 50h-Woche in der Saison und jedes Jahr März/November dann 8 Wochen Überstundenabbau in Deutschland arbeitsrechtlich schwierig sind und von den Personalen auch nicht unbedingt als attraktiv wahr genommen werden. Geteilte Stellen mit der Werkstatt wo die Leute in der Hauptsaison fahren und in der Nebensaison schrauben gibt es meines Wissens jetzt schon, die HSB rekrutiert ihr neues Fahrpersonal meines Wissens auch hauptsächlich aus ex-Azubis der Werkstatt (Industriemechaniker). Hier sind den denkbaren Möglichkeiten also rechtliche und faktische Grenzen gesetzt.

    Gruß Michael

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