Harzquerbahn und Selketalbahn nach der Wende

  • EIn paar Motive aus dem Harz, die heute in dieser Form nicht mehr machbar sind - aus ganz unterschiedlichen Gründen:



    99 6101 fährt mit einem Rollbock-Zug aus Hasserode in Wernigerode-Westerntor ein. Anfang der 1990er Jahre wurden noch Anschlüsse im Stadtgebiet Wernigerode bedient, die heute längst Geschichte sind. Die Maschine ist leider nicht mehr betriebsfähig.



    99 7231 wartet im Bahnhof Benneckenstein auf die nächste Leistungf. Rechterhand sind die Anlagen des VEB Harzer Holzindustrie zu sehen, die vor Jahren schon dem Neubau eines Feuerwehr-Gerätehauses und eines Supermarktes weichen mußten.



    Am Ortseingang von Alexisbad kommt 99 7237 um die Ecke. Die Selketalstraße war damals noch in ihrem zeit-typischen Zustand, ohne Leitplanken und Schutz vor "gefährlichen Begegnungen" mit der Bahn. Ein Trabbi darf natürlich nicht fehlen...



    Völlig anders gestaltet ist heute die Ausfahrt aus dem Bahnhof Wenigerode. Der Bahn+bergang ist Geschichte, die Straße nutzt heute eine moderne Unterführung. Über die Gleise führt eine gigantische Fußgängerbrücke, die im Zuge der Gartenschau gebaut wurde. Auch das Stellwerk im Hintergrund existiert nicht mehr. Man beachte auch das Kleinschlagpflaster als Straßenbelag!



    99 7222 verläßt gerade den Thiumkulentunnel auf dem Weg nach Drei Annen Hohne. Damals besaß sie noch den Mischvorwärmerkasten vor dem Kamin und die "Optik" mit weißen Lampenringen und hellen Umlaufkanten entsprach den seinerzeitigen Gepflogenheiten.



    Die Aufnahmen entstanden in den frühen 1990er Jahren bei verschiedenen Besuchen im Harz. Falls Interesse besteht, könnte ich weitere Bilder hier einstellen.


    Es grüßt

    Der Bergische!

  • Hallo Axel,

    danke für die eindrücklichen Bilder. Das erste kann man außer den von dir genannten Gründen auch deshalb nicht mehr machen, weil die Hecke rechts vor den Abstellgleisen mittlerweile mannshoch ist und man nicht mehr richtig fotografieren kann, was dahinter steht. Und Zutritt ist verboten.


    she152wt2020-2dgkhb.jpg

    Mit über Kopf gehaltener Kamera: Mir ging es um den SHE G 152 (der erste G gleich hinter dem O-Wagen), den letzten seines Stammes. Der steht zwar unter Denkmalschutz, gammelt hier jedoch vor sich hin. Schade eigentlich.


    Gruß


    Otto

  • Großartige Zeitdokumente. Die Farbigkeit der alten Aufnahmen ist auch noch sehr gut. Bitte mehr davon.


    Der Thumkuhlen-Tunnel noch rundherum mit Fichten bewachsen. Das ist ja auch schon lange nicht mehr so.


    @otto:

    Ja, leider wird alles, was nicht dem unmittelbaren Betrieb dient, nicht gepflegt. Da ist kein Geld für da und vieles verrottet trotz Denkmalschutzstatus.

  • Mahlzeit,


    mir gefällt das Bild von Alexisbad besonders gut.


    Interessant auch, dass damals der Packwagen in der Mitte war. Hatte das eine bestimmte Bewandtnis? Für Eisenbahnfreunde ist das ja gut so, so hat man wahlweise immer die Möglichkeit, auf der letzten Plattform oder direkt hinter der Lok mitzufahren. Ich glaube aber kaum, dass das der Grund war...



    VG Tilo

  • Hallo Stefan,

    Ja, leider wird alles, was nicht dem unmittelbaren Betrieb dient, nicht gepflegt. Da ist kein Geld für da und vieles verrottet trotz Denkmalschutzstatus.

    da muss ich jetzt ausnahmsweise mal die HSB (also das Unternehmen) in Schutz nehmen! Die von Otto fotografierten Wagen auf dem Gleis an der Hecke gehören alle (fast alle?) der IG HSB e. V. und rosten mit abgelaufenen Fristen langsam dort fest. Dafür ist der Verein verantwortlich, dem die Fahrzeuge - von denen jedes für sich ein Schätzchen ist - offenbar egal geworden sind. Die Hintergründe dafür gehören jetzt hier genauso wenig hin wie eine Diskussion darüber, und im Ergebnis ändert es auch nichts.


    Beste Grüße aus dem Bergischen Land


    Thomas

  • Hallo,


    ich denke es bringt hier nichts mit dem Finger auf irgendwen zu zeigen, weder die HSB noch auf die IG. Die IG hat sicherlich auch nicht mehr soviel Personal wie das vielleicht früher mal war und dann muss man halt sehen was noch geht und was nicht.

    Unabhängig von Geld (was natürlich immer ein Thema ist) beginnt das Problem im Harz schon woanders, nämlich mit dem Zweck der Aufarbeitung. Ich denke wir sind uns alle einig dass die Aufarbeitung von Wagen kein Selbstzweck ist. Nun haben wir im Harz aber aktuell weder genug einsatzfähige Triebfahrzeuge um irgendwelche Fotozüge durchführen zu können, noch gibt es ein Museum oder ähnliches um die optisch aufgearbeiteten Wagen öffentlich ausstellen zu können. Im Gegenteil, die (vermutlich recht widerstandsfähigen) Mod-Personenwagen stehen in der trockenen Fahrzeughalle und die hölzernen Güterwagen der IG stehen in Westerntor im Freien. Was davon aktuelm tatsächlich noch betriebsfähig ist entzieht sich meiner Kenntnis.

    Es gilt also zu überlegen in welcher Form Fotozüge nachgefragt sind und (perspektivisch) angeboten werden können und ob man nicht nach der Geschichte mit der gläsernen Werkstatt perspektivisch die Errichtung eines Museums (bitte nicht in WR) anstreben sollte in dem man diese und andere zeigenswerte Fahrzeuge ausstellen kann. Potential ist im Harz genug vorhanden (GMF79, 199 301, LSF071, der genannte SHE-Güterwagen u.v.m.).


    Vielleichg noch eine Schlussbemerkung zum Thema Fotozüge, das Problem ist denke ich auch irgendwo dass mit dem vorhanden (potentiell einsatzfähigen) Fahrzeugmaterial kaum historisch korrekte Zuggarnituren gebildet werden können da es sich zu großen Teilen um mehr oder weniger historisch wertvolle Einzelstücke handelt.


    Gruß Michael

    26305-signatur-def-jpg

  • Vielen Dank euch beiden für die Infos.


    Ja, so ein Fahrzeugmuseum, in dem die alten Wagen überdacht stehen und vor der Witterung geschützt sind, wäre natürlich toll. Dafür wären zum Beispiel sicher die Flächen der ehemaligen Umladung in Gernrode, wo ja noch mehr alte Wagen in noch viel schlechterem Zustand zerfallen, besprayt und/oder geplündert worden oder sogar abgebrannt sind.


    Im alten Güterbahnhof Nordhausen wäre sicher auch Platz.


    Aber all das ist absolutes Wunschdenken. Solange da niemand plötzlich auftaucht, der mehrere 100.000 oder gar Millionen Euro für übrig hat (und ich wüsste auch nicht, wer das sein sollte), wird sich in der Hinsicht nichts bewegen. Da hilft wohl nur Lotto spielen und hoffen. ^^


    Und ja, die Wagen sind ein Sammelsurium aus verschiedensten Epochen und Umbauzuständen. Viele Einzelstücke. Sicher kommt auch der erhöhte Logistik- und somit Kostenaufwand bei Güterfotozügen hinzu. Da muss der Veranstalter ja noch einen zweiten (Personen-)Zug mit buchen, um die Fotografen zu transportieren. Oder sich mit einem Gmp/Pmg zufrieden geben.


    In den letzten ca. 5 Jahren, die ich die Sonderzüge von IG HSB und FKS verfolge, ist mir auch aufgefallen, dass Veranstaltungen mit Güterwagen im Lauf der Zeit immer spärlicher wurden.

  • Noch einmal ein paar Harz-Motive, wie sie heute wohl nicht mehr fotografiert werden können:



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    Wernigerode mit Betriebswerk und dem noch im Bau befindlichen Lokschuppen. Die Aussichtsplattform gab es damals, Anfang der 1990er Jahre, natürlich noch nicht und die Trennung zwischen Bahnsteig und Bw-Gelände war noch durchlässiger als heute.



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    99 7242 rollt mit ihrem Zug an den Bahnsteig am Haltepunkt Kirchstraße in Wernigerode, wo es seinerzeit noch keine standardisierte Bahnsteigkante, dafür aber einen tollen Unterstand gab.



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    Während 199 872 mit ihrem Rollwagenzug eine Ehrenrunde in der Wendeschleife Stiege dreht, wartet im Hintergrund 99 6001 mit ihrem Personenzug aus Hasselfelde auf in Fahrt in den Bahnhof Stiege.



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    99 7238 kommt vor der Kulisse von Hasselfelde und dem Brocken im Hintergrund mit ihrem Personenzug die Steigung nach Stiege herauf. Über dem Packwagen ist das Gebäude der ehemaligen Straßenmeisterei in Hasselfelde zu erkennen, in dem später das heute leider geschlossene Gasthaus "Alte Straßenmeisterei" einzog. Dort habe ich öfters übernnachtet und auch gut gegessen. Nicht zu verachten waren die Gästezimmer im Dachgeschoss, die einen schönen Ausblick auf die Strecke erlaubten - leider alles Geschichte.



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    Zu den ganz großen Zufällen gehört es wohl, die Kleinlok 199 012 auf freier Strecke - hier im Drängetal knapp unterhalb von Drei Annen Hohne - erleben zu können. Sie war allerdings nicht solo unterwegs, sondern als Schlussläufer an einen Personenzug angehängt, was aus dem Bild nicht unbedingt hervorgeht.



    Ich schaue mal, ob ich noch weitere Bilder mit zumindest schwer zu wiederholenden Blickwinkeln finde, die ich Euch zeigen kann. Einstweilen viel Freude an den Aufnahmen in diesem Beitrag.


    Es grüßt

    Der Bergische!