Dampf um Halberstadt, 1985 - 1988

  • Liebe Freunde,

    da ich vor einigen Monaten Blumenberg und Oschersleben vorgestellt hatte, möchte ich nun auch das Mutter BW vorstellen.


    Mitte der 80er war noch fast in allen RBD der Deutschen Reichsbahn Dampfbetrieb angesagt und wir Dampfbegeisterten konnten uns da noch voll austoben. Einzig, man hatte wenig Geld, da Schüler bzw. Student. Somit waren die Ziele etwas eingegrenzt und auch der Erwerb von Filmen kostete natürlich etwas, wie auch die Fotoausrüstung selbst. Ganz nebenbei stört ja auch irgendwie die Schule, denn den Dampfbetrieb festhalten empfand ich als weitaus wichtiger als mein Abitur - ich kann aber alle beruhigen, auch das habe ich hinbekommen.

    Da viele Freunde, wie ich auch nur ein Fahrrad besaßen und sonst nicht Mobil waren, waren alle Tagesausflüge mit der Bahn zu erledigen. Aber es gab noch keine Taktfahrpläne und von manche interessante Einsatzorte kam man einfach wieder schlecht weg. Dann hieß es, anderes Ziel oder über Nacht auf einem Bahnhof kampieren.

    Letzteres war gar nicht so schlecht. Die Bahnhöfe waren besetzt und oft - vor allem auf dem Land - gut gepflegt. Ein alter Kachelofen sorgte für Wärme und die ganze Nacht durch gab es Zugbetrieb, auch Dampfloks, dass brachte Abwechslung. Wenn man Glück hatte, wollte der Fahrdienstleiter seine Schicht abwechslungsreicher haben und lud einem zu Plausch und extrem starke Bohnenkaffee ein. Wenn man Pech hatte, war der Eisenbahnerkaffee auch noch türkisch und alles wuselte dann zu einer Brühe zusammen... und dennoch war es eine schöne Zeit. Eisenbahner und Eisenbahnfans achteten einander. Oft half man sich oder bekam Tipps. Die Kolleginnen und Kollegen der Bahn waren noch Stolz - Eisenbahner zu sein.


    Für mich lag Halberstadt recht günstig als Tagesausflug. Es gab noch eine Menge Planloks und auf dem Weg dorthin, konnte man in Aschersleben, Güstener 41 oder 50er abpassen.

    Bei meiner ersten Tour nach Halberstadt (Hab) waren wir dann aber doch erschrocken, als die Transportpolizei in ascherleben dem Eilzug Halle - Wernigerode zustieg und unsere Ausweise sehen wollte und fragte: "Was wir in Halberstadt wollen..." Ich antwortete: "Den Dom besichtigen..." ..denn Dampfloks fotografieren wäre wohl die falsche Antwort gewesen. Als die TraPo weg war, fragte ich meine Freunde: "Gibt's da überhaupt einen Dom?"

    Gut, mit 14 war ich noch nicht so kulturell interessiert, wie es später kommen sollte.


    Aber es klappte alles bestens, aus dem Modelleisenbahner kannten wir einige Umläufe und sollten in Wegeleben - dem Trennungsbahnhof der Strecke Halle - Wernigerode - Ilsenburg zur Strecke Wegeleben - Thale unsere erste dampfende Begegnung haben. bei der einfahrt in Halberstadt begrüßten uns die ausgedehnten Bahnanlagen vom Güterbahnhof und Bahnbetriebswerk. Abgestellt kalte Loks, dampfende 50er am Kohlebahnsen usw.


    Heute ist von der Pracht eines großen Bahnhofes nicht mehr viel geblieben. Der Rückbau in den 90ern hat hier volle Tatsachen geschaffen. Güterverkehr ist kaum noch möglich, das Bw längst Geschichte und abgebrochen.

    Das Bahnhofsgebäude sah in den 80ern noch aus, wie ein riesiger Container um netten blauweißen Design. Wie sich herausstelle, war die Blechfassade nur dazu da, die Kriegswunden des Gebäudes zu übertünchen.


    Halberstadt zählte in den 80ern noch zu den großen Dampfbetriebswerken. 6 Planloks, davon 3 in Oschersleben im Einsatz, dass war schon eine Leistung. Gefahren wurde nach Ilsenburg, Blankenburg, Aschersleben, Thale, Gernrode/ Ballenstedt, Wernigerode, Nienhagen, Gunsleben, Magdeburg, Wanzleben....


    Es gab hin und wieder noch Doppeltraktion zu erleben und eigentlich gab es hier den letzten D Zug in Deutschland mit Dampf. Denn der P19408 war die Verlängerung des D Zuges aus Berlin, welcher ab Halberstadt als beschleunigter Personenzug verkehrte.


    Und Halberstadt sollte auch die letzten deutsche Dienststelle sein, wo noch Dampflokomotiven verkehrten. Noch bis Oktober 1988 rauchte es in der Börde und mit 50 3559 endete die Dampflokzeit in Halberstadt bzw. Deutschland.


    Nunja, das betreten des BW Gelände war streng verboten und wurde gut kontrolliert. Gut das Zäune Löcher bekommen und man dann mit "Freude der Mutter" durch Brombeergestrüpp kletterte und sich halb die Klamotten zerriss, aber es war ja für das Objekt der Begierde.

    Einen guten Fotostandpunkt fanden wir auf dem Tender der 22 064 und ergatterten ein Foto von 50 3553 mit dem schnellen P 19406.


    Von Halberstadt ging es stetig bergauf in Richtung Wegeleben. Die Landschaft war zwar nicht der Bringer, aber bei den schweren Zügen war die Bergfahrt ein Konzert für die Ohren. Hier bringt 50 3606 kurz vor Wegeleben den Boden zum beben.


    Dagegen fährt jetzt 50 3708 aus dem Bahnhof Wegeleben aus, es handelt sich um P 19413, der Rückleistung des 19408. Die Wagenzusammenstellung variierte immer etwas, ich weiß, dass es hier im Forum echte Fachleute dazu gibt. Interessant sind noch die alten Mod. Wagen, welche hier zum Einsatz kamen.


    Mit einem Reisezug nach Aschersleben rauschte 50 3552 an uns vorbei, womit sie auch keine Mühe hatte. Beeindruckend sind die Dimensionen des damaligen Bahnhofes.


    Beachtlich waren die Nahgüterzüge in Richtung Thale, die in Quedlinburg oft geteilt wurden und wofür dann die zweite Lok mitlief. Hier erleben wir 50 3520 und 50 3557 mit einen bunten Fuhre kurz vor Wegeleben.


    Wieder P19408 mit idealer Umsteigeverbindung aus Halle - welche ich ja selbst nutzte und dann weiter mit dem Dampfzug fuhr. Kurz vor dem dampfende nahm der schilderklau richtig fahrt auf, so dass einige Schilder in Ersatz angefertigt wurden, teilweise aus Holz oder mit Pappziffern...


    Ankunft Quedlinburg des P19408. Das Empfangsgebäude der Fachwerk Stadt ist ein Traum des Historismus, hier hatte man sich stark der Gotik zugewandt und baute so in Neogotischer Kulisse ein Sandsteingebäude auf.

    Noch gab es hier Anschluss in Richtung Gernrode auf Regelspur.


    ...und es gab noch Gütergleise mit Dampfbetrieb. Die schmucke 50 3662 wartete auf Ausfahrt, welche erst erteilt wird, wenn der Reisezug nach Frose raus ist. Die resolute Eisenbahnerin wartete schon ungeduldig auf die Bremszettel.


    Hier hat 50 3553 schon Ausfahrt und ist auf dem Weg nach Ballenstaedt. Interessant bei dieser Zugbegegnung, es rumpelt gerade ein reiner LOWA Wagenzug vorbei.


    Die bestens gepflegte 50 3606 kam mit dem P19413 aus Thale zurück. Mächtig erheben sich die Berge aus dem Harzvorland herauf. In wenigen Minuten trifft die Thaler Strecke die Gernröder Strecke.


    Thale war in den 80eren vor allem Hexentanzplatz und Roßtrappe. Die Stadt selbst war wenig attraktiv, geprägt durch Industrie. Das Reisezugpaar 19408/413 hatte längeren Aufenthalt in Thale. Daher war hier alles Menschenleer.


    Mit einem ewig langen Rübenzug rollte dieses Duo in Halberstadt ein. Wahrscheinlich wurde in Hab umgespannt und mit Diesel nach Könnern zur Zuckerfabrik weitergefahren. Die Kriegsbemalung der Zuglok ist sehr auffällig und sollte nur zeigen, dass das Personal was übrig hatte für seine Dampfer.


    In Hadmersleben kam uns die 503662 entgegen. Aber sch…. mit Militär hinten drauf, dass ist nicht Gut und kann Ärger bedeuten. Also Foto gemacht und Kamera schnell weggedreht... Begegnungen mit der Staatsmacht wollte man vermeiden. Die Fliederbüsche am Lokschild waren ein bekanntes Zeichen der Männer, die ihrem "Herrentag" gern begehen wollten, aber es war kein Feiertag. Auch Bus und LKW waren so geschmückt.


    Nur bei Ausfall einer 119 fuhren auch Reisezüge von Halberstadt nach Magdeburg, hier kurz vor Buckau an der Blockstelle, wo der GV abzweigte zum Güterbahnhof Buckau.


    Recht kunterbunt war diesmal der 19413, als er Wegeleben verläßt. Zuglok ist 50 3553


    Selbe Lok andere Jahreszeit, 50 3553 verlässt in Richtung Thale den Bahnhof Wegeleben.


    Mit Kühlwagen und anderen Waggons rollt 50 3556 in den Bahnhof Wegeleben ein.


    Dagegen haben 50 3684 und eine weitere 50.35 nichts zu tun und fahren leer nach Halberstadt.


    So erging es auch 50 3606, die Rückleistung ist ausgefallen, also LZ nach hause. Interessant ist die Weiche im Hintergrund, sie verband das Gleis der Strecke nach Thale mit den Gütergleisen in Wegeleben.

    Aber diesmal ging es ja leer gleich über Gleis 1 nach Halberstadt.


    Und das war das Ende - die letzte Dampfleistung wurde intensiv begleitet. Ich weiß nicht, ob heute noch ein Dampfzug solche Massen anziehen wird, vielleicht erkennt sich jemand auf dem Bild :-)

    In Thale tummelt sich jetzt alles schnell zur Drehscheibe...

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Danke für die netten Worte, Lutz.

    So ein Beitrag ist für mich auch ein wenig Ablenkung vom Alltagsstress und die Möglichkeit an was positives zu denken. Aber es stimmt schon nachdenklich, wie die Strecke Halle-Vienenburg gerupft wurde und teuer für Neigezüge umgebaut wurde. Heute gibt's hier keine Neigezüge mehr, für Güterverkehr wurde hier aber alles zurück gebaut, da ist es nicht mehr einfach von der Straße auf die Schiene zu wechseln. Aber wenn man nach Güsten schaut ist es ja nicht besser, ein ganzer ehm. Eisenbahnknoten ist heute kaum mehr als ein Haltepunkt.


    Zum Glück gibt es aber viele, die welche vergangene Epochen im Bild oder im Modell erhalten haben.


    Dafür auch ein Dankeschön

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Hallo Thomas,


    vielen lieben Dank auch von mir für den herrlichen Bilderbogen und auch Deine schön erzählten Erlebnisse dazu.


    Wenn ich vom Quartier in Wernigerode mit dem Zug über Halberstadt nach Quedlinburg zum Anfangspunkt der Selketalbahn fahre oder umgekehrt - und das mache ich regelmäßig - betrachte ich auch mit einem gewissen Wehmut die gerupften Bahnanlagen rund um, vor allem aber in Halberstadt. Zwar wurde "früher" bestimmt nicht mit 140 km/h von WR nach HBS gefahren, dafür war aber die Infrastruktur dennoch um ein vielfaches leistungsfähiger als heute, und interessanter war die Eisenbahn sowieso.


    Halberstadt und sein Bahnbetriebswerk habe ich Ende der 1990er erstmals wahrgenommen, als der Hunger nach Erkundungen im Harzer Schmalspurnetz langsam gestillt war und man sich langsam auch das Umland vornahm. Man konnte zu dieser Zeit wenigstens noch ansatzweise ein Bahnbetriebswerk vorfinden, ein paar Dieselloks wurden noch von dort aus eingesetzt. Und heute? Entsetzlich, kein Stein steht mehr auf dem anderen,,,


    Und eine Reminiszenz an die von Dir dokumentierte Zeit gab es auch noch mit zwei oder drei Plandampfaktionen unter Mitwirkung der 50 3708. Die von Dir beschriebene Atmosphäre konnte ich somit zwar nicht mehr erleben, aber immerhin noch den letzten Abgesang darauf. Und auch das ist inzwischen wieder gut 20 Jahre her...

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    Gruß aus dem Bergischen Land


    Thomas

  • Ja Thomas da sage ich auch mal Danke.

    Auch für mich birgt das Erinnerungen. Noch dazu wo ich als aktiver Eisenbahner nie fotografiert habe. Wir sind ja Täglich mit den Betriebsgeschehen konfrontiert worden und dachten das geht immer so weiter. Nun gut es gab ja auch noch keine Handys und Digitalfotografie so das jedes Foto dementsprechend Teuer wurde im Vergleich zu Heute. Aber es ging eben nicht immer so weiter und so veränderte sich auch die von mir nicht dokumentierte Bahnwelt. Dafür freue ich mich umso mehr wenn Heute Bilder von damals aufkommen.

    Ich war mehrfach zum Bw Halberstadt und auch Roßlau abgeordnet und leistete dort auch Zugfahrdienst als Streckenlokführer. Außerdem sind wir vom Bw Wernigerode auch außerplanmäßig öffter Halberstadt angefahren. Und als die Westberliner Eisenbahner 1980 streikten wurden die Streikenden von der DR anschließend entlassen so das dort akkuter Personalmangel herrschte. Diesen kompensierte man indem man DDR weit Listenpersonale mit Reiepass in Westberlin einsetzte. Diese fehlten dann in ihren Heimatdienststellen. Somit gab es wieder DDR weit Leistungsverteilungen, wobei Wernigerode eine Halberstädter Dampflokleistung zugeteilt wurde. Also haben wir auf der Hausstrecke Hab-Ig Zugleistungen gefahren.

    Um die Sache etwas zu bereichern stifte ich mal aus meinen Fundus den Gleisplan des Bahnhofs Halberstadt bei. Sowie 2 Bilder von der Whrstedter Brücke aus von 2008


    39888332wa.jpg


    39888356pd.jpg


    39889493gc.jpg


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    Gleisplan Heute


    https://geovdbn.deutschebahn.com/isr


    Beste Grüße Reiner

    Einmal editiert, zuletzt von Reiner () aus folgendem Grund: Gleisplan LHB zugefügt.

  • Danke Reiner für Deine Ergänzung. Wenn ich mir die "optimierten" Gleisanlagen auf den Fotos sehe, wird mir ganz anders. Sicherlich orientiert sich ein Gleisplan am Bedarf, aber gerade als die großen Bauprojekte im Osten gestartete wurde, da war doch der Auftrag klar, dass alles so schmal wie möglich gebaut werden soll.

    Mich wundert, dass man die beiden Mittelbahnsteige eingerichtet hat, dass ist beinahe Luxus. Aber die Länge der Bahnsteige zeigt auch, dass man nicht mehr an lange Züge glaubt, auch wenn es sogar hier mal Fernverkehr gegeben hat.


    Ich erinnere mich noch gut, als die ersten 612 die 232/219 mit 4 By abgelöst haben. das war bei den Fahrgästen neben nicht der Qualitätssprung in den 612. Zu eng, zu verbaut - gut - etwas schneller. Das war dann auch die Zeit, als viele Bahnkunden abgesprungen sind. Ich hatte damals bei Landesplanung meine Tätigkeit aufgenommen.


    Na und Güterverkehr hat ja auch keinen Platz mehr, selbst die Option - es könnte sich ja der GV wieder erholen, wurde nicht berücksichtigt.

    Ich krame mal zu Deinen Fotos Vergleichsfotos heraus.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • [...] selbst die Option - es könnte sich ja der GV wieder erholen, wurde nicht berücksichtigt. [...]

    Hallo Thomas,


    auch auf die Gefahr hin, jetzt zu sehr ins OT abzugleiten:


    Genau das ist ja auch gar nicht wirklich gewünscht! Die gestern beschlossenen neuen Corona-Millarden für die LKW-Lobby incl. Abwrackprämie für alte LKW zeigt dies deutlich genug. Und solange diese Republik von einer automobillobby-affinen Regierung regiert wird, ändert sich das entgegen aller Sonntagsreden dazu auch niemals!


    Sinnvoll wäre das allenfalls, wenn die LKW-Abwrackprämie zwingend an die alternative Nutzung der Schiene gebunden wäre. Aber davon ist nicht die Rede...

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    Gruß aus dem Bergischen Land


    Thomas

  • Hallo,


    die LKW-Abwrackprämie ist in Deutschland generell nicht sinnig weil die hier gefahrenen LKW in der Regel nur maximal 5-6 Jahre alt und somit schon relativ geringe Schadstoffausstöße haben. Die alten Gurken die hier so rumfahren kommen in der Regel nicht von inländischen Spediteuren.


    Meines Wissens sind in Halberstadt aber zumindest Teile der Gütergleisanlagen noch angebunden und befahrbar, dass ist damit schon mal meilenweit mehr als Beispielsweise in Güsten (alles weg) oder Aschersleben (Gbf im Eigentum des ECA und nur noch einseitig angebunden).

    Zum Glück vor dem Posten noch nachgeschaut, sind auch nur noch 2 Gleise und die im Grunde auch nur einseitig angebunden.



    Gruß Michael

    26305-signatur-def-jpg

  • Hallo Thomas,


    Dampf in und um Halberstadt war sozusagen mein Einstieg in den letzten Rest des Regelspurdampfes bei der DR.

    Das erste Mal war ich Anfang Oktober 1987 in Halberstadt. Damals hatte das Stamm-Bw Halberstadt noch 3 Planloks der BR 50.35 und wohl eine Dispolok unter Dampf. Ich sah 50 3520, 50 3553 und 50 3662 und 50 3606 müsste irgendwo im Umland gerade unterwegs gewesen sein. Die 50 3520 war Dispo und wohl nicht im Einsatz an diesem Tag. Oschersleben hatte noch 3 Planloks.

    Die Erlebnisse waren ähnlich, aber nicht so intensiv wie bei Dir. Wir sind nicht durchs Dornengestrüpp ins Bw eingedrungen und haben dort keine Heizlok bestiegen, um eindrucksvolle Fotos zu machen.


    Meine Erlebnisse hatte ich vor längerer Zeit schon mal niedergeschrieben: Halberstadt 1987


    Es gibt dazu zwar auch noch einen zweiten Teil, aber inzwischen ohne Bilder. Mal sehen, ob ich den mal wieder auffrische. Wenn Ihr mögt, lasst es mich wissen.


    1988 war die Dampfherrlichkeit in Halberstadt dann bald vorbei. Bis April dampfte es vom Stamm-Bw noch täglich. 50 3662 hieß die letzte Planlok. Im Sommer 1988 sah ich sie dann noch mit einem Zug nach Oschersleben hier ausfahren.

    Wahrscheinlich hatte ich diese Bilder hier schon gezeigt. Aber ich möchte doch noch etwas zur Untermalung beitragen.




    Am Morgen des 13. Februar 1988 trafen wir mit dem Personenzug aus Magdeburg in Halberstadt ein, gerade als sich 50 3662 mit einer Übergabe ins benachbarte Ströbeck auf den Weg machte. Wir wussten bereits, dass die Lok bald zurück kehren würde und begaben uns auf die Straßenbrücke am Bf. Halberstadt. Es war noch dunkel und ich rechnete mir keinerlei Fotomöglichkeiten aus. Uwe wollte es mit Blitz versuchen, was natürlich auch scheiterte. So rollte die Dampflok dann Lz in den Bahnhof hinein und wir sahen, dass sie in Höhe eines Bahnsteigs stehen blieb.

    Also Gas gegeben und im Dauerlauf zum Bahnsteig zurück. Wer die Örtlichkeiten kennt, es ist ein ganzes Stück zu laufen. Ich hatte in meinem typischen Fotokoffer immer ein Taschenstativ "Iris" dabei und begann während des Laufs die Praktica darauf festzuschrauben, den Drahtauslöser während des Laufs in den Auslöser zu fummeln, einige grundlegende Einstellungen zu machen und schon mal die Beine des Stativs auszuziehen. So schaffte ich genau zwei Fotos, zu denen das Lokpersonal dann sogar noch die Triebwerkslampen extra einschaltete.

    Meine Freunde Uwe und Ingo hatten das beim Laufen nicht vorbereitet und schafften nicht ein einziges Bild. Man verzeihe mir also, dass auf dem oberen Bild so viel Bahnsteig und so wenig Himmel zu sehen ist.



    Eigentlich sollte die 50.35 dann den bekannten P 19408 bespannen, aber der verkehrte mit einer 114 und so waren wir schon etwas frustriert. Schließlich konnten wir aber dann doch in Erfahrung bringen, dass gegen 12 Uhr Mittags ein Güterzug nach Thale bespannt werden sollte. Den Weg an die freie Strecke kannten wir schon vom Besuch im Oktober. Gerade als die Dampflok auf uns zukam, rollte ein Personenzug mit einer V 100 nach Halberstadt hinein.





    Anschließend waren wir in Wernigerode und übernachteten dort auch. Wir hatten erfahren, dass 50 3662 in der Nacht vom 14. auf den 15. Februar 1988 einen Güterzug nach Ilsenburg bringen sollte. Da der aber Überlast hatte, konnte unserem Wunsch nach einem nächtlichen Halt in Wernigerode nicht entsprochen werden. Der lange Zug rollte mit schwer arbeitender Dampflok an uns vorbei durch den Bf. Wernigerode. Die Geschichte ist länger, ich habe sie aber irgendwann auch schon mal erzählt.

    Die Lz zurückkehrende Lok konnte durch uns aber erfolgreich aufgehalten werden und so nutzten die Eisenbahner gleich die Chance, einen abgestellten Reisezug an den Bahnsteig ziehen zu lassen.

    Auf dem zweiten Bild steht links neben der 50 übrigens 99 7222 der Harzquerbahn.




    Im Sommer 1988 brachte uns ein verschlafener Zug dann noch eine Begegnung mit 50 3662, die gerade aus Halberstadt in Richtung Oschersleben ausfährt. Hatte ich aber schon mal beschrieben.


    Alle Fotos: Achim Rickelt


    Soweit meine Eindrücke zum Dampf in Halberstadt. Wie schon geschrieben, alles Wiederholungen, aber vielleicht kennt mancher das doch noch nicht.



    Viele Grüße


    Euer Dampf - Achim Rickelt

  • Hallo Achim, ich kannte die Bilder noch nicht und von unserem Gesprächen weiß ich, die Erlebnisse waren ähnlich und diese Zeit möchte ich nicht vermissen. Vielleicht gelingt es uns aber ein wenig des Geistes dieser Zeit hier für alle erlebbar zu machen.


    Immerhin war der Abschied von der Dampflok sehr nah und trotz allem schaffte es Halberstadt tapfer in seiner Einsatzstelle Oschersleben die letzten 3 Maschinen noch am laufen zu halten. Man muss hierzu anmerken, dass in den letzten Monaten die Loks schon sehr stark störanfällig waren und es keinen rechten Spaß mehr machte auf dampf zu fahren. Es fehlten einfach nur noch die 114er, welche die Leistungen der 50er übernahmen.


    Das ist der Dampfspender von Teil 1, als wir vom Tender aus den P19408 mit 50 3553 fotografiert hatten. Der Tender war noch ein echter alter P10 Tender. Es gab im Bw Halberstadt noch eine zweite 22, ich nehme an, es war 22 066.


    Mehr als schmuddelig war das Wetter, als wir in Quedlinburg 50 3520 vor dem 19408 antrafen. man sieht, dieser beschleunigte Personenzug war eine Konstante und letztlich sorgte diese Planleistung auch dafür, dass der spätere Plandampf mit zweifarbigen Waggons zumindest teilw. Epochengerecht war.


    Zwischen Quedlinburg und Thale erwischten wir dann die Rückleistung mit 50 3553. Diese Zugkombination mit 50.35 empfand ich als elegant und schön. An diese Tour kann ich mich noch sehr gut erinnern, weil wir eine gute fotoausbeute hatten und ich mir mit neuen Schuhen total blasen gelaufen hatte. Und da aber die Dampfer Priorität hatten, suchten wir weiter gute Fotostandorte und ich rieb mir die Blasen echt blutig. das war dann weniger schön, aber ich habe durchgehalten :-)


    In Thale gab es Ende der Bahnanlagen eine Drehscheibe, wohin die Bahnsteiggleise führten. Ob Plandampf, Sonderfahrt oder später Fotozüge, das drehen hier war das Highlight. leider hat man diese Drehscheibe nicht erhalten. manchmal wäre doch so ein Objekt doch für Sonderzugverkehr doch interessant.


    Kann Landidylle noch besser zum Ausdruck gebracht werden?

    Preußisches Bahnhofsgebäude, Pilzlampen, Bahnhofsuhr, Fahnenmast und Bank waren die passenden Zutaten, als 50 3606 für wenige Sekunden die Ruhe des Örtchen Ditfurth störte. Wenig später waren wir noch von einer Herde Schafe eingeschlossen und versuchten mit diesen zurück zum Bahnhof zu kommen.


    Diesmal war 50 3606 Lz unterwegs, als in Wegeleben der bekannte 19408 mit 503553 eintraf. übrigens kenne ich von Wegeleben nur den Bahnhof, der Ort liegt doch etwas weiter weg. Hier gab es noch eine alte preußische Bahnhofstoilette mit schwarz geteerten Seitenwänden und einer rinne und für das andere Geschäft gab es das Plumpsklo… und das 1987 :-)


    Zu den wenigen Loks mit Schneeräumer zählte 50 3552, hier bei der Ankunft mit 19413 in Halberstadt. Der Bahnhof mutete zu seiner Zeit modern und Großstätisch an.


    Völlig überrascht waren wir im Frühjahr 1986, als uns dieses Pärchen in Wegeleben begegnete. Doppeltraktionen aller Art waren doch zu jener zeit schon sehr selten und der Supertreffer.


    Jetzt schon die dritte Lz Fahrt in Wegeleben. Auch die schon lange ausgeschiedene 50 3557 hatte mal nichts zu tun, allerdings waren Leerfahrten wirklich die Ausnahme hier....


    ….was jetzt die Aufnahme von 50 3552 nicht gerade bestätigt. dafür sieht man die großzügig überdachten Bahnsteige für einen Dorfbahnhof.


    Eigentlich freut man sich ja auf Schnee, aber wenn es dann so schlimm kommt, dass man kaum noch was sieht, dann ist das doof.

    50 3552 steht am Bahnsteig mit P19413, daneben wartet 50 3631 sich vor ihre Übergabe zu setzen.


    50 3552 hat nun Halberstadt erreicht...


    Noch ein Anhang, wie interessant die Drehscheibe am bahnhofskopf in thale war. 1991


    So sah Halberstadt mit seinen ursprünglichen Bahnhofsanlagen aus.


    Blick aus dem BW, hier ist nicht mehr viel geblieben....

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas