[HU][HR] Fisch, Suppe - Fischsuppe. Kleinbahnen im August 2020.

  • Der Sommer 2020 ist nicht so wie in den Jahren davor. Die Auswahl der Reiseziele ist nicht so berauschend groß, zumal zu beachten ist, dass einer der Reisenden die tschechischen Regeln, der andere Reisende die deutschen Regeln beachten musste. Zeit um Zeit verschwanden die Reiseziele für wenigstens Einen von der Landkarte. Was blieb war Kroatien. Und Ungarn. Naja, jedenfalls gerade noch. Aber was dort machen? Da gab es doch neulich mal einen Beitrag zu Fischereibahnen in Kroatien? Kann man das nicht verbinden? Man kann! Ausgangspunkt ist Prag. Wir treffen uns – in unterschiedlicher seelischer und körperlicher Verfassung – im Prager Hauptbahnhof. Kleine Missverständnisse beleben die Reise und so stellen wir fest, dass niemand von uns die Nachtzugfahrkarte ausgedruckt hat. Ich habe mein Ladegerät in meiner Schlafstatt vergessen und keinen Hunger. Trotzdem ein Restaurantbesuch zur Einstimmung und eine nette Schalterdame druckt uns dann doch die Fahrkaete aus. Die Nachtzugfahrt nach Budapest ist nicht der Rede wert, endlich (nach einem Monat) wieder ungarische Luft schnuppern, ungarische Bahnhofsansagen anhören und dann mit der Metro zum Autovermieter des geringsten Misstrauens im Norden der Stadt. Die Übergabe ist schnell erledigt und schon finden wir uns auf einer Ausfallstraße wieder und steuern, bewaffnet mit Navi und Tablet unser erstes Ziel an. Die Fahrt ist kurzweilig, nur leichtes Schluchzen ist zu hören, wenn einer von uns den Blick auf die Entfernungstafeln richtet – Beograd ist zu lesen, Subotica. So nah, so weit. Um unserem Leitmotiv, dem Fisch, gerecht zu werden, ist unser erster Anlaufpunkt der kleine Ort Tömörkeny.



    Da müssen wir hin!


    Ehedem bekannt durch seine Fischereibahn. Im Internet gibt es fast keine Informationen darüber und im letzten Jahr wurde uns gesagt, dass der Betrieb nicht mehr bestehe. Aber Reste gibt es vielleicht noch? Wir erreichen den Parkplatz an der Fischereigenossenschaft und sehen… und sehen… eine sich bewegende Lokomotive mit zwei Kipploren. Gut, die Luft im Schlafwagenabteil war nicht die Beste, aber sollten wir wirklich solche Probleme mit der Wahrnehmung haben?



    Kennt jemand Bezugsquellen für C50 im Modell? Möglichst komplett ohne Bastelaufwand? Wenn es sowas wie Liebe auf den ersten Blick geben sollte, dann bei

    dieser Bahn!



    Der Betriebsmittelpunkt der Fischereibahn Tömörkeny (besser deren Reste).


    Wir steigen aus, fotografieren, während der Lokführer sein Gerät abstellt. Den Schildern nach ist das Gelände mit Hunden und Waffen gesichert, todesmutig wagen wir uns vor und sind begeistert von der Gleisanlage. Der Betriebsmittelpunkt liegt verlassen da, von den einstigen Schrottreihen ist nichts mehr zu sehen. Wir blicken auf unsere Karten und entscheiden uns für einen Spaziergang zum See, in der Nähe hören wir die Lokomotive tuckern. Den See finden wir auch, Gleisanlagen sind auch dort und die werden sogar noch befahren. Nur wann?



    Ohne Worte. Szavak nélkül.


    Nach ein paar Bildern machen wir kehrt marsch. Auf dem Weg zurück kommt uns ein Auto entgegen, hält und der Fahrer spricht uns freundlich an. Kleine Sprachbarriere. Aber überwindbar. Die Zauberwörter sind Német und kisvasút. Rendben. Alles in Ordnung. Macht mal. Als wir wieder am Bahnhof sind, ist die Lokomotive dort eingerückt, so haben wir den kleinen Zug auf freier Strecke verpasst. Schade. Wir setzen uns ins Auto und fahren weiter zum Tagesziel Szeged, nicht ohne an der KBS 147 noch ein Bild zu machen. Statt des erwarteten Bzmot gibt es ein illustres Gespann aus Bzmot und zwei Beiwagen zu fotografieren. Wir durchfahren Hódmezővásárhely und erreichen den Fehér-tó (Weißer See) mit angeschlossener Fischzucht und Fischgaststätte. Doch bevor wir uns gütlich tun, geht es noch in die Stadt zum Einkauf. Dem Wunsch des Verfassers wird dabei entsprochen und so halten wir auch noch am Friedhof, um einem T6A2H unsere Aufwartung zu machen. Danach versuchen wir vom Aussichtsturm aus einen Blick auf das Gelände zu werfen, das doch ziemlich groß ist. Im Betriebshof stehen auch Lokomotiven, ein Besuch hat leider nicht geklappt. Aber das wird noch.



    Ein "kleiner" Überblick über die Anlagen von Szegedfish kft. die hier Teichwirtschaft betreiben.


    Das Abendessen gibt es dann in der Csarda, die fangfrischen Fisch verarbeitet. Der Kellner ist erstaunt, als wir außer der Fischsuppe auch noch „richtiges“ Essen bestellen, als die Portion am Tisch steht, wissen wir warum. Mit dem Gereichten hätte man ganze Dörfer verköstigen können, die Spitzpaprika hätten sich zum Feuermachen geeignet. Gut war’s und schmackhaft.



    Wenn Fischbahn, dann auch Fischsuppe!


    Gleiches sollte uns am nächsten Morgen widerfahren, als wir arglos zwei kontinentale Frühstücke bestellen. Hunger wollte über den Tag nicht mehr aufkommen und der erste Weg führte uns im Regen einmal um das Gelände, nachdem wir vom Aussichtsturm einen Zug hatten fahren sehen. Am anderen Ende des Geländes entdecken wir einen Zug, fotografieren ihn und wissen dank der Pension auch, dass man sich für alles Weitere an SzegedFish wenden soll.



    Auf der "anderen" Seite sehen wir dann doch noch einen Zug der Fischereibahn. Die Ausmaße der Teiche und des Streckennetzes sind hier wie auch in Tömörkeny nicht zu unterschätzen.


    Wir schauen noch einmal in Tömörkeny vorbei, aber nichts tut sich, alles ist so wie am Tag zuvor. Schade, aber nicht zu ändern. Auf dem Weg zum Grenzübergang nach Kroatien kommen wir rein zufällig in Kiskunmajsa vorbei, ehedem einer der drei Endbahnhöfe des Kleinbahnnetzes von Kecskemét. Der Bahnhof ist denn auch Anlaufpunkt, verwunschen, verlassen, verwüstet – so lässt sich das Gelände gut beschreiben. Wir bedauern beide, nie mitgefahren zu sein, aber ändern können wir es auch nicht.



    Es fährt kein Zug nach nirgendwo. Kiskunmajsa.


    Die Sonne sticht vom Himmel, bis auf wenige Kilometer nähern wir uns Serbien, ein Grund mehr, das Autoradio neu einzustellen und ein paar Hits mitzuträllern. Schließlich erreichen wir Bája und sehen dortselbst die Ausschilderung zu einer weiteren Waldbahn, die „zufällig“ am Weg liegt. Nur kurze Zeit später finden wir uns in Pörböly wieder, wo der Betrieb unterwöchig nicht stattfindet, aber immerhin die MÁV mit Bzmot unterwegs ist, als auch ein paar Wagen zu besichtigen sind. Erwähnt seien auch die mustergültig sauberen sanitären Anlagen. Bald geht es weiter und wir streben der Grenze nach Kroatien entgegen. Ein paar Autofahrer bedeuten uns, umzudrehen. Wir wüssten nicht wieso. Und so stehen wir einem etwas mürrischen ungarischen Grenzer gegenüber, der uns ohne Probleme passieren lässt. In Kroatien dann kurzes Warten, nach dem Einlesen unserer Pässe dann Begeisterung: Wir hatten vorgängig über Enter Croatia unsere Reisepläne mitgeteilt und das scheint zu funktionieren. Mit Sretan Put! und Hvala Lijepa! machen wir uns nach langer Zeit mal wieder auf den Weg durch ex-Jugoslawien. Und hier haben wir nun einiges vor und beginnen sogleich. Unsere erste Anlaufstelle sind die Fischteiche von Grudnjak. Doch außer ein paar Schienen, die als Zaunpfähle ein zweites Leben führen dürfen finden wir nichts, was auf eine Fischereibahn hindeutet. Man könnte sich vorstellen, was wo und wie ungefähr, aber es scheint, als sei die Bahn schon lange außer Betrieb. Aber wir rechneten damit und wenden uns zwischenzeitlich mal der Normalspur zu, wo ja noch „richtige“ Diesellokomotiven ihren Dienst versehen und das vor sauberen und schön anzusehenden Zügen. Eine Fotostelle findet sich auch, ich navigiere und bald darauf stehen wir am Wiesenrain und erwarten das, was da kommen soll und sich von Ferne brüllend ankündigt.



    Schnellzug inmitten nordslavonischer Einöde. Nicht ohne Reiz.


    Die Bilder sind bald auf dem Chip und weiter geht die Reise bis nach Ribnjak, wo eine Pension auf uns wartet. Angekommen werden wir freundlich begrüßt und unsere Grundkenntnisse in Serbokroatisch (oder korrekt: BKMS) werden goutiert. Wir erkunden das Areal. Neben der Pension ist die kleine Werkstätte situiert, wo Lok 3 gerade ihrer Instandsetzung harrt. Lok 1 und 2 stehen im kleinen Lokschuppen an der Straße, auf dem Betriebshof steht ein interessant aussehender Wagen mit einer Art Sauerstoffflasche beladen und die Gleise sind blank. Einen Blick auf die Fischteiche werfen wir überdies, werden dabei fast ausgesaugt und machen uns dann bereit für das Abendessen nach Corona-Regeln. Es gibt eine große Speisekarte, kein Besteck und keine Gewürze am Tisch – dafür aber sehr anständigen Service und noch besseres Essen (dann auch mit Besteck). Wir verabreden uns für das Frühstück am nächsten Morgen und legen uns einen Plan bereit, um 7 wollen wir am Lokschuppen sein, um zu sehen, ob, wie und was fährt. Vor um 7 wird ja niemand freiwillig arbeiten wollen hier, oder? Den Abend besiegeln mehrere Bier und ein Spielchen.



    Eine erste Nachschau zeigt, die Eisenbahn ist in Betrieb. Wann und wie wissen wir nicht, werden es aber bald erfahren.



    Der zweite Teil folgt dann im Laufe des Oktobers. Bitte um Geduld.

    Tam, kde cesta je cíl

  • Hallo Martin,


    dieser Reisebericht ist ganz nach meinem Geschmack. Auf der Suche nach den kleinen Bähnchen oder deren Überbleibsel.

    Da bin ich sehr gern mitgekommen, u. freue mich schon auf die Fortsetzung.


    Gruß Holger

  • Hallo Martin,


    na, dann auch von mir noch "Köszönöm szépen" für diesen Auftakt. Da bekomme ich direkt Lust auf Ungarn bzw. andere, einst ungarische Gebiete, auch wenn das absehbar jetzt ersmal nicht gehen wird... Die Pension in Ribnjak (heißt das eigentlich "Fischchen" oder so was?) hört sich jedenfalls sehr gut an. Aber zurück nach Ungarn: Die Lok in Szeged sieht aus wie eine Grubenbahnlok oder täuscht das?


    Viele Grüße
    Julian