99 585 bei der Schwarzbachbahn

  • Hallo,

    sicherlich haben hier inzwischen alle mitbekommen, dass 99 585 ein neues Zuhause gefunden hat. Dank gilt der Museumsbahn Schönheide, welche die Lokomotive für zunächst 20 Jahre der Schwarzbachbahn zur Nutzung überlassen hat.

    Am 1. September, pünktlich vor dem Bahnhofsfest, konnte die Lok nach Lohsdorf überführt werden und der Verein im 25. Jahr seines Bestehens endlich eine Dampflok dauerhaft zur Nutzung übernehmen.


    99 585 auf Überführungsfahrt bei Neuheide. Ja die Stangen sind für diesen reichlichen Kilometer an der Lok verblieben, alle Lager wurden abgeölt und in der Ölpresse war auch Öl, die Schieber waren vor einiger Zeit auch im Öl, es ist nichts kaputt gegangen...


    Der Transport kurz vor der Autobahn bei Reichenbach


    und auf der Autobahn bei Siebenlehn


    Nach der Ankunft in der neuen Heimat noch etwas unscheinbar.


    Zum Bahnhofsfest herausgeputzt und komplettiert neben ihrer Schwester 99 516


    Am Tag nach dem Bahnhofsfest wurde mit der Demontage der Feinausrüstung und der Wasserkästen die Zerlegung zwecks Hauptuntersuchung begonnen. Einen Tag später waren auch noch sämtliche Rohrleitungen demontiert. Ziel ist eine zeitnahe Demontage des Kessels, um mit den Arbeiten am und im Kessel beginnen zu können.


    In unregelmäßigen Abständen soll in diesem Thread über den Fortschritt der Arbeiten berichtet werden. Bitte löchert mich jetzt nicht wegen dem Fertigstellungstermin, der kann zum jetzigen Zeitpunkt mit allen noch möglichen Unwägbarkeiten einfach nicht genannt werden.


    Gruß André

  • Hallo André,

    Hallo Schwarzbachbahner,


    was bei Euch in Zeiten wie diesen abgeht und möglich gemacht wird ist schon unglaublich - ja unglaublich fantastisch und da habe ich jetzt Corona noch gar nicht miteinbezogen. Das kam noch hinzu und trotzdem ist kein Stillstand bei Euch, im Gegenteil!


    Ich glaube wir können hier noch ganz viele erfreuliche Meldungen lesen und darüber freu ich mich jetzt schon!


    Viele Grüße aus dem Pinzgau

    Thomas

  • Hallo André + Schwarzbachbahner,


    hatte ich beim Anblick der 585 auf dem Bahnhofsfest noch Zweifel bezüglich der Aufarbeitung, so sind diese jetzt auf einen Schlag ausgeräumt. Ihr legt ein Tempo vor wie man es nicht oft erlebt. Die Aufarbeitung einer Lok ist eine andere Hausnummer als der Wiederaufbau eines Wagens, aber ihr zögert nicht sondern legt einfach mal los.

    Ich bin mal ganz mutig und ziehe eine Parallele zu einem anderen sächsischen Verein, die wurden am Anfang auch nur „Die Verrückten vom Preßnitztal“ genannt...


    MfG Ronny

  • Hallo André,


    wow das sind super Neuigkeiten! Während ich in O-Thal die Strecke bei Kaiserwetter genieße, habt ihr in Lohsdorf wirklich Tempo gemacht. Freu ich mich. Unbedingt weiter so! Gibt’s dazu auch eine Spendenaktion auf der Website?

    Gruß Lars

  • Hallo,

    heute gab es wieder ein paar sichtbare Fortschritte an 99 585. Die Kesselverkleidung, Führerhausdach und Seitenwände sind demontiert, sowie alle Kesselbefestigungen gelöst. Demnächst soll der Kessel nun vom Rahmen abgehoben werden.


    Das Führerhausdach wird abgenommen.


    Das Arbeitsergebnis eines langen Tages.

  • Hallo,


    heute mal wieder ein kleiner Zwischenbericht von der Untersuchung der 85.


    Der Kessel wurde im Oktober vom Fahrwerk gehoben:


    Danach begann die aufwendige Innenreinigung- Aufgrund des harten Mügelner Wasser zu ihrer Einsatzzeit dort hat sich eine doch rechte dicke Kruste im Kesselinneren gebildet. Außerdem werden vorsorglich etwa ein Drittel aller Stehbolzen getauscht, deren Schweißnahtausführung als grenzwertig einzustufen war. Ansonsten befindet sich der Kessel in einem guten Zustand:


    Nachdem die Stehbolzenüberstände auf beiden Seiten mit dem Brenner abgeschält waren, wurden die Stehbolzen zunächst nach innen geschlagen, in der Feuerbüchse nochmals gekürzt und dann in den Wasserraum geschubst. Auf diese Weise müssen die verkalkten Stehbolzen nicht mit ganzer Länge durch ihre Bohrungen getrieben werden.


    Anschließend konnten die 126 Stehbolzen durch die Waschluken aus dem Kessel entfernt werden.

    Währendessen läuft die Aufarbeitung der Feinausrüstung und weiterer Ausrüstungsgegenstände wie z.B. der Schmierölpresse Bauart Grützner. Hier in alle seine Einzelteile zerlegt.


    fertig zum Zusammenbau:


    Einer der Wasserstandsprüfhähne vor dem Einschleifen des Hahnkükens:


    Der Eichdruckmesshahn erwies sich als ziemliche Herausforderung beim Einsschleifen, deutlich sieht man auf dem ersten Bild das sowohl Hahnküken als auch Gehäuse tiefe Auswaschungen aufwiesen welche ausgeschliffen werden mussten.


    Immer noch sind ungeschliffene Bereiche im Hahngehäuse erkennbar:


    Vor dem letzten Schleifgang sieht es schon ganz gut aus.


    An den Eichdruckmesshahn wird später das Kesselmanometer und im Prüfungsfall das Prüfmanometer angeschlossen


    Auch die Ölsperren werden komplett zerlegt und aufgearbeitet. Hier das Puzzle einer Sperre der Bauart Michalk, ein wichtiges Bauteil ist aber noch nicht zu sehen, wer weiß welches?


    Soviel für heute.


    Gruß André

  • Ich ziehe den Hut vor Eurer Arbeit . Das ist mal was anderes, eine Lok in einer Art Feldschmiede auf zu arbeiten.

    Wenn ich so den Eichdruckmeßhahn sehe, kommen mir Erinnerungen aus meiner Lehrzeit hoch.

    Wir haben zu DDRzeiten alte gebrauchte Gashähne auf Grund mangels Neuen auch so aufgearbeitet. Diese wurden

    dann schön gebürstet und sahen aus wie neu und wurden dann auch so wieder eingebaut und verkauft.


    Grüße Jan

  • Nach des Maschinisten seines Hilax-Bausatz gibt's nun mal eine andere Dimension, eine IVK-Bausatz in 1:1.

    Auch hier wird es viel interessantes zu Lesen geben, denke ich.

    Die Kegelhähne haben den Vorteil, dass man sie selbst aufarbeiten kann. Ich habe vor Jahren für eine O&K MD1 den Ölablasshahn aus einem alten Gashahn, wie sie früher in jeder Küche zu finden waren hergerichtet. Funktioniert auch.


    Helge

  • Hallo André,


    ich wage mich mal an Deine Puzzle Frage. Meine persönlichen Erfahrungen mit Ölsperren beziehen sich auf eine Funktionsprobe an der Prüfschraube. Also mal in die graue "Dampflokbibel" geschaut. Ohne mir völlig sicher zu sein vermute ich die fehlende Sicherung samt Sicherungsplatte.

    Eine andere Frage noch. Ich war immer der Meinung, der Eichdruckmesserflansch ist nur dem Prüfmanometer vorbehalten. Der reguläre Kesseldruckmesser hat eine gesonderte, nicht absperrbare Verbindung zum Kessel?


    Schönen Sonntag noch


    Helmut

  • Ohne mir völlig sicher zu sein vermute ich die fehlende Sicherung samt Sicherungsplatte.


    Hallo,

    ja, die kann ich auch nicht finden. Der Rest scheint vollständig. Habe erste das Sicherungsblech der Einstellschraube vermisst, aber ich glaube das ist das dritte Objekt von rechts.



    Zwei Fragen hätte ich noch an den Hutzel :


    1) Ist das eure erfahrungsgemäß allgemein beste Methode um die Stehbolzen zu entfernen oder macht ihr das in dem speziellen Fall wegen der starken Kesselsteinbildung so?


    2) Wie bekommt ihr die Stehbolzenreste zu den Waschluken? Ich stell mir das als böses Gefummel vor, wenn die sich da irgendwo am Bodenring sammeln, oder wenn es dumm läuft, sich noch an anderen Stehbolzen bzw. zwischen Feuerbüchse und Stehkesselwandung verkanten.

    Habe bei meinem Kessel 'nur' mal den Dreck nach 30 Jahren Standzeit im Freien rausholen wollen und hab schon Stunden dafür gebraucht. Nächstes oder übernächstes Jahr irgendwann sollen dann auch (vermutlich alle) Stehbolzen raus. Da bin ich über Erfahrungswerte sehr dankbar.



    Gruß,

    Rafael