Gedanken zur Zukunft der Harzer Schmalspurbahnen

  • Hallo Stefan,

    Vom Pressnitztal rede ich ja garnicht, wobei die HSB ja auch ein eigenes Normalspur EVU hätte gründen können um die Schmalspur zu finanzieren.

    ein eigenes Normalspur-EVU gründen wäre unter Umständen nicht so einfach gewesen weil hier ja öffentliche Gesellschafter dahinter stehen und du da nur sehr eingeschränkt der Privatwirtschaft Konkurrenz machen darfst.

    Gruß Michael

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  • Hallo Stefan,

    ein eigenes Normalspur-EVU gründen wäre unter Umständen nicht so einfach gewesen weil hier ja öffentliche Gesellschafter dahinter stehen und du da nur sehr eingeschränkt der Privatwirtschaft Konkurrenz machen darfst.

    Gruß Michael

    Hallo, abgesehen davon, dass es sehr unterschiedliche politische Grundpositionen zum 'Staat als Unternehmer' gibt - möglich ist dies durchaus. In der Hand des Bundes befindet sich die DB AG. In der Hand von Bundesländern befinden sich zumindest etliche EVUs (z.B. die SWEG (vormals Hohezollerische Landesbahn - 95 % Land BaWü)). Die HSB haben eine aus Kreisen und Gemeinden bestehende Gesellschafterstruktur und könnten - entsprechende Entscheidungen von Management, Aufsichtsrat und Gesellschaftern vorausgesetzt - durchaus den Geschäftszweck des Unternehmens verändern. Ob dies Sinn macht, ob die Gesellschafter sich davon überzeugen ließen, ob es hierfür einer Kapitalaufstockung bedürfte etc. möchte ich nicht beurteilen. Sinn scheint es aber durchaus zu machen, wenn z.B. eine Kapitalgesellschaft in kommunaler Hand ('Stadtwerke') über profitable Energieversorgungs-Tochterunternehmen verfügen, welche die eher defizitären Töchter (Bäder, ÖPNV) 'quersubventionieren'.

    Gruß, p.h.

  • War die HSB nicht mal an einem beteiligt?

    Wenn ich mich richtig erinnere, war die HSB sogar selbst EVU und trat als Einsteller für Regelspurfahrzeuge auf. Ich habe jedenfalls mal eine 52er mit der Anschrift "EVU: Harzer Schmalspurbahnen GmbH" fotografiert. Ist aber fast 20 Jahre her (und ein Dia, das ich hier auf die Schnelle nicht zeigen kann.) Wenn man bedenkt, wie sehr sich die Regularien auf der Regelspur seitdem weiterentwickelt haben, dann halte ich das ganze aber für keine gute Idee, das Thema der HSB auch noch/wieder aufzubürden...

    Gruß, Julian

  • So kann ich mir eine modernisierte Bahn im Harz gut vorstellen. Ein Triebzug mit 3 Wagen und 6 angehangenen Reisezugwagen wobei die Zuglänge dann variabel ist. E-Traktion und leistungsstark Umweltsauber bei minimalen Personaleinsatz bei den Zugpersonalen.

    Meine langjährige Erfahrung sagt mir das die Reisenden auch mit modernen bequemen Zügen mit großen Aussichtsfenstern mitfahren würden.

    Dann einmal die Woche einen Dampfzug für die ganz Harten.


    Gruß von ganz oben, der Bergmensch. 🙋‍♂️

  • Schönes Foto ist das die Brücke über die Bere nördlich von Ilfeld ? Interessante Perspektive! Vom Freibad aus beim Rückenschwimmen fotografiert?

    Einmal editiert, zuletzt von 996001 (5. Oktober 2025 um 09:20)

  • So kann ich mir eine modernisierte Bahn im Harz gut vorstellen. Ein Triebzug mit 3 Wagen und 6 angehangenen Reisezugwagen wobei die Zuglänge dann variabel ist. E-Traktion und leistungsstark Umweltsauber bei minimalen Personaleinsatz bei den Zugpersonalen.

    Meine langjährige Erfahrung sagt mir das die Reisenden auch mit modernen bequemen Zügen mit großen Aussichtsfenstern mitfahren würden.

    Dann einmal die Woche einen Dampfzug für die ganz Harten.


    So kann man erfolgreich Geschichte zerstören, klasse!

  • Was für ein provokativer Beitrag ! Ja es gibt in den Alpenländern so einige komplett modernisierte Schmalspurbahnen wie z.B. das große Meterspurnetz in der Schweiz. Dort liegen allerdings die Rahmenbedingungen komplett anders als im Harz. Die Elektrifizierungen und die Aufgabe des planmäßigen Dampfbetriebes fanden dort schon vor über 80 Jahren statt. Die Geschichte über die Abgabe nach Vietnam und spätere spektakuläre Rückholung der letzten Furka-Zahnrad-Dampfloks ist ja bekannt. Dort erfüllt man auf schmaler Spur ein echtes Verkehrbedürfnis sowohl im ÖPNV, im Güterverkehr und als Bonus oben drauf auch noch im Touristenverkehr (Glacier Express). Dort sind Modernisierungen selbstverständlich sinnvoll. Auch in Österreich gibt es z.B. mit der Zillertal- und Pinzgaubahn Schmalspurbahnen die wegen ihrer Bedeutung für den ÖPNV umfassend saniert und modernisiert werden. Vom historischen Flair bleibt dort nicht viel übrig und der dortige Touristen-Dampfzug wirkt im dortigen Umfeld zunehmend als Fremdkörper. Zum Glück hat man nach einigen Wehen bezüglich der Achenseebahn erkannt dass nur ein Erhalt als Technikdenkmal für den Touristenverkehr und nicht für einen modernen ÖPNV Sinn macht.

    Bedenklicher finde ich die Entwicklung der letzten Jahre bei der Schafbergbahn. Ich kenne diese Bahn noch aus den 80er / 90er Jahren. Damals war diese mit ihrer historisch gewachsenen Infrastruktur und dem Betrieb mit den originalen kohlegefeuerten Zahnraddampfloks ein echtes Kulturobjekt und Technikdenkmal. Als Kompromiß kamen in den 90ern die SLM-Neubaudampfloks hinzu. Von all dem ist am Schafberg nach radikalen Modernisierungen so gut wie nichts mehr zu sehen. Die Bahn wurde dem Massentourismus und dem Kommerz geopfert. Eine für viel Geld grundsanierte Dampflok wurde sogar als Denkmal aufgestellt - Wahnsinn! Klar die meisten Touristen fahren trotzdem auf den Berg. Aber es ist unendlich schade was dort passiert ist. Wollen wir solch ein Konzept wirklich für die HSB ?

    Die Mangelwirtschaft der DDR hinterließ uns nach der Wende mit den Harzer Schmalspurbahnen auch so ein Technik-Denkmal. Wäre dieses Streckennetz nicht östlich der Mauer gelegen hätte es das gleiche Schicksal erlitten wie die im Westen verbliebene SHE. 35 Jahre lang war im Harz der Erhalt des Status Quo das Grundkonzept. Auch wenn es jetzt zu teuer wird fand ich dies richtig. Im Harz gibt es fast kein ÖPNV-Verkehrsbedürfnis weil die Gebiete welche die HSB erschließen nur dünn besiedelt sind. Bis Anfang der 90er gab es ja noch die in Hasselfelde übernachtende Lok für den früh morgendlichen "Arbeiterzug" nach Nordhausen - seit über 30 Jahren Geschichte mangels Verkehrsbedürfnis. Für die Harzquer- und Selketalbahn gilt dass die - noch - historische Bahn selbst das Ziel ist. Klar es wird so einige Touristen geben die nur so schnell und so günstig wie möglich auf den Brocken wollen und denen das historische Flair der HSB völlig egal ist. Aber dieser Klientel die Bahn als Denkmal und Kulturobjekt opfern ? Mit einer neuen Luftseilbahn auf den Brocken wären diese Leute besser bedient und in 15 min oben anstatt eine Stunde im E-Triebwagen da hoch zu schaukeln!

    Das Hauptproblem der HSB ist meiner Ansicht nach das mit über 140 km auch im Vergleich zu den anderen Schmalspurbahnen in Deutschland überlange Streckennetz. Und wenn ich Berichte richtig gelesen habe entsteht der überwiegende Investitionsbedarf vorallem durch die nötige Generalsanierung der Gleisanlagen. Klar auch die 99.72er "Neubau-Dampfloks" sind mit 70 Jahren am Ende ihrer regulären Lebensdauer angekommen. HU werden so teuer weil es eben mit ein paar Stehbolzen und Rohre wechseln nicht getan ist. Man muss nun ganze Hauptbaugruppen wie Rahmen, Kessel und Zylinder in Meiningen ersetzen. Aber irgendwann wäre man damit durch und dann ist für die nächsten 30 Jahre Ruhe. Echte Neubauloks nach Schweizer DLM-Konzept sehe ich weniger als Lösung an. Aber wenn es technisch gelänge einige Loks wieder auf Ölfeuerung umzurüsten wäre dies sicher ein nötiger Kompromiß. So weh es auch tut, aber wenn ich im Harz die Wahl hätte zwischen -erstens - radikaler Modernisierung und -zweitens - deutlicher Verkürzung des Streckennetzes wäre ich für die Schließung der Selketalbahn wenn dafür der historische Betrieb auf der Harzquer- und Brockenbahn weitgehend erhalten bliebe. Und es spricht ja nichts dagegen als Ergänzung ein paar Kamele als Reserve und bei Waldbrandgefahr sowie Triebwagen in den Tagesrandlagen einzusetzen. Sorry für den langen Text, aber mir kamen gerade die Emotionen so richtig hoch......

    Einmal editiert, zuletzt von vobri (5. Oktober 2025 um 10:45)

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    Die Mangelwirtschaft der DDR hinterließ uns nach der Wende mit den Harzer Schmalspurbahnen auch so ein Technik-Denkmal. Wäre dieses Streckennetz nicht östlich der Mauer gelegen hätte es das gleiche Schicksal erlitten wie die im Westen verbliebene SHE. 35 Jahre lang war im Harz der Erhalt des Status Quo das Grundkonzept. Auch wenn es jetzt zu teuer wird fand ich dies richtig. Im Harz gibt es fast kein ÖPNV-Verkehrsbedürfnis weil die Gebiete welche die HSB erschließen nur dünn besiedelt sind. Bis Anfang der 90er gab es ja noch die in Hasselfelde übernachtende Lok für den früh morgendlichen "Arbeiterzug" nach Nordhausen - seit über 30 Jahren Geschichte mangels Verkehrsbedürfnis. Für die Harzquer- und Selketalbahn gilt dass die - noch - historische Bahn selbst das Ziel ist. Klar es wird so einige Touristen geben die nur so schnell und so günstig wie möglich auf den Brocken wollen und denen das historische Flair der HSB völlig egal ist. Aber dieser Klientel die Bahn als Denkmal und Kulturobjekt opfern ? Mit einer neuen Luftseilbahn auf den Brocken wären diese Leute besser bedient und in 15 min oben anstatt eine Stunde im E-Triebwagen da hoch zu schaukeln!

    Das Hauptproblem der HSB ist meiner Ansicht nach das mit über 140 km auch im Vergleich zu den anderen Schmalspurbahnen in Deutschland überlange Streckennetz. Und wenn ich Berichte richtig gelesen habe entsteht der überwiegende Investitionsbedarf vorallem durch die nötige Generalsanierung der Gleisanlagen. Klar auch die 99.72er "Neubau-Dampfloks" sind mit 70 Jahren am Ende ihrer regulären Lebensdauer angekommen. HU werden so teuer weil es eben mit ein paar Stehbolzen und Rohre wechseln nicht getan ist. Man muss nun ganze Hauptbaugruppen wie Rahmen, Kessel und Zylinder in Meiningen ersetzen. Aber irgendwann wäre man damit durch und dann ist für die nächsten 30 Jahre Ruhe. Echte Neubauloks nach Schweizer DLM-Konzept sehe ich weniger als Lösung an. Aber wenn es technisch gelänge einige Loks wieder auf Ölfeuerung umzurüsten wäre dies sicher ein nötiger Kompromiß. So weh es auch tut, aber wenn ich im Harz die Wahl hätte zwischen -erstens - radikaler Modernisierung und -zweitens - deutlicher Verkürzung des Streckennetzes wäre ich für die Schließung der Selketalbahn wenn dafür der historische Betrieb auf der Harzquer- und Brockenbahn weitgehend erhalten bliebe. Und es spricht ja nichts dagegen als Ergänzung ein paar Kamele als Reserve und bei Waldbrandgefahr sowie Triebwagen in den Tagesrandlagen einzusetzen. Sorry für den langen Text, aber mir kamen gerade die Emotionen so richtig hoch......

    Der wirtschaftliche Niedergang der letzten Jahrzehnte im Ostharz wirkt sich letztendlich auch auf die Schmalspurbahn aus, speziell im Selketal. Investitionen aus der privaten Wirtschaft gab es wenige. Arbeitsplätze sind weggefallen, die Leute weggezogen, die Kommunen haben kein Geld für Investitionen. So fehlt es am ÖPNV-Bedarf und auch an attraktiven Zielen für den Tourismus. Ein Teufelskreis.

    Als wirklicher ÖPNV ist die HSB (außer im Raum Nordhausen) auch viel zu teuer und zu langsam.