Guten Abend,
... Dokument HSB Konsolidierungs- und Entwicklungskonzept Abschlussbericht (SCI Verkehr / KölnWernigerode / 01.08.2025 / Direkter Link auf das umfangreiche pdf-Dokument - ca. 15 MB) ... Zusammenfassung für Entscheidungsträger, Kapitel Fahrzeuge, Seite 9 und 10.
Kapitel Fahrzeuge, Seite 9 und 10, Zitate:
...
Für die Dampfloks muss für einen langfristigen Erhalt die Umrüstung auf eine Leichtölfeuerung vorangetrieben werden. Dies senkt nicht nur Betriebskosten, sondern gewährleistet deutlich geringere Emissionen inkl. dem Ausschluss von Funkenflug (mit Blick auf Waldbrandgefahr) und reduzierte Kosten für die Nachtabstellung....
ich halte das für Geschwätz von Menschen, die von der Technik und ihrem Zusammen(oder Gegen-)wirken mit dem Eisenbahnbetrieb mit wenig Ahnung gepudert sind. Und leider findet sich auch unter den vielen hier im Forum, die die Leichtölfeuerung als "Heilsbringer" ansehen möchten, kaum Realismus.
Es ist so, dass eine Feuerungsanlage auf die Charakteristik von einem oder vielleicht mehreren Brennstoffen ausgelegt wird. Und das ist dann in der Hardware unveränderlich installiert. Wenn man etwas ändert in Richtung von Brennstoffen, die nicht passen, werden im günstigsten Fall Feuerung und/oder Wäremübetragung unwirtschaftlich, und im ungünstigen Fall funktioniert es gar nicht.
Die Umstellung von Stein- oder Braunkohle-Rostfeuerung auf Schweröl- (oder auch Kohlenstaub-) Zerstäuberfeuerung funktionierte deshalb, weil damit ein höherer Heizwert realisiert werden konnte. Aber die Kessel wurden unwirtschaftlicher(*), lediglich die Bereitstellung der Leistung und ggf. höherer Leistung (so diese durch die Dampfmaschine nutzbar war) wurde sicherer verfügbar.
(*) Die Rauchgastemperatur beim Eintritt in die Rauchkammer wurde deutlich höher - das Rauchgas wurde also thermisch nicht gut ausgenutzt. Und die Heißdampftemperaturen stiegen, so dass die Überhitzerschlangen zu kürzen waren (damit die Schmierfilme in der Dampfmaschine das überleben).
Weiterhin ist durch die Verbrennungscharakteristik bei derartigen Umbauten(!) ein wenig kesselschonendes "binäres" Feuern die Folge. Die Verbrennung liefert in kürzerer Zeit viel mehr Wärme als die Wasser-/Dampf-Seite verarbeiten kann. Das ist für sich noch nicht problematisch und scheint dem unbedarften Betrachter auch kein Problem zu sein, wenn man denn mit der Leichtölfeuerung in Richtung niederer Heizwerte geht - da könne man ja eher durchfeuern ...
Aber genau da entsteht das Problem der Kesselbehandlung während der Fahrt (zulässiger Druckabfall bis zum Nachspeisen/Nachfeuern etc.), da sich diese Feuerführung nicht mit einem Betrieb verträgt, wo es eine ausgeprägte Lastrichtung gibt - da kühlt letztlich auf der Nicht-Lastrichtung der Kessel wegen zu geringer Dampfabforderung zu weit aus, ehe die Feuerung wieder gezündet wird (und ggf. nicht mehr selbst an der Ausmauerung zünden kann!). Da sind die ZOJE und auch die Brockenstrecke hervorragende Beispiele. Gegenbeispiele wären mit wechselnden und damit weniger problematischen Abfolge von Last und "Leerlauf" die Querbahn oder evtl. die Fichtelbergbahn. (Man darf sich auch mal mit Öl-Heizern unterhalten, wie sie noch mehr als bei Rostfeuerung mit der Streckenkenntis vorausschauend die Dampfbereitstellung planen sollten.)
Die Leichtölfeuerung wird so "billig" nicht funktionieren und sie ist auch kein Heilmittel für die Reduktion von Emmissionen oder Kosten - letztlich definiert die erforderliche Wärmemenge mit der Zahl zu oxidierender Kohlenstoffatome den Schadstoffausstoß - da verringert sich also: nichts!
Die Leichtölfeuerung kann die Lösung sein, wenn man darauf angepasste (komplett neue) Kessel baut - also andere Heizflächenverhältnisse, Durchströmzeiten durch den Langkessel, Abstimmung der Überhitzung. Das ist natürlich bei um so größerem Kessel einfacher zu machen - auf den kleinen Dampferzeugern, sie auf einer VII K oder auch einer BR 81/91 6580/99.22/99.23-24 Platz haben, wird es schwer, das Rauchgas auszunutzen.
Ich habe da nichts dagegen - aber die Blauäugigkeit, mit der die Gutachter und auch hiesige Diskutanten da herangehen, führt nicht zum Ziel.
Mir ist auch klar, dass man von der Steinkohle wegkommen muss, es gibt ja immer weniger Anbieter gebrochener Kohle - Fräskohle hat im "Rest" der Kohlefeuerung einen immer höheren Anteil, weil auch wirtschaftlicher zu fördern - die dicken Flöze gibt es nicht mehr ... aber das ist schon lange bekannt, nur niemand ist rechtzeitig aufgewacht. Andere Geschichte.
Das nur als Einwurf, um vielleicht Nachdenken zu erreichen.
Herzliche Grüße
Klaus