Gedanken zur Zukunft der Harzer Schmalspurbahnen

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    Für die, die Fratzenbuch haben. Für alle anderen, der Brockenwirt zieht sich vom Brockenhotel zurück und es gibt eine europaweite Ausschreibung für den Betrieb des Hotels. Nur Schönmalerei vom Landrat und kein Wort zu den (finanziellen) Herausforderungen bei der HSB und auf dem Brocken.

  • Nur Schönmalerei vom Landrat und kein Wort zu den (finanziellen) Herausforderungen bei der HSB und auf dem Brocken.

    Mit den Zahlen schafft der MDR etwas Abhilfe.

    Harz: Ohne Mittel von Ländern, steht "Existenz der HSB möglicherweise infrage" | MDR.DE
    Die HSB benötigen dreistellige Millionenbeträge für die Sanierung und Modernisierung. Gespräche mit Sachsen-Anhalt und Thüringen laufen, um die Zukunft der…
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    Ich kann das allerdings kaum nachvollziehen. Denn: 15 Mio.€ Umsatz plus 15 Mio.€ aus dem Verkehrsvertag plus 8 Mio.€ zusätzliche Zuschüsse und dabei etwa 5,6 Mio.€ Defizit bei 1,14 Mio. beförderten Fahrgäste sollen Investitionen im dreistelligen Millionenbereich rechtfertigen? Wie groß müsste da allein die Steigerung der Fahrgastzahlen sein - und welches Potential dafür sieht man eigentlich? In welchem Zeitraum soll sich die Investition refinanzieren? Der nächste Punkt der mich leicht schaudern lässt, ist der Zeitrahmen der im Bericht genannt wird. Auch wenn völlig klar ist, das man von heute auf morgen nicht viel machen kann, wird "eine Sanierung über mehrere Jahre" schlicht zu spät kommen. Der Gedanke, das waren vom Landkreis gut investierte 3,5 Mio.€ um lang gehegte Wünsche des Nationalparks zu erfüllen, nagt weiter an mir.

    Gruß Jens

  • Wie groß müsste da allein die Steigerung der Fahrgastzahlen sein - und welches Potential dafür sieht man eigentlich? In welchem Zeitraum soll sich die Investition refinanzieren?

    Mahlzeit Jens,

    vielen Dank für die Zusammenfassung des MDR-Beitrages. Wie meinst Du das mit Refinanzieren? Wenn es zusätzliche Fördermittel werden sollten, dann muß die HSB das ja nicht refinanzieren.

    Man darf die Bahn nicht alleine als isoliertes Wirtschaftsgut betrachten, sondern im Gesamtzusammenhang des Harzes. An der Bahn, aber auch an der Brockengastronomie, hängt ein Stückweit Attraktivität des Harzes dran. Ohne Ausflugsziele lockt man immer weniger Touristen in den Harz, darunter leiden dann auch andere Wirtschaftszweige im Harz, wenn weniger kommen und weniger Geld dalassen.

    Man muss sich also fragen, ob wir uns als Gesellschaft so einen Luxus einer dampfbetriebenen Touristenbahn leisten wollen, genauso wie wir uns mustergültig historisch sanierte Innenstädte leisten wollen.

    Das Geschäft mit der HSB wird immer ein Zuschussgeschäft bleiben, dass finanziell nicht ohne Zuschüsse auskommen wird. Dafür ist der technische Aufwand im Vergleich zu den Einnahmen einfach zu hoch.

    Das Refinanzieren ist also nur im Kontext der gesamten Region zu betrachten, ob es die Wirtschaftsregion Harz weiterbringt. Oder ob man mit dem Geld vielleicht auch andere Attraktionen schaffen könnte - beispielsweise eine Seilbahn vom Wurmberg zum Brocken, die längste Sommerrodebahn vom Bocken abwärts, eine überdachte ganzjährige Skihalle....u.s.w. - unsinnige Ideen hätte ich noch einige.

    Die Frage ist - können wir uns in Deutschland so ein Kulturgut leisten (das gilt im übrigen auch für die anderen Dampfbahnen)?


    VG Tilo

  • Mit den Zahlen schafft der MDR etwas Abhilfe.

    Danke auch von mir für den Link zum Bericht.

    Bevor nächste Woche wohl endlich Klarheit geschaffen wird, kommen vom Landrat und Aufsichtsratsvorsitzenden Balcerowski naturgemäß und auch verständlicherweise weiter nur Phrasen "Die HSB muss neu aufgestellt werden".

    Wenn das nächste Woche dann aber noch immer nicht konkreter wird in Form eines fertigen Handlungskonzepts bzw. Rettungsplans, mit dessen Umsetzung sofort begonnen werden kann, dann wird es wirklich zu spät sein, eine Minute nach Zwölf.

    Wie geschrieben: hoffentlich bekommen die Entscheidungsträger das jetzt, im letzten Moment, endlich noch hin ...


    Beste Grüße aus dem Bergischen Land

    Thomas

  • Mahlzeit Jens,

    Wie meinst Du das mit Refinanzieren? Wenn es zusätzliche Fördermittel werden sollten, dann muß die HSB das ja nicht refinanzieren.

    VG Tilo

    Hallo,

    ja, refinanzieren ist doof ausgedrückt. Aber selbst wenn der Brocken erheblich an Anziehungskraft gewinnen würde, bliebe der Harz an sich "Sorgenkind". Auch die riesigen Summen von denen die Rede ist, werden den Harztourismus nicht mehr auf das ehemalige Niveau heben können. Wieviel Tourismus müsste man generieren, um aus den investierten Summen einen gewissen "Gewinn" (nicht nur finanzieller Art) ziehen zu können? Auch wenn die momentanen Übernachtungszahlen recht ordentlich aussehen, die durchschnittliche Verweildauer im Harz liegt bei drei Übernachtungen. Bedeutet für mich: Altstadt, Brocken, Hexentanzplatz oder Rübeländer Höhlen. Oder drei Tage Hasselfelde mit Harzdrenalin und Westernstadt. Es müsste sich Flächendeckend etwas tun. Aber hilft der teure Neustart der HSB z.B. den Orten an der Harzquerbahn? Also hätte meine Frage lauten müssen: was bekommt der Harz von den Investitionen zurück?

    Gruß Jens

  • Hallo,

    ich glaube ja dass der Instandhaltungsstau tatsächlich gar nicht sooo groß ist. Aber, auch die HSB und der Landrat lesen Zeitungen. Nun hat der Bundestag ein großes Sondervermögen für die Infrastruktur beschlossen aus dem auch die Länder einiges an Geld kriegen sollen. Da macht es ja durchaus Sinn schon mal den Land eine möglichst hohe Forderung zu schicken was man denn zur Weitererhaltung des Betriebes (an dem das Land ja definitiv auch ein Interesse hat siehe der Beitrag von tobtilo ) unbedingt braucht, damit man seine Chancen steigert ein ordentliches Stück von dem Kuchen ab zu bekommen. Haben im Übrigen andere Beteiligte, wie auch die DB AG, in den letzten Monaten bei ihren "Finanzierungspartnern" auch schon gemacht.

    Ja wir sind uns alle einig das der Bedarf einer strukturellen Neuaufstellung bei der HSB nicht weg zu diskutieren ist und es wird sicherlich auch einen gewissen kurzfristigen Investitionsbedarf bei der Infrastruktur geben. Ich glaube aber dennoch nicht dass der Brockenstrecke ohne kurzfristige Investition eines 3-stelligen Millionenbetrags die unmittelbare oberbaubedingte Sperrung bevorsteht. Nichts desto trotz macht es im politischen Geschäfts manchmal Sinn eine gewisse Drohkulisse aufzubauen um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Dem Vernehmen nach war ja auch die Sperrung nach Harzgerode nicht unbedingt dem völlig unzumutbaren Oberbauzustand geschuldet sondern sollte eher politisch ein Zeichen setzen. Leider ist der Schuss wohl ins Leere gelaufen.

    Gruß Michael

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  • Hallo,

    ich glaube ja dass der Instandhaltungsstau tatsächlich gar nicht sooo groß ist. Aber, auch die HSB und der Landrat lesen Zeitungen. Nun hat der Bundestag ein großes Sondervermögen für die Infrastruktur beschlossen aus dem auch die Länder einiges an Geld kriegen sollen. Da macht es ja durchaus Sinn schon mal den Land eine möglichst hohe Forderung zu schicken was man denn zur Weitererhaltung des Betriebes (an dem das Land ja definitiv auch ein Interesse hat siehe der Beitrag von tobtilo ) unbedingt braucht, damit man seine Chancen steigert ein ordentliches Stück von dem Kuchen ab zu bekommen. Haben im Übrigen andere Beteiligte, wie auch die DB AG, in den letzten Monaten bei ihren "Finanzierungspartnern" auch schon gemacht.

    Ja wir sind uns alle einig das der Bedarf einer strukturellen Neuaufstellung bei der HSB nicht weg zu diskutieren ist und es wird sicherlich auch einen gewissen kurzfristigen Investitionsbedarf bei der Infrastruktur geben. Ich glaube aber dennoch nicht dass der Brockenstrecke ohne kurzfristige Investition eines 3-stelligen Millionenbetrags die unmittelbare oberbaubedingte Sperrung bevorsteht. Nichts desto trotz macht es im politischen Geschäfts manchmal Sinn eine gewisse Drohkulisse aufzubauen um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Dem Vernehmen nach war ja auch die Sperrung nach Harzgerode nicht unbedingt dem völlig unzumutbaren Oberbauzustand geschuldet sondern sollte eher politisch ein Zeichen setzen. Leider ist der Schuss wohl ins Leere gelaufen.

    Gruß Michael

    Hallo

    Manchmal wird geschrieben, daß ein 3 stelliger Mio. Betrag für die Sanierung der Strecke notwendig ist, manchmal steht da (mdr): "Die Harzer Schmalspurbahnen benötigen dreistellige Millionenbeträge für die Sanierung und Modernisierung."

    Das ist ein Unterschied. Ein genauer Zeitrahmen steht nirgends. Das können vielleicht auch 10 Jahre sein.

    Off Topic: Oft wird auch übersehen, auf wie viele Jahre das "Sondervermögen Infrastruktur" angelegt ist. Soviel ist das gar nicht pro Jahr.

    Modernisierungsbedarf, Reparatur- und Wartungsstau besteht offensichtlich. Gestern waren 3 von 5 Brockenumläufen mit Diesel (6 von 8 Zügen). Ein ganz normaler Donnerstag. Nur 8925 und 8904 sind mit Dampf zum Brocken gefahren, warum weiss ich nicht. Die 3 Kamele laufen gut, noch. Aber das ist nicht der Anspruch der HSB, bei der in jedem 2. Satz das Wort Dampf vorkommt.

    Ich hör jetzt auf...

    Gruß Gerd

    Einmal editiert, zuletzt von gwr (29. August 2025 um 14:31)

  • Die HSB hat sich bei der Aushandlung des Verkehrsvertrages vor einigen Jahren verkalkuliert und kommende Kostensteigerungen in ihrem Ausmaß nicht kommen sehen. Hinzu kommen Umsatzeinbußen durch das D-Ticket. Somit fehlt jetzt jährlich Geld, dass nicht mehr wie vor dem Verkehrsvertrag einfach durch Verlustausgleich von Gesellschaftern und Ländern aufgefangen wird.
    Daher versucht man nun diesen Befreiungsschlag. Wenn man es schafft für die Instandhaltung der Infrastruktur einen möglichst großen Sonder-Zuschuss zu erhalten, kann man die im normalen Budget dafür vorgesehenen Mittel anderweitig verwenden. Gleiches gilt für die Kosten für den Leichtöl-Umbau.

  • 800 Millionen, also fast eine Milliarde, fehlen wegen Missmagement. 🤔

    Nun ist die Katze aus dem Sack.

    Harzer Schmalspurbahnen in der Krise: 800 Millionen Euro fehlen - kann Harzbahn noch gerettet werden? Die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) stehen vor dem Abgrund: Nach Jahren finanziellen Missmanagements und akuter Unterfinanzierung geht es nun um den bloßen Erhalt der beliebten Dampfbahn. Fließen bis 2045 nicht insgesamt rund 800 Millionen Euro, droht das Aus.

    Das wird wohl kaum zu schaffen sein. Ich denke wir können uns wohl von der HSB verabschieden.

    Gruß von ganz oben, der Bergmensch. 🙋‍♂️