Dampfbetrieb um Falkenberg / Elster

  • Liebe Freunde,

    ich bin ja in Eilenburg groß geworden und meine dortig Begegnung mit den Dampfloks bedeutete dann auch, Falkenberger Lokomotiven kennenzulernen.

    Das ehm. Bw Eilenburg wurde 1968 aufgelöst und dem Bw Falkenberg zugeordnet und bis 1987 gab es hier den Dampflokeinsatz.

    Falkenberg war für mich das Eisenbahnerlebnis schlechthin. Der Ort hieß ursprünglich Schmerkendorf und man sieht den Siedlungen an, dass die Stadt erst durch die Entscheidung, hier einen Eisenbahnknoten zu entwickeln, über die ursprünglichen Grenzen gewachsen ist. Die KPEV hat lange gesucht und entschied sich dann für das Örtchen an der Elster.

    Der Bahnhof war eine Art Drehkreuz, von hier ging es in Richtung Cottbus - Zagan (Sorau), Leipzig, Riesa, Hoyerswerda, Wittenberg, Jüterbog, Lübben.

    Kam ich mit dem Zug am oberen Bahnhof an, sah ich schon die magische Rauchwolke über beiden Betriebswerken, wobei im oberen Bw noch die Dampfloks zuhause waren, unten stand nur die Heizlok und die Dispolok (Reserve).

    Das obere Bw lag ideal am Waldrand und hier war nur die Wagenausbesserung. da das betreten von Bahngelände verboten war, versuchte man es ja so unauffällig wie möglich zu machen, aber die Objekte der Begierde waren im Blickfeld eines Befehlsstellwerkes und da gab es einige Diensttuende, welche uns mit Freude verpfiffen haben. Aber das waren die 10 Mark wert, dafür gab Altbau 52 oder andere Leckereien am Kohlebansen.

    1945 sorgte ein Bombenangriff für den Totalverlust das Turmbahnhofes mit Empfangsgebäude. daher wirkte der riese Bhf. komisch, da es kein EG mehr besaß, nach der Wende gab es hier viele Provisorien. Aber der Clou war eine riesige und gut ausgestattete Mitropa bis in die 90er.

    Falkenberg hatte in den 80ern Planleistungen nach Jüterbog (alle DG und N Züge), Eilenburg, Doberlug Kirchhain und Kirchturmübergaben. Das Bw Wittenberg kam zweimal am Tag vorbei wie auch das Bw Cottbus.

    Im Jahr 1987 sollte eigentlich Schluss sein, aber irgendwie fehlte es noch an Dieselersatz und so dampfte es noch eine Weile.

    Neben letzte Leistungen nach Eilenburg und Jüterbog bewegte man E Loks im Bahnhof vom oberen zum Unteren und umgekehrt, weil Oben noch keine Strippe hing. Die Züge aber samt E Lok zusammengestellt wurden.

    Ich sag natürlich gleich Schönheiten waren die Strecken alle nicht, aber dafür die Bahnhöfe - klassisch schöner Preußenstil in Backstein.

    Im Bahnhof selbst gab es wenig Motive und die Transportpolizei war sehr aufmerksam.

    Noch Anfang 1988 gab es in Falkenberg auf dem Verbinder zw. den Rangierbahnhöfen Schleppfahrten mit Dampf, wo die E Loks bis zur Fahrleitung gezogen wurden. Vor allem hoch war es nochmal ein wunderbares Klangkonzert wenn knapp 2000t bewegt wurden - natürlich von einer V60 nachgeschoben.

    Eine alte Bekannte aus dem Haldensleben Artikel - Hier war 52 8025 leider nur als Heizlok am Stellwerk B20 im Einsatz.

    Übrigens "Nitsch" war mein "Mädchenname"

    52 8044 raucht vom oberen Bahnhof zum unteren Bahnhof - diese nördlichen Gleise zw. den Güterbahnhöfen nannte man "Verbinder", die Gleise im Süden "Cirkus".

    52 8041 rauscht mit Dg55630 am Posten 61 vorbei und ist gleich in Eilenburg. Kurze Zeit später wurde der Posten auf elektrische Halbschranken umgerüstet, das Häuschen blieb erhalten, hier wurde die Technik eingebaut.

    In Herzberg West traf ich an einem Sonntag Nachmittag diese gemütliche Runde an. Die 130 mit einem DG und 52 8174 mit ihrem Nahgüter aus Jüterbog warten auf Freigabe in Falkenberg. Wie so oft war der Güterbahnhof Falkenberg hoffnungslos überfüllt und wenn jemand die Dimensionen kennt, wie groß dieser Bahnhof war, kann man sich das gar nicht vorstellen. Das Personal nutzte die Zeit für einen gemeinsamen Plausch.

    Diesmal war der Nahgüter recht kurz, 528174 verlässt Jüterbog. Einst war es eine alte Trasse, welche noch vor KPEV Zeiten gebaut wurde und bis Riesa reichte. Die Empfangsgebäude zeigen das deutlich. Aber Hauptbahn war es schon lange nicht mehr, man sieht aber noch die Reste des zweigleisigen Planums.

    Die ex Wittenberger 52n 8174 ist in Oehna angekommen, ein Kuhdorf - wo es nicht mal einen Laden gab. Aber der kleine Bahnhof hatte Ladenstraße und Güterkunden, also gab es hier zu tun. Am Güterschuppen stand ein alter Schnellzugwagen, leider habe ich diesen kaum Beachtung geschenkt.

    Eine Szene wie aus einem englischen Film, hier stimmt alles. Alte Lampen, alte Schranken, Emaile Schilder, altes EG mit Pappfahrkarten Ausgabe, es fehlten nur noch Formsignmale. Solch perfektes Szenario war 1987 auch in der DDR schon zur Seltenheit geworden.

    52 8120 ex Eilenburg kommt soeben in Holzdorf an. Interessant sind hier die extrem hohen Wasserkräne mit kurzem Ausleger. Nahgüterzüge mit alten Packwagen lieb ich total.

    Holzdorf hatte viele Anschlussbetriebe und so war der Rangieraufenthalt recht umfangreich und ungewöhnlich. So hing die Lok auch mal mittendrin.

    Auch ein Landwirtschaftsbetrieb wurde bedient, der hatte sogar einen eigenen EDK

    Nach getaner Arbeit ging es mit dem Nahgüter weiter in Richtung Falkenberg

    Die Wagen sind verteilt und N60125 ist nun fast am Ziel, auch hier sieht man die Reste der zweiten Trasse.

    Zuletzt war die Pflege nur noch mangelhaft und ein freund und ich putzen ab und an einmal und sorgten für rotes Fahrwerk. Hier schaut 52 8120 gar nicht mehr gut aus und dampfte mit den letzten Leistungen von Eilenburg nach Falkenberg 1987.

    So war Bahnhofs Idyll im Jahr 1987 - Oehna

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • War die 130 auch in Falkenberg beheimatet? Die Riesaer Strecke bekam ihr zweites Gleis zurück, wurde auch elektrifiziert, aber mittlerweile kein planmäßiger Personenverkehr mehr.

    Einmal editiert, zuletzt von Hobbybahner (17. Juli 2021 um 08:12)

  • Falkenberg hatte wenige. 130er und eher hohe Nummern.

    Fak-Riesa war schon immer viel Güterverkehr. Die letzten Reisezüge liefen ja noch mit Holzroller..

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Wie ich schon beschrieben hatte, nannten wir Falkenberg nur "Eisenbahnerstadt" auch Güsten galt als "Eisenbahnerstadt" da auch dort mindestens aus jedem Haushalt eine Person bei der Bahn tätig war.

    Falkenberg sprengte aber in seinen Ausmaßen die von Güsten ohne weiteres.

    Ein echtes Schienenkreuz mit Verbindungsbahnen von oben nach unten und weiteren Verbindungsbögen, zwei Lokschuppen auf jeder Ebene, zwei große Rangierbahnhöfe und natürlich viel Zugbetrieb.

    in den 80ern roch man hier noch den Bahnbetrieb, auch wenn die Dampflok Ära zuende ging, es waren mindestens 4 Heizloks in Betrieb und 3 Planloks direkt in Falkenberg. Dampfenden Besuch gab es noch aus Cottbus, Wittenberg und Elsterwerda. Ab Sommerfahrplan 1987 ging es dann aber steil bergab und es dampfte sich langsam aus.

    Aber selbst bei der Elektrifizierung waren die Dampfloks noch unverzichtbar und schleppten die Betonmischzüge für die Fahrleitungsmasten.

    Interessante Einzelgänger wie 132 001 oder der Einsatz von 107 003, 005 und 013 im Rangierbetrieb in Eilenburg sorgte sogar in der modernen Traktion für Abwechslung.

    52 8044 kommt mit einem DG aus Jüderbog in Falkenberg angeraucht und dampft gleich hoch zum oberen Güterbahnhof. Im Hintergrund sieht man ein 110er Gespann - die sogenannten Ponys sollten die Dampfloks ersetzen. Leider war das kein großer Erfolg, vor allem im Nahgüterzugdienst ließ es sich nicht gut mit dem Doppelgespann arbeiten und auch die Leistungsreserven einer Dampflok war man nicht gewachsen.

    Hier schleppt 52 8098 nagelneue Jauchewagen für die Landwirtschaft in den oberen Bahnhof.

    Hinter dem Stellwerk B20 befand sich das untere BW, aber bis auf den Dampfspender war hier kaum eine Dampflok anzutreffen.

    Die Dampfloks waren im oberen Bw zuhause. Hier gab es auch noch die komplette Infrastruktur und allein an der Größe konnte man sich ausmalen, welche Bedeutung diese Dienststelle einst hatte.

    52 8044 kam frisch aus Jüterbog und ist gerade mit dem Wasser fertig, im Hintergrund rollt 52 8120 raus, die wieder einen Zug mit E Lok in Schlepp nimmt.

    Diesmal kam 52 8044 ohne Waggons aus Jüterbog in Falkenberg an. Der G Wagen war für das ZUB. Nach kurzen Aufenthalt geht es hoch.

    Besuch aus Wittenberg, zweimal am Tag kamen die Wittenberger nach Falkenberg und wendeten hier auch. Mit dem Ende der Dampftraktion in Lutherstadt Wittenberg Ende 1985, kamen 52 8034, 52 8120 und 52 8174 zum Bw Falkenberg. Engelsdorf erhielt 52 8060. Der Tender daneben gehört zur kalten 52 5660.

    Blick von 52 8174 in Herzberg West. Im Jahr 1987 war sie mit 52 8044 hier die letzte Planlok für das Bw Falkenberg. Ein nettes Personal bot mir an vom Dorfbahnhof Oehna mitzukommen, was ich absolut gerne angenommen habe...

    52 8039 fuhr noch einige Zeit für die EST Torgau und löste hier die langgediente 52 8105 ab. Besonderer Hingucker waren bei ihr die verchromten Waschluken, es sollen alte Radkappen gewesen sein.

    Fällt der Diesel aus, kommt auch mal ein Dampfzug. Hier auf der Strecke Torgau-Pretzsch bei Neiden.

    Der Zugverkehr war hier nicht mehr allzu wild und fand schon zu DR Zeiten von Mo-Fr statt, ein Zugpaar verkehrte als Gmp. 52 8120 war Zuglok.

    Mehr Glück als Verstand hatte ich, als ich auf meine Heimfahrt wartete und ganz unverhofft am oberen Bahnhof sich eine Rauchwolke näherte. Es war die letzte offizielle Runde der 52 5679. Zuletzt nur noch im Heizdienst, sollte die Maschine sich selber nach Leipzig West überführen. Hier sollte sie bis zum Fristablauf 1988 als Heizlok Verwendung finden. Mit handgemalten Schildern und traurigen Blick verabschiedete sich meine Lieblingslok von mir. Das sie dann sogar erhalten blieb, dass wagte ich zu diesem Zeitpunkt nicht zu träumen.

    Das Bild hatte sich hineingeschmuggelt und habe ich nicht unterschlagen. Es passte nur nicht ganz nach Falkenberg, denn das ist Eilenburg.52 8027 des Bw Engelsdorf war 4 Stunden später als üblich an der Mulde eingetroffen, da stand die Eilenburger 52 8092 schon mit ihrem Nachtnahgüterzug 66616 nach Falkenberg abfahrbereit. Üblicherweise verließ dieser gegen 22:00 Uhr Eilenburg.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

    Einmal editiert, zuletzt von BRBler (21. Oktober 2020 um 14:03)