Wie misst man den Raddurchmesser ?

  • Hallo,


    ich habe mal eine dumme Frage: wie misst man eigentlich den Raddurchmesser bei Eisenbahnfahrzeugen?

    Mal angenommen der Raddurchmesser sei in der Literatur mit 600 mm angegeben:


    Misst man dann mit oder ohne Spurkranz? (ohne stelle ich mir schwierig vor - die Lauffläche ist ja schließlich konisch)?

    Bezieht sich die Angabe auf ein neues oder abgefahrenes Rad (bzw Radreifen) oder auf einen Mittelwert?



    Vielen Dank für Eure Antworten und viele Grüße


    Matthias

    5904

  • ... hier mal zur Illustration:


    Das ist meine Zeichnung eines Schmalspurrades mit Radreifenprofil nach ESBO. Die Stärke des Radreifens beträgt an der Laufkreisebene etwa 50 mm (Sichtbar sind 60, wegen der 15 mm breiten Auflage für die Radfelge). Dieses Rad hat am Spurkranz 600 mm Durchmesser. Wird es abgefahren bis zum Limit (Zulässig je nach Höchstgeschwindigkeit sind es wohl 18 - 25 mm and er Laufkreisebene), dann hätte das Rad eigentlich nur noch 550 - 560 mm Durchmesser).


    (ich hab mich hier an der ESBO Originalzeichnung sowie an publizierten Maßen der Jagsttalbahn orientiert)


    5904

  • Hallo Matthias,


    das Meßpunkt sollte der Laufkreis sein. Das wäre die Stelle der Lauffläche, wo das Rad im idealen Mittel auf der Schiene steht bzw. rollt. Das ist nicht an der Stelle, wo die Spurweite gilt, sondern deutlich weiter außen. Gemessen wird von der Radrückenfläche aus ein festes Maß, abhängig von den Standards, nach denen das Rad-Schiene-System zugelassen ist. Ich kenne jetzt nur das Maß für Feldbahnen aus dem Kopf, bei der Schmalspur (ESBO) müsste es alles etwas größer sein. Laufkreis ist hier 55 mm von der Radrückenfläche aus definiert (bei DDR-Norm TGL für "normale" Feldbahnen), das Innenmaß der Radrückenflächen zueinander ist Spurweite minus 60 mm. Damit ist der Laufkreis auf jeder Seite 25 mm außerhalb der Spurweite, was ja auch verständlich ist, sonst würde das Rad nicht auf der Schiene rollen. Besonders bei Dampfloks und Stangendieselloks sollte der Laufkreisdurchmesser für alle gekuppelten Räder nahezu gleich sein, sonst "humpelt" die Lok heftig. Wir haben eine V10C, bei der wohl mal schnell eine Achse getauscht wurde, da stimmt das Maß ganz und gar nicht. So mehr oder weniger jede Radumdrehung, also etwa alle 2 m, macht die Lok einen Ausgleichsbewegung, geht gar nicht, nicht mal zum Vorführen... Viele Grüße,


    Marian Sommer.

  • Hallo Marian,


    vielen Dank für Deine Erklärung! Tatsächlich sind es nach ESBO ebenfalls 55 mm für den Laufkreis - so wie bei der DDR Norm für Feldbahn.

    Und: wer lesen kann ist hier mal wieder klar im Vorteil: die ESBO schreibt dazu: "Der Durchmesser des Laufkreises ist der Raddurchmesser im Abstand von 55 mm von der Rückseite des Rades" (das hatte ich gestern übersehen)


    Profilskizze:


    (... viele Maße und Elemente für "so was einfaches" wie einen Radreifen)


    Die Gesamtbreite des Radreifens darf von 115 - 125 mm variieren (bei der Jagsttalbahn findet man 115 mm).

    Es wundert mich nicht sehr, dass die Normen für Feld- und Schmalspurbahn hier anscheinend gleich sind: Z.B. die 900 mm Spessartbahn deren Wagen ich versuche zu rekonstruieren war auch "nur" auf S15 oder S18 unterwegs - also eigentlich auf Feldbahnprofilen.


    Danke auch für den Hinweis auf die Spurweite - das wäre dann meine nächste Frage gewesen, wenn ich die fertig konstruierten Räder auf Achsen stecke. Aber auch das findet man in der ESBO beschrieben ... (ich habe mich nur auf die Zeichnung gestürzt, aber lesen ist halt auch hilfreich).



    Viele Grüße,


    Matthias


    Hinweis: Die Skizze ist von mir nach ESBO konstruiert - es ist meine Interpretation, es ist nicht "die ESBO" und ich kann hier auch Dinge falsch gelesen oder interpretiert haben!

    Wem das auffiel: Bitte nicht an dem falschen Profil der Unterseite des Radreifenprofils stören! Das habe ich grob vereinfacht, weil man es auf der fertigen Zeichnung sowieso nicht sieht (außer auf der Rückseite des Rades). Hier fehlt der Anschlag für die Radfelge und die schräge Nut (die wahrscheinlich zur Sicherung dient).

    5904

  • Hallo Matthias,


    soweit ich das im Blick habe sind bei den Schmalspurbahnen die Spurkränze etwas dicker als bei der Feldbahn, bei Dir stehen da 30 mm, die Feldbahn-TGL sagt glaube ich 25 mm +/-, habe ich jetzt nicht bei der Hand. In den Weichen ist deshalb auch etwas mehr Rillenweite vorgesehen. Insofern wundert es mich etwas, wenn der Laufkreis hier ebenfalls bei 55 mm liegen soll. Allerdings ist das ja auch nur ein theoretischer Punkt, der auch vom Schienenprofil abhängt und seinem Verschleißzustand.


    Die ursprünglichen Schienenprofile der sächsischen Schmalspurbahnen waren übrigens auch nur besserer Blumendraht mit unter 18 kg/m. Zur I K und den einfachen leichten Zweiachsern passte das auch, zumindest wenn wenigstens ordentliche Schwellen und Unterlagsplatten verwendet wurden (worauf man auf den allerersten Strecken verzichtet hat, halt so billig wie möglich...). Aber spätestens mit den größeren Loks, Wagen usw. musste verstärkt werden. Aber den Standard als Ganzes zu ändern ist kaum mehr möglich, weil man dann ja alles auf einmal ändern müsste. Andererseits ist das Rad-Schiene-System schon recht tolerant gegen Abweichungen, es geht viel mehr als am Ende zulässig ist.


    Die Spessartbahn basierte ja auch mehr oder weniger auf Feldbahntechnik, insofern kein Wunder, wenn es hier Überschneidungen gibt.

    Viele Grüße,


    Marian.

  • Hallo Marian,


    also mit den 55 mm bin ich mir ziemlich sicher: steht genau so in der ESBO Skizze und auch die Jagsttalbahn hat dieses Maß auf ihrer Webseite.

    Letzten Endes wird ja den Wagen auch niemand 1:1 nachbauen. Andereseits möchte ich auch nicht gerne totalen Stuss konstruieren.


    Bei leichten Schienen hat man halt den dichtest möglichen Schwellenabstand gewählt - dann hat das wieder gepasst. So schwer waren die Fahrzeuge bzw Achslasten ja auch nicht.



    Viele Grüße, Matthias

    5904